Band 3 (HiG)

Empfangen vom Herrn durch Jakob Lorber.

Nach der 1. Auflage 1993.

Eine nach der Urschrift durchgesehene Textsammlung des Lorber-Verlages.

Lorber Verlag – Hindenburgstraße 5 – D-74321 Bietigheim-Bissingen.

Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © 2000 by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.

 

Die Musik. – 2. Mai 1840 um die Mittagszeit.

[HiG.03_40.05.02,01] So ihr wollt wissen, was die Musik ist, so merket, was Ich euch sage, so wird euch klar werden manches, so nicht Musik, sondern Handlung der reinen Liebe ist in sich selbst – ohne der Hinzutat der Weisheit, sondern wie es ist in der Liebe in ihrer Blindheit. –

[HiG.03_40.05.02,02] Siehe, ihr habt kein reineres Bild als die Musik (welche besser blinde Liebe heißen sollte) von der reinen Liebe in Mir, welche ist ein Zusammenfluß der sieben Geister der Gottheit, welche sich da vereinen in der gegenseitigen Begegnung ihres steten ruhigen Wallens.

[HiG.03_40.05.02,03] Und diese Begegnung gebiert den Ton siebenfach nach der Beschaffenheit des sich selbst begegnenden Geistes, und der Ton wächst dann von dem Grundton fort und fort durch alle sieben Geister, und so hat dann jeder Geist seinen eigenen Ton nach der Ordnung der euch bekannten Leiter.

[HiG.03_40.05.02,04] Und da aber ein jeder der sieben Geister durchdringt alle sieben, so sind auch alle sieben in jedem einzeln vorhanden und ergießen sich dann alle wieder einträchtig und wohlklingend ineinander, welches dann ist die große Wonne der Gottheit in ihrer Liebe.

[HiG.03_40.05.02,05] Und so ist der Ton dann eine Schwingung, und diese Schwingung durchzittert die Geister, und die Geister erkennen sich, und das Erkennen gibt sich kund nach dem Verhältnisse der Schwingungen, und die Schwingungen werden wahrgenommen in der Liebe gemeinschaftlich, und diese Gemeinschaft ist dann die rechte Harmonie. Und wenn sodann in dieser großen reinsten Harmonie die Liebe wonnig erbebt, so strömt dann dieses Erbeben zurück in die Gottheit, und da gibt es dann ein Gedränge, und in diesem Gedränge erwärmen sich dann die Geister und entzünden sich dann in der Liebe, und dieses Entzünden ist das Licht, und in diesem Lichte werden erkannt die zahllosen Formen, welche entstehen aus den Schwingungen.

[HiG.03_40.05.02,06] Nun wißt ihr, was der Ton und die Musik ist, wie sie entsteht und wozu sie und was sie ist. Und also ist sie euch auch gegeben als ein geheimes Zeichen schweren und großen Inhalts, das erst ganz gelöst werden kann in der reinsten Liebe zu Mir; und also sollt ihr sie auch lernen betrachten und gebrauchen und genießen in der Darbringung eures allerhöchsten Ruhmes und eures allertiefsten Dankes zu Mir, daran ja nichts Unreines mehr kleben soll.

[HiG.03_40.05.02,07] Aber wie wird diese Gabe aus den allerhöchsten aller Himmel von euch gebraucht?! – O der großen Schande; Ich habe euch gezeigt durch Männer das Reine in Oratorien und Sinfonien, – ihr aber übergoldet damit Schmeißhaufen und tretet sie dann gar mit Füßen. Daher bedenket, was die Musik und wozu sie ist! – und entheiliget nicht die Wonne in Mir. – Ich die reinste Liebe in Gott Jehova Amen, Amen, Amen. – – –

 

Worte aus der Weisheit. – 25. Mai 1840.

[HiG.03_40.05.25] Jakob Lorber bat den Herrn um einige Worte aus Seiner Weisheit.

[HiG.03_40.05.25,01] Daher soll deine Neugierde gestillt werden; aber sehe zu, was dein Verstand begreifen wird aus Meiner Weisheit, die nie ein geschaffener Geist im geringsten Teile je erforschen wird ewig. So aber dir dein Herz schwer werden wird, dann gedenke, daß Ich nur durch Liebe zugänglich bin und ewig nie in der Weisheit Meines Verstandes. –

[HiG.03_40.05.25,02] Das sind aber Worte Meiner Weisheit !!! – – –

[HiG.03_40.05.25,02] I. Ich bin und bin nicht, Ich war und war nicht, und Ich werde sein und nicht sein die Ewigkeit ein Punkt unendlich eine Linie aus der Mitte der Enden ohne Enden mit Enden ohne Enden groß wie ein Nichts und klein wie die Unendlichkeit. – – –

[HiG.03_40.05.25,02] II. Ich bin eine Vielheit im Nichts und bin nichts in der Vielheit, Ich bin ein unendliches Nichts, und die Unendlichkeit ist ein Nichts in Mir ewig in der Zeit und zeitlich in der Ewigkeit, damit Ich nicht Alles bin um Alles zu sein, und bin blind im Angesichte aller Dinge aus Mir, neben Mir und in Mir, damit ich Alles sehe, das Große klein und das Kleine groß, da es ist und nicht ist durch und durch!!! – – –

[HiG.03_40.05.25,02] III. Ich bin ein Gott ohne Gott, Ich bin die Liebe ohne Liebe, Ich bin die Weisheit ohne Weisheit, ein ungeschaffenes Geschöpf in den Geschöpfen, die nicht geschaffen sind, und doch sind um geschaffen zu werden zu Nichts, um zu sein Etwas, und um Etwas zu sein, um Nichts zu werden durch Mich in sich und in sich ohne Mich, damit Ich sei Alles, um nichts zu sein, und Nichts sei, um Alles zu sein. So ist der Mensch, daß er nicht sei, um etwas zu sein in Mir ohne Mich aus Mir, damit er lebe und kein Leben habe um zu leben ewigzeitlich und zeitlichewig, räumlich ohne Raum, und unräumlich im Raume!!! – – –

[HiG.03_40.05.25,03] Da hast du jetzt drei Worte Meiner Weisheit; aber denke nie darüber nach, da alles dieses für deinen Verstand ewig unerfaßbar bleiben wird. Denn so wenig du die Erde je wirst wie einen Ball in deine Hand nehmen und mit den Sonnen spielen wie mit Erbsen, – um noch viel weniger wird je ein geschaffener Geist diese drei Worte erfassen in ihrer ganzen Tiefe. Du brauchst dir deswegen auch nichts daraus zu machen; denn das Unmögliche ist selbst Mir unmöglich. Ich Jehova Die ewige Weisheit Gott Der Allerheiligste, Der Allerhöchste. Amen!!!

 

Die Erlösung. – 15. Juni 1840.

[HiG.03_40.06.15,01] Das ist eine Frage an den L., H.1, H.1, S., welche sie tief in sich gehend in aller Ruhe ihres Herzens beantworten sollen, damit dann auch ihnen geöffnet werde ein kleines Pförtchen in die geheimen Gemächer ihrer Liebe, zu erkennen sich und Meine Liebe, und zu erbrennen in derselben gewaltig zu Mir, der Ich nur allein die Seele erlösen kann durch die Wiedergeburt des Geistes, und durch denselben dann der ganzen Kreatur.

[HiG.03_40.06.15,02] Das aber ist die wichtigste und größte Frage: Wie bedingt das mosaische Gesetz die Freiheit des Willens durch Liebe, durch Liebe die Wiedergeburt, und durch die Wiedergeburt das ewige Leben? Warum war die Erlösung nötig an der Seite des mosaischen Gesetzes, da zur Wiedergeburt nichts als die Haltung des Gesetzes aus reiner Liebe zu Mir benötiget wird? Was ist somit die Erlösung, und inwieweit ist sie für den Menschen, und wie kann er Teil daran nehmen? –

[HiG.03_40.06.15,03] Die Beantwortung dieser Frage wird jedem sehr schwer werden, der nur seines Verstandes Schärfe daran abzustumpfen wird versuchen; wer aber erbrennen wird in der Liebe und aller Demut zu Mir, der wird die volle Antwort finden treu in seines Herzens Kämmerlein. Meinem armen schwachen Knechte Jakob aber werde Ich die volle Beantwortung geben, damit ihr dann vergleichen könnt die eurige und prüfen euer Herz und die Tiefe der Gemächer der Liebe darinnen. Ich der große Meister in allen Dingen Amen. –

 

Antwort. (Die Erlösung.) – 17. Juni 1840.

[HiG.03_40.06.17,01] Das ist die volle Antwort auf die von Mir am Montag gegebene größte und wichtigste Frage, deren Größe und Wichtigkeit erst in dieser gegenwärtigen Beantwortung leuchtend ersichtlich wird. –

[HiG.03_40.06.17,02] Es ist nötig, damit die Antwort vollends eingesehen werden möchte, daß da gezeigt werde das Wesen des Menschen in dessen Natur- und geistiger Sphäre, ohne welche Vorkenntnis es umsonst wäre zu predigen, da das Ganze an den Geist nur gerichtet ist, der aber bei euch noch nicht lebend, sondern auf dem Wege ist, lebend in der Liebe, welche dessen Mutter ist, zu werden. Und damit eurem Geiste die erste Regung gegeben werde, gab Ich euch auch eben diese Frage, an welcher das Leben des Geistes, dessen Wiedergeburt, und sodann erst das ewige Leben in der allerhöchsten Freiheit beruht.

[HiG.03_40.06.17,03] Seht, der Mensch ist zusammengesetzt aus einem naturmäßigen Leibe, der da ist ein Gefäß, darinnen sich durch die verschiedenen Organe eine lebendige Seele ausbilde; denn im Entstehen durch die Zeugung wird nur das alleinige Wesen des Leibes konstruiert. Und erst im siebenten Monate, wenn schon das leibliche Wesen organisch, wenn auch noch nicht ganz der Form, doch aber all den Teilen nach ausgebildet wird durch das vegetative Leben der Mutter, – so erst wird in der Gegend der Magengrube ein für eure Augen nicht wahrnehmbares, vom Zeuger herrührendes Bläschen, darinnen die Substanz der Seele enthalten ist, geöffnet und teilt sich dann dem ganzen Organismus durch die Verbindung der Nerven mit, umwandelt dann ein in allen Nerven vorfindliches magnetisches Fluidum in die seinige und dringt dann in aller elektrischen Schnelle bald auch in alle übrigen Organe, namentlich aber zuletzt erst in die Herzmuskeln, was gewöhnlich erst am siebenten Tage, bei einigen manchmal etwas später erst geschieht.

[HiG.03_40.06.17,04] Dann fängt ganz langsam das Herz an sich auszudehnen durch die allmähliche Füllung der Seelensubstanz, und wenn es so nach und nach voll geworden ist gleich einer elektrischen Flasche, so entladet es sich dann in die Adern durch eine obere Kammer. Dieses entladene Fluidum teilt sich dann allen dort befindlichen Säften mit und zwingt sie in alle Gefäße und so auch dann die in den Gefäßen selbst vorhandenen Säfte zur Bewegung wieder in die Venen und durch dieselben wieder zum Herzen zurück, während welcher Zeit das Herz schon wieder geladen wird und die dahin kehrenden Säfte alsogleich wieder weiterbefördert.

[HiG.03_40.06.17,05] Und so beginnt dann der Pulsschlag und die Zirkulation der Säfte und etwas später des daraus hervorgehenden Blutes. Dadurch nun bildet sich durch den derart bewirkten beständigen Verkehr und Austausch der Säfte und zwar den des Blutes die Masse des Leibes – und durch die in den feinen Säften enthaltene Substanz die Solidität der Seele elektro-organisch aus. Und wenn dann auch der Magen vollends ausgebildet wurde zur Aufnahme von gröberen Säften aus dem Leibe der Mutter zuerst, zur Unterstützung der an die Bestimmung verwendeten Säfte und des Blutes, dann wird der Mensch abgelöst von den Nährbanden im Mutterleibe und wird geboren in die Außenwelt, begabt mit fünf naturmäßigen äußeren Sinnen, um aufzunehmen die Sinnenwelt oder eigentlich die verschiedenen Substanzen, als des Lichtes, des Schalles, des Geschmackes, des Geruches und endlich des allgemeinen Gefühles, welches alles nun bestimmt ist, auszubilden die Seele und nach deren Bedürfnis wachsen zu lassen den Leib, was dann mehrere Jahre nacheinander geschieht. Und so sind nun zwei Menschen in einem, nämlich zuerst ein materieller und in dem ein substantieller.

[HiG.03_40.06.17,06] Hier merket wohl auf, – gleich ungefähr drei Tage vor der Geburt aber wird aus der allerfeinsten und zugleich solidesten Substanz der Seele in der Gegend des Herzens ein anderes unendlich feines Bläschen gebildet, und in dieses Bläschen wird ein einst böse gewordener Geist, der da ist dem Wesen nach ein Funke der göttlichen Liebe, hineingelegt; gleichviel ob der Körper männlich oder weiblich ist, so ist doch der Geist ohne geschlechtlichen Unterschied und nimmt erst mit der Zeit etwas Geschlechtliches an, welches sich durch die Begierlichkeit kundgibt.

[HiG.03_40.06.17,07] Nun ist aber dieser Geist noch tot, wie er schon in der Materie seit langen und langen Zeiten war. Da nun die Seele ein imponderables, substantielles Wesen ist, einfach und somit unzerstörbar, und ihre Nahrung erhält durch die Sinne des Leibes durch ihre nun nach und nach vollends ausgebildeten Sinne – als da sind: gleich den Ohren die Vernunft, gleich den Augen der Verstand, gleich dem des Geschmackes das Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des Lichtes, dann gleich dem Geruche die Wahrnehmung von Gut und Böse und endlich gleich dem allgemeinen Gefühle das Bewußtsein des naturmäßigen Lebens in ihr, welches bewirkt wird durch die beständigen Evolutionen der Säfte und von diesen absorbierten Substanzen –, so wird dann die Seele fähig zu denken, welches Denken eigentlich durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in ihren den des Leibes entsprechenden Organen bewirkt wird.

[HiG.03_40.06.17,08] Wie aber zuvor die Säfte des Leibes zirkulierend die Wesenheit der Seele ausbildeten durch die ihr von der Außenwelt zugeführten Substanzen, ebenso soll und wird durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in deren Organen der in dem Bläschen eingeschlossene Geist genährt so lange, bis er selbst reif wird, das Bläschen zu zersprengen und somit auch nach und nach alle Organe der Seele zu durchdringen – und wie die Seele im Leibe, so auch er in der Seele ein vollkommener dritter Mensch zu werden durch die Nahrung aus dem Denken der Seele, was auf folgende Weise geschieht:

[HiG.03_40.06.17,09] Der Geist nämlich hat eben auch wie der Leib und wie die Seele entsprechende geistige Organe – als gleich dem Gehöre und der Vernunft die Empfindung oder die Wahrnehmung, gleich dem Lichte und dem Verstande den Willen, gleich dem Geschmacke und dem Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des Lichtes die Aufnahmefähigkeit alles Welttümlichen in entsprechenden Formen, gleich dem des Geruchs und der Wahrnehmung von Gut und Böse die Einsicht von Wahrem und Falschem und endlich gleich dem allgemeinen Gefühle und dem Bewußtsein des naturmäßigen Lebens die aus diesem allen hervorgehende Liebe.

[HiG.03_40.06.17,10] Und wie nun die Kost des Leibes ist durch all die Sinne, so ist auch die der Seele und endlich auch die des Geistes. Ist die allgemeine Kost schlecht, so wird am Ende alles schlecht und somit auch verwerflich; ist aber die allgemeine Kost gut, so wird am Ende auch alles gut und annehmbar. Nun seht, das sind einmal die natürlichen Bestandverhältnisse zwischen Leib, Seele und Geist. Nun fragt sich, was da eine schlechte und was da eine gute Kost ist? –

[HiG.03_40.06.17,11] Seht, alles Weltliche ist schlecht, weil es den Geist wieder zur Welt wendet, aus deren Todeskerkernacht Ich ihn der Materie entriß und gelegt habe in das Herz der Seele, damit er da wieder lebend und geläutert werde von allem sinnlich naturmäßig materiell Weltlichen, und damit er da endlich fähig würde zur Aufnahme des Lebens aus Mir. So nun ihm aber gereicht wird schlechte Kost, so wird er wieder weltlich, sinnlich und endlich materiell und dadurch tot wie vor der Geburt, – so auch die Seele mit dem Leibe, da sie dadurch selbst ganz leiblich geworden ist.

[HiG.03_40.06.17,12] Wird nun aber gegeben dem Geiste eine gute Kost, welche ist Mein geoffenbarter Wille und die Vermittlung durch die Werke der Erlösung – oder Meine Liebe im Vollbestande durch den lebendigen Glauben, so wird in dem Herzen des Geistes ein neues geistiges Bläschen gestaltet, in welchem ein reiner Funke Meiner Liebe eingeschlossen wird. Und wie es früher ging bei der Zeugung der Seele und aus derselben der des Geistes, ebenso geht es auch mit dieser neuen Zeugung des Heiligtums. Wird es nun vollends reif, dann zerreißt diese heilige Liebe die lockeren Bande des Gefäßes und strömt dann wie das Blut des Leibes oder wie die feinsten Substanzen der Seele oder wie die Liebe des Geistes in alle Organe des Geistes über, welcher Zustand dann die Neugeburt genannt wird, so wie der der Einlegung dieses Lebensbläschens genannt wird die Eingeburt.

[HiG.03_40.06.17,13] Und siehe, zu gleicher Zeit aber werden auch von der Hölle schon bei der Zeugung, besonders wenn diese als sündhaft auf rein tierische Befriedigung abgesehen war, eine Menge höllischer Liebe-Bläschen in der Gegend des Wanstes und der Geschlechtsteile gelegt, welche dann auch mit Meiner Liebe fast zu gleicher Zeit ausgeboren werden – wie die Raupen im Frühjahre, wenn die Wärme der Sonne kommt, so auch diese Brut durch die aufgehende Wärme Meiner göttlichen Liebe im Geiste des Menschen.

[HiG.03_40.06.17,14] Seht, daher kommen denn auch die Versuchungen, da ein jedes dieser ausgebornen Wesen der Hölle unablässig Versuche macht, irgend wo nur immer möglich ins Leben der Seele einzugreifen. Und wenn dann der Mensch nicht kräftig mit der neugebornen Liebe aus Gott selbstwillig den Bestien entgegentritt, so strömen dann sie verheerend in alle Organe der Seele und setzen sich da gleich saugenden Polypen fest an den Stellen, da der Geist einfließen soll in die Seele, und verhindern so der Seele die Aufnahme des Lebens aus dem Geiste und so auch durch ihn das der göttlichen Liebe. So nun der Geist sieht, daß er sich nicht erweitern kann, um eine Fülle des neuen Lebens aus Gott in sich aufzunehmen, so zieht er sich wieder zurück in sein stummes Bläschen – und so in ihm auch noch um so mehr Meine Liebe, die da ist der Gott in den Menschen.

[HiG.03_40.06.17,15] Und ist das in dem Menschen vor sich gegangen, dann wird er wieder rein naturmäßig und überaus sinnlich, und auch verloren, weil er nicht weiß, daß solches in ihm vorgegangen ist, da diese Bestien ganz gemächlich wohltuend anfangs die Sinne des Menschen bestechen und ihn so nach und nach ganz gefangennehmen, so daß er von allem, was des Geistes ist, lediglich nichts mehr weiß, hört, sieht, schmeckt und riecht und empfindet. Das ist dann eine Trübsal, dergleichen vom Anfange bis zum Zeitpunkt der Gegenwart nicht war – und auch hinfort nicht mehr sein wird, wenn der Mensch nun seine Zuflucht zu Gott nimmt äußerlich durch Beten, namentlich Meines Gebetes, durch Fasten und Lesen des Wortes aus der Schrift und dadurch eine große Sehnsucht bekommt, befreit zu werden aus der großen Trübsal.

[HiG.03_40.06.17,16] Und hat der Mensch das ernstlich genommen, da er sieht in sich der finsteren Zweifel große Menge, so fange Ich dann an, von außen her zu wirken als ein Überwinder des Todes und aller Höllen durch die Werke der Erlösung und gebe dann dem Menschen aus Meiner Erbarmung Kreuz und Leiden nach Meiner Weisheit. Dadurch werden dann dem Menschen die Welt und ihre Freuden so bitter, daß er einen baren Ekel davor bekommt und sich zu sehnen anfängt nach der Befreiung aus dem Leben der Leiden. Und sieh, da nun dadurch diese Bestien keine Nahrung in der Seele mehr bekommen von der sündevollen Außenwelt, so werden sie dann schwach und vertrocknen beinahe ganz in den Organen der Seele und geraten dadurch ganz in einen sich unbewußten Zustand.

[HiG.03_40.06.17,17] Da aber nun die außenwirkende seelenerlösende Barmliebe Jesu Christi in die kranken Organe sowohl des Leibes als auch der Seele einzufließen anfängt und erleuchtet die Organe und macht wahrnehmen der Seele in sich als mahnendes Gewissen der Sündenbestien Unzahl, dann erschrickt die Seele, was sich durch die Beklemmung des Herzens und auch wie durch eine innere Zusammenschnürung der Brust in der Magengegend kundgibt, und bittet dann in diesem demütigen Schmerze, welcher sich durch die wahre Reue ausspricht, zu Gott in der gekreuzigten Liebe um Gnade und Erbarmung, – und siehe, dann gewahrt es der Geist und fängt wieder an sich zu regen im Bläschen, dahin er sich zurückgezogen hat.

[HiG.03_40.06.17,18] Dann werden dem Menschen durch die Barmliebe Gottes die Gesetze Mosis stark ins Gedächtnis ernst mahnend gerufen vom ersten bis zum letzten und wird ihm aufgetragen die strengste Befolgung derselben, damit er sich demütige und verleugne bis in den innersten Grund, und zwar aus derselben Ursache, als wie eine Wäscherin ihr Tuch so lange balgend in die engsten Gewinde preßt, damit ja selbst die kleinsten Schmutzteile durch das innehaftende Wasser beim Entweichen sollten mitgenommen werden, was so oft wiederholt wird, als nur noch irgendeine Trübe am Wasser bemerkt wird. Dann erst wird eine solche Wäsche unter die Strahlen der Sonne gegeben, damit dieselben noch den letzten Tropfen des Schmutzes verdunstend hinwegnehmen, so daß er dann von den reinen Winden nach allen Seiten vernichtet verweht werde.

[HiG.03_40.06.17,19] Und seht, so sind die Gesetze Mosis aus Gott der Zahl nach 10, die eine Zahl Gottes ist, und zeigen, daß der Mensch zuerst glauben muß, daß Ich bin, so er in die Trübsal geraten ist, daß er dann vor Mir die höchste Achtung habe, ja daß er sogar glaube, daß er schuldig ist, aus den sieben Tagen den angeratenen Sabbat zu wählen und denselben zu heiligen in der Ruhe als einen wahren Ruhetag des Herrn, damit er sich lerne verleugnen und immer tiefere und tiefere Blicke in sich zu tun, um dadurch zu erkennen seine Einwohner und sich dann an Mich zu wenden, damit Ich sie auf die obenbesagte Art vernichte und austreibe aus seiner Seele Organe.

[HiG.03_40.06.17,20] Und hat er sich bis dahin gedemütigt tief unter Meiner Größe Macht und Stärke, so kommt es nun auf das Wäschebalgen an – das ist und wird verstanden durch genaue Haltung der sieben noch übrigen Gebote, wodurch er sich sogar tief unter seinesgleichen erniedrigen soll, und soll gefangennehmen alle seine bösen Begierden, und solle brechen ganz und gar seinen Willen und untertan machen alle seine Begehrungen und selbst die leisesten Wünsche seines Herzens Meinem Willen; dann werde Ich kommen mit der Liebe und erwärmen die Wohnstätte seines Geistes, wie eine Henne ihre noch nicht ausgeborenen Küchlein. Und seht, dann wird der Geist, der sich früher schon hatte zu regen angefangen, durch die Wärme der göttlichen Liebe neu wieder ausgeboren und strömt wieder alsobald in alle Teile der gereinigten Seele über und schlürft begierig die außenwirkende Barmliebe aus den gereinigten Organen der Seele in sich, wodurch er dann kräftiger und kräftiger wird.

[HiG.03_40.06.17,21] Und so nun dann die Liebe Meiner Erbarmung eingedrungen ist in die Tiefe seines Herzens, allwo noch das gar außerordentliche Bläschen der göttlichen Urliebe ruht, dann springt neu das rein göttliche Bläschen wieder, in dem verschlossen war das große Heiligtum der Liebe des ewigen heiligen Vaters, angeregt von der Liebe des Sohnes, die da nun erlösend gereinigt hat die Seele – und strömt dann, sich mit dieser ganz intim vereinend, alsobald in großer Klarheit gleich einer aufgehenden großen Sonne in den ganzen Geist über und somit auch in die Seele und durch diese auch in das gänzlich abgetötete Fleisch. Sodann wird der Mensch lebendig durch und durch, und dieses totale Lebendigwerden ist dann die Auferstehung des Fleisches.

[HiG.03_40.06.17,22] Und so dann nun alles durchdrungen wird vom Vater, so wird dann der Sohn vom Vater aufgenommen in den Himmel, das ist in das Herz des Vaters; der Sohn aber nimmt den Geist des Menschen, und dieser die Seele, und die Seele aber den Leib, das ist, den euch schon bekannten Nervengeist, denn alles übrige sind nur Exkremente desselben.

[HiG.03_40.06.17,23] Und so nun dann der Vater, das ist, die Liebe des Vaters waltend im Menschen wird, dann wird's licht im selben Menschen, da die Weisheit des Vaters nie getrennt ist von dessen Liebe, – so wird dann auch der Mensch wie voll Liebe, voll Weisheit und Macht und dadurch nun vollends wiedergeboren in aller Liebe und Weisheit. – Seht nun, welche Mühe, Langmut und große Geduld es Mich allezeit kostet, aus Tausenden kaum einen erlösen zu können, und wie oft werden selbst von einem solchen Meine Bemühungen verkannt, verachtet, geflucht und mit Füßen getreten, – und seht, doch lasse Ich nie ab, euch beständig zuzurufen: Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken! –

[HiG.03_40.06.17,24] Doch den Tauben und Blinden ist hart predigen. Da sie sich in die Trübsal der Welt in vollstem Maße gestürzt haben und dadurch ihre Erde, welche ist ihr Fleisch, beschmutzt haben mit dem Fluchkote der stinkenden Hölle, welcher Gestank ist eine wahre Pestilenz der Seele, so muß Ich allzeit wieder eine Sündflut aus den Himmeln regnen lassen, worunter verstanden werden die bitteren Werke der Erlösung. Und ist dadurch dann wieder ganz gewaschen worden das fluchbesudelte Erdreich der Seele, und sind durch die Winde der Gnade wieder ausgetrocknet worden die Sümpfe und Moräste, dann erst ist wieder eine Möglichkeit vorhanden, euch wieder predigen zu können die Wege zum Leben aus Mir.

[HiG.03_40.06.17,25] Und so Ich euch nun schon eine geraume Zeit predige, so folget Meiner Stimme und kehret zurück in den Stall Meiner geliebten Lämmer, damit Ich euch werde führen als der alleinige gute Hirt auf der Weide des Lebens und ihr Mir dann Wolle gebet, so weiß wie der Schnee, und Ich euch daraus dann bereiten werde ein Kleid, welches euch schmücken wird in alle Ewigkeit. –

[HiG.03_40.06.17,26] Und nun betrachtet weiter den Verfolg dieser Meiner beantwortlichen Lehre und sehet:

[HiG.03_40.06.17,27] Wenn aber ein Landmann hat einen kleinen Baumgarten und sieht, daß die Bäumchen darinnen sind lauter Wildlinge, dann denkt er sich, was soll ich tun? Reiße ich sie aus der Erde, so wird mein Garten leer werden, und so ich auch dafür andere hinsetze, so werden es anfangs auch nur Wildlinge sein, und vielleicht nicht einmal so kräftig wie die schon bestehenden. Somit will ich also diese sorgfältig reinigen von all dem bösen Gewürm und deren Nestern und will und werde dann zur rechten Zeit suchen edle Zweiglein von guten Bäumen darauf zu pfropfen. Und so werden diese Wildlinge, die sonst frisch und kerngesund sind, mit Hilfe von Oben gewiß noch alle zurecht kommen, die mir dereinst noch gewiß sicher recht viele gute, süße und edle Früchte bringen sollen. Und seht den klugen Landmann, da er tut, wie er sich weise gedacht hatte, und erhält dafür schon in wenigen Jahren eine reiche, freudenvolle Ernte.

[HiG.03_40.06.17,28] Und seht, ihr Eltern seid lauter solche Landleute, auf deren irdischem oder leiblichem Grunde durch die sorglose hurenartige Weise in aller Unzucht Sodoms und Babels gänzliche und lauter Wildwüchse der Hölle entstanden sind. Daher sollt ihr hernach doppelten Eifers diese Gesträuche reinigen von all dem tausenderlei Ungeziefer, welches darin besteht, daß ihr die größte Sorgfalt verwendet auf all die Wünsche und Begehrungen, welche alle aus dem innewohnenden Höllengeziefer ihren Ursprung nehmen – und vertilget dieselben alle durch die wahre, von Mir euch schon klar angezeigte Weise, und beschneidet gleich anfänglich auch schon die nutzlosen Seitentriebe des öfter gut scheinenden, aber doch stets das Leben des Stammes schwächenden Eigenwillens, so werdet ihr bald einen gesunden und kraftvollen Stamm erzügeln. Und so dann die Zeit des Pfropfens kommen wird, das da ist die Bekanntmachung und Einpfropfung des aus Meiner höchsten Liebe ergangenen Gesetzes durch Moses, so werdet ihr unter Meiner kräftigen Mithilfe gewiß sicher erwarten können, daß eure auf diese Art gereinigten und sorgfältig gepflegten Wildlinge gewiß kräftig Meinen Willen ergreifen werden, nachdem ihnen der ihrige zuvor gänzlich benommen wurde, und werden aus demselben in kürzester Zeit in überüppiger Fülle die schönsten und wunderherrlichsten Früchte bringen aller Art, so ihr sie dazu eifrig noch begießen werdet mit dem Wasser des Lebens, damit ihre Häupter bald recht hoch zum Himmel emporwachsen möchten, wodurch sich dann ihr geistiger Gesichtskreis selig erweitern wird und sie dann stets mehr und mehr Gnadenlichtes einsaugen werden, welches in großer Fülle beständig ausströmt aus der Gnadensonne, welche entstanden ist durch das Werk der Erlösung, aus deren Lichte und Wärme alle Kreatur erst neu und endlich vollends wiedergeboren werden kann zum ewigen Leben.

[HiG.03_40.06.17,29] Das aber ist die Erlösung, daß erkannt werde der heilige Vater und die Liebe, die – die ganze Welt sühnend und wieder heiligend – am Kreuze blutete und selbst den Missetätern durch den letzten Lanzenstich ins Herz der ewigen Liebe die heilige Pforte zum Lichte und zum ewigen Leben öffnen ließ. Und wie da einer sehend ward und lebendig im Glauben und in der Liebe, so können alle sehend und lebend werden im Glauben, welches ist der wahre Anteil an der Erlösung, damit dann das Bläschen der ewigen Liebe befruchtet werde von neuem durch die Strahlen der Gnadensonne und aufgehe in euch die alte Liebe des Vaters durch die Werke des Sohnes in aller Kraft und Macht des allerheiligsten Geistes aus Beiden in der reinen Liebe eures wiedergeborenen Herzens.

[HiG.03_40.06.17,30] Was übrigens das Werk Meiner Erlösung bedeutet und ist, so sage Ich euch: Fürs erste ist es das allergrößte Werk der ewigen Liebe, da hierdurch Ich der Allerhöchste in aller Fülle Meiner Liebe und in der unendlichen Fülle Meiner Gottheit selbst Mensch, ja euch allen sogar ein Bruder wurde, die ganze Masse der Sünden der Welt auf Meine Schultern nahm und so die Erde reinigte vom alten Fluche der unantastbaren Heiligkeit Gottes; fürs zweite ist es die Unterjochung der Hölle unter die Kraft Meiner Liebe, die früher nur in der Macht der zornergrimmten Gottheit stand und somit entfernt war von allem Einflusse Meiner Liebe, welche aber ist die furchtbarste Waffe gegen die Hölle, da sie das allerblankste Gegenteil derselben ist, wodurch dieselbe auch schon bei der liebevollen andächtigen Nennung Meines Namens in eine ganze Unendlichkeit zurückgetrieben wird; und endlich fürs dritte ist sie die Eröffnung der Pforten des Himmels und ewigen Lebens und der getreue Wegweiser dahin; denn sie versöhnt euch nicht nur wieder mit der Heiligkeit Gottes, sondern sie zeigt euch, wie ihr euch vor der Welt erniedrigen müßt, so ihr wollt erhöhet werden von Gott. Sie zeigt euch ferner, alle Verspottung, Leiden und Kreuz aus Liebe zu Mir und euren Brüdern zu ertragen in aller Geduld, Sanftmut und Ergebung eures Willens, – ja sie lehret euch eure Freunde auf den Händen tragen und eure Feinde zu segnen mit der göttlichen Liebe in eurem Herzen. –

[HiG.03_40.06.17,31] Da nun also die Welt aber nichts ist als die blanke Außenform der Hölle und die durch die Erlösung wieder gesegnete Erde auf diese Art zum abermaligen Träger der Hölle würde, so hat sich die Welt über die Erde erhoben und wohnt in hohen Gebäuden im Glanze der Selbstsucht, des Selbsttruges, der Eigenliebe, Prachtliebe, Wollust, des Wohllebens, des Reichtums, des Geizes und des Wuchers und der allgemeinen eigennützigen Herrschsucht. Damit nun aber die Erde nicht schmählich wieder beschmutzt werden möchte, so ist sie gewaschen und geheiligt worden durch das Blut der ewigen Liebe. Und wenn auch irgendwo die Schlange sich ihres Unrates entledigt entweder durch Kriege oder durch Rechtshändel, oder durch Räubereien, oder durch Unzucht, Hurerei, Gottesleugnung und Ehebrecherei, naturmäßig und geistlich, – so wirkt dann alsogleich die erlösende Sündflut der gekreuzigten Liebe durch Erweckung von Männern und Sehern Gottes, die dann wieder den Unrat der Schlange vertilgen von der Erde, nachdem sie denselben aufsuchen und in die Vorratskammern der Weltgroßen werfen. Dann ergötzet sich das Weltherz an solchem Schatze, – aber Meine Kinder müssen dann eine kleine Zeit Not leiden, da die Erde auf diese kurze Zeit unfruchtbar wird. So sie aber dann sich flüchten unter Mein Kreuz und hören Meine Stimme reden vom neuen Leben durch den Mund oder durch die Feder Meiner Seher und begießen das mager gewordene Erdreich fleißig mit dem Wasser aus dem Brunnen Jakobs, dann wird die Erde gleich wieder gesegnet und trägt Früchte von der allerschönsten Art, – und diese Früchte sind dann wieder der Anteil am großen Werke der Erlösung, vollbracht am Kreuze.

[HiG.03_40.06.17,32] Schließlich muß Ich euch, namentlich den Eltern, diesen Meinen göttlich väterlichen Rat noch hinzufügen, daß ihr eure Söhne ja nicht eher ehelichen lassen sollet, und wären sie auch in allem weltlichen Erhaltungsvermögen dazu wohl versehen – sei es im Amte oder Habe, bevor sie nicht wenigstens zur Hälfte wiedergeboren worden sind, damit dann ihre Weiber durch sie geheiligt werden möchten, um gesegnete Früchte zur Welt zu bringen, die da bald selbst ein Segen des Himmels einer ganzen großen Generation leicht werden, wodurch ihr euch dann ein großes Reich gleich dem des Abraham in den Himmeln gründen werdet, worüber ihr euch freuen werdet ewig mehr und mehr über die stets sich mehrenden Herrlichkeiten, hervorgehend aus eurem gesegneten Samen.

[HiG.03_40.06.17,33] Eure Töchter aber gebet Meinen Söhnen, die da sind gekommen aus Meiner Liebe zu euch und haben auf der Welt Mich wohl erkannt, und haben sich ziehen lassen von Meiner Liebe und leiten von Meiner Weisheit, und allezeit hören Meine Stimme und ihre Augen geheftet haben nach Meinem Herzen. Dadurch werdet ihr Mich zum segnenden Schwiegervater eurer Töchter machen. Und Ich sage euch, da ihr Mich dadurch gemacht habt zum nächsten Anverwandten, so könnet ihr euch wohl leicht von selbst denken, daß Ich Meine Mitschwieger dereinst nicht werde zugrunde gehen lassen; und so Ich sage, daß sie in Meinem Hause wohnen werden und an Meiner Haustafel speisen sollen allezeit und gewiß große Freude haben mit den überschönen Enkeln Meiner lieben Söhne und ihrer durch sie gesegneten Töchter, und so sie an Meiner Vaterhand geführt werden in alle Meine Reiche und da schauen werden Meine großen Herrlichkeiten, – dann erst werden sie es fassen, was das heißen will, Mich zum Mitschwieger zu haben!!! – – –

[HiG.03_40.06.17,34] Nun sehet, das ist eine vollständige Beantwortung. Sie ist zwar nicht gelehrt, aber was viel mehr ist, sie ist euch aus der Quelle der ewigen Liebe und Weisheit eures heiligen überguten Vaters in aller ewigen Wahrheit treu gegeben gleich einem großen Lichtstrome, einer großen Sonne am hohen Morgen entströmend, der euch durch und durch leuchten wird, so ihr ihn erst nach und nach ganz aufgenommen haben werdet in euren noch ziemlich unerhellten Herzen, was ihr um so deutlicher empfinden werdet, so ihr eure noch sehr schwachen Antworten dagegenhalten – und daraus gewiß klar ersehen werdet, wie viel euch noch mangelt, und wie tief ihr schon in euch gedrungen seid. –

[HiG.03_40.06.17,35] Endlich sage Ich euch aber noch, daß eure Antworten tiefer sind als eure Herzen; denn Ich habe sie, eurem besseren Teile angemessen, euch unbewußt in euer Herz gelegt. An Meiner Antwort werdet ihr erst das Wahrzeichen finden, so ihr dadurch in eurer Antwort einen tieferen Sinn entdecken werdet, als welchen seichteren ihr hineinzulegen gedachtet. – Das aber wird euch ein sicheres Zeichen sein, wie tief Ich in euch und wie seicht ihr noch in Mich gedrungen seid.

[HiG.03_40.06.17,36] Darum kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, denn Ich will euch alle erquicken und vollmachen mit Meiner Gnade Amen. Ich die ewige Liebe und Weisheit Amen, Amen, Amen. – – –

 

Der Engel. – 23. Juni 1840.

[HiG.03_40.06.23,01] Hier will Ich euch ein erhabenes Nebenwort geben, damit ihr sehen sollet die Größe eines Fünkchens Meiner ewigen Liebe unendliche Stärke, Macht, und der Gottheit urewige Kraft und Heiligkeit in Mir, und dadurch aber auch eure euch so heilsame Nichtigkeit in allem, was ihr seid, tut, macht, denkt, schreibt und dichtet aus euch. Zugleich aber sollet ihr auch daraus ersehen, was ihr werden könnet durch Mich.

[HiG.03_40.06.23,02] Doch, was Ich euch hier sagen werde, sollet ihr vernehmen in einem bescheidenen Liede nach des Himmels höchster Weise. Und werden da auch der Rede erhabenste Formen gestalten den Neubau einer Überweltgröße, so sollet ihr das nicht, wie bei menschlichen Liedern, für einen poetischen Schwung halten; denn bei Mir gibt es keinen solchen, sondern nur die allerreinste Wahrheit, und Mein Name ist schon für sich der allerhöchste Schwung alles Singens.

[HiG.03_40.06.23,03] Nun folget das Lied, und das Lied ist ein Engel, und der geht aus Mir, und bringt euch eine gute und übergroße Botschaft, wie da folget:

[HiG.03_40.06.23,03] 1 / An aller Welten Sonnen fernstem großen Morgen stand / ein großer Engel, streckend seine nackte Riesenhand / in Meiner Weltenschöpfung endlos tiefer Tiefen Mitte, / und wollte eine Sonne da aus ihrem Leuchtgebiete / gleich einem Herzen kühn aus aller Welten Mitte reißen / und sie dann, gleich so einer Nuß, in seinem Mund zerbeißen.

[HiG.03_40.06.23,03] 2 / Und dieses tät er bloß, um zu versuchen seine Kraft, / die er sich hat aus Meiner Liebe gar getreu verschafft. / Doch dachte er bei sich nach wohlgeratner Engelsitte: / „Was soll ich das versuchen, da ja unter meinem Tritte / schon mehr als Millionen solcher Sonnentrümmer ruhn, / deshalb will ich besinnen mich und etwas Größ'res tun.

[HiG.03_40.06.23,03] 3 / „Ich will daher mein Auge drehen hin zum großen Morgen / und da für meine Sehe hellsten Glanzes Strahlen borgen, / um zu erschauen dann aus aller Welten nicht'gem Staube, / bevor noch wird ein solches Stäubchen kurzer Zeit zum Raube, / ein Stäubchen, welches einst das Allerhöchste hat getragen, / Des Namen wir mit unsrer Zunge nicht zu sprechen wagen.

[HiG.03_40.06.23,03] 4 / „Denn will ich Großes sehen, um mich selbsten zu erbauen, / so kann ich ja in meiner großen Brüder Werkstatt schauen, / wo sie in aller Liebe eine Ruhestätte planen / für ausgedienter Welten-Reste tote Riesenmanen, / wie auch der Alle fernbegrenzte große Hülsengloben, / in deren jeder Milliarden Sonnen sind geschoben.

[HiG.03_40.06.23,03] 5 / „Auch ist das Messen dieser Räume eine wahre Lust, / da dann vergrößert wird die kleine Welt in unsrer Brust. / Was sind sonst tausend solcher Alle meiner Augen Blicken, / da selbes Milliarden solcher Globen nicht entzücken? – / Wohl aber sind die Räume zwischen dieser Hülsen Heeren / zu messen eine Lust in ihres Lichtes tiefen Meeren.

[HiG.03_40.06.23,03] 6 / „Denn wenn man so von einer Hülse hin zur andern mißt / und da der großen Ferne wegen seiner selbst vergißt / und denkt: Wie klein doch so ein Räumchen gegen einen Funken, / der aus des Herrn Auge ist als Weltenstoff gesunken! – / o dann möcht' ich zum kleinsten aller Weltenstäublein werden, / ja selbst, so möglich wäre, gar ein Menschenkind auf Erden! –

[HiG.03_40.06.23,03] 7 / „Und so ich ferner denke über Gottes ew'ge Größe / und so vergleiche meines Engelwesens nicht'ge Blöße, / so steigt dann tief aus meines weiten Herzens Lebensgrunde / ein großer Lichtgedanke mir zu einer großen Wunde, / daß ich dem Herrn auch nicht im Kleinsten je werd' gleichen, / solang selbst Weltengloben meiner Größe müssen weichen!

[HiG.03_40.06.23,03] 8 / „O was ist aller Wesen Engels-Größe, Macht und Stärke, / so sie nicht schauen kann des Herrn kleinste Liebeswerke! / Was nützt, mit starren Blicken messen die Unendlichkeit / und zählen aller Globen Heere in die Ewigkeit, – / wenn man sich dadurch Gott doch niemals nähern kann und wird, / und so das Größte aller Größen durch die Größ' verliert. –

[HiG.03_40.06.23,03] 9 / „O dann fall' nieder ich auf meine Knie und rufe laut, / so daß vor meiner Stimme einer Welten-Unzahl graut: / O großer Gott in Deiner Himmel unermessnen Höhen, / erhöre gnädig eines Engels, Deines Dieners Flehen! – / Ich möchte gar so gerne Deiner Liebe Wohnung sehen / und wie da meine toten Brüder wieder auferstehen!

[HiG.03_40.06.23,03] 10 / „O nimm mir meine Größe, Herr! und mach' mich möglichst klein, / damit ich da, wo Deine Kinder, könnt' bei ihnen sein / und zeigen da von Deiner Allmacht großen Dingen – / und dann mit ihnen froh von Deiner heil'gen Liebe singen / und als ein Bruder führen sie nach Deinem heil'gen Willen / und leiten sie in unsrer Weise liebend stets im stillen!

[HiG.03_40.06.23,03] 11 / „Und ist auch Deine Liebe stets den Kleinen zugewandt, / so denk – auch ich ging klein dereinst aus Deiner Schöpferhand / und wurde groß als Weltenlenker ja nach Deinem Willen / und führte, wie Du siehst, dieselben stets nach Deinen Zielen; / daß ich ein wenig groß gedacht hab' jüngst von meiner Kraft, / dafür, o Herr, hast Du mich ja schon liebevoll bestraft! –

[HiG.03_40.06.23,03] 12 / „Nun wende wieder Deine Barmherzigkeit zu mir / und mache mich zum Menschen auf der kleinen Erd' dafür, / damit auch ich so klein, wie sie, Dich einst dürft' ‚Vater‘ rufen / von den Dir wohlgefäll'gen allerg'ringsten Gnadenstufen! / O Herr! Erhöre Deines großen Dieners fromme Bitte / und mach' mich klein und setze mich in Deiner Kleinsten Mitte!“ –

[HiG.03_40.06.23,03] 13 / Und sieh, so hörte Ich des großen Engels Klageworte / erschallen laut, daß seiner Stimme Ton ins Herz Mir bohrte, / und ließ darauf durch eines sanften Donners fernes Rollen, / so einem Echo ähnlich, seine Bitte wiederholen – / zum Zeichen, daß Ich seine Wünsche alle wohl vernommen, / und bin denselben, wie sich zeigen wird, zuvorgekommen.

[HiG.03_40.06.23,03] 14 / Denn während er noch betend lag auf seinen breiten Knien, / hab' Ich schon einem Weibe hier die hohe Gnad' verliehen / und hab' in ihr für einen Menschen schon gelegt den Samen, / bevor zu Meines Engels Ohr gedrungen ist das Amen; / und als das große Amen er vernommen in den Räumen, / so sah er auch die Erde schon zu seinen Füßen säumen!

[HiG.03_40.06.23,03] 15 / Und sieh, da nahm die Erde er behutsam in die Hand / und drückte einen Kuß auf dieses Mir so teure Pfand. / Und als er dieses hat getan in liebendem Entzücken, / so lag die Erde auch schon ganz enthüllt vor seinen Blicken – / und sah zugleich ein Weib gar schön, die ihm entgegenkam, / und sah, wie sie als Mutter ihn sogleich ins Herz aufnahm. –

[HiG.03_40.06.23,03] 16 / Und als er nun im Herzen seiner Mutter sich bewegte, / da er die Engelsarme liebend aus demselben streckte, / da kam ein andres Weib, die Engels-Mutter zu begrüßen, / und wie's mit deren Frucht wohl stünd', das wollte sie auch wissen. / Eh' aber noch die letzte öffnen konnt' zum Gruß den Mund, / so sprach in erster schon der Engel laut und gab ihr kund:

[HiG.03_40.06.23,03] 17 / Indem im Herzen er auf diese Weise hat begonnen / zu reden an: „O Mutter! Sieh die Mutter aller Sonnen, / sie trägt in ihrer Brust, was alle Himmel nicht umfassen! – / Daher, o Mutter, sollst dich nicht von ihr begrüßen lassen! / Denn Der mich einst zum großen Weltenlenker hat gemacht, / hat eben freundlich mich aus ihrem Herzen angelacht.“

[HiG.03_40.06.23,03] 18 / Und als die Mutter klar im Herzen solches hat vernommen, / ward sie von Füßen bis zum Kopf ganz durch und durch beklommen. / Da merkte es die Mutter Meines Leibes reinstem Wesen / und konnt' ihr selbst nicht ein so großes Rätsel lösen. – / Und sieh, da fing die Liebe Gottes sich in ihr zu regen / und sprach: „Johannes, schweige noch von Meiner Mutter Segen!

[HiG.03_40.06.23,03] 19 / „Es kommt gar bald die Zeit, in der vor Mir du werdest gehen, / um zu bereiten Meine Wege und ein Land zum Stehen. / Da wirst du viele taub' und blinde Menschenkinder finden, / und denen erst sollst du von Meiner Ankunft laut verkünden, – / daß Ich als Gottes Lamm gekommen bin in ihren Plagen, / um aller Menschen Sünden schuldlos treu für sie zu tragen!

[HiG.03_40.06.23,03] 20 / „Und wie du groß warst auch in deiner Engels-Wirkungssphäre, / so war doch jene Größ' ein Tröpfchen kaum zu der im Meere, / in welcher sich dein Herr, vor Dem die Weltenräume beben, / als Bruder dir zu sehen gibt in schwacher Menschen Leben, / damit das Schwache möcht' durch Meine Lieb' gestärkt erstehn, / wenn auch die Welten alle einst durch Meine Macht vergehn!“ –

[HiG.03_40.06.23,03] 21 / Und sieh, da fing vor Freuden an im Mutterleib' zu hüpfen / Johannes, da er sah mit – – – Nichts sich Meine Größe knüpfen. / Maria aber, Meines Leibes Mutter reinsten Herzens / bemerkte es gar bald, wie die Elisabeth voll Lebens / errötete, da sie gedachte ihres Alters Standes / und auch der Sitte alter Weiber des Gelobten Landes.

[HiG.03_40.06.23,03] 22 / Da sprach Maria ganz gerührt in ihrer lichten Seele: / „Elisabeth, du schämst dich ja auf dieser heil'gen Stelle? – / Bedenk, was uns geworden ist von Gottes höchsten Gnaden, / das soll sich nimmer rot in allzu großem Schame baden; / denn was in deinem Leibe hüpft vor übergroßen Freuden, / ist groß vor meinem Leben – darum freue dich bescheiden!“

[HiG.03_40.06.23,03] 23 / Elisabeth, sich wohl gemahnend vor Marias Höhe, / gedachte wohl, wie es mit ihr und mit Marien stehe – / und fiel darob auf ihre Knie nieder vor der Reinen / und fing vor übergroßen Freuden liebend an zu weinen / und sprach: „O Mutter voll der Gnaden, sei hoch benedeiet / und deine Frucht, durch welche wird die Welt vom Fluch befreiet. –

[HiG.03_40.06.23,03] 24 / „Denn was ich trage unter meinem Herzen, ist gar klein; / wie könnt' es auch, und wär' es weltengroß, noch etwas sein / vor deiner Gnade, deren Größe alle Himmel nicht / umfassen mögen und ertragen ein so helles Licht, / das noch, wenn alle Sonnen schwinden, allen hell wird lichten, / die treuen Herzens sich nach seinen Wegen werden richten.

[HiG.03_40.06.23,03] 25 / „O Gott! Woher kommt mir wohl diese unbegrenzte Gnade, / daß die Mutter meines Herrn mich über steile Pfade / besucht, nicht scheuend hoher Berge Zinnen, noch die Ferne!? – – / Es leuchten wohl ganz unbegreiflich hell die lieben Sterne / am hohen Himmel dort, und auch dem Laub der fetten Palmen / entsäuselt, ganz verständlich mir, ein Lob in hohen Psalmen!

[HiG.03_40.06.23,03] 26 / „O Mutter! nun begreif' ich erst in meinem Herzen klar, / die ganze große Erde bringet dir ein Opfer dar, / was recht und billig ist, da niemand es begreifen wird, / wie uns, dem armen Volke, die wir schwach und ganz verwirrt, / in unsrer Nacht der Sünden konnt' ein solches Wunder werden: / Der Herr, Gott Abrahams, nimmt an die menschlichen Beschwerden!“

[HiG.03_40.06.23,03] 27 / Und sieh, da trat Maria hin zur Mutter des Johannes / und sprach: „Elisabeth! – am wüsten Ufer des Jordanes / wird das, was du im Herzen trägst, zur Stimme eines Rufers / und wird da ebnen Steige längs des Flusses stein'gen Ufers, / er wird, wie da geschrieben steht, der Engel sein des Herrn / und wird zur Wassertauf' die Buße streng vom Volk begehrn.

[HiG.03_40.06.23,03] 28 / „Und so, o glaube mir, wird anfangs nur durch ihn bestimmt / erkannt das Lamm, das aller Welt die Sünden hinwegnimmt. / Und da wird auch geschehen, daß der Herr von ihm auf Erden / im Wasser unter offnem Himmel wird getaufet werden. / Da werden er und viele, die da horchten seinen Lehren, / ein großes Zeugnis von dem Lamme aus den Himmeln hören.

[HiG.03_40.06.23,03] 29 / „Und werden sehen da den Geist vom Himmel niedereilen / und selben leuchtend überm Haupte unsres Herrn weilen, / und werden sehen Gott sich mit dem Menschen vollends einen, / damit befreiet würd' die Welt von aller Sünden Peinen! – / damit auch, der mühselig und beladen ist geworden, / befreiet werde aus der Hölle und von deren Horden.

[HiG.03_40.06.23,03] 30 / „Und nun, Elisabeth, vernehme heiter noch zum Schluß / aus meinem Herzen einen dir noch unbekannten Gruß: – / ‚Johannes, Mein getreuer Engel aus des Lichtes Sphären! / Wie einst die Sonnen du nach Meiner Ordnung mußtest kehren, / so sollst du bald die Herzen Meiner Kinder Mir bereiten / und mutig wie ein Löwe gegen alle Höllen streiten.

[HiG.03_40.06.23,03] 31 / „‚Denn sieh, von allen, die geboren waren und noch werden, / war keiner größer je, wie du, von Mir gesandt auf Erden; / denn alle Väter und Propheten in dem heil'gen Lande / hab' Ich erwecket aus der kleinen Engel Liebesstande. / Du aber bist gekommen in das kleine Israel – / ein Fürst der Engel, leuchtend mit dem Namen Michael!

[HiG.03_40.06.23,03] 32 / „‚Doch sieh, und wer auch klein wird heißen einst in Meinem Reiche, / wird größer sein wie du als Fürst ohn' allem Maßvergleiche! / Und willst du groß auch werden, wie die kleinsten Kinder hier, / so mußt auch du wie sie geboren werden neu aus Mir; / denn sieh, von nun wird jeder Engel müssen hier auf Erden / gleich Mir dem Schöpfer wohl ertragen menschliche Beschwerden.

[HiG.03_40.06.23,03] 33 / „‚Und wer sich scheuen wird, zu wandeln Meiner Liebe Wege, / und nicht betreten wird der Engel harte schmale Stege, / der wird, wie du dereinst, nur tote Weltenbahnen schlichten; / doch einer neuen Schöpfung Lebensfülle Anker lichten, – / o sieh, wird nimmer einem urgeschaffnen Engelsgeiste / gegeben, als nur dem, der an dem Kindertische speiste,

[HiG.03_40.06.23,03] 34 / „‚den Ich auf dieser Welt den Kindern reichlich geben werde. / Mein reicher Tisch wird sein, o höret ohne Angstgebärde! – / ein schweres Kreuz auf dieser Erde, da ein Makelfreier / den Menschen lichten wird der Höllennächte Sündenschleier / und waschen wird die Erde von dem Kot der Satansbrut / mit seinem unter bittrem Leiden still vergossnen Blut. –

[HiG.03_40.06.23,03] 35 / „‚Durch dieses werden Menschenkinder vollends neugeboren – / und Engel nur, wenn sie Mein Kreuz sich haben frei erkoren / und sind aus ihrem alten Himmel auf die Erd' gestiegen, / um da für sich, wie Ich für all', die Hölle zu besiegen. / Dadurch erst werden sie dann Mir und Meinen Kindern gleich, / zu nehmen gleich den Kindern das von Mir bereit'te Reich.‘

[HiG.03_40.06.23,03] 36 / „Und nun spricht ‚Amen‘ Gott in meines Herzens Lebensfülle, / und jedes Wort, das nun geflossen ist in aller Stille, / sei dir ein großes Siegel der Verschwiegenheit und Treue / von dem, was dir gesagt nun ward aus meines Herzens Freie. / Denn sieh, durch mich gab dir der Herr zu merken Seinen Willen, / so auch behalte ihn und handle, ihm getreu, im stillen.“ –

[HiG.03_40.06.23,03] 37 / Und sieh, nachdem Maria dieser Rede gab den Schluß, / da bot Elisabethen sie die Hand zum Abschiedsgruß / und ließ die Hochbetagte so in stiller Andacht ruhn – / und eilte schnell nach Haus, um wieder Gutes da zu tun. – / Und als des halben Weges sie gegangen war am Morgen, / so fing sich Joseph nun daheim für sie gar stark zu sorgen.

[HiG.03_40.06.23,03] 38 / Er ließ die Arbeit stehn und sattelte die Eselin, / um seinem Weibe, seines Herzens reiner Königin, / entgegen eil'gen Laufes über Ebnen, Berg' und Graben, / auf Mich vertrauend, wohl bepackt mit Früchten, sorglich traben. / Doch eh' Mein lieber Joseph sich erfertigt hat zur Reise, / da hielt Maria ihn gefangen schon in ihrem Kreise, –

[HiG.03_40.06.23,03] 39 / den sie geschlungen hat mit ihren überweichen Armen / um ihn, der sich gesorgt für sie, mit ihrer Lieb' zu warmen. / Und Joseph, als er dies gewahrte, fing er an zu weinen, / denn er ward freudetrunken ja nun wieder bei der Seinen, / die er erst jüngst aus Furcht verlassen wollt' in reiner Liebe, / da er nicht konnt' begreifen Meines Segens frühe Triebe! –

[HiG.03_40.06.23,03] 40 / Dieselbe drückt nun Joseph treu an seine weite Brust, / ganz eingedenk der hohen Gnad' in ihr – und wohl bewußt, / was ihm erst kurz vorher ein Engel hat getreu verkündet, / indem er sagte: Joseph! fürchte nicht, die dir verbündet / ganz rein von Oben ward; denn was in ihr lebendig ist, / von Gott gezeugt, sollst Jesus heißen du, das ist der Christ. –

[HiG.03_40.06.23,03] 41 / Darum war auch der reine Joseph sehr ergriffen, / da er nun sah Mariam voll von höchsten Gnaden triefen / und sah die hohe Reise-Müde liebend ihn umfangen – / und hörte, wie die Engel hohe Psalmen um sie sangen; / in seiner Liebe engem Kreise sah er sich verschlungen, / von aller Engel weiten Reih'n als Glücklichster besungen.

[HiG.03_40.06.23,03] 42 / Da fiel aus großer Liebe nieder er vor Meiner Gnade / und preis'te seinen Gott in dieser neuen Bundeslade / und sprach: „O Herr, nimm gnädig auf die Arbeit meiner Hände / und gib mir altem Manne Kraft als eine Gnadenspende, / damit ich Dir und Deiner Mutter schaffen könnte treu / ein nahrhaft Brot in aller Liebe, ganz von Schulden frei! –“

[HiG.03_40.06.23,03] 43 / Und was er treu von Meiner Gnad' sich traulich hat erbeten, / ward ihm gewährt in allen Orten, die er mußt' betreten. – / Nun seht, Ich gab euch hier in dieses Liedes rechten Zeilen / gar deutlich zu verstehen, wo ihr gerne sollt verweilen, / so werd't auch ihr erfahren Meiner Engel weises Trachten / und werd't wie sie gar bald die Weltengröß' um euch verachten. –

[HiG.03_40.06.23,03] 44 / Was würde euch wohl nützen selbst ein noch viel größ'res Wesen / als des euch schon bekannten Engels, – könnt' es euch erlösen? / Und könnt' es euch wohl aus des Todes harten Banden reißen? / Denn seht die großen Welten dort in ihren Bahnen gleißen / und sagt, wozu die toten Massen einem Geiste wären? – / Ich sag': zu nichts, als nur den Tod im weiten Kreis zu mehren!

[HiG.03_40.06.23,03] 45 / (Und nun macht eure Augen auf und horchet mit dem Herzen, / da ihr schon wißt, daß ich in Liedern selbst nie pfleg' zu scherzen, / so will Ich euch noch hier ein übergroß Geheimnis lichten / und so in euch des Irrtums Allergrößtes rein vernichten, / euch zeigen Meiner Wunder Größtes klar in reinsten Zügen, / damit ihr sehet, wie die Großen sich gar sehr betrügen.)

[HiG.03_40.06.23,03] 46 / (Nun seht, vor der Erlösung war die Hölle bis zur Liebe / des großen Gottes vorgedrungen gleich dem tücken Diebe, / der so bei sich gar heimlich dächt': Könnt' ich ins Haus nur schleichen, / ich würd' mein Ziel ohn' große Müh' gar sicherlich erreichen! / Ist nur die Liebe mit der List von ihrem Sitz vertrieben, / das andre wird sich fügen dann nach unserem Belieben. – –)

[HiG.03_40.06.23,03] 47 / (Die Liebe aber merkte solcher Räuber tückes Sinnen / und wußte weise ihrer List aus Liebe zu entrinnen. / Die Erd', vom Satan meistverhaßter Platz, ward auserkoren / von Mir, um auf derselben alles, was da war verloren, / durch Meine Kleindarniederkunft getreulich wiederfinden / und so in Meiner Liebe da ein neues Reich zu gründen. –)

[HiG.03_40.06.23,03] 48 / (Und da der Satan gar gewaltig sich geirret hat, / da ward's ihm bange, da er nicht vollführen konnt' die Tat, – / und sieh, da suchte er Mich auf in aller Schöpfung Räumen / und fand als Menschen Mich allhier bei Meinen Kindern säumen. / Da dachte er Mich Schwachen – durch Versuchungen zu locken; / doch nur ein Blick von Mir hat seine Macht gebracht ins Stocken!)

[HiG.03_40.06.23,03] 49 / Denn seht, vor Meiner Werdung durch das Barmwort zum Fleische, / ihr könnt' es glauben, denn Ich red' zu euch ohn' alle Täusche, / war Mein' und aller Geister Wohnung über allen Sternen / erhaben, ja für euch in unbegreiflichst großen Fernen, / und war dadurch die ganze Welt, um euch es zu erschließen, / gleich einem Schemel unter Meiner Gottheit heil'gen Füßen. –

[HiG.03_40.06.23,03] 50 / So ging denn auch von Meiner allerhöchsten heil'gen Höhe / durch aller Geister Heere in die Welten Meine Sehe, / so auch Mein Wort ward stets getragen nur von einem Engel, / um irgend einer Welt dadurch zu zeigen ihre Mängel / und auch zu offenbaren irgend einem frommen Manne / der ew'gen Liebe da noch sehr geheim gehaltne Plane. –

[HiG.03_40.06.23,03] 51 / Nun sehet und begreifet wohl des Satans Zorntücken! – / In seinem Zorngrimm hat er Mich wollen ganz erdrücken, / und schlüg's ihm fehl, so würd' er Mich von einer Ewigkeit / zur anderen verfolgen bis in die Unendlichkeit. / Dadurch hätt' er zum Herrscher aller Welten sich bestimmt / und hätt' auch alles, was da lebt, nach seinem Fluch gestimmt. –

[HiG.03_40.06.23,03] 52 / Und so er das erreichet blind in seinem Wahne hätte / und hätt' verdrängt der Gottheit Lieb' aus ihrer heil'gen Stätte, / so hätt', bedenkt es wohl, die Gottheit sich ergrimmt entzündet, / und all's vernichtend dann sich neu mit ihrer Lieb' verbündet; / sodann wär' ewig nie mehr irgend was erschaffen worden / und all's Vernicht'te blieb' erstarrt in Gottes ew'gen Norden! –

[HiG.03_40.06.23,03] 53 / Allein als solches schon die Gottheit hat bei sich beschlossen, / da dauerte der Liebe, daß sie ganz in Leid zerflossen, – / und sieh, da merkte es die Gottheit stark in ihrer Mitte / und sprach zu Mir: Wozu das Leiden, und wozu die Bitte? / Soll Meine Heiligkeit noch länger allen Teufeln dienen? / Daher will morgen Ich an dem Zerstörungswerk beginnen! –

[HiG.03_40.06.23,03] 54 / Und sieh, da sprach die Liebe in den Zeiten, die ihr kennet, / da Abrahams, des Frommen, euch von Moses wird erwähnet: / „O Vater! Hab' Erbarmen mit den Kindern Deiner Liebe, / und laß besiegen ihr durch Demut alle bösen Diebe / und gründen Dir, o Vater, eine neue heil'ge Stätte / und so zerstören aller Teufel böser Rotten Kette! –

[HiG.03_40.06.23,03] 55 / „Denn sieh, o Vater! tief in Meines Herzens inn'rem Grunde, / es sei den Völkern auf der Erde heute noch zur Kunde, / will Ich, o Vater, eine heil'ge Stätte Dir bereiten, / will Selbst gen alle Macht des stolzen Höllenfürsten streiten, / will alle unsre Feind' besiegt zu unsren Füßen legen, / und keine Macht soll je die Heiligkeit in Dir anregen. –

[HiG.03_40.06.23,03] 56 / „Ich Selbst will nun hinab zur Erde schmalsten Weges gehen / und da aus eines Weibes Leibe als ein Mensch erstehen, – / und will als solcher wohl in aller Demut engsten Bahnen / geduldig unsre Kinder treu an Deinen Namen mahnen, – / und will in Meinem Blut die sündbefleckte Erde sechten / und waschen sie – und sichten dann das Gute von dem Schlechten.

[HiG.03_40.06.23,03] 57 / „Und wenn dann so gereinigt wird vom alten Satansfluche / die Erd' und aufgezeichnet wird in einem heil'gen Buche / von menschgewordnen Engeln Deiner Gnade heilig Wort, / so werd' Ich alles, was verloren war, an Stell' und Ort / versammeln – unter einem Dach die Schafe Meiner Herde / und sorgen, daß dann nur ein Hirt und eine Herde werde.

[HiG.03_40.06.23,03] 58 / „Und dann, o Vater, will Ich einen neuen Himmel gründen / und eine neue Erde makellos und frei von Sünden / aus Meines Herzens liebevollster, heilerfüllter Tiefe; / dann soll das Böse fort unendlich fallen in die Riffe / des endlos großen Raumes, der erfüllt von Deinem Grimme / in Ewigkeit wird bleiben. – Hör', o Vater, Meine Stimme! –“

[HiG.03_40.06.23,03] 59 / Und sieh, da sprach der Vater stark aus allen Schöpfungsräumen: / „Und willst Du, Mein geliebtes Wort, zum reinsten Menschen keimen, / so mußt dazu nach Meinem Will'n Dich recht und bald entschließen, / willst Du nicht sehen morgen schon die Welt ins Nichts zerfließen; / denn Ich bin müd' geworden von der Würmer tollen Sünden, / darum sollst heute noch der Erde Deine Ankunft künden!

[HiG.03_40.06.23,03] 60 / „So sende denn dahin der Engelgeister Legionen, / ja sende sie in aller Welten finstre Regionen / und lasse fegen da die Erd' von allem Kot der Schlange, / und wasche sie durch Pest und Krieg vom sündigen Anhange, / damit in Dir des Vaters Heiligkeit erkennet werde / von einer anfangs kleinen, doch getreuen Lämmerherde! –

[HiG.03_40.06.23,03] 61 / „Und so dann, was als Liebe Du in Mir nun hast gesprochen, / vollbracht wird sein – und alle Macht der bösen Nacht gebrochen, / dann will Ich kommen und die Wohnung Mir bereitet schauen. / Und wird sie sein erbaut in Meiner Heiligkeit Vertrauen, / dann will Ich ja in aller Fülle Meiner Heiligkeit / die Wohnung nehmen da – ein Gott in alle Ewigkeit! –

[HiG.03_40.06.23,03] 62 / „Die Hoffart und die Lüge aber sollen ewig fallen / dem endlos' Raum entlang tief unter aller Welten Allen, / wo nichts als Meines Grimmes ew'ge Zornfluten wallen / und statt der Liebe Meines Fluches ew'ge Donner hallen, / dahin soll fallen allen Reichtums nicht'ger Schlangensamen; – / das muß geschehen, Mir dem Gott, der heilig, heilig, – Amen!“ – –

[HiG.03_40.06.23,03] 63 / Und sieh, wie da beschlossen,ward auch vollends ausgeführt, / was Ich schon oben treu in aller Kürze hab' berührt, – / nun seht, der Engel dieses Liedes ist zu euch gekommen / und hat euch, wie dereinst, die Sünd' durch eure Buß' benommen / und zeiget euch das Lamm der Welt sich eurem Herzen nahen; / so hebt empor das Herz, und seht, was einst die Völker sahen! –

[HiG.03_40.06.23,03] 64 / Und seht, was die Apostel, eure Brüder, wollten sehen / und doch nicht sahen, ihre toten Brüder auferstehen, / die heil'ge Stadt herniedersteigen, Meine Sonne strahlen, / und höret Worte voll des Lebens überall erschallen, – / bereitet eure Herzen, freuet euch, die ihr beklommen / noch seid in Sünden, seht, Ich bin zu euch herabgekommen! –

[HiG.03_40.06.23,03] 65 / Ja Ich, hört Völker, Ich der Vater in dem Menschensohne! / Ich komm' zu euch und all Mein Reich mit Mir für euch zum Lohne, – / denn ausgeronnen ist die Zeit, gebrochen ist die Macht, / Ich hab' in Meinem Herzen Meines Bundes wohl bedacht; – / so freut euch, die nach Mir ihr habet sehnsuchtsvoll verlanget, / seht auf, wie hoch schon dort am Morgen Meine Sonne pranget! –

[HiG.03_40.06.23,03] 66 / Der Vater – denkt! – der Vater hat das Lied an euch gerichtet, / hat je ein solches, denket, suchet, auch ein Mensch gedichtet? – / Versucht – und prüfet euch, wie weit wohl euer Wissen reichet / und eurer Hände Werk, versucht, ob's wohl dem Meinen gleichet! / Und so in diesem Lied vernehmen werd't ein heil'ges Wehen, / da denket, daß vor eurer Türe große Dinge stehen! –

[HiG.03_40.06.23,03] 67 / O laßt den Engel ja nicht unverrichtet von euch scheiden / und hört sein Rufen, wie er euch ermahnt zur Buß' bescheiden; / so hört ihr Tauben, seht ihr Blinden Meinen großen Engel – / Johannes das Gewissen ist, euch zeigend eure Mängel. / Wer treu befolgen wird die Stimme seines inn'ren Rufers / in seines kahlen Lebens Strome, starrer Sünden Ufers:

[HiG.03_40.06.23,03] 68 / Verruchte Wüstensteppen werden Rosen gleich erblühen, / und statt der Wassertaufe wird die Taufe Meiner Mühen / sogleich erleuchten seines Irrsals höllenfinstre Pfade; / und dann wird gleich erschauen er nach seiner Liebe Grade / die große Wirkung überströmend dann aus Meiner Gnade, / aus der geöffneten des neuen Bundes heil'ger Lade! –

[HiG.03_40.06.23,03] 69 / Die Lade war versiegelt bis zur heut'gen Lebensstunde; / es half vorhin kein Rechnen auf dem ganzen Weltenrunde, / um zu erschließen, was Ich Mir bis jetzt hab' vorbehalten, – / und nun seht, wie die Wunder alle sich vor euch entfalten, / wie dieses alles nun geschieht durch Meiner Liebe Walten; / o Kinder, seht durch Mich in euch nun alles neu gestalten! –

[HiG.03_40.06.23,03] 70 / Und sagt und sprecht, woher so große Dinge mögen kommen? – / Und habt doch einmal so ihr Meine Liebe wahrgenommen / und habt begriffen Meines heil'gen Geistes sanftes Wehen / und habt gesehen Meine Bäume voll im Safte stehen, / dann Kinder, kniet nieder, freuet euch und singet alle – / und auch ihr Völker in den Sternen, Meiner Gottheit Halle:

[HiG.03_40.06.23,03] 71 / O großer, ew'ger, heil'ger Vater! Ehre, Preis und Ruhm / komm' Dir von uns entgegen rein aus Deinem Heiligtum; / in unsren Herzen hat es Dir gefallen einzunehmen / für Dich, o großer Gott, die kleine Wohnung Deiner Liebe; / so segne denn dies kleine Land und dessen heil'ge Triebe, / und laß den Segen, so wie uns, auch alle wohl vernehmen.

[HiG.03_40.06.23,03] 72 / O mög' es Dir, Du bester Vater, wohlgefallen hier, / damit Du bleiben möchtest da in uns denn für und für. / Wie gut bist Du, o Vater! wer könnt' Deine Lieb' ermessen! – / Du kommst, uns arme Sünder, statt ganz wohlverdient zu strafen, / nur zu erquicken und in uns die Herzen umzuschaffen! / Daher werd' nie von uns Dein heil'ger Name je vergessen!

[HiG.03_40.06.23,03] 73 / O Vater! Heil'ger Vater, höre unser kindlich Flehen, / Du lieber Vater Du, laß auch die Toten auferstehen! / Du weißt ja, lieber Vater, wer am Tod der Brüder schuldet! – / Daher laß, bester Vater, wie bei uns Du ließ'st geschehen, / auch dort, o liebevollster Vater! Gnad' für Recht ergehen! – / Denn Du hast ja für sie so gut wie für uns all' geduldet. – – – Amen.

 

Nachwort. (Der Engel.)

[HiG.03_40.06.23,04] Da habt ihr nun den Engel, wie er leibt und lebt in euch und außer euch, in Mir und außer Mir. Höret allezeit seine Stimme in euch; denn zuvor Ich komme, kommt allezeit Mein Johannes mit der Zuchtrute in der Hand und einer sehr scharfen Stimme in der Brust, – wie die Stimme des großen Predigers in der Wüste. Aber habt ihr euch bekehrt durch eine wahre ernste Buße, dann erst folgt das große Abendmahl vor dem großen Tage der Erlösung, und endlich die Auferstehung von dem Tode Amen, – das sagt euer liebevollster heiliger Vater Amen, Amen, Amen.

 

Zum Gedicht „Der Engel“. – 13. Juli 1840.

[HiG.03_40.07.13] Dieses Wort des Herrn ist im Hauptwerk ‚Die Haushaltung Gottes‘ (Band 1, Kap. 34, Vers 37) enthalten. Das auf den ‚Engel‘ bezügliche Wort erfolgte vier Tage früher als das an Carl Ritter von Leitner gerichtete Nebenwort vom 17. Juli 1840 (‚Himmelsgaben‘, Band 1, S. 51).

[HiG.03_40.07.13,01] Bevor Ich euch noch in dieser Meiner Haushaltung weiterführen werde, will Ich euch kurz etwas bezüglich Meines Engels sagen, – namentlich aber denjenigen, welche fast in jeder Zeile einen sogenannten Grammatikalanstand genommen haben der Welt wegen. Da ihr Herz dabei nicht schalkhaft ist, so sollen sie, wo Mein schwacher Geheimschreiber Meines neuen Wortes irgendein N-Strichel zu viel oder zu wenig gemacht hat zufolge einer in ihm schon alten, unaufmerksamen Gewohnheit, es nach ihrer Einsicht ergänzen, so auch das Unorthographische und die I-Tüpfel; aber wer es da wagen würde, auch nur ein Wort zu versetzen oder einen besseren Reim zu suchen oder irgendeinen abgängigen Fuß unnotwendig zu suchen, den werde Ich mit ärgerlichen Augen ansehen. Suchet nicht das Wort im Sinne, sondern den Sinn im Worte, wollt ihr zur Wahrheit gelangen; denn im Geiste ist die Wahrheit, aber nicht in der Wahrheit der Geist, was unmöglich sein könnte, da der Geist frei ist und jeder Regel voranging, Wahrheit aus sich schöpfen lassend. Da ihr das schon sogar von euren Genies sagt, warum sehet ihr hernach Meinen Geist mit gar kritischen Augen an, als wenn euch ein Schulknabe irgendein schlechtes Pensum gegeben hätte zur Korrektion! – Daher, so jemand glaubt, Ich tauge mit dem Kleide nicht in die Welt, der behalte Mich daheim; es wird aber jedem verdienstlicher sein, Meiner Schrift eine aus ihr entnommene Regel hinzuzufügen als eine Weltkritik, – denn viel seliger ist Geben als Nehmen! Dieses verstehet wohl! Amen. –

 

Ein kleines Notabene. – 21. Juli 1840 um die Mittagszeit.

[HiG.03_40.07.21] Hier zur rechtfertigenden Korrektion ein kleines Notabene.

[HiG.03_40.07.21,01] So Ich euch dumm nenne, so heißt das in der Entsprechung soviel als: Ihr habt das Vollmaß Meiner Liebe – und seid blind im Lichtmeere Meiner großen Gnade, gleich einer Nachteule oder auch gleich einem Arrestanten, der nach 30 Jahren aus des Kerkers dickster Nacht ans helle Tageslicht gekommen ist; welcher Zustand ‚die Dummheit‘ heißt, so wie derjenige ‚dumm‘ ist, der sich in einem solchen Zustande befindet. – Und Ich sage: Wohl euch, da ihr würdig seid, von Mir dumm genannt zu werden; denn wahrlich sage Ich euch, wer nicht zuvor dumm wird in Meiner lichten großen Gnade, der wird nimmer schauen Meine heilige Stadt! Er müßte denn zuvor dumm werden in aller Liebe und Demut Amen. –

[HiG.03_40.07.21,02] Eine gleiche Bewandtnis hat es mit dem Unsinne, welches besagt: So jemand seine weltlichen Sinne mehr und mehr abgezogen hat von der Welt und die geistigen Sinne noch nicht völlig erschlossen sind, dann befindet sich der Mensch im Zustande des Unsinns, was die Welt dann eine ‚Narrheit‘ nennt. Doch Ich aber sage: Freuet euch, wenn euch euer großer heiliger Vater Unsinnige nennt, denn dann wisset, daß Mein Reich sehr nahe zu euch gekommen ist! Denn wahrlich sage Ich euch: Bevor jemand nicht unsinnig geworden ist in Meiner Barmliebe, wird er in Mein Reich nicht eingehen zum Leben. –

[HiG.03_40.07.21,03] Daher seid froh und über die Maßen fröhlich, so Ich euch dumm und unsinnig nenne, und hebet eure Häupter empor und sehet Meinen Geist schweben ob denselben! – O überglücklich seid ihr, die Ich so benenne; denn das ist der große Segen eures Vaters, in dem ihr alle das ewige Leben finden werdet.

[HiG.03_40.07.21,04] Aber traurig sei der, von dem Ich wegbleiben werde mit dieser Meiner großen Gnadenbenennung; denn da hat er auch sein Kinderrecht bei Mir verloren und wird dereinst ein strenges Gericht vor dem Angesichte Gottes zu bestehen haben! – Doch Meine Kinder werden nur das selige Gericht Meines liebevollsten Vaterherzens schmecken, Amen.

[HiG.03_40.07.21,05] Wohlverstanden – das sage Ich euer liebevollster, heiliger Vater Amen, Amen, Amen. – – –

 

Der Fels am Schloßberg. – 26. Juli 1840, 1/2 9 Uhr vormittags.

[HiG.03_40.07.26] Der erzählende Fels befindet sich am Schloßberg zu Graz rechts vom gotischen Wohngebäude im vormals Dr. Gödl'schen Garten; man gelangt zu ihm durch ein Hinterpförtchen in der Nähe eines kegelförmigen Türmchens. Man überblickt von diesem Felsen aus die westliche Gegend von Graz. – Fünf Personen schrieben gleichzeitig, was der Fels aus Jakob Lorber sprach: C. L., S., And.h., D., Ans. H.

[HiG.03_40.07.26,01] Nach der Rechnung der menschlichen Zahl war die Erde sieben Millionen Jahre vor der Schöpfung des Menschen gegründet und kreiste wirre in dem Raum um die mattschimmernde Sonne; sie war ein Wasserball, in dessen Mitte sich nach dem Willen des Schöpfers nach und nach eine feste Masse zu bilden anfing. Und diese feste Masse vermehrte sich durch die ihr innewohnende Anziehung mehr und mehr, so zwar, daß nach und nach schroffe, ungeteilte kristallartige Spitzen über die Oberfläche des Wassers zu ragen anfingen. Dadurch wurde die Erde immer schwerer und schwerer vermöge des Nahrungsstoffes, den sie aus der Barmliebe Gottes zog (doch, worin diese Kost bestand, ist es nicht an der Zeit kundzugeben).

[HiG.03_40.07.26,02] Und als nun die Erde auf vielen und vielen Seiten anfing, in ihren Festen über die Fläche der Wasser zu ragen, da fingen Winde an zu wehen über dieselbe und fingen die Wogen an zu überspülen die harten Klippen, lösten dadurch Teile und Teile ab und setzten dieselben als weiche Teile in die Klüfte der großen Kristalle ab. Nun erst war die Erde nach und nach fähig zur Aufnahme der Vegetation der Kräuter, Gräser, Gesträuche und Bäume, und zwar zuerst derjenigen unter dem Wasser und dann erst derjenigen auf den Festen der Erde; welcher Alleinzustand des Pflanzenwachstums über siebzigtausend Jahre gedauert hatte. Dann erst begann die Schöpfung der untersten Tierklassen und sodann immer von 2000 bis 2000 Jahren eine Stufe höher, bis endlich die große Zeit zur Schöpfung des Menschen herankam, welche vielmehr eine Entbindung desselben aus der Materie war.

[HiG.03_40.07.26,03] Jedoch nach dem Verlaufe von einigen Jahren wurde der Mensch Gottes Geboten ungehorsam, wodurch in dem Grimme der Gottheit die ganze sichtbare Schöpfung bis auf kleine Stücke der Erde beinahe gänzlich im Feuer und Sturme Gottes aufgelöst wurde, so daß vom Mittelpunkt der Erde bis zur Oberfläche derselben auch nicht ein Stein beisammenblieb, sondern zerbröckelt wurde in kleine und kleine Stücke. Und selbst diese Stücke würden vernichtet worden sein, wenn sie nicht von der Liebe zusammengehalten worden wären.

[HiG.03_40.07.26,04] Da die erbarmende Liebe dann mit der Gottheit wieder eins wurde durch eine vermittelnde Darstellung aus ihrem innersten Grunde, so gefiel es der Gottheit wieder, aus dem unendlichen Welten-Chaos Welten und Erden und Sonnen zu bilden; jedoch behielt die ganze Schöpfung der Zerstörung deutlich leserliche Spuren und Merkmale an sich, wie ich euch mich hier in eurem Angesichte zeige. Jedoch eintausendachthundert und eben auch 40 Jahre nach der Schöpfung (des Menschen), gleich der Zahl nach der Menschwerdung des großen Gottes bis zu eurer jetzigen Zeit, seht, da war dieses Land oder vielmehr der ganze Erdteil, den ihr Europa nennet, noch größtenteils unter den stürmenden Fluten des Meeres begraben, – jedoch Gottes Liebe sah das Zukünftige in großer Klarheit vor sich und wußte wohl, daß von dieser Zeit an nach einer ebenso langen Zeit die Menschen sich sehr und sehr vermehren werden. Da zündete sie meilentief unter der Erde mit dem Feuer ihrer Liebe die Erde hie und da, größere und kleinere Teile derselben, und das Feuer brannte gewaltig und hob die festen Schichten, sie auseinanderreißend, in die Höhe. Und da das Feuer durch die innewohnende Kraft Gottes sich immer größere und größere Räume machte unter den Schichten der Erde, so arbeitete sich das Feuer an vielen Stellen furchtbar gewaltig bis zur Oberfläche herauf und schleuderte da Massen auf Massen über den Spiegel der Fluten und zwar nach allen möglichen Richtungen. (Wohlgemerkt, dieses geschah um die besagte Zeit, nämlich 1840 Jahre nach der Schöpfung des Menschen.)

[HiG.03_40.07.26,05] Und seht, wie ihr die Richtungen der Berge auf diesem Festlande jetzt sehet, so könnt ihr euch auch die verschiedenen Strömungen des unterirdischen Feuers denken; denn da zog die große Liebe des Herrn kreuz und quer in den Tiefen der Erde und bereitete für die zukünftigen Menschen eine fruchtbare Wohnstätte. Jedoch nicht gleich zur selben Zeit wie alle diese großen Erhöhungen, die ihr jetzt hier sehet allenthalben hoch über die Ebenen emporragen, habe ich meinen Ursprung genommen, sondern um beinahe tausend Jahre später, als die Überfülle der Wässer sich nach und nach in die geöffneten Tiefen der Erde verlor und an diesem Punkte, da ihr mich emporragen sehet, die Ebene nur noch mit dem Wasser überdeckt war.

[HiG.03_40.07.26,06] Da befand sich 2000 Klafter tief unter der Erde noch ein festes Gestein, und es senkte sich die Liebe des Herrn auch in die Mitte desselben. Es war zwar nur ein kleiner Funke dieses göttlichen Kraftfeuers, aber er war stark genug, um diese Massen, wie ich bin vor eurem Angesichte, aus der Tiefe emporzuheben und sie in der gegenwärtigen Höhe über die Fluten ragen zu machen. Jedoch nicht auf einmal entstand ich, wie ich jetzt bin, sondern nach wiederholten solchen göttlichen Kraftausbrüchen. Freilich in kleinerem Maßstabe bin ich entstanden und zu stehen gekommen an der Stelle, da ihr mich sehet, wie auch dieser ganze Berg, von dem ich ein kleiner Teil bin, welchen Berg die Menschen jedoch vor nicht gar langer Zeit um einige Klafter niederer gemacht haben. Denn an der obersten Stelle ragten fast in einem Kreise sehr hohe und steile Felsen empor, welche später durch die Menschen zerstört wurden, um eine mehr ebene Oberfläche auf diesem Berge zu gründen. Selbst ich, ein unterer Teil des Berges – zwar noch von Urzeit hier stehend, habe so manches an meiner früheren Form sowohl durch die Zeit wie durch die Hände der Menschen erlitten; denn vor mehreren tausend Jahren spülten die Wogen des Meeres noch an meiner Stirn, ja es hauste sogar manches Ungetüm des Meeres in meinem Schoße.

[HiG.03_40.07.26,07] Allein nach dem Willen des Schöpfers geschah in den Tiefen der mittäglichen Gegenden der Erde eine große Erhöhung des Festlandes auf dieselbe Art durch das Feuer der göttlichen Liebe aus der Tiefe der Erde. Seht, da sank dann das Meer allmählich in diesem Lande, so zwar, daß hier nur noch große Seen, die ihr Binnenmeere nennt, bestehen geblieben sind. Und sodann geschah es, nachdem diese Binnenmeere einige hundert Jahre bestanden hatten, daß der Herr aus Seiner barmliebevollen Fürsorge den einen ganzen mittägigen Teil, den ihr jetzt Amerika nennet, hat auf diese Art über die Fläche der Wässer treten lassen, daß diese Binnenmeere so hoch über die eigentliche Fläche des Meeres zu stehen gekommen sind, daß die Schwere der Wässer, die eine Sehnsucht nach ihrem Ursprunge hatten, sich den Weg durch die weicheren Teile der Berge zu öffnen anfing.

[HiG.03_40.07.26,08] Und seht, da brausten dann, als die Wässer die Weichen der Berge zerrissen, 500 Jahre lang große stürmische Fluten an mir vorüber; denn was ihr jetzt das obere Land nennet, dort wurde in der Gegend, da ihr eine Brücke über den Fluß gemacht habt und auf dem Berge ein altes Schloß steht, ein Berg, der um 100 Klafter höher war, als er jetzt zu sehen ist, von der großen Masse des Wassers durchgebrochen. Die Fluten des Oberlandes ergossen sich dann in den großen See, dessen Fluten meinen Fuß umspült hatten und erhoben dieselben wieder bis an meine Stirne und mehrten das Wasser so sehr, daß ein Berg, der einige Stunden weit von hier im Unterlande – an dem ebenfalls später ein Schloß erbaut wurde und ein Markt steht – links und rechts zerrissen wurde. Und die Fluten bahnten sich den Weg auf die nämliche Weise fort und fort; wo immer sie einen Widerstand fanden, zerrissen sie die Weichen desselben und füllten mit denselben die Vertiefungen aus, die früher in dem Meere waren.

[HiG.03_40.07.26,09] Wie hoch diese Fluten gegangen sind, werden euch noch überall die Spuren der losgelösten Steine zeigen, welche durch das untere Fortrollen eine gerundete Form angenommen haben. Die erste Flutung ging hoch über meinem Haupte, und erst nach einem Jahrhundert hat der Strom eine Niederung erhalten und ging dessen Spiegel bis zu mir herauf. Und wieder nach einem Jahrhundert fiel er so nieder, daß er nur ein Klafter über die ganze Ebene, die ihr von mir aus seht, von einem Berge zum andern ging. Und wieder nach einem Jahrhundert verlor sich der Strom so sehr, daß er nur die dreißigmalige Breite des gegenwärtigen Flusses hatte.

[HiG.03_40.07.26,10] Und als auch die Berge vollkommen mit Bäumen und Gräsern bewachsen wurden, da verlor sich ein verfolgtes Menschengeschlecht in dieses Land und wohnte auf den Höhen, die da noch nicht Berge, sondern ‚Tauren‘ hießen. Und als dieses Volk durch ein späteres nachziehendes entdeckt wurde, bekam es erst den Namen als Bergbewohner, welches Volk endlich wieder durch ein anderes, stärkeres Volk, welches vom Abende herkam, aus seinen Sitzen vertrieben wurde; und es blieben nur noch wenige auf den fast unzugänglichen Höhen wohnen bis auf die heutige Zeit. Und so ist heute schon ein drittes Volk mehr denn tausend Jahre in diesem Lande.

[HiG.03_40.07.26,11] Jedoch ich, wie ich dastehe, war durch lange und lange Zeiten ein sehr gefürchteter und gefährlicher Punkt in diesem großen Strome, denn an mir arbeiteten die Fluten mutwillig und schienen furcht- und grauenerregend jedem, der mich von ferne anblickte. Und als später die Menschen des Oberlandes eine Art Schiffe erfunden haben, welche aus einigen aneinander befestigten Bäumen bestanden, da waren von denen nur wenige so glücklich, die nicht an meiner Stirne den Untergang gefunden hätten; denn obschon die Fläche des Stromes meinen Fuß bespülte, so schlugen aber doch dessen Wogen, den Sterblichen Grauen erregend, bis an meine Stirn empor. Und diese Gegend, die ihr jetzt so reizend und schön findet, war damals ein Schrecken den Menschen. –

[HiG.03_40.07.26,12] Erst zu den Zeiten, als da eine große Stadt, Rom genannt, erbaut wurde, verminderten sich die Fluten des Stromes allmählich, und die Brandung an diesem kleinen Berge wurde immer geringer und geringer; und so verlor sich endlich das Wasser an meiner Morgenseite ganz und gar, und nur zu seltenen Malen erhob sich die Flut bis zur Höhe meiner Morgenseite, was ihr jetzt das ‚Glacis‘ nennt. Und so bin ich denn dadurch – als auch das bis zu diesen Zeiten aus meinem Inneren hervorlodernde Feuer aufgehört hatte – den Menschen zugänglich geworden.

[HiG.03_40.07.26,13] Da nun mein Scheitel frei war von allen Gesträuchen und Bäumen, so benützten mich die später in dieses Land einfallenden Römer zu einem Punkte, von dem aus sie über diese ganze Fläche ihre Beobachtungen machten, und suchten auch dadurch Wege auf, um in das Oberland zu kommen, welches damals nicht mehr den Namen der Bergbewohner hatte, sondern Norea, auch Noricum geheißen hat, das heißt, Menschen, die auch schon die Ebenen bewohnt und sich auf die Füße der Berge gemacht haben, da deren Scheitel unwirtbar geworden waren, weil die damaligen Fluten ihnen alles Erdreich abgespült und dasselbe in die Tiefen oder an die Füße der Berge angelehnt hatten.

[HiG.03_40.07.26,14] Seht, ich bin Zeuge gewesen, wie diese Oberlands-, auch schon Unterlandsbewohner dieses Landes von dem verwegenen römischen Volk auf das grausamste sind besiegt worden. An meiner Stirne selbst fanden mehr denn hundert Kinder, von ihren eigenen Müttern an mich geschleudert, den Tod. Jedoch, was bei mir nur im kleinen vor sich ging, davon würden euch größere Felsen im Oberlande wie auch im Unterlande die größten schauerlichsten Beispiele erzählen können. Doch ich als ein plumper Stein bin nicht berufen und bestimmt, euch einen Geschichtsschreiber zu machen, und will euch lieber noch ein wenig meine eigene Umgebung näher beleuchten, soweit mein Gesichtskreis reicht.

[HiG.03_40.07.26,15] Daß dieser ganze, jetzt sogenannte Murboden nur ein aufgeschwemmtes Land ist, davon könntet ihr euch dadurch überzeugen, so ihr 100 Klafter, stellenweise wohl auch 1000 Klafter tief graben würdet, allwo ihr mehrere meiner Kameraden, welche durch das Feuer in die Fluten geschleudert worden sind, finden würdet. Auch würdet ihr da, könntet ihr dieses ganze angeschwemmte Land abheben, nichts als lauter Klüfte und Felsen entdecken, in welchen ihr viele versteinerte Ungetüme des Meeres antreffen würdet.

[HiG.03_40.07.26,16] Jedoch an diesen Stellen – als die Linie ist da oben, wo das alte Schloß steht, bis auf den gegenseitigen Berg – würdet ihr gleich auf den Stein kommen, da früher ein Gebirgsrücken unter den Fluten war. Da weiter unten, wo ihr einige Zeit lang Steine gebrochen habt – in der Linie, da ein kleiner Berg an der Fläche sich befindet, an welchem ihr das Zeichen des Kreuzes aufgerichtet habt, und in dieser Linie fort bis an den übrigen Berg, den ihr ‚Plabutsch‘ nennt, dürftet ihr auch nicht so lange graben, um auf den Stein zu kommen. So auch mehrere Stunden unten, da wo jetzt ein Markt steht, den ihr Wildon nennt, würdet ihr auch links und rechts bald Stein finden. Aber auch selbst noch an jenem Teile dieses Murbodens, an welchem Täler in denselben münden, würdet oder könntet ihr ebenfalls auch bald auf Gestein kommen, welches mit denselben Insignien des Meeres bezeichnet ist hie und da, deren ich schon früher erwähnt habe. Und solche Stellen könnte ich euch nach der ganzen Länge des Flusses zu Hunderten anzeigen.

[HiG.03_40.07.26,17] Jedoch sollet ihr noch einen Blick auf diese kleineren und größeren benachbarten Berge werfen, und da sollt ihr wissen, daß noch nicht mehr als höchstens 2000 Jahre verflossen sind, als diese meine kleineren und größeren Brüder noch in vollen Flammen gestanden sind. Und es gibt in diesem Lande auch nicht einen Berg, der nicht ursprünglich auf diese Weise entstanden wäre.

[HiG.03_40.07.26,18] Nur einzig und allein in eurem Wiegenlande, welches ihr Asien nennt, finden sich noch Urgebirge, welche unmittelbar gleich nach der Hauptzerstörung zur Wohnung den begnadigten Menschen angewiesen waren. Hier in diesem Lande aber, so ihr euch die Zeit und die Mühe nehmen würdet, so würdet ihr auf einer hohen Alpe, die von hier aus zwischen Mittag und Abend liegt, auch noch Steine finden, die bei der großen Zerstörungsszene, welche nach dem Fehltritte des ersten Menschenpaares erfolgt ist, hierher geworfen wurden, und auch Massen von mehreren Planeten finden, die wesentlich unterschieden sind von meiner Art.

[HiG.03_40.07.26,19] Dies ist nun alles, was ich euch sagen kann und sagen darf aus meiner natürlichen Sphäre. Und um das Weitere, Tiefere und geheimnisvolle Wesen sollt und habt ihr euch nicht zu kümmern; denn diese Geheimnisse liegen in der Tiefe der göttlichen Erbarmung und gehen euch wenig oder gar nichts an, – sondern dies habt ihr alles von der Gnade des Herrn zu erwarten, insoweit es euch not tut zur Veredlung und Unsterblichmachung eures frei gemachten Wesens, Amen.

[HiG.03_40.07.26,00] (Die Rede endete 15 Minuten nach elf Uhr Vormittag.)

 

Eine Parabel. – 9. August 1840. Fortsetzung.

Im Weingarten des Andr. H., bei Maria Schnee, nächst dem Kloster der Karmeliterinnen. – J. L. spricht. – K. G. L., S., D., Andr. H. und Ans. H. schreiben.

[HiG.03_40.08.09,01] Schließlich gebe Ich euch noch ein kleines Notabene (1) bezüglich einer Untat, die hier vor 30 Jahren verübt wurde. (2) Doch sollt ihr davon keinen weiteren Gebrauch machen. (3) Ein Besitzer dieser Realität hatte ein rechtmäßig nach eurem Rechtssystem ihm angetrautes Weib, (4) mit welchem Weibe er einer ihm wohlgefälligeren Hure wegen in dreijähriger Zwietracht lebte. (5) Er hatte ein Haus in der Stadt und war ein Bürger daselbst; (6) ließ aber seiner Unzucht halber sein Weib mit einem Kinde allhier wohnen. (7) Und da er durch seine liederliche Lebensweise sein Vermögen vergeudet hatte, da wollte er das Vermögen der Frau oder des Weibes angreifen, (8) da ihn die reizende Hure nicht mehr erhören wollte in seinem durch sie verarmten Zustande.

[HiG.03_40.08.09,02] (9) Daher kam er nun eines Tages heraus und quälte sein Weib unablässig, daß sie ihm ihr Vermögen einräume. (10) Da dieses sie aber nicht tun wollte, auch unter gar keiner von ihm erheuchelten Bedingung, (11) so glaubte er, endlich solches durch eine Mißhandlung aus ihr herauszupressen.

[HiG.03_40.08.09,03] (12) Es war gerade fast um die jetzige Zeit des Jahres und um die neunte Stunde abends, als er sie zu mißhandeln anfing; (13) jedoch sie wehrte sich eben auch so gut, als sie nur immer konnte. (14) Da dieses alles nichts half, so nahm er einen Strick, warf selben seinem Weibe um den Hals und würgte sie, (15) in der Meinung, sie werde von der Todesangst genötigt, ihm ihr Vermögen vermachen.

[HiG.03_40.08.09,04] (16) Allein sie hatte den festen Entschluß gefaßt, in ihrer frommen Einfalt ihres Herzens eher zu sterben, als ihn in seiner Hurerei zu unterstützen. (17) Deshalb hat er sie auch bis in die Mitte der Nacht gewürgt, allwann sie unter vielen Schmerzen sich Mir anbefehlend ihren Geist aushauchte.

[HiG.03_40.08.09,05] (18) Als er nun sah, daß sie wirklich tot war, (19) so erschrak er, daß er auf eine Zeitlang seine Besinnung verlor. (20) Endlich aber faßte er aus Furcht vor dem Gericht den pfiffigen Entschluß: (21) nahm Licht, Krampe und Schaufel, (22) machte eine 5 Schuh tiefe Grube, (23) warf sie hinein, wie sie angezogen war, (24) und verscharrte sie daselbst, (25) und zwar das alles gerade unter der Weinpresse, (26) da am wenigsten jemand hingelangen konnte. (27) Seinen Bekannten aber log und erzählte er trauernd vor, daß ihm sein Weib abhanden gekommen sei.

[HiG.03_40.08.09,06] (28) Es wurden wohl auch von dem damals sehr lauen Gerichte nur auf sein Begehren hie und da briefliche Nachforschungen angestellt; (29) allein die Tote war unter den Sterblichen freilich nicht mehr ausfindig zu machen. (30) Und diese Tat hat zu dieser Zeit um so leichter können verheimlicht werden, (31) da man, wie ihr zu sagen pflegt, ohnedies in diesem Lande nicht recht gewußt hatte, wer der Herr oder der Diener, oder wer der Koch oder der Kellner ist.

[HiG.03_40.08.09,07] (32) Nun da habt ihr auch diese Begebenheit. (33) Jedoch was die Namen dieser Personen betrifft, daran soll euch wenig gelegen sein; (34) denn in Meinem Buche ist alles aufgezeichnet, (35) und auch der Flügel einer Mücke geht ewig nicht verloren. Amen. Ich die ewige Weisheit Amen.

[HiG.03_40.08.09,08] Notabene. Diese Zeilen enthalten Großes; aber sie sind hart zu kauen. Darum sparet eure Zähne – und übereilt euch nicht an dieser Nuß – nur noch eine kleine Zeit, bis die Zähne stark werden. Amen. Ich die ewige Weisheit amen, amen, amen.

 

Erklärung der Parabel. – vernommen am 24. August 1840

[HiG.03_40.08.24,01] (1) Notabene besagt: Merke wohl; wenn Ich nun sage: notabene, so will Ich dadurch nicht die Aufmerksamkeit auf irgend ein lange verübtes Verbrechen von euch leiten, sondern nur die Gelegenheit und die Ähnlichkeit eines solchen auf euch nützend anwenden. – Untat zeigt hier euer erstes Weltleben, welches große wohlbezügliche Ähnlichkeit hat auf euren Geist. Hier besagt eure doppelte Gegenwart, nämlich naturmäßig und geistig; – 30 Jahre bezeichnen einen zurechnungsfähigen Zustand eurer Seele, der das Tor des Lebens wie das des Todes geöffnet wird, welches besteht in der Erkenntnis von Gut und Wahr und Böse und Falsch. Verübt bezeichnet, Falsches in sich aufnehmen und daraus schlecht handeln; – die halbvergangene Zeit besagt, daß ihr noch nicht in der Ordnung seid. –

[HiG.03_40.08.24,02] (2) Besagt fürs erste, daß an der Parabel kein natürlicher Gerichtswert ist, und fürs zweite aber, daß Ich euch eure Fehltritte nachgesehen habe. –

[HiG.03_40.08.24,03] (3) Der Besitzer ist euer Weltverstand im Sinne der Parabel; das Kirchliche aus dem Worte wird unter Realität verstanden, die Religion unter Weib; rechtmäßig nach Rechtssystem heißt: nach der Billigkeit der äußeren Form; angetraut besagt: ans Herz gebunden durch den freien Willen. –

[HiG.03_40.08.24,04] (4) Notabene, ob der Ans. H. nichts merkt, wo es eigentlich hinaus will? – Welttum ist die Hure; wohlgefällig besagt hier Sinnliches und Fleischlichweltliches der Eigenliebe, Zwietracht gewaltiges Schwanken. Lebte heißt, sich zuständlich befinden, Weib wie oben. –

[HiG.03_40.08.24,05] (5) Ein Stadthaus ist die Weltphilosophie; ein Bürger daselbst besagt: der Philosophie anhängen, und zwar namentlich der sehr schlechten Kantischen.

[HiG.03_40.08.24,06] (6) An der Welt hängen heißt: Unzucht treiben; Unzucht halber besagt somit, aus Liebe zur Welt. Das Weib mit dem Kinde besagt das Kirchliche samt der Werktätigkeit als Frucht des Glaubens. Allhier besagt ebenfalls das gegenwärtig Kirchliche; wohnen bezeichnet soviel als: unbeachtet bestehen. –

[HiG.03_40.08.24,07] (7) Liederliche, tatlos sein aus dem Worte; Lebensweise besagt einen unbehaglichen Zustand daraus; Vermögen vergeuden heißt: ganz los werden von allem Geistlichen. Vermögen des Weibes angreifen besagt: Kirchliches lüften, insoweit es nicht zusagt der Eigenliebe, und zwar aus Unmut. –

[HiG.03_40.08.24,08] (8) Besagt: man kommt mit der Weltweisheit zu keiner Ruhe und Hure oder die Welt einem nirgends mehr stichhält. Verarmter Zustand besagt die Blindheit durch das Welttum. –

[HiG.03_40.08.24,09] (9) Kommen heißt, bei sich beschließen; Tag überhaupt: irdische Zeit hinsichtlich eines inneren Irrlichtzustandes. Quälen besagt: eines nach dem andern verwerfen; unablässig heißt: ohne alle Rücksicht. – Vermögen einräumen besagt: die Kirche umgestalten wollen nach seiner Ansicht und Bequemlichkeit. –

[HiG.03_40.08.24,10] (10) Besagt: die Unmöglichkeit einsehen, wie wenig da mit allem Räsonieren zu erzwecken ist unter was immer für einer tollen Verstandesknifferei, – da Mein Wille stärker ist als die schwache Schnur des Weltverstandes; woher dann auch oft zweckwidrige Gebete und Anrufungen zur Erreichung ihrer Absichten, die ein solcher für die besten hält, da er Meine wohlberechneten Wege nicht kennt. – –

[HiG.03_40.08.24,11] (11) Besagt: gänzliche Mißachtung und Verkennung innerer Schätze; dadurch ferner das sich selbst Schuld- und Schadloshalten aus seiner inneren, besseren Überzeugung, freilich nur aus eigener Idee, und durch das Sichfinden in anderen Ideen der großen Ähnlichkeit wegen. –

[HiG.03_40.08.24,12] (12) Die jetzige Sommerszeit bezeichnet einen ähnlichen hitzigen Gemütszustand. Das Jahr besagt das naturmäßige Leben des Menschen, die neunte Stunde abends bezeichnet den kläglichen Zustand alles Äußerlichen in dieser Parabel – und zeigt dadurch den Übertritt der Dämmerung in die wirkliche Nacht. Mißhandeln wie oben, wie auch anfangen.

[HiG.03_40.08.24,13] (13) Besagt das innere Erwachen des Gewissens und das Sträuben desselben.

[HiG.03_40.08.24,14] (14) Besagt Hartnäckigkeit des Gewissens; einen Strick nehmen heißt: sich mit Trugschlüssen beschwichtigen. Selben dem Weibe um den Hals werfen und sie würgen besagt: sein Gewissen bezüglich alles Kirchlichen, unter dem man sich in politischer Hinsicht notwendig befindet, gänzlich ersticken wollen; denn unter Hals werden kirchliche Staatsverhältnisse verstanden, – würgen besagt: sich mit Widerwillen an das Staatskirchliche aus politischen äußeren Rücksichten halten. –

[HiG.03_40.08.24,15] (15) In der Meinung besagt: glaubenslosen Zustand; Todesangst bezeichnet den Zustand näher; Vermögen vermachen besagt: sich losmachen von allen inneren Vorwürfen und sehen, aus dem Kirchlichen Weltliches zu gewinnen. –

[HiG.03_40.08.24,16] (16) Besagt: nach näherem Prüfen gewahr werden, daß solch Kirchliches weder fürs eine noch fürs andere taugt; daher lieber ganz weg mit all dem Plunder. Fromme Einfalt des Herzens bezeigt Geistliches – und Hurerei wie oben; unterstützen besagt: zweckdienlich sein. –

[HiG.03_40.08.24,17] (17) Besagt: gänzliche Neutralisation des Gewissens. Mitternacht, innerer, beinahe atheistischer Zustand. Schmerzen, fruchtlose Bemühungen des Gewissens. Sich Mir anbefehlen heißt: verstummen; den Geist aushauchen heißt: sich völlig zur Ruhe legen. –

[HiG.03_40.08.24,18] (18) Besagt kurzen zufriedenen Zustand. – –

[HiG.03_40.08.24,19] (19) Erschrecken besagt: gänzliches Sichlosreißen von allem Geistlichen und sich sozusagen über alles hinaussetzen; Zeitlang, unbestimmte Dauer des Zustandes; seine Besinnung verlieren heißt: vom Geistigen nichts mehr wissen noch ahnen. –

[HiG.03_40.08.24,20] (20) Endlich besagt hier: das Gefühl des Todes in sich; Entschluß fassen heißt: sich eine Richtung geben; aus Furcht vor dem Gerichte besagt: aus zeitlich politischen Rücksichten; pfiffig besagt: weltklug. –

[HiG.03_40.08.24,21] (21) Besagt: Verstand, Wille, Liebe des weltlich Ansehnlichen wie sich äußerlich Nützliches Hervorbringenden, und da ist Licht: weltrichterliche Fähigkeit, fleißiges Verharren; Schaufel: weltliche Hilfe durch was immer. –

[HiG.03_40.08.24,22] (22) Besagt verhältnismäßige Klugheit darin aus polizeilichen Rücksichten; denn wie Zolle ein geistiges Maß bezeichnen, so bezeichnen Schuhe das Maß in welttümlichen Rücksichten, so eben auch die Zahl 5; Grube bezeigt eine Sicherung. –

[HiG.03_40.08.24,23] (23) Besagt: sich verwahren durch Juridisches vor ketzerischen Mutmaßungen von kirchlicher Seite aus polizeilicher Engbrüstigkeit. –

[HiG.03_40.08.24,24] (24) Besagt: Kirchliches vermengen mit Weltrichterlichem und es als solches ansehen, um es bloß juridisch zu gebrauchen. –

[HiG.03_40.08.24,25] (25) Besagt: geistlichen Staatsdruck. Gerade bezeichnet: aus Staatsrücksichten; unter bezeichnet: politisches Gesetz; Weinpresse bezeichnet: durch Kirchliches Staatsrichterliches bekräftigen fürs Volk.

[HiG.03_40.08.24,26] (26) Besagt die tiefste Politik, wo der Staat am kitzligsten ist des Volkes wegen und sorglos sündigen kann, auf die Dummheit desselben rechnend. –

[HiG.03_40.08.24,27] (27) Besagt die Belletristik; lügen und trauernd erzählen heißt: schöngeistig tun, – sein Weib abhanden kommen heißt: Kirchliches oder die Religion in die Belletrie versetzen. –

[HiG.03_40.08.24,28] (28) Besagt öfteres Nachdenken bei sich selbst und das Befragen juridischer Taktik über den eigentlichen Zweck der Religion. Laues Gericht: die Schwäche des juridischen Gewissens; auf Begehren besagt: aus eigener Weltnot; hie und da bezeichnet soviel wie dann und wann; brieflich besagt hier: wenig lebendig bekümmert; Nachforschungen anstellen besagt: manchmal Blicke in sich tun. –

[HiG.03_40.08.24,29] (29) Die Tote besagt: das einmal erloschene Gewissen in allem Kirchlichen; unter den Sterblichen heißt: unter dem Weltwißtümlichen; ausfindig zu machen heißt: geistlich zu beleben. –

[HiG.03_40.08.24,30] (30) Besagt: Dieser Zustand blieb um so leichter unangeregt von etwas Kirchlichem; –

[HiG.03_40.08.24,31] (31) weil Kirchliches und Politisches ineinandergeschmolzen war, so entschuldigte eines das andere, oder es sprach eines dem andern das Urteil, – und war eins wie das andere, da kein Geistiges inne war, schlecht und ohne zu etwas nütze. –

[HiG.03_40.08.24,32] (32) Dieses besagt: wieder geistiges Wachwerden durch Meine Gnade, da gerade keine große Bosheit hinter dem Falschen steckte. –

[HiG.03_40.08.24,33] (33) Besagt das Äußerliche der Kirche und deren Diener und ihr Name.

[HiG.03_40.08.24,34] (34) Besagt: Im Geiste werdet ihr alle Dinge erkennen. –

[HiG.03_40.08.24,35] (35) Besagt: Da hat noch das Allergeringste eine gar große Bedeutung. – Amen.

 

Der Weg zur Wiedergeburt – Verhaltensregeln. – 15. August 1840, abends.

[HiG.03_40.08.15,01] Hier gebe Ich euch ganz kurze Verhaltungsregeln, welche genau und wohl zu beachten sind, so ihr wollt sicher vor allen Nachstellungen der Welt sein und auch den kürzesten Weg einschlagen, um baldmöglichst zum Besitz Meiner Gnade und daraus zur völligen Wiedergeburt zu gelangen. Diese Regeln aber sind geordnet folgende:

[HiG.03_40.08.15,02] Erstens muß jedweder was immer für ein politisches Gesetz seinem ganzen äußeren Wesen nach aufs genaueste befolgen und sich jeden prüfenden Druck wohl gefallen lassen; denn es besteht nirgends eine Macht als nur in Mir und durch Mich. Alles ist Mir untertan entweder (selten) bewußt oder (meistens) unbewußt; denn da herrschen gute und harte Fürsten je nach dem Verhältnisse des Lebens der Untertanen, denn das alles hängt von Mir ab. Wenn aber irgend unter dem Volke alle Laster noch gang und gäbe sind, wie bei euch im hochverdammlichen Grade es der Fall ist, wie sollte Ich euch uneigennützige Regenten geben, welche noch mehr Hurenfutter unters Volk kommen ließen, damit die Menschen dann völlig ersöffen in aller Unzucht? Wehe daher jedem Aufwiegler; der soll nicht nur alsogleich mit dem zeitlichen, sondern auch mit dem ewigen Tode bestraft werden.

[HiG.03_40.08.15,03] Denn Herrscher stehen zu hoch, als daß sie aus sich sein könnten, was sie sind dem Volke; und da ist keiner etwas ohne Meinen gerechten Willen, und es ist der gute und sanfte ein Trost und der harte und habsüchtige eine gerechte Geißel in Meiner Hand. Wer ihm widerstrebt, der setzet sich wider Meine Geißel und wird hart löcken gegen den Stachel. Jedoch wer da lebt in Meiner Liebe und daraus fließenden Gnade, dessen Rücken wird nie unter den scharfen Hieben Meiner Geißel bluten, sondern er wird erstarken wie eine Eiche unter dem harten Wehen der stürmenden Winde. Wohl aber dem reinen Wiedergebornen; denn der wird eine große Wonne finden in den großen Ausflüssen Meiner Liebe.

[HiG.03_40.08.15,04] Mein Reich ist nicht von dieser Welt, daher gebet dem Kaiser, was sein ist, und Mir, was Mein ist – nämlich euer Herz in gehorsamer, reiner Demut. Um alles übrige kümmert euch nicht, denn Ich euer Vater bin ja mitten unter euch. Daher seid gehorsam eurem Fürsten; nehmet willig ohne Murren das leichte Kreuz auf eure Schultern und folget, euch selbst verleugnend, in aller Liebe und Sanftmut Mir nach, so werdet ihr leben und lebendig machen in Meiner Gnade, was ihr nur immer anblicken werdet in Meinem Namen Amen. –

[HiG.03_40.08.15,05] Zweitens: Was die äußere herrschende Kirche betrifft, so steht jeder ihr einverleibte Glaubensuntertan in den nämlichen Verhältnissen zu ihr, solange er ihres äußeren Glaubens hinsichtlich aller ihrer Anordnungen ist, wie die Untertanen zu ihrem Fürsten, nur mit dem Unterschiede, daß eine Desertion nicht wie im Staate sträflich, sondern straflos zu tolerieren ist. Jedoch aber setze Ich hinzu, daß Ich den mit zornigen Augen ansehen werde, welcher seine irdische Glaubensmutter verlassen wird, und es soll ihm dereinst nicht viel besser ergehen als einem wahnsinnigen Selbstmörder. Denn da ihr einen Leib habet, durch welchen die ersten Eindrücke zur Seele gelangen und dieselbe nähren, so muß es ja auch eine äußere Speisekammer geben, was die äußere Kirche ist, damit durch dieselbe euer böser Leib durchgebrochen und bearbeitet werde gleich einem Kinde im Mutterleibe. Wer nun seinen Mutterleib aber zu früh verläßt, saget, was wird oder was kann aus einem solchen werden? – Gehorsam und Demut ist die Nahrung der Seele zur Wiedergeburt des Geistes. So euch aber die Römische solches lehrt und das ganz vorzüglich, was treibt euch dann weg von eures Leibes Glaubensmutter? –

[HiG.03_40.08.15,06] So bleibe denn ein jeder getreu seiner Kirche, und sei Mir ein Römischer 99 mal gesegnet, so er entspricht im Gehorsame seiner Kirche, und jeder andere nur einmal, da er ein eigenliebiger Rechtler ist, da keine Demut und ganz entsetzlich wenig Liebe herausschaut. Wahrlich sage Ich euch, es wird nicht leicht jemand zu Meinem lebendigen Worte gelangen in irgendeiner Sekte, als nur in der römischen Kirche, allda Gehorsam und die äußerste Demut über Hals und Kopf nach Meinem Willen gepredigt wird. Was aber die Zeremonien in ihr betrifft, so soll sich niemand daran stoßen; denn da ist für den Lebendigen alles lebendig, für den Reinen alles rein, dem Gehorsamen alles recht und dem Demütigen alles geheiligt. Nur eine Sau wälzt sich im Schlamme und sucht Lebensluft im eigenen Kote wühlend. Und so wird der Tote alles tot finden und voll Schmutzes, während der Reine mit ganz anderen Augen schauet.

[HiG.03_40.08.15,07] Wie kann aber jemand rechten über die Verhältnisse der Kirche und des Staates, der in Meinem Lichte sich zu sein wähnt? Meint er denn, daß Ich nicht so viel Einsicht und Macht habe, Verhältnisse zu ändern, so sie nicht zusagen möchten Meinem Willen? O solche Richter stehen tief unter einem auch nur schwachen Gläubigen, so sie meinen, daß Ich ihres richterlichen Beistandes benötigte! – Wahrlich sage Ich euch, solche Dinge sind Mir ein Greuel. Denn da geschieht alles zur rechten Zeit, und Ich allein bin der Richter aller Dinge und Verhältnisse, denn Ich allein bin heilig und liebegerecht, – ihr alle aber seid Lügner und voll Hurerei. Daher folget eurer Kirche in ihrem Begehren, und lasset eure Herzen von Mir ziehen, dann werdet ihr sehr bald zum Leben der Gnade und dadurch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen und eure äußere Kirche beleben in eurem Leibe amen.

[HiG.03_40.08.15,08] Drittens: Was die Zeremonie betrifft, so liegt an dieser weder etwas Beseligendes, noch eben auch etwas gerade Tötendes. Da in der Welt alles unter einer gewissen Zeremonie geschieht, was da ein Prozeß genannt wird, so kann auch die Kirche in ihrer Äußerlichkeit ganz wohl Zeremonien haben. Nur soll niemand darinnen etwas Verdienstliches suchen, das da tauge zum ewigen Leben, denn da hilft nichts als ein zerknirschtes demütiges Herz, voll von Meiner Liebe und Gnade, – was dann die lebendige Kirche in euch ist, in und durch welche erst die tote Kirche lebend und voll tiefen Sinnes wird – entweder so oder so, vom Tode erstehend oder vom Leben in den Tod zurücksinkend. Das heißt: Ihr könnt entweder durch den Gehorsam in ihr in die Demut und dadurch zur Gnade und durch die Gnade zur Wiedergeburt gelangen, oder ihr könnt euch in die tote Zeremonie begraben gleich den Heiden und so zugrunde gehen in ihrem eitlen, hilfelosen Geflimmer.

[HiG.03_40.08.15,09] Denn wie ein Baum wächst, Äste und Zweige treibt, dann Knospen, Blätter, Blüte und in derselben weibliche und männliche Staubfäden, was mit der Zeit alles wegfällt als wert- und nutzloses Zeug, damit die Frucht frei und wirksam gedeihe in aller Kraft ihrer geordneten Wesenheit – das ist auch der Fall bei der zeremoniellen Kirche. Würde sich jemand nun hermachen und alles zusammen essen, so würde er zugrunde gehen bei solch unreifer Kost; sondern da ist nur die reife Frucht segnend genießbar, obschon nicht selten auch schon in der Blüte sich öfter heilsame Kräfte bewähret haben, die euch in so manchen Krankheiten ganz gut zustatten gekommen sind. – Nun seht, diese vegetativen Vorgänge sind gleich der toten Zeremonie; aber müßt ihr nicht sagen: Sie sind der Ordnung wegen doch notwendig, denn wenn die Bäume blütenleer stehen, wird wenig Frucht zum Vorschein kommen?

[HiG.03_40.08.15,10] Die jüdische Kirche war eine vorbildende, rein zeremonielle, als Blätter und Blüte zur lebendigen Frucht des Wortes der ewigen Liebe. Nun frage Ich: War sie nicht recht, wenn sie war, was sie hat sein müssen? Wenn euch Kinder gegeben werden, womit wollt oder könnet ihr sie Mich und Meinen Willen besser als eben durch Hilfe der zeremoniellen Anschauung erkennen lehren? –

[HiG.03_40.08.15,11] Ihr alle seid anfangs nichts als Juden und Kinder und bedürfet daher sehr wohl kirchlicher Zeremonie, solange ihr noch Kinder seid, nur – was sich von selbst versteht – hat es bei derselben nicht zu verbleiben; sondern wer die Elementarklasse durchgemacht hat, der trete in eine höhere Klasse und lerne da lesen und schreiben und endlich rechnen in Meiner Liebe und handeln in der Gnade Meiner Weisheit. Und dessen Herz liebend rein geworden ist, der komme dann in Meine Schule, in der er erst zum ewigen Leben gelangen wird durch die Wiedergeburt. Wer aber, sein Inneres unbeachtend, an der Zeremonie hängenbleibt, die an sich tot ist, der wird selbst tot werden, da er so dumm finster war, in äußeren sinnlichen Mitteln den Zweck zu suchen, was der größte Unsinn ist, ja ein Unsinn, der an die krasseste Tollheit grenzt. Wenn jemand ein Kind samt dem Bade wegwirft, so ist er ein toller Narr; wer aber das Kind unbeachtend verwirft und das Bad behält, der ist schon tot aus seiner abergläubischen Bosheit. Der Weise aber behält das Kind mit der Wanne und schüttet nur das Bad weg – das Kind, da es eine lebendige Frucht ist, und die Wanne, um das Kind noch öfter baden zu können.

[HiG.03_40.08.15,12] Daher, so ihr aber wollt wahre Kinder Meiner Liebe und Gnade werden, so laßt euch nicht von der Blüte ärgern; denn sehe die Blüte aus, wie sie wolle, was kümmert euch das? Denket an die Frucht, so wird euch auch die Blüte geheiligt erscheinen, da ihr wißt, daß es bei den Blättern und der Blüte nicht zu verbleiben hat. Aber so jemand zur Frucht gediehen, so fehlet er nicht, wenn er sich öfter umsieht und da die Werdung seines geistigen Lebens wohl achtend durchgeht; wohl aber ist Mir der nicht angenehm, der, seine Kinderschuhe verachtend, sich gleich einem Geier stolz erhebt und dann von schwindelnden Höhen mörderisch die bescheidenen Taubenhäuser anblickt und gierig auf deren Fall hinsieht, um dadurch etwas zu gewinnen!

[HiG.03_40.08.15,13] Denket, daß ohne Meine Zulassung nichts geschieht und ewig nichts geschehen kann, so wird euch augenblicklich alles ganz anders vorkommen! Jeder Mensch hat zwar die volle Freiheit seines Willens; aber die Führung der Völker ist Mein Werk. – Dieses habe Ich euch gesagt, damit ihr volle Ruhe haben möget in eurem Herzen, ohne welche ihr zu nichts Höherem tüchtig werden möget. Die Ruhe des Sabbats sei euch der höchste Segen; denn die wahre Liebe ist ein schwangeres Weib, die Ruhe nötig hat in ihrer Entbindung! – Darum sage Ich euch dieses, damit ihr die volle Ruhe habet in Mir, eurem Vater, der da allzeit heilig, heilig, heilig ist in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten Amen. –

[HiG.03_40.08.15,14] Viertens: Ein ferneres Verhältnis ist das Lesen der sogenannten verbotenen Bücher. Hier sage Ich nicht, ihr sollet sie gar nicht lesen, so sie euch in die Hände kommen, sowenig Ich jemandem untersage, den Namen des Lügenfürsten auszusprechen und wo es not tut, seiner warnend zu erwähnen. Aber nun fraget euch selbst, wozu euch all das schon Gelesene dient! Was steht in den Büchern, die vom stolzen Menschenverstande herrühren? Ich sage euch, nichts als Unsinn und über Hals und Kopf tolles Faselzeug, und hat kein nütze, sondern hat euren Kopf angestopft mit allerlei Irrlicht und euer Herz mit allerlei Unrat und euch dadurch vielfältig verschlossen und finster gemacht euren Geist. Oder saget: Tut der recht, wenn Ich ihm zurufe: Komme zu Mir, so du mühselig und beladen bist, Ich will dich erquicken; bitte, so wird es dir gegeben; suche, so wirst du es finden, und klopfe an, so wird dir aufgetan; wenn Ich ihm noch ferner zurufe: Was du immer den Vater in Meinem Namen bitten wirst, wird Er dir geben unverzüglich, und suche vor allem Mein Reich, alles andere wird dir eine freie Zugabe werden! –

[HiG.03_40.08.15,15] Wie ist's denn aber, so ihr dieses wisset und doch nicht zu Mir kommet, damit ihr es von Mir empfangen möget und lernen von Mir die großen Wege Meiner Gnade und das ewige Leben empfangen aus Meiner Hand, – es ist denn, daß ihr Mich, gleich euch, für einen baren Lügner haltet, oder haltet Mich für so harthörig und hartherzig, euch zu geben Mein lebendiges Wort, und lasset euch lieber von der Welt etwas vorlügen und verhungern in ihrer Tollheit, als daß ihr im Vertrauen aus wahrer Liebe zu Mir kämet und empfinget da die Wahrheit alles Lebens und Seins aus dem Urborne, statt zu suchen das Leben im Tode. O ihr Narren, Ich gebe euch das Brot des Lebens, und ihr wollt beißen in die harten toten Steine; Ich rufe euch laut zu, zu Mir zu kommen, und ihr rennet tollen Hunden nach und gebärdet euch wie sie. Ich schreie über einen Nachtwächter euch Tag und Nacht eure Ohren voll, allein ihr verleget euer Ohr mit ganzen Ballen von unratvollen Büchern, damit ihr ja von Meiner Stimme nichts vernehmen möchtet, und suchet gleich Schlaftrunkenen das Leben auf den geschwärzten geleimten Lumpen! Welcher Ausdruck sollte da wohl bezeichnen solche Narrheit? O Ich sage, ihr werdet in Ewigkeit über eure Tollheit weinen, daß ihr, das Gold mißachtend, das Blei erwählt habet, während euch so viel des Edlen geboten wird! – –

[HiG.03_40.08.15,16] Daher leset wenig, aber betet desto mehr, so werde Ich zu euch kommen und euch in einer Minute mehr geben, als alle Bibliotheken der ganzen Welt aufzuweisen haben, – wovon Ich euch schon hoffentlich so manche sehr stark sprechende Beweise gegeben habe.

[HiG.03_40.08.15,17] Bekümmert euch daher auch wenig über das Verbot der Bücherfreiheit; denn vor dem Ich das große Buch Meiner ewigen Gnade aufgeschlagen habe, der wird das Lesen verbotener Schriften ganz wohl entbehren können, da Mein Buch sich nach keiner Weltzensur richtet; denn es wird allzeit im Herzen der Getreuen aufgeschlagen, wohin kein Weltzensorblick zu dringen vermag und auch keine Schranken gezogen werden ewig Amen. –

[HiG.03_40.08.15,18] Fünftens: Was aber jedoch die Heilige Schrift betrifft, so soll darinnen lesen, der eines einfältigen Herzens ist und hat da ein gehorsames und folgsames Gemüt; und soll es nicht lesen aus Vorwitz oder Neugierde, denn da wird er finden den Tod kleben am Buchstaben, sondern der es liest, der soll es lesen als einen Wegweiser zum lebendigen Worte und danach handeln – und soll auch nicht grübeln und forschen darinnen, sondern danach alsogleich leben und in der Liebe zu Mir emporwachsen. Alsdann wird ihm zur rechten Zeit gegeben werden die Erkenntnis und wird in seinem Herzen enthüllt werden des Geistes und des ewigen Lebens himmlischer Sinn, gerade wie es bei dir, Meinem Knechte, der Fall ist, da du noch nie dieses heilige Buch ganz durchgelesen hast und bist doch ein Professor der Professoren darinnen in jedem Punkte desselben durch Meine Gnade geworden. Das aber, was du bist und verstehst, kann jedem werden, so er nicht nach eitlem Wissen trachtet, sondern nur nach der Erkenntnis Meiner Liebe und der daraus fließenden Gnade in und durch die fromme, demutvolle Einfalt seines Herzens.

[HiG.03_40.08.15,19] Ebenso verhält es sich auch mit jenen mystischen Schriften, deren Lesen euch ebensowenig fruchtet und nützet, als irgendein dummer, eselhafter und saudreckvoller Roman, der sich allzeit ganz wohl mit einer Schlammpfütze vergleichen läßt, wenn ihr davon in euch zu keiner Überzeugung gelangen könnet; denn mit all dem beschweret ihr nur euer Gedächtnis als das Maul eures hochmütigen Verstandes. Statt ihn für Liebe und Weisheit hungrig und durstig zu machen, füttert ihr ihn nur mit allerlei Dreck und benehmet ihm dadurch den Appetit nach der Speise des Lebens. O ihr abermaligen Narren!

[HiG.03_40.08.15,20] Ich bin die Heilige Schrift lebendig und Leben gebend, Ich bin der beste Ausleger derselben und bin zugleich der allertiefste Mystiker! – Daher leset wenig, aber handelt danach, dann wird euch alles werden. Denn das Senfkörnlein ist klein, aber es kann da ein gar großes Gewächs daraus werden, unter dessen Zweigen sogar die Vögel des Himmels Wohnung nehmen werden Amen. –

(Der Weg zur Wiedergeburt. – Fortsetzung am 18. August 1840.)

[HiG.03_40.08.18,21] Sechstens: Was die Priester betrifft, da sage Ich: Es gibt deren mehrerlei; darunter es nur äußerst wenige gibt, so diesen Namen verdienen. Denn es gibt solche, die da Priester sind des Ansehens und der Macht wegen, die da anekelt an ihnen selbst Meine große Armut und gänzliche Machtlosigkeit in weltlichen Dingen, da Ich nicht wollte ein Fürst, sondern nur ein Retter der Welt sein. Und es gibt andere, die da Priester sind der geistlichen Kastenwürde halber. Diese maßen sich an, allein die Kirche zu sein, und verdammen dann aus eifersüchtiger Willkür alles von Mir durch irgendeinen armen Fischer Ausgehende und lehren Meinem Willen schnurstracks entgegen und sagen, ihren Bauch weit aufblähend: Ich offenbare Mich niemandem als nur der Kirche, welche sie zu sein wähnen. Auf diese schändliche Art versperren sie dann auch vielen Tausenden und Tausenden die Türen zu Meinem lebendigen Worte.

[HiG.03_40.08.18,22] Wahrlich sage Ich euch, diese verräterische Art ist Mir ein Greuel; denn sie ist Mein Feind, da sie sich ärgert Meiner herablassenden Liebe zu den Sündern wegen. Ich aber sage euch: Diese werden nie ein anderes Wort von Mir vernehmen als das große: Weichet von Mir, ihr Verfluchten, denn Ich habe euch niemals erkannt; denn ihr waret allzeit Verächter Meines lebendigen Wortes und widerstrebtet allzeit dem heiligen Geiste! Mein geschriebenes Wort belegtet ihr mit der ewigen Verdammnis, damit sie euch erwarte. Ihr hattet Mich zum Lügner gemacht, denn es steht geschrieben: „Wer Meine Gebote hält, der ist's, der Mich liebt; wer aber Mich liebt, der liebt auch Den, der Mich gesandt hat, nämlich den heiligen Vater, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung nehmen bei ihm und Uns ihm selbst offenbaren.“ Das habe Ich zu jedermann geredet; allein ihr fluchet und lästert diese Meine allzeit ewig wahre Verheißung und widerstrebet darinnen Meinem heiligen Geiste; darum treffe euch ewig Mein Fluch, denn ihr seid sicher allzeit Diener des Satans gewesen. Darum weichet von Mir und empfanget den Lohn von dem, dem ihr gedient habt in seiner Kapelle, die er sich errichtet hat an der Schwelle Meines Heiligtums!

[HiG.03_40.08.18,23] Seht, das sind die sogenannten Priester der geistlichen, gotteslästerlichen Kastenwürde.

[HiG.03_40.08.18,24] Wieder gibt es andere, die Priester werden ihres Bauches wegen, um auf einer sogenannten guten Pfründe sich recht mästen zu können. Diese Art hat keinen Geist und ist um eine fette Sau oder um einen gemästeten Ochsen für alles zu gebrauchen. Vor solchen Priestern ekelt es Mir, denn deren Gott ist ihr Bauch, und das Gegrunze ihrer fetten Schweine, das Geblöke ihrer Schafe und Ziegen, das Gebrüll ihrer feisten Kühe und wohlgemästeten Ochsen ist ihnen tausendmal lieber, als zu hören Mein lebendiges Wort, welches ihnen gewiß ganz verzweifelt ungelegen käme, so Ich es sie wollte vernehmen lassen. Sie haben aber in dieser allein belebenden Hinsicht auch wirklich nichts zu besorgen, da Ich den Schweinen nie pflege Meine Worte als Perlen vorzuwerfen. Und für den schlechten Dienst, den sie Mir verrichteten, werden sie etwa doch gut genug bezahlt worden sein, da Ich ihnen um fast nichts im Überflusse gab, wonach ihr Herz so sehnsuchtsvoll durchs ganze Erdenleben gedürstet hat. Da sie so genügsam waren, so sollen sie auf solche Bauchstrapazen sich denn auch nach dem Erdenleben in die ewige Ruhe des Todes legen und warten alldort, bis die letzte Sonne verglimmen wird, auf die Auferstehung ihrer Fleischmasse und ihres Bauches!

[HiG.03_40.08.18,25] Wieder gibt es andere, die da Priester sind des Geldes wegen. Diese erteilen dann Ablässe ums Geld und verkaufen den Himmel nach Jochen, Klaftern, Schuhen und Zollen; doch sind sie mit der Hölle und dem sogenannten Fegefeuer viel freigebiger als mit dem Himmel. Wenn ihre Kassen leer geworden, da halten sie Hölle und Fegfeuer recht weit offen, und wer da keinen Ablaß kauft oder sonst recht viele Messen zahlt, der wird ohne Gnade und Erbarmung hineingeworfen, damit es dann wieder etwas zu erlösen gibt, nämlich recht viele klingende Seelen – und zwar aus der Hölle die Füchse und aus dem Fegfeuer die Schimmel. – – –

[HiG.03_40.08.18,26] Seht, solche zerreißen sich fast das Maul auf ihren Kanzeln und schlagen mit den Händen wie Besessene herum, um dadurch noch irgend einen letzten Groschen aus seiner Ruhe in der Tasche eines Bettlers aufzuschrecken und ihn zu fangen in ihre verdammnisvollen Schlingen. Solche eifrige Beförderer Meines Wortes werden einst sehr viel Lohn erhalten; da soll ihr Himmel sein ein goldenes Herz, eine silberne Seele und ein kupferner Leib, und so viel Leben in diesen toten Metallen ist, ebenso viel sollen sie auch haben ewig.

[HiG.03_40.08.18,27] Wieder gibt es andere, die da sind förmlich asketische Gleisner und Heuchler, um dadurch das Augenmerk eines Hirten auf sich zu ziehen, sich in seine Gunst zu setzen und dadurch sich bald möglichst in den Besitz irgend einer sehr namhaften Pfründe versetzt zu sehen. Diese drehen sich fast die Augen vor lauter Andacht und Demut aus; ihren Leib biegen sie fast allzeit bis zur Erde nieder; verrichten ihr Opfer außerordentlich langsam, und ihre Lippen bewegen sie fast immer, als wenn sie beteten, reden kaum mit halber, stets gebrochener Stimme; wenn sie Meinen Namen aussprechen, da bringen sie sich fast um; sie fasten und beobachten das Äußere des Äußeren wegen auf das pünktlichste vor den Menschen, – jedoch bei sich lachen sie über alles, und ihr Herz ist fest wie ein Stein, so daß sie vor lauter Andacht der armen Brüder gar nicht gewahr werden, die knapp an ihnen vorbei flehend ziehen. Und wie sie taten als Kapläne und wollten dadurch bald Pfarrherren werden, so tun sie als Pfarrherren, um Dechanten zu werden; und sind sie solche geworden, dann ist ihr Augenmerk auf eine glänzende Domherrenstelle gerichtet, und so weiter bis zur Bischofswürde; und selbst da schwebt ihnen noch immer der Kardinalshut vor den Augen, wo nicht gar die Tiara selbst. – Was aber Mich in der Wahrheit betrifft, um das haben sie sich nie gekümmert. Von Meinem lebendigen Worte wollten sie nie etwas wissen und versetzten Mich – als das Leben alles Lebens – lieber mit Haut und Haaren in die tote Zeremonie und hatten einen förmlichen Abscheu vor der Heiligen Schrift.

[HiG.03_40.08.18,28] Seht, solche Schleicher gibt es besonders jetzt sehr viele in der römischen Kirche. Sie sind zwar Priester, die dem Volke gerade kein Ärgernis geben, aber sie bringen auch nur äußerst wenig gute Früchte, da ihr Wort ist gleich einer Frucht, da kein Lebenskern innen ist und geht verfaulend zugrunde in der Erde, welche ist: die Herzen des Volkes. Ich lasse solche öfter erreichen ihr Ziel, während Ich nie ermangeln lasse innere Mahnungen, die ihnen beständig zurufen: Nehme dein Kreuz auf deine Schulter und folge Mir nach, so wirst du leben und wahrhaft beleben die toten Herzen deiner dir anvertrauten Herde! – Statt aber das anzuhören und danach zu tun, kaufen sie lieber, wenn es noch gutgeht, ein sogenanntes Kruzifixlein, hängen oder nageln es irgendwo an und blinzeln vor demselben dann und wann, so sie jemand sieht, mit ihren frömmelnden Augen; doch wenn es auf sie ankäme, hätte das Kruzifixlein lange gut ruhen. Und auf diese leichtere Art halten sie ihre zarten Schultern frei. Auch senden sie sogar inbrünstige Gebetlein, teils schriftlich unters Volk, vielfältig aber auch bei sich aus dem Stegreife um die baldige Abrufung irgend eines würdigen, verdientermaßen Höherstehenden aus purer Nächstenliebe – durch irgendeinen Heiligen – zu Mir.

[HiG.03_40.08.18,29] O seht, auch diese Art ist Mir ein Greuel. Diese werden einst sehr große Augen machen, wenn sie sehen werden, welche merkwürdige Scheusalsgestalt ihr Leben jenseits nehmen wird.

[HiG.03_40.08.18,30] Und noch wieder gibt es andere, die da geiler sind als Hunde und Böcke und da treiben Unzucht aller erdenklichen Art und verscharren ihre Kinder oft lebendig in die Erde, um nicht bei irgendeinem würdigen Bischofe in einem verabscheuungswürdigen Lichte zu erscheinen, wie auch vor dem viel besseren Volke, dem er als ein leitendes wahres Ungetüm gegeben wurde. – Ich sage, diese werden einst sehr stark links zu stehen kommen; wahrlich mit ihnen sollen einst der Huren brennende Kleider gefüttert werden.

[HiG.03_40.08.18,31] Und dergleichen mehrere gibt es noch eine Menge, die da alle Priester heißen; allein Ich habe sie noch nie als solche erkannt, besonders aber in den Klöstern, wo sie oft aus lauter Bruder- und Nächstenliebe miteinander leben wie wilde Hunde und Katzen und jeder dem andern oft jeden Bissen abneidet.

[HiG.03_40.08.18,32] Jedoch gibt es doch auch wieder Priester, die da wohlverdienen diesen segenvollen Namen. Diese sind freundlich und liebevoll gegen jedermann. Was sie haben, geben sie den Armen. Sie verdammen niemanden, sondern sie suchen nur sorgfältig zu retten das Verlorne. Sie trösten die Betrübten, sie beherbergen die Fremden und geben ihnen ein weiches Lager und legen sich selbst aus wahrer Liebe einen Stein unter ihr geheiligtes Haupt. Sie lassen sich keine Opfer zahlen, sondern sagen zu dem, der solches tun möchte: Bruder, das Opfer ist heilig und von unschätzbarem Werte; denn es stellt das große Werk der Erlösung im Glauben und in der Liebe wieder lebendig dar. Daher kann es nicht bezahlt und zum Wohle eines einzelnen verrichtet werden, sondern wie durch die Macht der großen Erlösung alle können und sollen wiedergeboren werden zum ewigen Leben, so eben wirkt auch die Kraft des von Christus Selbst zu dem Zwecke eingesetzten Opfers. Daher opfere deine Gabe zuvor als Hilfe einem armen Bruder, und hast du dann noch etwas erübrigt, so bringe es getreu und lege es auf den Altar des Herrn und bete für deine Feinde; dann wird der große Herr dein Opfer im heiligsten Opfer aus meinen Händen mit Wohlgefallen ansehen und dir geben, was dir not tut.

[HiG.03_40.08.18,33] Seht, das ist Mir ein wahrer Priester, dessen Opfer Mir unendlich angenehm ist. Wahrlich sage Ich euch, da gehet hin und höret seine Predigt, denn nicht ein Wort ist sein, sondern lebendig Mein! O dieser aber wird bald erfahren, wie groß der Lohn wird, der seiner harret, – wahrlich sage Ich: Er wird bei Mir, seinem heiligen Vater, wohnen ewig! – Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen; an ihren Werken aber werdet ihr sie leicht erkennen, wie einen Baum aus seiner Frucht. –

[HiG.03_40.08.18,34] Seht, hier habe Ich euch gezeigt die ganze Krankheit des römischen Priestertums, wie sie sind an und für sich; doch sage Ich, das alles geht euch wenig an und – kehre ein jeder vor seiner eigenen Tür und nie vor der seines Nächsten und am allerwenigsten vor der eines Priesters, sondern seid allzeit willig und gehorsam und laßt euch von dem Schlechten nicht ärgern und verführen durch sein Beispiel, sondern befolget als Kinder die Lehre, die da doch sein muß im katholischen Geiste recht, – und soll auch Unkraut sogar dazwischengekommen sein, so wird es zu seiner Zeit schon vertilgt werden. Und rechtet nicht über die Wege eines solchen Priesters; denn Ich, der wahre Rechter, sitze einem solchen schon ohnehin auf dem Genicke, und ehe er sich's versehen wird, wird ihm dasselbe gebrochen werden. Nur lasset euch von niemandem als Ohrenbläser gebrauchen; denn verflucht sei ein Postenträger und Draschler, denn er ist gleich dem bösen Sämanne, der da Unkraut unter den Weizen mengte. Der schlechte Priester wird einst rechten für sich und für euch; ihr aber werdet rechten nach eurem Gehorsam und wahrer demütiger Nächstenliebe nur für euch selbst.

[HiG.03_40.08.18,35] Daher sollet ihr euch selbst darum nicht stoßen an der Kirche der Priester wegen, da es darunter doch auch recht viele redliche und getreue gibt. – Am wenigsten aber sollet ihr euch stoßen an irgend einem Bischofe. Da ein solcher schon höhersteht und vorsteht einem Volke, so könnet ihr euch auch schon ziemlich gut denken, daß er nicht ganz allein dasteht, sondern daß jeder seiner Schritte und Worte und Taten von Mir sehr genau gezählt wird; und es soll durch ihn doch allzeit der äußere Stand der Dinge in guter Ordnung erhalten werden.

[HiG.03_40.08.18,36] Doch was euer Inneres betrifft, so wißt ihr ja ohnedies, daß es da allzeit nur auf euch selbst ankommt und hernach auf Meine Gnade, welche euch weder ein Engel des Himmels noch irgendein Bischof, noch wer immer geben kann, sondern zunächst ihr euch selbst durch die wahre Liebe zu Mir und den Nächsten durch genaue Haltung der Gebote – oder als Sünder durch eine ernstliche Buße.

[HiG.03_40.08.18,37] Denn aus allem, was ihr tut, leuchte Meine und des Nächsten Liebe heraus. Kümmert euch also wenig und denket gar nicht um einen schlechten Priester, und haltet brüderliche Gemeinschaft in allem Guten unter euch, so werde Ich zu euch kommen und euch lebendig machen durch und durch. Liebet, die euch hassen und verfolgen, und segnet durch Gebete die, welche euch fluchen und verdammen; dann werdet ihr anfangen, große Wirkungen Meines Lichtes in euren finsteren Herzen wahrzunehmen Amen. – –

[HiG.03_40.08.18,38] Siebtens: Was schließlich noch die sogenannte Ohrenbeichte und die sieben heiligen Sakramente betrifft, so sage Ich euch und bitte euch sogar, stoßet euch nicht daran, gebrauchet alles gerecht und im rechten lebendigen Sinne, so werdet ihr leben! Denn da ist dem Rechtler nichts recht, dem Gerechten aber alles gerecht und heilig; sogar das Nest eines Vogels wird seinem Herzen ein Lob entlocken, und doch ist es nur ein totes Nest eines Vogels. Um wieviel mehr könnet ihr euch denken, daß Dinge, so da errichtet worden sind zu eurer Heiligung, nicht aus der Luft gegriffen werden, – sondern da hängt es allzeit von euch ab, wie ihr sie gebrauchet.

[HiG.03_40.08.18,39] Wer da beichtet und bekennet seine Sünden dem Priester, der hat dadurch seine Sünden öffentlich vor der Welt bekannt, und es wird ihm dereinst ein solches Bekenntnis nachgesehen werden, so er hinfort nicht mehr sündiget. Wer aber sündigt nach wie vor der Beichte, der hat die Beichte zu einer Sündensparkasse gemacht, die ihm dereinst zur Hölle hohe Zinsen tragen wird. – Daher, wer da beichtet und wahre Buße wirket und sofort nicht mehr sündigt, der tut ja sehr recht; jedoch wer das alles für so ganz null und nichtig hält, der wird sich einst sehr täuschen, denn er wird eine Kluft finden, über die er schwerlich je wird springen können.

[HiG.03_40.08.18,40] So ihr aber saget: Hätten wir es wie zu den Zeiten der Apostel, dann würden wir gewiß ganz andere Menschen sein, da wir mit eigenen Händen (gleich einem Judas!) könnten in die Schüssel greifen! – Allein Ich sage aber, diese schrieen aus vollem Halse nach einem geregelten Gottesdienste und einer sichtbaren Besserungsanstalt gleich dem israelitischen Volke nach einem Könige, während sie oft wie Wölfe und Bären bei ihren Abendmählern zu raufen gekommen sind.

[HiG.03_40.08.18,41] So Ich euch nun gegeben habe Regel, Ordnung und System, was ist es denn, das euch darinnen nicht zusagt? – Gebrauchet es gerecht, und achtet es, wie ihr es habt, und wünschet euch es nicht anders; denn wie schon gesagt, am Äußerlichen ist wenig gelegen, sondern alles an euch, wie ihr es nehmet! So gut es sein kann und wahr, so schlecht aber kann es auch sein und falsch, wenn ihr es so gebrauchen wollet oder nicht. Wenn aber unter der Sonne heilsame und giftige Kräuter wachsen, so denket: Es liegt nicht an der Sonne, so oder so, sondern allzeit an der jeweiligen innern, entweder guten oder schlechten Beschaffenheit der Pflanze, ob da Segen oder Gift. – Daher liegt es allezeit an euch, ob gut – oder schlecht – Amen. Ich euer lieber Vater Amen, Amen, Amen. – – –

 

Das aber ist der kürzeste Weg zur Wiedergeburt.

[HiG.03_40.08.18,42] Zwar steht es mit dem gerechten Menschen in dieser Hinsicht wie mit einem Baume, dessen Frucht auch nicht auf einmal reif wird, sondern nach und nach; aber wenn der Frühling lau und heiter war und der Sommer anhaltend warm, mit kleinen Regen abwechselnd, so saget ihr: Dieses Jahr werden wir eine Frühreife haben. – Seht, ebenso ist es bei euch, wenn ihr eure Jugend heiter in sanfter Liebe zu Mir zugebracht habt, dann wird auch der Sommer allbelebend warm werden, abwechselnd mit Gnadenregen vom Himmel, und ihr könnet versichert sein, daß der ewige goldene Herbst zur ewigen Reife der unsterblichen Frucht nicht mehr ferne sein wird. Denn soweit jemand von Mir wiedergeboren sein will, soweit muß er seine Sünden erkennen und selbe zu seiner Demütigung öffentlich bekennen, das ist: ernstlich durch die Beichte äußerlich, und innerlich Mir, und muß Mich bitten um Vergebung, wie es in Meinem Gebete angezeigt ist, und muß gleich einem Petrus wahre Reue und Trauer und Angst empfinden und weinen über den so unschätzbaren Verlust Meiner Gnade, und muß sich den allerernstesten Willensvorsatz machen, ja in alle Ewigkeit nicht mehr sündigen zu wollen.

[HiG.03_40.08.18,43] Dann muß er sich ganz fest vornehmen, mit der Welt ganz zu brechen, und sich ganz Mir übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir – und muß in dieser großen Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und allen Geschäften in ihr zurückziehen und wenigstens 7 Viertelstunden lang bei verschlossenen Türen und Fenstern weder beten noch etwas lesen, sondern er muß diese Zeit in der völligen Ruhe, bloß nur sich in seinem Innersten mit Mir beschäftigend, zubringen. – Und allzeit aber, sooft sich jemand in diese Ruhe begeben hat, soll er folgende kleine anregende Rede halten in seinem Herzen an Mich im allerfestesten Ernste und sagen:

[HiG.03_40.08.18,44] Herr! – Hier bin ich. Ich ließ Dich, o liebevollster heiliger Vater, lange warten, da Du mir schon seit meiner Kindheit unablässig zugerufen hast: Komm zu Mir, Ich will dich erquicken! – Nun, o Vater, ist die Zeit gekommen, daß sich mein Ohr geöffnet und mein sonst starrer Wille ganz in den Deinigen ergeben hat voll Demut und Gehorsam vor Dir, wie auch nach Deinem Willen zu allen meinen besseren Brüdern. Daher komme Du, mein allerliebster Jesus, zu mir und erquicke meine kranke Seele mit dem Balsam Deiner unendlichen Liebe; laß mich finden meine große Unbild in Deinem bitteren Leiden und Sterben; lasse mich sehen die heiligen fünf Wundmale und erkennen darinnen meine große Missetat! O Jesus, Du Überwinder des Todes und der Hölle, komme zu mir und lehre mich Deinen Willen erst recht verstehen; lehre mich erkennen mein völliges Nichts und Dein Alles!

[HiG.03_40.08.18,45] O Du mein süßester, liebevollster Jesus, Du Herr aller Heerscharen, komme zu mir Armem, – komme zu mir Schwachem, – komme zu mir Blindem, – komme zu mir Taubem, – komme zu mir Aussätzigem, – komme zu mir Gichtbrüchigem, – komme zu mir Lahmem, – komme zu mir Krummem, – komme zu mir Besessenem, – ja o mein, mein, mein allerliebster Jesus! komme, komme, komme zu mir Totem und laß mich nur anrühren Dein heilig Kleid, so werde ich leben. – Herr, lasse Dir ja nicht Zeit, denn ich habe Deiner unendlich nötig; ich kann ja nicht mehr ohne Dich sein, da Du mir Alles und alles andere aus Liebe zu Dir zunichte geworden ist! Ohne Dich kann ich nicht mehr leben; daher, o mein liebster Jesus, komme alsobald zu mir! – Doch wie allezeit, so geschehe auch diesmal Dein heiliger Wille Amen. –

[HiG.03_40.08.18,46] Nach dem begebet euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und Liebe zu Mir. So ihr das nur eine kurze Zeit üben werdet, so sage Ich: Ihr werdet bald blitzen sehen und donnern hören; aber dann erschrecket nicht, und werdet auch nicht ängstlich; denn nun komme zu jedem Ich erst als Richter unter Sturm, Blitz und Donner, und hernach erst in sanftem, heiligen Wehen als Vater! –

[HiG.03_40.08.18,47] Wer da will im wahren Sinne eine sogenannte Generalbeichte verrichten, der wird vieles vorhaben, weil dazu mehr Demut und Selbstverleugnung erfordert wird. – Das heißt, sehr wohlgemerkt, es muß dabei ein Totalvorsatz sein, nicht mehr zu sündigen, und muß das heilige Abendmahl im lebendigen Glauben aus reinster Liebe zu Mir genommen werden; dann erst werden sich wunderbare Wirkungen desselben in euch augenblicklich verspüren lassen, welche sich alsobald in übergroßer, unbegreiflicher Freude und himmlischer Wonne kundgeben werden.

[HiG.03_40.08.18,48] Seht, das ist der kürzeste und wirksamste Weg zur reinen Wiedergeburt, in welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist. Jeder andere Weg dauert länger und ist unsicherer, da es sehr viele Diebeswege gibt, allwo hinter dem Straßengebüsche arglistige Diebe, Räuber und Mörder lauern; wer da nicht wohl gepanzert ist und bewaffnet kreuz und quer, der wird hart ans Ziel gelangen. – Bedenket wohl, wer Der ist, der euch das sagt! –

[HiG.03_40.08.18,49] Daher meine Ich, statt der weltlichen Ressourcen und Unterhaltungen und sehr schmutzigen Gesellschaften könntet ihr füglich Meine Ruhe und Sabbat-Ressourcen wählen und da umsonst ohne Entrée euch mit Mir unterhalten und das andere Entrée zu etwas Besserem verwenden! –

[HiG.03_40.08.18,50] Was meint ihr, was da besser wäre und Mir um desto wohlgefälliger? Denn seht, wie Ich schon zu den Aposteln einst gesagt habe: daß niemand zweien Herren dienen kann, – daher bedenket wohl, wer daran euch mahnt Amen. – Ich euer heiliger Vater von Ewigkeit bin es Selbst Amen, amen, amen. – – –

[HiG.03_40.08.18,51] Und ich Knecht sage Halleluja, Ehre und Preis und Ruhm Gott in der Höhe als dem Vater, Sohn und Heiligen Geiste Amen. –

(Siehe dazu das Beiwort vom 20. Aug. 1840, „Himmelsgaben“, Bd. 1 (HiG.01_40.08.20))

 

Größe der Schöpfung und der Liebe Gottes. – 5. September 1840.

[HiG.03_40.09.05,01] Kubischer Inhalt der Erde. Ihr Durchmesser 1720 Meilen; somit ist ihre Peripherie 5160 Meilen. Ihre Oberfläche wäre demnach das Produkt des Durchmessers und der Peripherie, somit 8875200 Quadrat-Meilen Oberfläche der Erde. Zum Kubus erhoben mit dem Durchmesser macht 15265344000 Kubik-Meilen als ganzer Inhalt der Erde. Macht in Kubik-Klaftern 976''982016'000000000000 / Kubik-Zolle der Erde 364''''734 279'''587568''000000'000000 / Kubik-Linien 137'''''172733''''875252'''338664''000000'000 000.

[HiG.03_40.09.05,02] Es sollen genommen werden auf eine Kubiklinie 10 nackte Greiskörner, so macht das für den Inhalt der ganzen Erde: 1371'''''727338''''752523'''386640''000000'000000

[HiG.03_40.09.05,03] Es soll aber nun noch ein jedes Greiskorn in eine Million Teilchen zerteilt werden, welches Teilchen schon so klein wird, daß es nur unter dem schärfsten Mikroskope noch ganz leise wahrgenommen wird. Sonach besteht die ganze Erde aus: 1371''''''727338'''''752523''''386640'''000000''000000'000000

[HiG.03_40.09.05,04] Seht, diese Rechnung habe Ich Meinem Knechte eingegeben, um euch zuerst die Erde mechanisch in die kleinsten Teile zu zerteilen, ohne welche Zerteilung ihr unmöglich von der totalen Enthüllung euch irgend eine richtige Vorstellung je machen könntet.

[HiG.03_40.09.05,05] Wolltet ihr nun noch die Sonne auf die Weise zerteilt haben, so müßtet ihr noch die Produkte überall mit 1000000 vervielfachen, das heißt, ihr hättet da nur überall 6 Nullen anzuhängen, und es wird euch der ganze Inhalt derselben bekannt sein, insoweit es euch not tut; denn es kommt da nicht auf eine sogenannte mathematische Genauigkeit an, welche nur Mir allein bekannt ist, sondern nur auf die größtmögliche Annäherung.

[HiG.03_40.09.05,06] Daraus könnt ihr dann euch eine ganz gute Anschauung verschaffen, für wie vieles Ich zu sorgen und aus Liebe beständig zu wachen habe; denn es hängt da die weise Erhaltung des Kleinsten, wie dadurch des Größten, von der mächtigen Ordnung ab – und da hängt die Erhaltung des Ganzen von der Erhaltung auch nur eines einzigen Atomes ab. Ja, Ich sage euch, so jemand imstande wäre, zu vernichten auch nur eine Monade, die ganze sichtbare Schöpfung würde bald zunichte werden. Jedoch ist das nur Gott möglich, so Er die Liebe nicht hätte, – aber im Vollbesitze dieser will und kann daher auch nicht handeln Ich gegen Meine Liebe, welche Liebe Meine eigentlichste göttliche Ordnung ist, außer und ohne welche nie etwas hätte erschaffen werden können und auch nur den trillionsten Teil einer Sekunde lang bestehen.

[HiG.03_40.09.05,07] Seht, daher gab Ich euch nun diese Rechnung und zeigte euch die große Zahl einer Milliarde, – und Ich sage euch, in eine Sonnenhülsenglobe sind wirklich eine Milliarde Sonnen geschoben (siehe ‚Der Engel‘). – Nun denket ein wenig nach über das weite Revier des Todes! – Denket euch aber noch hinzu, daß erstens von einer Globe bis zur andern eine Milliarde Globen Platz hätten, und denket euch ferner, daß eine Milliarde Milliarden solcher Globen erst Eins ausmachen, und daß ferner Meine Zahlen der Schöpfung fortwachsen, und daß die ganze Unendlichkeit so gearteter Schöpfungszahlen in Meiner Hand gleich einem Tautropfen ruht, und daß es solcher Tropfen wieder zahllose gibt, – so wird euch einleuchten, wie groß Ich, wie groß Meine Sorge und wie groß erst Meine Liebe sein muß, die dieses alles wie einen Punkt erhält und Leben haucht über alles nach Bedarf des Seins! –

[HiG.03_40.09.05,08] Seht, Ich bin ein gar großer Vater, der sehr vieles hat, und Meine lieben Kinder sollen dereinst über ein Kleines nicht zu kurz kommen! – Wohlgemerkt! – die Mich lieben – denn Mein Haus hat viele Wohnungen Amen. Das sage Ich, der große heilige Vater amen amen amen.

 

Die Größe des Menschenherzens. Gefühl und Verstand. – 16. Oktober 1840.

[HiG.03_40.10.16,00] Ein kurzes Beiwort zur Darstellung des Südpols.

[HiG.03_40.10.16,01] Sehet, klein zwar ist das Herz des Menschen, aber desto größer der Horizont seiner Gefühle, so jemand ist in der Kraft des Glaubens aus der reinen Liebe zu Mir. Ich sage euch, es ist kein Ding so verborgen, daß es nicht von den Strahlen des reinen Gefühls erreicht werden möchte; und haben dann die reinen Strahlen des Gefühls irgend etwas erfaßt, so fraget euch selbst, ob es noch möglich wäre, die Sache anders zu erfassen, als sie an und für sich wirklich ist und besteht.

[HiG.03_40.10.16,02] Ganz anders verhält es sich freilich mit den Verstandesmenschen. Diese haschen mit dieser kurzen Hand (des Verstandes) nach allen Dingen, gleichwie unmündige Kinder nach dem Monde und anderen sehr ferne gestellten Sachen. Diese Menschen ziehen dann ihr Gefühl in ihren engen Verstand und lassen es dann in diesem hochmütig herumtappen gleich einem Blinden, der sich niedergesetzt hat auf einen mit Hieroglyphen übermeißelten Steinblock und auf demselben herumgreift, ohne daß ihm auch nur eine leise Ahnung zulispeln möchte, daß das lauter Hieroglyphen sind, und noch weniger, daß diese Schrift eine geheimnisvolle entsprechende Sprache ist aus den hellen Strahlen des reinen Gefühls.

[HiG.03_40.10.16,03] Sehet, so verhält es sich auch mit diesen Meinen euch gegebenen Mitteilungen und Offenbarungen Meiner Gnade. So ihr sie mit den Strahlen eures Gefühls prüfen und beleuchten werdet, so wird euch deren Wahrheit alsobald einleuchtend werden, und ihr werdet euch alsobald finden, als wenn die Sache euch wie lange bekannt gewesen wäre. Mit dem Verstande aber besehen, wird es euch immer mehr und mehr zu befremden anfangen; denn wie gesagt, der Verstand hat nur sehr kurze Arme, welche noch dazu sehr schwach sind, und vermögen daher große Dinge, so sie ihnen auch sehr nahe wären, nicht zu erreichen, noch weniger aber ferne Sachen zu erreichen, sie dann an sich zu ziehen – und dann gar Sonnen in ihr enges Schneckenhaus zur blinden Betastung ihres genotzüchtigten Gefühls zu schieben.

[HiG.03_40.10.16,04] Sehet, das geht durchaus nicht. Und da der Verstand aber mit der Zeit doch gewahr werden muß, daß solches unmöglich ist, da wird er zornig, läßt alles stehen, räumt alles unnötige Zeug aus seinem Schneckenhause und genügt sich in seinen eigenen Abstraktionen, verabschiedet endlich sogar das genotzüchtigte Gefühl und wird kälter denn der Nordpol selbst und fängt an, sich selbst in seiner allerhöchsten Dummheit als einen Gott anzustaunen, wo nicht gar selbst anzubeten, da er es endlich so weit gebracht hat, daß er zu wissen anfängt, daß er nichts weiß, und in diesem Nichtwissen doch alles zu wissen wähnt. Das ist denn hernach der größte Triumph, ja ein Triumph, für welchen das harmloseste Kind keinen Heller gäbe – und jedem noch so geringen Engel davor ekelt.

[HiG.03_40.10.16,05] Daher sollet auch ihr euren Verstand unter den Gehorsam des reinen Gefühles im lebendigen Glauben aus der Liebe zu Mir vollends gefangennehmen, so werdet ihr alle Dinge schauen, wie sie sind; und dann erst werdet ihr klar und deutlich einzusehen anfangen, wo die ewige Sonne der Wahrheit und Wirklichkeit leuchtet.

[HiG.03_40.10.16,06] Dieses Wenige sei euch gesagt, damit ihr in der Zukunft merken sollet, mit welchem Maßstabe Meine Offenbarungen zu bemessen sind Amen. Das sage Ich, der große Meister in allen Dingen, Amen, Amen, Amen.

 

Das Streben der Liebe nach Vereinigung. Bewahrung der Individualität. – 17. Oktober 1840, nachmittags.

[HiG.03_40.10.17,01] So schreibe noch ein Beiwort, und dieses Beiwort erhelle noch so manchen dunklen Winkel des Südpols. –

[HiG.03_40.10.17,02] Was die anziehenden Kräfte anbelangt, so entsprechen diese der Liebe, die stets hungert nach friedlicher Vereinigung, und was sie einmal ergriffen hat, nicht mehr ausläßt, sondern ihren ergriffenen Gegenstand so lange von allen harten Teilen reinigt, daß sogar das kleinste Stäubchen Sandes hinaus muß vom lieberfaßten Gegenstande, damit der Gegenstand werde weich durch und durch – wie die Liebe selbst, um dadurch der möglichst innigsten Vereinigung fähig zu sein.

[HiG.03_40.10.17,03] Daß sich dieses aber so verhält, könnet ihr ja sehr leicht daraus ersehen, so ihr beachtet ein liebendes Paar, welches sich gegenseitig erfaßt und sich so lange und enge aneinander preßt und drückt, wie es nur immer möglich ist. Und bestünde nicht zwischen beiden die feindliche abstoßende Materie, wie Haut, Fleisch und Knochen, so würden sich die zwei Liebenden bis zu einem Punkte vereinen; und wenn dann erst Liebende sich geistig vollends glichen, so würde die Einswerdung noch nach einer größeren Intimität streben.

[HiG.03_40.10.17,04] Sehet, daher sind von Mir aus stets weise Schranken gesetzt in allem und jedem, damit trotz aller Liebe demungeachtet nie eine Individualität die andere zu sehr verschlinge. Und diese Maßregeln als Schranken sind die abstoßenden Kräfte in allem und jedem. Daher geschieht es selbst bei den Engeln im demutvollsten allerhöchsten Unschuldshimmel, daß ihrer großen Liebe Zustandswechsel zugelassen werden zur stetigen Verwahrung ihrer Individualität; sie haben eine ähnliche Bewandtnis geistig wie die Abspannung und Mattwerdung des Fleisches nach einem Zeugungsakte. Und wäre dieses alles nicht so von Mir eingerichtet, und das alles zwar aus Meiner ewigen Ordnung heraus, so würde endlich alles Fleisch und aller Geist zugrunde gehen. Denn die Liebe für sich hätte kein Ziel und kein Maß, und möge sie schon wie immer geartet sein, welches alles euch erst bei den späteren Enthüllungen der Geisterwelt, des Himmels und der Hölle klar und vollkommen deutlich gezeigt werden wird, und zwar wenn alle schon tiefer werden in sich gedrungen sein, das heißt: bis ins Zentrum ihres Lebens aus Mir. –

[HiG.03_40.10.17,05] Nun sehet, genauso verhält es sich zwischen den Erden und der Sonne, welche Weltkörper nur dem Auge des Fleisches als solche erscheinen. Doch wer sie da beschauen könnte mit den Augen des Geistes, der würde alsobald statt der Weltkörper entsprechende Geister in den verschiedensten Liebe-Abstufungen erschauen – in jedem Tropfen Wassers, der Luft, des Äthers; ja in einem Sandkörnchen würde er ganze Vereine von gleichliebenden und dadurch gleichgesinnten Geistern entdecken. Ja er würde endlich gewahr werden, daß er selber ganz angestopft und umlagert von lauter Geistern ist, die mit ihm liebeverwandt sind, und würde auch in der Sonne erdverwandte Geister, und so auch umgekehrt, erblicken.

[HiG.03_40.10.17,06] Seht, darauf gründet sich eigentlich alle Anziehung und Bewegung, und so auch alle Abstoßungs-, Trieb- oder Wurfkraft. So ziehen sich denn entgegengesetzte Pole an, weil die Liebe nur das ihr Gegenüberstehende ergreifen kann und zieht es an sich der schönen Ähnlichkeit wegen: der Ähnlichkeit wegen deshalb, weil die Liebe sich im Gegenstande erblickt, und schön deshalb, weil jeder Gegenstand in seiner Absolutheit eine gewisse Rundung annimmt, durch welche er seinem Primitivwesen angenehm wird, da dieses die Leere empfindet, da sich ein Teil seiner Liebe absolut gemacht hat. Und wie das Primitivwesen empfindet seine Leere, so eben auch empfindet das absolute Wesen sein selbstiges unbeständiges Alleiniges und hat nicht eher Ruhe, als bis es sich wieder vereinigt hat mit der Primität. Werden dann aber gegen solche Vereinungen gewisse Schranken gezogen, so entstehen daraus polarische wie auch geschlechtliche Unterschiede, die doch beständig das Einungsbedürfnis empfinden und sich immerwährend nachstreben.

[HiG.03_40.10.17,07] Und wie es sich also verhält mit der Liebe, so verhält es sich mit dem Gegensatze, da das Selbst sich abstoßt und verabscheut, da es ein abstraktes Gleiches ist und sich daher so wenig einen kann wie ein gleiches Faß mit dem andern.

[HiG.03_40.10.17,08] Sehet, dieses Wenige und Viele sei euch wieder ein kleines Flämmchen; nehmet es auf in euer Herz, damit es euch erhellen möchte noch so manche dunkle Stellen des Südpols der Erde, ganz besonders aber des fleischlichen Südpols eurer Liebe Amen. Ich, die ewige Liebe und Weisheit Amen, Amen, Amen, der da heißet Jesus Jehova amen.

 

Anfrage wegen des „siebenten Jüngers“. – 24. November 1840. Nachmittag.

[HiG.03_40.11.24] Wie haben wir uns gegen den vermeintlichen „siebenten Jünger“ zu benehmen, da er Deine ihm von uns vorgehaltene Ermahnung für eitles Menschenmachwerk hält und der falschen Meinung ist, wir wollten seiner los werden, da es nur unser aufrichtiger Wunsch ist, ihn näher an uns zu ziehen und für Dein heiliges Reich mit Deiner kräftigen Beihilfe zu gewinnen? –

[HiG.03_40.11.24,01] Was den sehr Schwachen betrifft, so seid alle ganz unbesorgt; dieser sehr Schwache wird sich in euch mit der Zeit schon wiederfinden. So aber der Wille schwach ist, so ist er schwach in allem; wenn er aber nur willig ist in seiner Schwäche, da werde Ich ihn ja wohl mit der Zeit stark machen! – Nehmet auf euch den sehr Schwachen und machet ihn fest durch eure Liebe; dann werde schon Ich kommen und stark machen, was schwach ist.

[HiG.03_40.11.24,02] Liebet, vertrauet und glaubet fest, denn darin liegt das große Geheimnis alles Gelingens für euch. Mehr braucht ihr für diesmal nicht, sondern alles zu seiner Zeit und nichts vor derselben. Amen, das sage Ich der allein Heilige Amen Amen Amen. – – –

 

Anfrage wegen des sehr Schwachen. – 2. Dezember 1840. Nachmittag.

[HiG.03_40.12.02] Herr! Bester, heiligster Vater! Was soll da mit dem sehr Schwachen werden, der da nicht anerkennen will Deiner ewigen Liebe süße Mahnung und suchet Rechtfertigung vor der Welt und fängt an, ein Verräter zu werden Deiner geheimen inneren Gnade, die doch nach Deinem Willen bis zur Zeit Deines Gefallens möchte verborgen gehalten werden? Wir alle bitten Dich in unserer demutvollen Wissenschaft über unsere große Schwäche und Unlauterkeit unseres Herzens, daß Du uns anzeigen möchtest, was da ferner geschehen solle, damit Dein heiliger Name nicht möchte entheiliget werden vor den Menschen, die da leben der Welt und nicht dem Geiste. – O Vater, erhöre gnädigst unsere Bitte Amen! –

[HiG.03_40.12.02,01] So schreibe! Sehet, das sind die Folgen, wenn nicht genau nach Meiner Vorschrift gehandelt wird. Warum tatet ihr nicht, wie es angeordnet war? Daher sollet ihr bei allem, was ihr tut, allzeit darauf sehen, was es für Folgen haben könnte, so ihr nur im geringsten abweichet, nach dem zu handeln, wie Ich es euch doch allzeit genau gebe! – Ihr wisset ja, daß Ich nur raten und erleuchten kann und mag, aber niemals einen freien Menschen zu etwas nötigen; sondern da geschehe, so er es annehmen will!

[HiG.03_40.12.02,02] Was aber habt ihr mit dem zu tun, den Ich nicht kenne? Für den habe Ich nichts gegeben. Habe Ich jemandes Namen berührt? Sehet, wie hätte Ich es für den gegeben? – Hättet ihr aber gehandelt nach der Vorschrift, so hättet ihr wohl erfahren, wer darunter zu verstehen ist; denn Ich wäre da alsobald in jedem von euch aufgetreten und hätte euch wohl gezeigt den sehr Schwachen, und ihr hättet ihn auch alsogleich wohl erkannt. Und wäre der auch, den ihr vermeintet, zugegen gewesen, so hätte er sich nicht einmal gewagt, ein solches Heiligtum auf sich zu beziehen; und hätte er sich auch hie und da getroffen gefühlt, so hätte es dann gedient zu seiner Besserung, und er wäre binnen kurzer Zeit gewonnen gewesen. Allein so ist es, wenn jemand nicht genau befolgt Meinen Rat und Meine Ordnung. Es geht dann alles unter, und es wird der gute Same am Wege zertreten, daß er keine Frucht bringe!

[HiG.03_40.12.02,03] Jetzt fragt ihr freilich, was da zu tun? Ich sagte ja letzthin: Liebe, Sanftmut und Geduld wird alles wieder gutmachen; und was Ich euch damals sagte, das sage Ich euch auch heute, nur mit dem Beisatze, daß der vermeintliche sehr Schwache nicht ist der, den ihr meintet, noch seid es ihr, – sondern Ich Selbst bin es in euch und nehme unter diesem Bilde alle eure Mängel auf Mich, um sie für euch zu tragen, zu leiden und zu sterben und zu töten dadurch eure Schuld in Mir, – dann wieder, den Tod besiegend, in euch zu erstehen als Überwinder des Todes und der Hölle, welche Auferstehung im Menschen die eigentliche Wiedergeburt ist. Ich Selbst aber wäre dadurch der siebente Jünger durch die Wiedergeburt unter euch geworden, das heißt, in der großen Verständlichkeit eures Herzens. Denn seht, das Bild ist euch darum also gegeben, als enthielte es förmlich die Lebensgeschichte eines euch bekannten Menschen, wenn auch der Tat nach nicht gänzlich, wohl aber dessen Gemütszustande gemäß, was auch bei euch jedem selbst am meisten zu beachten ist, das heißt, bei jedem für sich selbst.

[HiG.03_40.12.02,04] Daß aber dieses also gegeben ist, hat, wohlgemerkt, den Grund: Ihr wißt, daß all das Böse und Falsche herrührt von den im Menschen wohnenden argen Geistern, die sämtlich danach streben, den Willen des Menschen für sich zu gewinnen, um sich mittels desselben auch endlich seiner Liebe zu bemächtigen, – wodurch dann der Mensch selbst ein Eigentum der Hölle würde und auch sehr häufig wird, wenn er nicht sorgsam acht gibt auf sein mahnendes Gewissen, welches dadurch im Menschen entsteht, daß Ich alsobald nach der Tat das Herz zuschnüre – und somit die Liebe oder das Leben im Menschen verwahre, daß es die argen Geister nicht an sich reißen können. Daher und darum dann auch die Unlust nach der Tat und die Reue als ein im Herzen geschrieben gefundenes Wort aus Meiner Liebe, die solches bewirkt hat im Menschen.

[HiG.03_40.12.02,05] Wenn nun aber jemand sich wohl zu kehren nach Meinem Worte äußerlich und innerlich hat angefangen, so werden diese Geister tückisch und still im Menschen und warten nur eine günstige Gelegenheit ab, allwo sie sich vereint wie in einem Aufruhr dann erheben würden, so sie merkten, daß Ich da käme offenbar zum Menschen. Daher lenke Ich des schadenfrohen argen Gesindels Aufmerksamkeit durch eine äußere entsprechende Gleichnisgabe, worin sich aber heimlich bei sich jeder im Herzen wohl erkennen kann – und kann sich dann beschauen und sich reinigen durch solche besondere Gnadengabe. Ich aber komme dann selbst – wenn das Gesindel nach außen wohl fröhlich merkt, aber nach innen schläft – von innen ganz geheim als ein barer Dieb, und da weiß niemand, von wannen Ich gekommen bin und wo Ich hin will. Und nun sehet, da hat das Gesindel es mit Mir zu tun, damit euch der zu große Kampf erspart würde, in dem ihr allzeit unterliegen würdet, so Ich solches auf diese kluge Art nicht auf Mich nehmen würde und euch erlösete von solcher Not. –

[HiG.03_40.12.02,06] Daß Ich da heiße der „Sehr Schwache“, kommt daher, daß Ich da klug sein muß und darf nicht auftreten als ein starker Held, sondern muß auftreten in der Kraft eurer Liebe, damit dann das Gesindel über Mich herfällt und mit Mir tut, was dereinst die Juden, Pharisäer, Schriftgelehrten und Hohenpriester taten. Ich lasse dann auch mit Mir machen, was damals zu Jerusalem geschah, welcher Zustand des Menschen dann auch der betrübendste ist. Aber hat dann der Mensch sich während dieser Zeit treu und tapfer gehalten in seiner Liebe, so erstehe Ich alsobald in großer Kraft und Herrlichkeit im Menschen, mache Wohnung bei ihm, und so ist er dann durch diese Meine Auferstehung in ihm selbst im Geiste auferstanden mit Mir, nimmt sich selbst ein in und durch diese Meine Auferstehung. Und da dadurch alle seine Feinde besiegt, getötet und aus ihm geschafft sind, so ist er dann auch vollends wiedergeboren und lebendig durch und durch, da er das Leben alles Lebens in sich trägt. Aber freilich geht das oft leider nicht auf einmal, sondern Ich schleiche Mich gar oft als Dieb in euch, – aber ihr könnet nicht eine kurze Zeit wachen in eurer Liebe dann mit Mir, und es zeigt sich da allzeit noch, daß euer Geist zwar willig, aber das Fleisch schwach ist. Darum sollet ihr dann beten, um in der Versuchung zu bestehen, und sich nicht zerstreuen mehr, wenn der Hirt geschlagen wird, und nicht verleugnen den Meister gleich dem Petrus, sondern gleich dem Johannes Mir vorsichtig bis zum Kreuze folgen und dann führen das anbefohlene Weib als die stark hergenommene Liebe in Gewahrsam – und erwarten daselbst Meine baldige Auferstehung! –

[HiG.03_40.12.02,07] Sehet, nun wisset ihr alles, wie sich die Sachen verhalten. Was aber ferner sonderheitlich das Bild aussagt, will Ich euch nächstens durch den Knecht von Punkt zu Punkt in die Feder sagen, worüber ihr euch alle hoch erstaunen werdet. Was aber den bewußten sehr albernen und höchst unklugen Menschen betrifft, so habet fürs erste Geduld und Nachsicht mit seiner Narrheit, denn er ist blöden Geistes, und saget ihm, daß ihn davon auch nicht ein Sonnenstäubchen zu eigen angeht. Laßt ihn zu euch kommen und saget ihm, wie sich die Sachen verhalten und daß nur ihr in eurer Meinung euch wieder einmal geirrt habt, und er somit dadurch nicht im allergeringsten beteiliget wird. Saget ihm aber auch, daß derjenige, der sich eher entschuldigt, als er noch bestimmt weiß, daß er der Angeklagte ist, sich nicht selten dem Gerichte preisgibt! – Beherziget alles dieses nun vorderhand, und machet euch bald ans Werk; alles andere wird dann folgen. Höret und seid sanft und klug Amen. Das sage Ich der Siebente Amen Amen Amen. –

 

Meinen, Meinung. – 5. Dezember 1840, abends.

[HiG.03_40.12.05,01] Ihr meinet öfter, und der Meinung seid ihr oft, daß Meinen so ein halbes Glauben sei. Ihr irrt euch aber allzeit, so ihr da die Meinung zur Idee und als ein Dafürhalten achtet. Denket, wie unrichtig müßt ihr manchen Sinn erfassen, und wie sinnlos manchen Satz verfassen, so ihr denket: Meinen sei soviel, als ohne Prüfung irgendein verworrnes Urteil von sich geben – oder so die äußeren Umstände nur Wahrscheinliches verbürgen, seht, so denket ihr in eurer unbegriffnen Meinung, nah der Wahrheit auf der Spur zu sein.

[HiG.03_40.12.05,02] Doch höret, dieser Meinung bin Ich durchaus nicht! Ja, denket nur ein wenig nach und leitet dieses Wörtlein richtig ab, so werdet ihr leicht doch finden, wo und wie die kleine Zungenpflanze ist gewachsen. Kann sie je vom Glauben hergekommen sein als halbgereifte Frucht? O ja, vom Menschenglauben wär's wohl möglich, die da glauben, was dem Eigensinne schmeichelt und in eigener Idee die Wahrheit wähnen oder sie am Ende dafür halten, als wenn Wahrheit dann nur Wahrheit wäre, so auf eignem Grund und Boden sie gewachsen ist. Doch solchen Glauben, solche Wahrheit kann das reine Herz nicht brauchen; sondern redlich nehmen gute Gaben, gute Sagen, und dann wieder redlich geben echte Früchte, echte Liebe, echte Wahrheit. –

[HiG.03_40.12.05,03] Sehet, meinen aber kommt her von mein, und so ihr sagt: Ich meine, saget ihr soviel, als wenn ihr sagen möchtet: Sehet, das ist mein Urteil, wie auch: Ich denke das aus mir ohn' alle Rücksicht auf das Urteil eines zweiten, dritten, vierten; sondern wie ich's hab' zuerst in mir empfunden, geb' ich es als rein nur selbst erzeugte Ware wortgetreu von mir. Und sehet, so ihr sagen möchtet: Höre Freund, was meinst denn du? – so habt ihr recht gefragt, wenn ihr da sagen wolltet: Freund! was gehen dich die Urteile an, die da auf meinem Grunde sind gewachsen? Doch so ihr saget oder wollet sagen: Freund! laß hören das Urteil, so da gewachsen ist auf deinem Grunde – hört! – da redet baren Unsinn ihr, denn wie soll denn ein zweiter meinen können oder aussprechen ein Urteil des ersten, ohne es gehört zu haben als ein eignes, ohne daß es je gewachsen wäre auf eignem Grund und Boden!

[HiG.03_40.12.05,04] Nun, so sehet hier die deutsche Sprache, wie sie sich verbessert hat seit alter Zeit und Sitte, da ihr wohl aus Eigenliebe noch geblieben ist das Meinen; doch das Zeitwort deinen, seinen, das gebräuchlich war in einter Zahl, ist lange, lange schon aus allem Kurs gekommen. Und so da denn jemand recht wollt' fügen dieses Wort, müßt' sagen er: Ich meine, du deinst, er seint, wie auch: er seinet. Und wie es da gibt eine Meinung dann, so soll's auch geben eine Deinung, wie auch eine Seinung. Und obschon da jeder hat für sich die Meinung, aber wenn er sagen soll des zweiten oder dritten Urteil – hört! – da soll er reden von der Deinung oder Seinung, aber nicht von einer Meinung eines zweiten, dritten oder wohl gar vierten und so weiter. Ebenso ist's auch gefehlt, so da jemand saget: meine Meinung, da die Meinung ja schon ohnehin die Eigentümlichkeit des Redners zur Genüge kündet – nun, wozu hernach das meine? Unsinnvoller ist hernach die Rede erst, so jemand sagt: Deine oder seine Meinung! Höret, solche Sprachalbernheiten gäb' es eine große Menge noch auf eurer Zunge, ja da wäre noch gar viel zu richten und zu ebnen; aber da der Unsinn gang und gäbe ist geworden bei den Menschen und geworden ist zur harten Kruste um den Stamm der Völker schon seit Babels Zeiten, so wird's hart sein gegen solche alte Narr- und Bosheit streiten!

[HiG.03_40.12.05,05] Sprechet also wie ihr sprechet nach gewohnter Sitte, aber allzeit doch verstehet, was ihr redet oder was von Mir zu euch geredet wird im stillen. Und da vom Sprachirrtum allhier geredet wird, so füg' Ich schließlich noch hinzu, daß unter allen Sprachen die französische die dümmste ist und ist die slawische und ungarische ganz unvergleichlich besser. Denn wo eine Sprache anders wird geschrieben und ganz anders dann gesprochen und hat doch kaum einen Laut, der da auf eignem Grund und Boden wär' gewachsen, sehet, solche Sprachen sind meist voll von Trug und Lügen, wie die Menschen, deren Zungen sich danach bewegen. Solche Sprachen gleichen jenen finstren Heiden, die die Götter schnöd besiegter Völker aufgenommen haben ins Kollegium des eignen unsinnvollsten Götterheeres unter mehr und bald auch weniger Veränderung der Namen, ohne zu bedenken, was der Name gründlich mochte sagen.

[HiG.03_40.12.05,06] Sehet, und doch gibt es heutzutage Tausende und Tausende von noch viel größren Narren unter Meinem deutschen Volke, die da ihre eigne Muttersprache rein aus vaner Eitelkeit und Prahlerei verschlechten und verscheißen, um den andren Narren glaubhaft gar zu machen, daß sie auch Franzosen oder gar Engländer oder Türken seien. Hört, mit welchen Namen soll Ich solche Narren taufen?

[HiG.03_40.12.05,07] Ja, Ich sage, o Unendlichkeit, du großes Wort, wohl würdig groß genannt zu werden aus dem Munde Dessen, der dich ewig schuf; doch trägst du sicher nicht in deinen ew'gen Räumen irgend eine Tafel, da geschrieben stünde solcher Narren nimmer aussprechbarer Name, die da statt der Herzenssprache lernen reden eine Sprache, deren sich nach Meinem Sinn der dümmste Esel schämen möchte. Doch mein' Ich hier nicht jene, die darinnen sind geboren, oder solche, die zum Dolmetsch sind erkoren, sondern jene nur, ihr kennt sie schon, Ich will zum zweiten Male nimmer solcher Narren mehr erwähnen, wo ein Deutscher will zum Deutschen gar französisch, englisch oder türkisch reden.

[HiG.03_40.12.05,08] Dieses merkt euch alle wohl, daß Ich nur eine Sprache spreche und nur diese eine Sprache wohl verstehe! Diese ist die Sprache eines reinen, liebevollen Herzens, welche ist die Sprache aller Himmel, so wie aller Engel. Möchte sie auch bald die eure werden Amen; ja, das sage Ich, der beste Meister aller Sprachen, Amen Amen Amen. –

 

Der ‚Sehr Schwache‘. (Der siebente Jünger). – 6. Dezember 1840, Vormittag von 1/2 10 bis 3/4 12 Uhr.

[HiG.03_40.12.06] Schreibende: C. L., S., And. u. Ans. H.

[HiG.03_40.12.06] Heute offenbarte der Herr Nachstehendes durch den Mund Seines Knechtes, nachdem früher das Nebenwort „An den sehr Schwachen“ gelesen wurde:

[HiG.03_40.12.06,01] Ihr werdet alle doch wohl verstehen, daß nicht Ich als das allerhöchste Wesen, als Gott von Ewigkeit und als Vater aller Menschen, Geister und Engel solche Dinge, wie die eben erwähnten es sind, in der Wirklichkeit selber begehe, um Mir hernach in eurem Angesichte gleich einem Doppelgänger solche Vorwürfe zu machen und Mich gewisserart Selbst zu ermahnen, Mich in allem diesem zu bessern, das Ich doch niemals begangen habe. So ihr über dieses wenig Gesagte nachdenket, – wird euch nicht von selbst die fast undenkliche Frage sich aufwerfen: Ja, kann denn Gott auch sündigen, da Er doch Gott ist, wie in Seinem Heiligtume so auch in Seiner Weisheit und ebenso in Seiner Liebe? Woher demnach eine solche Beschuldigung gegen Sich Selbst? Allein, saget ihr nicht selbst, daß Meine Wege unergründlich und Mein Rat unerforschlich ist? Ja, seht, so ist es auch! Es hat von der ganzen Ewigkeit her noch nie jemand Meinem Rate beigewohnt, und keines Engels Auge wird je schauen die geheimen Wege Meiner Weisheit und Meiner Liebe.

[HiG.03_40.12.06,02] Damit ihr aber diesen siebenten Jünger wohl begreifen möget, so will Ich auf einen kurzen Augenblick eure Gefühle zurückführen in die große Zeit der Menschwerdung Meiner Liebe. Und wie von dort aus alles Licht und alle Hilfe in die Welt gekommen ist, so soll auch eben dieses Licht euch wohl erleuchten das Inwendige einer kleinen Haselnuß, die Ich, euer Vater, in diesem siebenten Jünger oder in dem Sehr Schwachen euren Zähnen zum Aufknacken unterschoben habe.

[HiG.03_40.12.06,03] So fraget auch da Meine Liebe: Du reinstes Wesen Gottes, das nie auch nur des allergeringsten fehlerhaften Gedankens fähig ist, wie ist es und wie war es möglich, Dich vom Vater zu trennen, um Dich mit allen Sünden und mit aller ihrer Scheußlichkeit auf der Welt zu beladen, um Deinem Vater oder der Heiligkeit Gottes zu erscheinen in einem ärgeren Lichte als derjenige selbst, durch den alle Bosheit in die Welt gekommen ist? – Wie konntest Du zum Mörder aller Mörder werden? Wie konntest Du zum Ehebrecher aller Ehebrecher werden? Wie konntest Du zum Lügner aller Lügner werden? Ja, wie konntest Du zum größten Verächter der Heiligkeit Gottes werden? Ja, wie konntest Du alle großen und kleinen Sünden auf Dich nehmen vom Anfange der Welt und bis ans Ende derselben, da Du doch die Liebe Gottes Selbst warst, und der Vater in Dir, wie Du im Vater, und der Gott in Dir, wie Du in Gott? Und wie konnte die Gottheit vor aller Welt aus den Himmeln bei Deiner Taufe im Jordan zu Dir sagen: Das ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!? –

[HiG.03_40.12.06,04] Sehet, ihr könnt da denken, wie ihr wollt, so werdet ihr nichts Verständliches herausbringen. Und wird euch nicht, je tiefer ihr die Sache verfolgt, auch um desto rätselhafter werden, so ihr das recht ans Licht ziehet und so recht tief in euch denket, wie es möglich ist, daß gerade das allerreinste Wesen Gottes, ja das Leben in Gott Selbst, welches ist das Leben alles Lebens und das Licht alles Lichtes, sich wohl so arg beladen mochte mit dem Tode alles Todes und mit der Finsternis aller Finsternis? –

[HiG.03_40.12.06,05] Sehet, wenn ihr das begreifen könnet, so wird euch diese kleine gebotene Haselnuß so leicht verständlich vorkommen, als wäre sie ganz enthüllt vor euer Herz gelegt worden. Allein, das ist der große Schritt, den ein jeder in seinem Herzen zu machen hat und helfe, der ewigen Liebe das Kreuz tragen, damit er dereinst Teil haben möchte an dem großen Werke der bis jetzt noch immer unbegriffenen Erlösung, der Überwindung des Todes und der Auferstehung. Darum habet acht und begreifet zuerst dieses große Geheimnis, und ihr werdet darinnen jede einzelne Pore des Sehr Schwachen hell erleuchtet erblicken. –

[HiG.03_40.12.06,06] Daß die Welt von Anbeginn in allerlei Argem war, wißt ihr; – und durch wen und wie sie in solches gekommen ist, wißt ihr auch. Aber wie die Welt in ihrem Argen hätte bestehen können vor Gott, das ist eine andere Frage. Sehet, die Welt war also tot in ihrer Bosheit und konnte sich somit unmöglich mehr selbst richten nach der unantastbaren Heiligkeit Gottes. Sie mußte daher beständig aus der Barmliebe Gottes gerichtet werden, damit sie bestehen mochte als das wenigstens, was sie war; aber saget ihr selbst, wie ist ein gerichtetes Ding, ist es tot oder lebendig? –

[HiG.03_40.12.06,07] Da kann Ich euch nichts anderes sagen, als euch mit einer Frage behilflich entgegenkommen: Ist ein Automat tot oder lebendig? Eure Antwort kann unmöglich anders ausfallen, als daß ihr saget: Ein Automat ist tot, und seine Bewegung ist nichts als eine künstliche Richtung des Mechanikers. Und sehet, gerade so verhielt es sich auch mit der argen Welt vor der Erlösung. Sie war bloß ein durch Meine Barmliebe immer gerichteter Automat. Aber so ihr einen sonst recht possierlich schönen Automaten vor euch hättet, dem die Kunst des Bildners sowohl, als die des Mechanikers alles gegeben hätte, daß ihm nichts abginge als nur das selbständige Leben, um ein Mensch in aller Vollkommenheit zu sein, – ja würdet ihr da nicht sehnlichst wünschen nicht nur das künstliche Leben diesem Automaten, sondern ein wirkliches selbständiges Leben? Und wäret ihr fähig, wie Ich es bin, so würdet ihr euch mit eurem Leben im Geiste selbst hineinziehen in den Automaten und würdet somit alle seine Mängel und innerlichen Gebrechen notwendig an euch ziehen und euch gewisserart mit denselben bekleiden.

[HiG.03_40.12.06,08] Sehet, wie war es denn nun da zu tun, da Ich nur allein das Leben bin und das Leben habe in und aus Mir, um der beständig zu richtenden Welt ein wahres freies und nicht bloß mechanisches Leben zu geben?

[HiG.03_40.12.06,09] Sehet, da mußte die Liebe sich trennen von Gott oder der urewigen heiligen Kraft, aus der sie ewig geboren ward und die Kraft Gottes ewig aus ihr. Also dieses ewige Leben aus sich selbst oder aus der urewigen Kraft Gottes mußte einen Bruch machen mit Gott und mußte sich niedersenken zur toten Welt und anziehen das Sterbliche derselben, damit das Sterbliche dadurch die Sterblichkeit verliere und wieder frei lebendig werde in und aus dem Leben aus Gott, welches ist das Leben alles Lebens, da Gott Selbst ist in diesem Leben und das Leben selbst in Gott. Und so ist aber das Leben von Gott ausgegangen, hat sich mit der Sterblichkeit des Fleisches bekleidet, damit dadurch alles Fleisch möchte frei lebendig werden in sich durch das Leben aus Gott, wie Gott Selbst lebendig ist von Ewigkeit durch dasselbe ewige Leben der Liebe in Sich. –

[HiG.03_40.12.06,10] Sehet, das ist nun das große Geheimnis, warum die Liebe Gottes im Menschen sich selbst gemacht hat zur allerartigen Verbrecherin und Sünderin, damit da nicht nur ein Fleisch, sondern alles Fleisch mit dem Leben aus Gott durchwirket werden mochte. Und diese nun so mit aller Schuld überladene Liebe mußte sich dann im Gegensatze vor der Heiligkeit Gottes vermöge der an sich genommenen allgemeinen Schuld oder Sterblichkeit eben auch bis auf den alleräußersten Punkt aller Punkte demütigen und mußte ertragen jeden erdenklichen Vorwurf, um dadurch sich mit Gott wieder vereinigen zu können, wie auch alles das dem Vater oder der Heiligkeit Gottes lebendig wieder anheimzustellen, was zwar lebendig dereinst aus Gott gegangen ist, aber sich tot gemacht hat durch die eigenwillige und hochmütige Losreißung von Gott – oder von Seiner ewigen Ordnung.

[HiG.03_40.12.06,11] Sehet, nachdem ihr dieses doch so ziemlich mochtet begriffen haben, so will Ich euch nun auch ein wenig mit den Vorwürfen bekannt machen, die Mir da notwendigerweise von der Heiligkeit Gottes gemacht wurden, damit ihr da etwas erfahret, was die Welt bis zur gegenwärtigen Minute noch nicht erfahren hat. –

[HiG.03_40.12.06,12] Ihr wißt, daß alles, was da erschaffen wurde in der ganzen Unendlichkeit, laut des Zeugnisses Meines lieben Johannes durch Mich gemacht und erschaffen wurde. Nun nehmet aber die böse gewordene Welt, die dadurch von der Heiligkeit Gottes immer verdammt ward, daß Ich als der Hervorbringer solcher Verdammlichkeit somit auch von der Heiligkeit Gottes diesen Vorwurf notwendig teilen mußte, da die Welt und alles, was in ihr ist, nicht durch sich, sondern durch Mich einzig und allein ins Dasein gerufen wurde. Da also die Welt schnurgerade entgegen war der Heiligkeit Gottes, wie war hernach das Bestehen der Liebe, die solches hervorgerufen hatte, das die Heiligkeit Gottes verdammen mußte, anders als ein selbstverdammliches? – Nun denket euch all die namenlosen Taten der Menschen. Sehet, aller dieser Taten wegen mußte Ich verdammt sein von der Heiligkeit Gottes, weil die Taten selbst verdammt waren als Erscheinungen in der Welt, die aus Mir hervorgegangen ist. Was war da zu tun?

[HiG.03_40.12.06,13] Sehet, nur zwei Wege standen Mir offen, nämlich der Weg nach oben, und der Weg nach unten, das heißt: Ich kehre zu Gott zurück, werde Eins mit Ihm und vernichte durch die Kraft Seiner Heiligkeit alles das, was aus Mir hervorgegangen ist – oder aber Ich trenne Mich mit allem Vorwurf beladen, mit der höchsten Verdammlichkeit, von Gott, belebe und heilige da Meine Werke und tue in Meiner unendlichen Demütigung Genüge der ebenso unendlichen Heiligkeit Gottes. – Sehet, wenn Ich nicht die ebenso unendliche Liebe selbst wäre, wie Gott die unendliche Heiligkeit selbst ist, so hätte Ich freilich das erste getan. Allein Meine Liebe vermochte das Unaussprechliche aussprechlich zu machen, verleugnete ihre Heiligkeit und machte sich unheilig, da sie sich belastete mit aller Schuld, und somit auch mit des Todes schwerster Bürde.

[HiG.03_40.12.06,14] Allein, ihr wißt die Begebenheit, als Ich in dem Garten Gethsemani an dem sogenannten Ölberge zu Gott, von dem Ich Mich der Welt wegen getrennt habe, betete. Sehet, da erst erwachte vollends die große Blindheit Meiner Liebe und sah mit dem entsetzlichsten Grauen zwischen Sich und Gott die unendliche Kluft; allda bereute Ich im Ernste, daß Ich Gott verließ und zum toten Werke Meiner eitlen Lust Mich gewendet habe, – und damals stand die ganze Schöpfung in der großen Schwebe zwischen Sein und dem ewigen Nichtmehrsein. Denn entweder trinke Ich den Kelch, so besteht die Welt und alles, was auf ihr ist – oder Ich setze den Kelch zur Seite und die Welt und alles unter ihr wird zunichte in dem Augenblick, da Ich den Kelch zur Seite setze.

[HiG.03_40.12.06,15] Aber sehet, eben da, wo die Liebe und das Leben in der unendlichen Entfernung von Gott schwach geworden ist, da erbarmte sich Gott Seiner Liebe selbst, stärkte Sie und gebot Ihr, den vorgesetzten Kelch zu leeren, und sprach insgeheim zu Ihr: „Noch sind zwischen Mir und Dir die Extreme der Unendlichkeit nicht berührt; daher senke Dich hinab in die äußerste Tiefe des Todes, welcher ist die äußerste Grenze im Gegensatze zu Meiner Heiligkeit, damit Ich Dich da wieder erfassen kann, da der ewige Kreis Meiner Heiligkeit sich schließt.“ – Sehet, so ging Ich dann geduldig diesem Ziele entgegen, allwo Ich in dieser unendlichen Entfernung von Gott am Kreuze ausrief: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?“ – und ferner: „Es ist vollbracht!“ und „In Deine Hände empfehle Ich Meine Seele“ – oder die Seele alles Lebens, oder die Seele, aus der alles, was da ist, hervorgegangen ist. –

[HiG.03_40.12.06,16] Sehet, nun werdet ihr, so ihr dieses ein wenig bedenket, wohl einsehen, wie Ich bei euch Sündern der Sehr Schwache bin, und wie Ich Mir noch immer muß von der Heiligkeit Gottes an eurer Statt in irgend einer vorgestellten menschlichen schwachen Beschaffenheit Vorwürfe machen lassen, um euch jeden sonderheitlich neuerdings wieder zu erlösen und einzuführen lebendig in die Heiligkeit des Vaters. Sehet, ein solcher Mensch, dessen Ich Mich bediene und gewisserart seine Wesenheit anziehe, um dadurch eure Mängel verhüllt zu tragen, gleicht dem Simon von Cyrene und könnte ebenfalls großen Lohn erreichen, so er Mir willig auf eine kurze Zeit nur hätte das Kreuz ein wenig tragen helfen. Allein der Mensch ist schwach und fürchtet jede Last, am allermeisten aber die Last des Kreuzes; und daher bleibt Mir denn wieder nichts anderes übrig zu tun, als was Ich dereinst tat, nämlich für alle das Kreuz Selbst zu schleppen.

[HiG.03_40.12.06,17] Es muß euch demnach in dem Nebenworte an den ‚Sehr Schwachen‘ ebensowenig beirren das persönlich anpassend Scheinende, als es euch beirren möchte, so ihr zum Beispiel die ganze Lebensgeschichte des Hohenpriesters Kaiphas oder die des Pilatus, oder die des Iskariot, oder sogar die eines römischen heidnischen Kaisers Nero, und anderer ähnlicher größerer und kleinerer Sünder nicht zu gedenken, vernehmen möchtet; denn sehet, mit allen diesen Vorwürfen mußte Ich Mich von jeher beladen lassen. Und ebenso bin Ich nun für euch wieder beladen mit allen euren Schwächen und Mängeln und trage sie für euch in dieser euch etwas fremdartigen Umhüllung, damit, wie ihr schon wißt, euch nicht Schaden geschehe an eurer Seele, so ihr wissentlich, das heißt, eurem Fleische nach gleich einem Judas Iskariot mit Mir in die geheimnisvolle Schüssel des zu bewirkenden Lebens greifen möchtet.

[HiG.03_40.12.06,18] So ihr aber wollt, so nehmet dieses Nebenwort unter dem Namen des ‚Sehr Schwachen‘ zu euch; gehet es – wohlgemerkt! – in eurem Herzen von Punkt zu Punkt durch und erkläret es euch nach dem, was ihr jetzt vernommen habt. Ich habe euch nun gegeben den Schlüssel gleich einem Petrus zu Meinem Reiche. Dieser ‚Sehr Schwache‘ ist Mein verhülltes Reich in euch. Eröffnet es mit diesem Schlüssel, und ihr werdet Wunder schauen, und wahre geistige Wunder in und an euch entdecken.

[HiG.03_40.12.06,19] Sollte jemandem darinnen trotz alles seines Prüfens noch immer etwas verhüllt erscheinen und hart, wie einst den Aposteln die euch bekannte harte Lehre, so wendet euch in aller Liebe zu Mir, und seid versichert, daß Ich euch nicht im Stiche lassen werde. Denn nun sage Ich nicht mehr: Gehet zu Meinem Knechte und vernehmet in diesem Punkte durch seinen Mund Meine Gnade, sondern nun sage Ich: Kommet treuen Herzens zu Mir, damit Ich Selbst euch die Gnade gebe und euer Mund ebenfalls ausspreche das geheiligte Verständnis eures Mir zubereiteten Herzens. Obschon es euch freisteht, sich zu erkundigen beim Knechte, so werdet ihr aber doch aus seinem Munde nichts erfahren als das, was Ich in euch durch eure Liebe zu Mir Selbst aussprechen werde Amen. Das sage Ich der Wahre Siebente Amen. – – –

 

Ein Traum (vom 29. Dezember 1840) – 2. Januar 1841.

[HiG.03_41.01.02] O Herr! Daß die Erzählung genau und fruchtbringend würde, sei mir armem schwachem Knechte behilflich; denn sind auch Träume öfter nichts als leere Schäume, so aber mögen doch immer derart Träume eine eigene Gnadenzulassung von Dir sein, daher sie auch nicht verlorengehen sollen, sondern uns behilflich sein in der schwachen Beschauung unseres Inwendigen und dienlich dann unserem Herzen, damit wir stets mehr und mehr Deinen allerheiligsten Namen durch unsere wachsende Liebe verherrlichen möchten. Darum, o Herr, sei mir behilflich und entziehe mir nicht Dein heiligstes lebendiges Wort. Es ist in der Höhe wie in der Tiefe ja nichts, das da nicht wäre nach Deinem Willen. So sicher auch dieser Traum, und so geschehe denn auch allzeit Dein heiligster Wille Amen. –

[HiG.03_41.01.02,01] Nun so erzähle und schreibe, wie Ich es dir geben werde.

[HiG.03_41.01.02,02] Siehe, Ich will deshalb dir erzählen dein nächtliches Gesicht, damit du nicht nötig haben möchtest, als Erzähler in der ersten Person aufzutreten und dich selbst zu verherrlichen durch Mich, sondern daß Ich verherrlicht werden möchte durch dich. Daher verstehe wohl, wenn Ich sage: Ich durch dich, aber derzeit nicht du durch Mich; denn es wird niemand verherrlicht werden eher von Mir, bevor nicht Ich durch ihn bin verherrlichet worden. Denn der Mich bekennen wird vor der Welt, den werde Ich erst dann bekennen im Angesichte Meines Vaters, da er dann schauen wird Meine unendliche Macht und Herrlichkeit und wird dann selbst verherrlicht werden in dieser Meiner Herrlichkeit. –

[HiG.03_41.01.02,03] Und nun schreibe deinen Traum! – Siehe, so träumte es dir:

[HiG.03_41.01.02,04] Du gingst mit zwei dir wohl Bekannten und mit drei dir Unbekannten und mit dem Ans. H. aus einem nordwestwärts gelegenen Graben etwas schräg aufwärts gegen Südost, und zwar auf der abendlichen kegelförmigen Abdachung eines kleinen Berges, dessen Scheitel ziemlich dicht mit jungen Nadelholzbäumen bewachsen und von dem freien, etwas mager bewachsenen Wiesengrunde durch einen unordentlichen und schon stark schadhaften bäurischen Staketenzaun umfangen war. Und das geschah vorbildend um die siebente Stunde abends, und zwar um die Zeit des Frühherbstes.

[HiG.03_41.01.02,05] Als du mit deiner bekannten und unbekannten Gesellschaft sonach deinen Weg knapp am Saume des Wäldchens verfolgtest, siehe, da gelangtest du alsobald gegen Süden mit deinen Genossen an einen Punkt, allwo der ziemlich schmale und sehr wenig betretene Doppelweg auf einmal mit allerlei Stangen, Bäumen und Brettern verpalisadiert war, so zwar, daß darüberzukommen dir und vorbildend allen deinen Genossen eine bare Unmöglichkeit schien.

[HiG.03_41.01.02,06] Nun fingen deine zwei ersten bekannten Genossen an, dich etwas schmählich mit Worten anzugreifen, indem sie sagten: Nun, du Halbprophet, du Wolken- und Regenbändiger und wohlkonditionierter Flugmaschin-Erfinder, was siehst du nun diese Barrikade so verblüfft an wie eine junge Kuh ein neues Tor! – Was willst du nun machen? – Gelt, jetzt wird das Sprichwort wahr, welches also lautet: Da stehen nun die Ochsen am Berge – und zwar unter der Leitung eines prophetischen Esels! –

[HiG.03_41.01.02,07] Auf welche ziemlich starke Verunglimpfung du folgende kleine Bemerkung dir erlaubtest und sprachst: Freunde, ihr habt ja recht gesprochen, mögt ihr immer das bleiben, was ihr euch nanntet. Aber was den prophetischen Esel betrifft, seht, da muß ich euch schon um Vergebung bitten und getraue mich nicht, eine so große Auszeichnung anzunehmen; denn ihr kennt sicher den Propheten, vor dem ein Esel weissagte, und die Eselin, die den Herrn trug am Palmsonntage, – seht, daher kann ich eine solche Auszeichnung nicht annehmen. Wäre ich vor Gott würdig, ein solcher Esel zu sein – o Freunde, dann würde ich mit meinem großen Reiter vor übergroßen Freuden aufspringen und mit meinen wohlgenährten Hufen euch eure unbändigen Hörner wohl von euren Ochsenhäuptern herunterarbeiten! – Und dein Genosse H. sprach auf diese deine Erwiderung: Fiat, et pereat cornu bovis, et laus gloriaque maxima Domini nostri Jesu Christi orbem columque totum inhumat! – Na, aber das heiße ich doch den Nagel mit der Demut mit einem Hieb ins Brett treiben; aber woher haben Sie das so schnell genommen?!

[HiG.03_41.01.02,08] Und als dein Genosse H. so geredet hatte, siehe, da traten die drei Unbekannten hervor und sagten einhellig: Weißt du denn nicht mehr, daß dir die Gabe des freien Fluges verliehen ist? Nun aber ist es an der Zeit, die Frevler zu beschämen; denn sieh die wütenden Stiere, wie sie aus der Tiefe heraufrennen und vereint dann mit diesen zwei Genossen ihre Hörnerspitzen in deinen Eingeweiden herumwühlen möchten. Daher ergreife deinen Genossen H. und hebe dich schnell von hier! –

[HiG.03_41.01.02,09] Und als du solches vernommen hast unzweideutig, da ergriffst du alsobald den H. und erhobst dich mit ihm. Die zwei Ochsen mit den wütenden Stieren aber brüllten vergebens nach dir, da du in der Höhe frei geborgen warst. Und einer von den Ochsen brüllte höhnisch nach dir, sagend: Seht doch, seht doch, unter den neuen Propheten gibt es auch gar listige Vögel; wenn sie einsehen, daß ihre Schnäbel der Gediegenheit unserer Hörner nicht stichzuhalten vermöchten, dann fliegen sie aus lauter prophetischer Kraft auf und davon! Es ist doch jammerschade, daß wir nicht die Sprache des Geflügels verstehen, was würden uns diese armseligen Kernbecker, Wurmzwicker und Aasfresser schon all für herrliche Dinge prophezeit haben!

[HiG.03_41.01.02,10] Seht nur an den luftigen Falken, wie er uns stolz aus der Höhe mustert, als hätte er im Sinne, einem oder dem andern von uns die Augen auszubecken! Aber komme nur herunter, du Vogel von einem Propheten, wir werden dir deine Weisheit schon herunterarbeiten! Oh, das heißen wir eine prophetische Kraft, wenn ein solcher beim Anblicke von kräftigen und mutvollen Stieren sich aus lauter göttlicher Macht gleich einem Hasen aus dem Staube macht – hahaha, das ist ein Machtbote des Herrn, der, statt dieser Barrikaden sich zu bemeistern, nur als ein Vogel davonfliegt! Oje, oje, oje! – –

[HiG.03_41.01.02,11] Und als du solche listige Schimpfereien eine Zeitlang angehört hattest, da gedachtest du Meiner und ersuchtest Mich, daß Ich dir solle Blitze senden vom Himmel, damit du dann vermöchtest, mit diesem tödlichen Feuer die Frevler zu vernichten. Und siehe, was vernahmst du da für eine Stimme von Oben? Lautete diese nicht also: „Was rufst du Feuer? Das Feuer, das diese Frevler zerstören würde, siehe, dieses Feuer würde auch dich ergreifen und samt den Frevlern verzehren; denn im Zornfeuer Gottes kann keine Kreatur bestehen. So du aber willst mächtig sein und stark in Meiner Gnade, dann mußt du nur segnen, wo gegen dich geflucht wird. So du aber mächtige Flügel hast zum Fliegen, wozu dann noch ein Feuer, in dem dein Flügelpaar untauglich zum Fliegen werden möchte? Darum segne und fliege!“ – – Und siehe, als du solches vernommen hast unzweideutig, da erst flogest du gegen Morgen von dannen.

[HiG.03_41.01.02,12] Und dein Genosse H. fragte dich im raschen Fluge beständig, wohin du denn so nun den Flug richten werdest. Allein du gabst ihm lange keine Antwort. Da er dich aber endlich fragte, warum du ihm keine Antwort gebest, da erst sagtest du: Wie kann ich dir antworten auf eine solche Frage? – Frage zuvor dein Herz, was darinnen wehet für ein Wind und wohin du möchtest, so werden wir alsobald dort sein, da deine Liebe gefesselt ist am noch ziemlich starken Taue, das am Anker noch so ziemlich mannigfacher Welthoffnungen im Meere der Weltsorgen befestiget ist. –

[HiG.03_41.01.02,13] Er aber erwiderte: Höre! aber wie kann oder soll ich denn mein Weib und meine Kinder verlassen? Sollte ich mich nicht um sie sorgen, da ich nun nicht weiß, wie es ihnen geht? Diese Sorge ist ja meine größte Pflicht, und Gott selbst hat sie mir auferlegt. Wer kann mir hernach verargen, wenn ich meinen Vaterpflichten nachstrebe? Daher wisse, daß ich zu den Meinigen möchte! Bist du mir ein wahrer Freund, so bringe mich schnell dahin, da gewiß mein Weib, meine Pauline, und alle meine lieben Kinder mit großer Besorgnis und Sehnsucht meiner harren! –

[HiG.03_41.01.02,14] Darauf sagtest du dann: Nun siehe, Freund, was hätte es dir genützt, so ich dir auch den Plan meines von Oben scharf bezeichneten Weges zum großen Orte aller menschlichen Bestimmung auf deine wiederholten Fragen treulich angegeben hätte, du aber wärest mir dann durch deine neuerwachte Liebe und Sorge für die Deinen zu schwer geworden, daß ich dich nicht länger hätte in der Höhe zu erhalten vermocht, wodurch ich dann hernach doch genötiget gewesen wäre, dich entweder fallen zu lassen oder aber mit dir selbst zu fallen. Daher aber, da du dich nun selbst kundgabst in deiner Hauptliebe, bist du nun auch leichter, und mein Flug wird dich alsobald an Ort und Stelle bringen, dahin die Magnetnadel deines Herzens weist!

[HiG.03_41.01.02,15] Sieh Freund, noch ist die Liebe zu Gott in dir eine Liebe durch die Deinen. Sie ist nur ein dankbares Gefühl, an dem aber auch noch so manche Sorgen kleben, da eine solche Liebe zuerst ausgeht von deinem Herzen zum Herzen der Deinen – und von da weg erst dankbar zum Herzen Gottes. Sieh, da wird die Liebe dann mit allerlei Sorgen und Dingen und Sachen beschwert und dann gleichsam verkehrt; denn da wird deine Liebe in und zu und durch die Deinen positiv polarisch und nährt so dankbar den auf diese notwendig entgegengesetzten Pol deiner Liebe in Gott. Aber sieh nur recht genau, ob diese Liebe der göttlichen Ordnung auch vollends gemäß ist? –

[HiG.03_41.01.02,16] Du fragst Mich nun freilich in deinem Herzen, ja wie sollte demnach die rechte Liebe beschaffen sein? Siehe, darauf antworte Ich dir also: Die rechte, freie, sorglose Liebe aber ist solcher Liebe gerade entgegengesetzt, denn sie geht vom Herzen des Menschen zunächst in Gott über, da sie gereinigt wird durch das sanfte Gnadenfeuer, und von da in klarem Bewußtsein und voll des höchsten Vertrauens selbstkräftig, sorglos und frei erst zur Welt und dem Weibe und all den Kindern wieder zurückkehrt.

[HiG.03_41.01.02,17] Siehe, da dadurch alles in solcher Liebe Gott anheimgestellt wird, so bildet dann der so liebende Mensch mit Gott vereint den positiven Pol und alles der Naturwelt den negativen. Du weißt aber, daß der negative Pol ein notwendiger und nur der positive ein freier ist. Wenn aber jemand möchte stärken durch das Negative das Positive, siehe, welche Kraft wird da herauskommen? Es wird gerade sein, als ob jemand möchte plus 2 und minus 2 zusammenaddieren, wo dann am Ende nichts zum Vorscheine kommen wird. Und noch ärger aber ist es, wenn durch solche verkehrte Liebe die unendliche Potenz Gottes negativ auftreten muß, daß Sie gesättiget werde durch ein miserables Plus; denn dann erst kommt ein Verhältnis heraus, welches noch viel löblicher ist, als die Summe, so jemand da addieren möchte plus 1 und minus Unendlich, wo dann die Summe lautete: 1, weniger als unendlichmal nichts. So aber der positive Pol unendlich kräftig ist in und durch Gott, siehe, da ist es dann gerade, als ob jemand stärkt den positiven Pol mit der ihm verwandten Kraft. So braucht er dann gar nicht zu sorgen für den negativen Pol, sondern dieser wird in dem Augenblick sorglos genährt in dem unwandelbaren Verhältnisse – je nach der Nahrung des positiven Pols.

[HiG.03_41.01.02,18] Siehe, das mußte ich dir, mein freundlicher Genosse, erst zeigen, damit du darob leichter wurdest und ich mit meinem Flügelpaar dich leichter bringen kann wieder in dein Haus zu den Deinen. –

[HiG.03_41.01.02,19] Nun siehe, als du solches ausgeredet hattest, da erst flogst du wieder weiter gegen Südost, und zwar hinab zum Fuße eines dem früheren Berg benachbarten Berges, auf dessen südwestlichem Abhange dann also das Haus deines Genossen H. sich befand. Als ihr nun alldort angelangt waret, so wolltest du alsogleich weiterfliegen. Allein dein Genosse H. bat dich so lange, und auch dessen Weib und einige seiner Kinder, daß du bei ihnen verbleiben möchtest, und so kehrtest du mit ihnen ins Haus.

[HiG.03_41.01.02,20] Als du nun aber vollends die Gemächer betreten hattest, da kam alsobald jemand zum Weibe des H. auf einen Besuch. Sie aber verließ alsobald auf eine kurze Zeit mit Visitanten das besagte Eintrittsgemach. Der Genosse H. aber legte sich in ein nebenanstoßendes Zimmer ein wenig zur Ruhe und ersuchte dich, dich einstweilen wohltätig mit seinen Kindern zu unterhalten. Nachdem du nun solches vernommen, setztest du dich alsobald an einen Tisch, als wolltest du selbst ein wenig ausruhen.

[HiG.03_41.01.02,21] Allein deine Ruhe währte nicht gar zu lange, denn es kam die Tochter namens Wilhelmine, setzte sich neben dich zu Tische und machte neugierige Versuche, mit dir ein fragendes Gespräch anzuknüpfen. Allein du machtest dich taub und stumm und schienst auf das Mädchen nicht zu achten, worüber dann diese in einem etwas ärgerlichen Ton, der ihr bei solchen Gelegenheiten auch ganz eigen ist, dich etwas scharf anfassend fragte: Aber sagen Sie mir doch einmal, was ich Ihnen denn Schlechtes getan habe, daß Sie mich weder eines Blickes noch einer Antwort würdigen! Denn ich kann mir das nicht zusammenreimen, wie ein sonst so frommer oder doch wenigstens als fromm gelten wollender Mann gar so ärgerlich stolz sein könnte! – Daß ich jetzt tanzen lerne, ist denn das gar so etwas, nachdem Sie doch wissen, daß wir das nur aus Gefälligkeit für die Tante gewisserart tun müssen, ohne daß gerade unser Herz und Leben gar so daran hängt, wie Sie vielleicht glauben. Und wenn Sie deshalb auf mich gerade so ärgerlich sind, so weiß ich wirklich nicht, was ich von Ihnen halten soll! – Ehedem versicherten Sie mir stets, daß ich Ihnen lieb wäre. Jetzt aber sehen Sie mich gar nicht mehr an, als wenn ich durch diese Gefälligkeit gegen die Tante schon, Gott weiß, wie schlecht geworden wäre. Ich weiß wohl, was die Ursache ist, und sage es Ihnen gerade ins Gesicht: Es ist bei Ihnen nichts als eine ärgerliche Eifersucht, durch welche Sie mich stillschweigend einer Untreue, sich rächend, beschuldigen wollen, als wenn ich schon einmal, Gott weiß, wie stark in Sie verliebt gewesen wäre, was mir bis jetzt wirklich noch nicht einmal im Traume eingefallen wäre. Pfui, schämen Sie sich! –

[HiG.03_41.01.02,22] Und da dich die letzte Phrase etwas ärgerlich machte, so standest du auf und wolltest gehen. Allein, als die ziemlich dreiste Rednerin solches merkte, ergriff sie dich bei der Hand und ließ dich bittend und weinend nicht von der Stelle, sagend: Ich bitte Sie um Gottes willen, vergeben Sie mir, wenn ich Ihnen etwas Ungerechtes gesagt habe, und vergeben Sie mir meine voreilige Unart! Ich sehe schon, daß ich gefehlt habe. Bleiben Sie hier! Was würden der Vater und die Mutter sagen, wenn Sie, mich jetzt verlassend, davongingen! –

[HiG.03_41.01.02,23] Und du öffnetest darauf den Mund, fingst endlich an zu reden und sagtest zuerst etwas ärgerlich: Na, das ist ja eine recht schöne Unterhaltung für den guten Dienst, den ich durch die Gnade des Herrn meinem Freunde erwiesen habe. Nimmt sich das zarte Töchterlein die holdselige Freiheit, mich über einen Kurierstiefel zu putzen und auf einen solchen sonderbaren Glanz herzustellen, daß dagegen die Anzüglichkeiten von seiten der Ochsen am Berge nur als ganz kleine niedliche Burlesken erscheinen! Nein, das ist gar nicht übel, eine solch zarte Unterhaltung möchte ich mir denn doch bald wieder ausbitten! Die schmiert so mir und dir nichts einem auf die unschuldigste Weise von der Welt die allerschönsten Grobheiten ins Gesicht, als wenn sie's gedruckt hätte und dafür wirklich bezahlt würde! – Und damit der ganzen Geschichte am Ende die Krone aufgesetzt würde, spuckt sie einem zu guter Letzt am Ende solcher Unterhaltung noch quasi ins Gesicht. Ganz gehorsamster Diener, die könnte mich denn doch ganz sonderbar gerne haben! – Meine liebe W., bei und durch solche unterhaltende Raritäten wird's wohl mit dem Verliebtsein von meiner scharf geputzten Seite seine wohlgeweisten Wege haben, und mir wird nicht viel anderes zu tun übrigbleiben, als Sie für die Zukunft höflichst zu ersuchen, mich mit derlei äußerst anzüglichen Gesprächsunterhaltungen ein wenig liebreich gütigst verschonen zu wollen. Für diesmal aber leben Sie wohl amen. –

[HiG.03_41.01.02,24] Siehe, da wolltest du denn wieder gehen. Allein es geschah wie früher, daß du denn doch wieder bliebst und dich ganz langsam zum Tische wieder niederließest und folgende Worte zu deiner Entschuldigung an die W. zu richten anfingst: Wilhelmine! jetzt aber seien Sie ruhig und hören Sie mich an, denn wenn Sie Mutmaßungen in sich wider mich hegen, so gestaltet zwar, daß ich offenkundig daraus ersehen muß, daß Sie sich in Ihrem Herzen ganz grundfalsch berichtet haben, so ist es nun meinerseits nichts mehr als eine brüderliche Pflicht, Sie in Ihrem gewaltigen Irrtume getreu zu berichtigen. Sehen Sie mir so recht fest ins Gesicht, ja in mein offenes gesundes Auge sehen Sie mir, und fragen Sie sich dann selbst, ob ich denn wohl so faustdick hinter den Ohren halte! Meinen Sie denn, ich würde Sie deshalb mit Verachtung ansehen, weil Sie derzeit etwas gewisserart tun, was wenigstens derzeit mit meinen Grundsätzen aus reiner Liebe zum Herrn sich nicht gar wohl vereinigen läßt? – O sehen Sie mir in mein offenes Auge, schaut denn da wirklich etwas so Verächtliches heraus? Hätten Sie meine Augen, so würde Ihnen gewiß ganz sonderbar zumute, so Sie Ihre Brüder und Schwestern sähen mit verbundenen Augen frohwandeln über unabsehbaren Abgründen und Klüften, daraus an eine Erlösung sehr schwer mehr zu denken ist für den unglücklichen Blinden, der da hinabgestürzt ist!

[HiG.03_41.01.02,25] So Sie jemanden sähen einen Giftbecher ergreifen, daß er ihn austränke bis auf den letzten Tropfen des Todes, wie würde es Ihnen dann zumute, besonders wenn Sie schon einige Spuren der tödlichen Wirkung durch die Adern des Trinkers bemerkten! – Nun, was meinen Sie, was würde das wohl für Wirkungen auf Ihr Gemüt bringen? Oder so Sie mit diesen meinen Augen jemanden sähen auf dem Eise eines gefrorenen Stromes sich ganz unbesorgt herumtummeln, während die Fluten unter dem Eise zu wachsen anfängen und die Eisdecke hier und da zu bersten begönne, und der Mensch wegen seiner Taub- und Blindheit weder Ihre Stimme noch das Krachen der Eisschollen vernähme, ja, und wenn Sie noch dazu bemerkten von ferne her schon hohe Fluten über dem Eise Bergen gleich daherwogen! Fragen Sie sich, wie es Ihnen dann zumute würde und was alles Sie dann tun möchten zur Rettung des fröhlichen Tauben und Blinden. Würden Sie nicht sehnlichst wünschen und beten, daß der Mensch sich nur dem Ufer nähere, daß Sie ihn ergriffen und abzögen von solcher Gefahr, die mit jeder Minute und Sekunde drohender und drohender wird!? – –

[HiG.03_41.01.02,26] Aber was sind alle diese seichten Beispiele in aller ihrer Schauerlichkeit gegen den leisesten Gedanken nur, der mir einflüstert: Siehe, dein Bruder oder deine Schwester hat nun einen Weg betreten, der von Gott abführt und zur Welt des Todes, ja des ewigen Todes lenkt! – Sie sagten freilich, es hänge Ihr Herz und Leben nicht eben so sehr daran, als ich vielleicht meine. Ich aber frage Sie: Warum hat denn der Herr den Aposteln nicht nur geboten, die Welt und ihre Wege zu fliehen, sondern Er sagte ihnen: „So ihr in eine Stadt einkehret und nicht aufgenommen werdet, allda bleibet nicht, sondern da ihr hineingegangen seid, da kehret alsobald zurück, nehmet euren Frieden mit und schüttelt den Staub vor dem Tore von euren Füßen“ (Matth.10,14).

[HiG.03_41.01.02,27] So aber der Herr den Aposteln gebot, den ganz unschuldig scheinenden Staub abzuschütteln, der an ihren Füßen kleben blieb, da sie doch als Seine Boten voll heiligen Geistes in Seinem Namen eine solche Stadt betraten, was glauben Sie wohl, liebe W., was der Herr sagen wird zum Staube, der am Fuße eines Tänzers oder einer Tänzerin kleben bleibt, der da erzeugt wird in der Reitschule des Satans!? – Oder lehrt uns nicht schon die Natur selbst, eine wie geringe Portion Giftes schon hinreicht, dem Menschen das Leben zu nehmen, während in der ganzen Natur uns auch nicht ein Mittel bekannt ist, das da eine ebenso große Heilkraft besäße, um den Kranken ebenso schleunig gesund zu machen, wie schnell ein Gran Giftes den Gesunden tötet? Und von einem Mittel aber, den Toten wieder lebendig zu machen, schweigt die ganze Natur, während sie doch zahllose tödliche in unabsehbarer Menge besitzt.

[HiG.03_41.01.02,28] Und sehen Sie, wie uns schon der Herr durch die Natur lehrt, so lehrte Er einst die Apostel und lehrt Seine Liebhaber noch zur Stunde im Geiste laut sprechend, indem Er uns noch dieselben heiligen Worte beständig zuruft: „Höret, ihr finsteren Menschen dieser Welt, Ich allein bin der Weg und das Leben, wandelt auf Meinem Wege! Niemand kann zum Vater gelangen anderswo denn durch Mich; denn Ich allein bin der rechte Weg und die Türe zum Herzen des Vaters – und bin das Herz oder die ewige Liebe des Vaters Selbst.“

[HiG.03_41.01.02,29] Sehen Sie, daraus aber geht ja doch übersonnenklar hervor, daß es somit fürs ewige Leben nur einen Weg und nur ein Mittel gibt, weil der Herr, der ganz allein nur der Weg und das Lebens-Mittel ist, nur ein einziger Herr, nur ein Vater, ein Christus und ein und derselbe heilige Geist aller Macht und Kraft und Liebe und allen Lebens ist, – während es unzählige und unendliche Scharen der Satane und Teufel als Herren der Verdammnis oder des ewigen Todes gibt, von denen jeglicher seine eigenen listigen Wege zum Tode führend besitzt.

[HiG.03_41.01.02,30] Wenn man aber nun diese ewig unumstößliche Wahrheit so recht betrachtet, so wird es hernach gewiß nicht schwer werden, zu begreifen, warum der liebevollste Herr des Lebens die Apostel vor dem Staube gewarnt hatte, und warum sich jeder christlich sein sollende Mensch noch unendlichmal mehr vor jenem Staube hüten soll, der gar so unglaublich tödlich in des Satans Reitschule aus dem vertrockneten Schlamme aller Unzucht und Hurerei und in so unglaublicher endloser Menge aufgestampft wird mit den verächtlichsten Füßen aller Heuchelei, alles Truges und aller erdenklichen Verführung!

[HiG.03_41.01.02,31] O sehen Sie nun, liebe Freundin, wer mit innerer Sehe des Geistes diese Verhältnisse so durchschaut, der braucht eben nicht verliebt zu sein, um mit gesenktem Haupte stumm und voll oft trostlosen Mitleides den tödlichen Staub an den Füßen seiner Brüder und Schwestern betrachtend, so manche Fragen irgendeiner im geheimen schon ziemlich bestaubten Schwester zu überhören! – Was Sie mir aber vom leidlichen Verliebtsein etwas scharf vorgeworfen haben, so wäre es für mich wohl sehr schwach, wenn ich Ihnen deshalb sollte mich rechtfertigende Einwendungen machen oder Dinge widerlegen, denen ich an anderen feind bin wegen ihrer ruchlosen Verkehrtheit und sollte sie an mir selbst dulden zum eigenen Verderben, da ich dann bald alles verlieren würde durch meine eigene blinde Torheit.

[HiG.03_41.01.02,32] Es ist aber ein himmelhoher Unterschied zwischen Liebe und dem verabscheuungswürdigen Verliebtsein: das erste ist uns von Gott geboten, wie das zweite unter dem Namen Hurerei uns auf das furchtbar strengste verboten ist. Sehen Sie nun, so ich aber so wäre, wie müßte ich mich dann als ein berufener Knecht unter den Augen des großen Herrn ausnehmen? –

[HiG.03_41.01.02,33] Sehen Sie nun wieder, einen wie sehr gewaltigen Hieb ins Blaue Sie da gegen mich, sich selbst ärgernd, gemacht haben!

[HiG.03_41.01.02,34] So ich Sie aber gar oft meiner Liebe versichert habe, wie desgleichen auch jeden anderen würdigen Bruder und jede achtbare Schwester, die mir vermöge ihrer inneren Beschaffenheit näherstehen als manche andere, Gottes und alles Sittliche vergessende Menschenlarven, so habe ich fürs erste nichts anderes getan, als was ich als christlicher Mensch schuldig bin besonders der unmündigen Menschheit, deren inneres Auge noch lange nicht geöffnet ist, daß sie ins Herz des Bruders oder der Schwester sehen möchte, ob sich da im Ernste wohl eine wahrhaft christliche Liebe gehaltschwer werktätig vorfindet.

[HiG.03_41.01.02,35] Und fürs zweite aber suchte ich Sie auch dessenthalben etwas höher zu meinem Herzen heraufzuziehen, da ich sah, daß die Empfänglichkeit für weltliche Nichtigkeiten bei Ihnen weit vorherrschender ist als die Empfänglichkeit für geistige Erhabenheit. Denn ich sah und sehe noch das Monument Gottes fein beschrieben mit Seinem allerheiligsten Willen in Ihrem Herzen.

[HiG.03_41.01.02,36] Sehen Sie, so aber jemand irgendein weltliches Denkmal gesetzt hätte und hätte da hinein einen Stein gelegt, darauf viel Schönes und Rühmliches stünde von Dem, dem das Denkmal gelten soll, – mit der Zeit aber fiele dieser beschriebene Stein durch irgendein kleines Erdbeben vom Monumente, so zwar, daß er sonst unbeschädigt mit der Schrift nach auswärts zu stehen käme am Boden. Wenn nun aber der Stein von irgendeinem Freunde nicht alsobald hoch genug auf das bestehende Monument gesetzt wird, sagen Sie selbst, was dürfte es da mit dem schönen, glatten, beschriebenen Steine alsbald für eine traurige Bewandtnis haben, so die böswillige, schadenfrohe und zerstörungslustige Welt seiner am Boden liegend ansichtig wird? Werden sie nicht alsobald hinzueilen und ihn mit allerlei Schändlichkeiten zu bekritzeln anfangen, so, daß gar bald von der herrlichen Inschrift nichts mehr zu sehen sein wird, und somit diese würdige Lebenstafel und edler Taten Marke endlich einem jeden rohen, nichtssagenden Steine gleichen und am Ende sogar zerschlagen und gänzlich zerstört und vernichtet wird.

[HiG.03_41.01.02,37] Sehen Sie, auch Ihr göttliches Monument habe ich schon öfter von diesem herrlichen Steine entblößt getroffen, denselben aber dann liegend auf dem schmutzigen Boden weltlicher Leidenschaftskeime. Um aber diesen Stein wieder zu vereinen mit dem Monumente Ihres Herzens und einig mit sich selbst zu machen, tat ich als ein wahrer Freund durch eine besondere Gnade von Oben, was ich tat, aber nicht, daß Sie mir darob Schande über mein Gesicht rufen sollen!

[HiG.03_41.01.02,38] Und was und wie ich war vorher, so werde ich sein fürder. Aber nehmen Sie sich ja in acht vor dem bewußten Staube und daß die besagte Tafel nicht Schaden leiden möchte. Denn wären Sie auch, daher die Kinder Gottes sind, so sollen Sie aber doch desto mehr gedenken, daß Sie sich jetzt auf der giftigen Welt befinden, die mit lauter tödlicher Stickluft umgeben ist – bis zur kleinen Stelle, da der Brunnen Jakobs Lebensluft um sich haucht Amen. –

[HiG.03_41.01.02,39] Und siehe, als du diese von Mir dir auch im Traume eingegebene Rede vollendet hattest, da kam das Töchterchen Julie, verfolgt von den zwei Knaben ins Zimmer, da der Paul ein kleines schwarzes Hündchen gegen eine Türe auf sie hetzte, so daß das Hündchen die J. beinahe in den Fuß gebissen hätte, darum du dann aufstandest und wecktest den noch schlafenden Genossen H., der dann alsbald herbeikam und den Knaben P. mit zwei Fingern an den Haaren faßte und ihn strafend ein wenig schippelte. Es blieben aber die Haare, die er gefaßt hatte, in der Hand. Als er darauf aber dieselben besichtigte, so waren diese ganz den Haaren eines Esels ähnlich, worüber der H. zu lächeln anfing und sagte: Na, das heiß' ich doch die Dummheit aus dem Kopfe eines unbändigen Studenten ziehen! – Ah, diese Haare muß ich mir aufbewahren. – Bald darauf kamen alle herbei, und du aber wurdest wach. –

[HiG.03_41.01.02,40] Siehe, damit ist getreu dir wiedergegeben dein Traum als eine freie Zugabe zur Bereicherung Meiner Gnade in dir und allen jenen, die ihn in ihren Herzen fruchtbringend gleich dem besagten Steine hoch aufrichten werden, – daß sie dadurch dann sich und die Welt in sich gar leicht werden erkennen, was gerade jetzt um so mehr not tut, da Meine siebente und letzte Ankunft knapp vor der Türe steht. Seht nur an den Feigenbaum, und ihr werdet es finden, daß es also ist! (Matth.24,32. Luk.21,29)

[HiG.03_41.01.02,41] Wer die Welt nun noch liebt und Mich neben ihr, wahrlich, wahrlich, der wird nicht aufgenommen werden von den zweien auf dem Felde, in der Mühle und im Bette! (Matth.24,40 f.)

[HiG.03_41.01.02,42] Darum bewahret eure Füße vor dem Staube der Welt, damit nicht alsobald die Pforten Meines Reiches vor euch abgeschlossen werden auf ewig. Denn so ihr schon heiklig seid mit den frisch gewaschenen Böden eurer Gemächer, da ihr doch voll Schmutzes seid außen und innen, um wieviel mehr werde Ich mit Meiner heiligen Stadt es sein! Das bedenket wohl, ihr Weltbestaubten, und Wer der ist, der solches redet amen; denn Ich, der Anfang und das ewige Omega selbst bin Es amen, amen, amen. (Joh.4,10. Offb.Joh.1,8) – –

 

Die Träume. – 7. Januar 1841.

[HiG.03_41.01.07] O Du mein allerbester, allerliebster Herr Jesus, so Dein heiligster Wille es wäre, möchtest Du mir denn nicht gnädig anzeigen, was denn doch eigentlich die Träume sind, und was man davon halten soll? Denn gar oft hat der Mensch bedeutende, oft auch unbedeutend scheinende Träume, und wenn man nicht weiß, wie, wann, was und wodurch und warum, so würdigt man vielleicht einseitig diese Erscheinung gar nicht oder zu wenig oder oft leichtlich zuviel. Daher, o Du allerbester, allerliebster Herr Jesus, möchtest mir armem Sünder anzeigen auch darinnen das rechte Verständnis! Nehme aber ja nicht ungnädig auf diese vielleicht zu vorwitzige Frage, denn Dein Wille bleibe allzeit heilig, heilig, heilig und über alles Deine Macht und Stärke. Daher geschehe nur Dein Wille; denn ich möchte lieber ewig nichts wissen, als etwas, so da nicht wäre nach Deinem allerheiligsten Willen Amen. Nur in Deinem heiligsten Namen Amen. – – –

[HiG.03_41.01.07,01] So schreibe: // 1. / Wenn noch das Kind im Mutterleibe ruhig sauget / des Blutes Säfte, da für es nichts andres tauget, / da saugt des Seele auch schon Himmels reine Lüfte / und weidet sich ihr Geist auf Meiner Gnadentrifte. / Und das der Leib dem Mutterleibe hat entnommen, / und was daselbst in Geist und Seele ist gekommen, / das bildet sich hernach im weltlich Außenleben, / so ihm im Mutterleibe ward von Mir gegeben.

[HiG.03_41.01.07,02] 2. / So aber du der finstren Kammer Lichtgebilde / da schauest, Bäume, Häuser, Wesen und Gefilde, / so solches in der Kammer nirgends ist zu finden, – / nun sieh, das ist's, worauf sich alle Träume gründen. / So sieht der Leib durchs Auge nichts als seinesgleichen, / da seinem Lichte all der Seele Bilder weichen. / Und wenn der Körper schlafend finster ist geworden, / so sieht die Seele ihresgleichen dann in Horden.

[HiG.03_41.01.07,03] 3. / Wenn aber auch die Seel' zur Ruh sich hat begeben / und so dem Geist anheimgestellet wird das Streben, / wie auch das Regen sich in eignen Lichtes Sphären, / da kann der Geist dann auch zum Geistigen sich kehren. / Und was der Geist geschauet hat im Vaterhause, / das kann die Seel' gewahren auch in ihrer Klause; / und so der Leib dann wach geworden ist vom Schlafe, / gewahrt er öfter noch des Geistes Gnad' und Strafe. –

[HiG.03_41.01.07,04] 4. / Doch ist bei Menschen, die ein weltlich Leben führen, / von reinen Geistesträumen nie gar viel zu spüren, / da träumt die Seele nur der Welt entnommne Dinge – / und meist, daran das Herz am Tage leidlich hinge. / Und da sind solche leere, bunte Seelenträume / wohl nichts, als was da sind des faulen Wassers Schäume. / Nur, wenn der kranken Seele sich oft Bilder zeigen, / sind manchmal sie zu rütteln und zu ängsten eigen.

[HiG.03_41.01.07,05] 5. / Und es sind solcher Träume fähig selbst die Tiere, / und heller oft, obschon entlehnt dem Nachtreviere. / Doch solcher Träume Sinn ist stets nur wüst und öde, / voll Trug und Arg – und demnach jede Deutung schnöde. / Nur wenn die Träume euren Erdensinn entwirren / und euch auf kurz in Meiner Gnade Reich entführen, / dann sollt ihr merken solche Träume euch hienieden / und fassen sie ins Herz zu eurer Seele Frieden. –

[HiG.03_41.01.07,06] 6. / Denn wenn ihr träumet so von eitlen Erdendingen, / so ist das nichts, als was euch eure Wünsche bringen, / und was am Tage euch begehret hat im Herzen, / das wird gar los' im Schlaf mit eurer Seele scherzen. / Doch wenn ihr oft am Tage Meiner habt bedenket / und alles Tun und Trachten stets zu Mir gelenket, / dann wird, wenn Leib und Seel' sich hat zur Ruh begeben, / dem Geist auf kurze Zeit im Himmel Kost gegeben. –

[HiG.03_41.01.07,07] 7. / Nun merket das zum Schlusse noch, ihr wen'gen Treuen: / Die rechten Träume werden stets euch wohl erfreuen; / nur wenn die Seel' im Schwanken sich befind't auf Erden, / so wird die Himmelskost euch manchmal bitter werden. / Denn wer noch nicht durchs Liebesfeuer ist gegangen, / dem möchte solcher Feuerskost ein wenig bangen, / doch wer da denket: Einmal muß ich's doch empfangen, / der wird nicht schwer zu Meinem Gnadenweg gelangen.

[HiG.03_41.01.07,08] Dieses Wenige, wohl überdacht, wird vorderhand genügen zu wissen, was du wissen mochtest. Doch ist in Träumen nichts Verdienstliches, noch etwas Sträfliches, und es sind die guten und echten eine freie Hinzugabe ohne alle Rechnung. Wer danach sich kehrt, der tut wohl; doch wer da lebt Meiner Offenbarung treu gemäß, der tut besser, denn die Träume gebe Ich nur Meinen tauben Liebhabern. Doch wem des Herzens geistige Ohren sind durch das Feuer der Liebe aufgetaut und geöffnet worden, der höre nur recht fleißig in sich Mein lebendiges Wort predigen, durch welches allein er zum Leben gelangen wird. Was aber die Wesenheit der Träume sonderheitlich anbelangt, so wird ihrer bei der Enthüllung des Menschen schon ohnehin ausführlich erwähnt werden, – zuerst kommt das Kleine, dann das Große, und endlich das Allergrößte Amen. Das sage Ich, der da angerufen wurde, Amen Amen Amen. –

 

Sprichwörter und Denksprüche. – 5. März 1841. Nachmittag.

[HiG.03_41.03.05,01] So schreibe denn einige Denksprüche und Sprichwörter. Diese soll jeder bei sich tragen – das heißt im Herzen, denn auf dem Papiere bloß sind sie wie alles dergleichen fruchtlos, tot und segenlos. – Siehe die Wirkung der Amulette und anderer dergleichen Insignien; was nützen sie ohne Glauben entweder des Spenders oder des Empfängers? – Nichts! – Ich sage aber, so der Glaube lebendig mit der Liebe Hand in Hand gehet, wozu dann die Mittel des toten Aberglaubens? – Ich frage: Kann außer Mir jemand oder etwas helfen? – Wozu dann der Amulette und Skapuliere? Daher, so Ich dir und euch allen nun Denksprüche und Sprichwörter gebe aus Mir von Oben, sollet ihr dieselben ins Leben fassen und also bei euch im Herzen tragen, nicht aber in einen Rockzipfel gehängt oder genäht oder in der Tasche oder auf einer Schnur. – Und also schreibe die Denksprüche und Sprichwörter in Meinem Namen amen. –

[HiG.03_41.03.05,02] 1. Dieses Erdenlebens Schein, o Bruder, ist nicht dein; doch wohnt im Schein ein großes Sein, – daher traue nicht dem Scheine, sondern nütze dieser Erdenfackel matt Geflacker, daß du findest das wahre Sein in dir. –

[HiG.03_41.03.05,03] 2. Suche nicht, das da schlechter oder besser wäre auf der wirren Lebens matt erhellten Bahn, sondern denke: Eines ist nur gut und wahr – und das bin Ich und Meine Liebe; alles andere ist eitel, schlecht und falsch. –

[HiG.03_41.03.05,04] 3. Eine Kirche ist nur Kirche, wenn sie lehret Meinen Willen und das Leben predigt aus der Liebe, die am Kreuze für die ganze Erde, ja für die ganze Schöpfung blutete. – Aber eine Kirche, die sich nur segnet und alles andere verflucht, ist ein Geizhals, der allen den Tod wünscht, damit er dann aller Habe habhaft werden möchte. Es wird aber ein Kamel eher durch ein Nadelöhr traben, denn ein solcher in den Himmel. –

[HiG.03_41.03.05,05] 4. Tue, was du tust, in Meinem Namen, und Meine Liebe sei die Triebfeder deiner Glieder, so wird im festen Trauen dir gar wohl gelingen jedes deiner Werke; aber Unzucht aller Art und Hurerei, durch diese solle nie entheiligt werden je Mein Name. –

[HiG.03_41.03.05,06] 5. Ihr kauft zu vielen Ellen teure Zeuge, um modest zu zieren eure fleisch'gen Gräber, und achtet dabei zwanzig Taler viel geringer als so viele Kreuzer nur, zu spenden Meinen armen Brüdern. – Ich aber sage: Tuet solches umgekehrt, so werdet ihr euer Leben schmücken. –

[HiG.03_41.03.05,07] 6. Wer da preiset Dichter, Künstler, Komödianten und macht Elogen eitlen Erdenfratzen, Siegern, Feldherren, Wüterichen aller Art, wie ist dieser doch ein großer Tor. Er umklebt den Dreck mit allerlei eitlem Zeuge und ehret so der Braut stinkenden Unrat; so er aber ihre Stimme nur von ferne vernimmt, da flieht er einem Wahnsinnigen gleich! Hütet euch zu treten in seine Fußstapfen! – und wenn ihr Elogen macht, so machet sie Mir, dem großen Künstler des Lebens und dem Feldherrn der Unendlichkeit – und ein unvergänglicher Ruhm wird euer Anteil sein ewig. –

[HiG.03_41.03.05,08] 7. Wer aber da preist die Tänzer und die Gaukler, wahrlich, dieser ist ein Fürst der Mörder, Hurer und Selbsttöter. Da, wo des großen Feuermeeres ew'ger Wirbel braust hinab mit Donnerheulen in des Zorntodes ew'ge Tiefen, will Ich solche Sänger bald auf neue Kunstentdeckungsreisen senden, – denn wer die Sünde lobt, ist ärger denn tausend Täter. Ihr aber hütet euch, desgleichen zu entschuldigen nur. –

[HiG.03_41.03.05,09] 8. So ihr einen Baum betrachtet, wie im Frühling er voll Blüten steht, da sagt ihr: Wenn dies alles zur Reife kommen würde, der Baum ertrüge nimmer solche Last! – So ist es auch mit all den guten Vorsätzen der Welt, aus denen wenige nur zur Reife kommen, und die reifen selbst nur wilde Beeren sind! – So ihr aber eure Blüte retten wollt am Baume eures Lebens, da müßt begießen ihn gar emsig mit dem Wasser Meiner Liebe. –

[HiG.03_41.03.05,10] 9. Wenn du schauest ferne Dinge, zeigt ein blaues Gebirg sich dir als eine flache Wand, doch kommst du in die Nähe, wird die flache Wand zu weitgedehnten Ländereien. Also ist's auch mit den geistigen Dingen: wo dein Auge eins erschaut, Ich sage dir, da sind Trillionen. –

[HiG.03_41.03.05,11] 10. Es folgt der Nacht der Morgen – Mittag diesem – Abend beiden – und die Nacht aus allen dreien, denn so lang ist sie wie Morgen, Mittag, Abend. Wenn du aber bist am Morgen deines Lebens, o dann frage nicht nach Mittag, Abend und der Nacht; denn nur am Morgen kommt das Leben und schließt, besiegt, die andren drei in sich. – Hüte dich, daß du nicht ähnlich wirst der Zeit der Welt!

[HiG.03_41.03.05,12] 11. Es steckt in jeder Pflanze auch ein andrer Same, und auf tausend Arten Bäume reifen auch so viel verschiedne Früchte. Kennst du wohl den Nutzen aller? – Sicher nicht. – O sieh, es artet so sich auch des Geistes Leben in den Menschen, die da eines guten Willens sind, – die Art und Gattung, wenn sie auch verschieden sind, macht keinen Unterschied; es fragt sich nur, wiefern da alle nützlich sind. – Daher sollt niemanden verdammen ihr, sondern dafür kennenlernen Meine Wege.

[HiG.03_41.03.05,13] 12a. Seid sparsam im Hause, aber außer demselben voll Freigebigkeit, so wird eure Schwelle von schmutzigen Bettlern verschont bleiben. –

[HiG.03_41.03.05,14] 12b. Machet euer Haus zu einer Krankenherberge, so wird der Arzt bei euch aus und ein gehen. –

[HiG.03_41.03.05,15] 12c. So ihr euch waschet, da waschet zuvor die Hände denn das Angesicht, damit dasselbe nicht beschmutzt werde und eure Waschung darob unnütz sei. –

[HiG.03_41.03.05,16] 12d. So ihr betet, da betet nicht nach der Elle oder nach der Stunde, sondern im Herzen voll Liebe geistig und wahr. –

[HiG.03_41.03.05,17] 12e. Die Kinder lehrt gehorchen blind, so habt auf rechten Weg ihr sie gebracht; aber nur vergeßt der Wurzel des Gehorsams nicht, die da Meine Liebe ist. –

[HiG.03_41.03.05,18] 12f. Da wo ihr Fünkchen seht, da sollt ihr Feuerlärmen machen, so wird die Flamme nie das Dach ergreifen. –

[HiG.03_41.03.05,19] 12g. Haltet kleine Dinge nicht für unbedeutend; ein Fünkchen hat gar oft schon große Städt' vernichtet.

[HiG.03_41.03.05,20] 12h. Wenn die Kinder lachen, sollt ihr weinen; wenn sie weinen, habt ihr Grund euch zu erfreun. –

[HiG.03_41.03.05,21] 12i. Im Scherze liegt der Schmerz begraben, wie in diesem heitre Freude. –

[HiG.03_41.03.05,22] 12k. Es ist besser Hunger leiden, als mit vollem Bauche zugrunde gehen, amen, amen, amen.

 

Eine Parabel. – 3. April 1841, von 6 bis 10 Uhr abends.

[HiG.03_41.04.03] Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H. u. A. H.

[HiG.03_41.04.03] Themen (gewählt von den drei Schwestern): Was ist die Wespe für ein Sinnbild? – Was bedeutet der Abendstern? – Was ist die Unschuld?

[HiG.03_41.04.03] Der Herr antwortete allergnädigst hierauf durch Seinen Knecht:

[HiG.03_41.04.03,01] Es war einmal ein Vater, welcher drei Kinder hatte; alle drei Kinder waren weiblichen Geschlechts. Der Vater selbst aber war ein großer Weltweiser und war wohlerfahren in allen Erdwissenschaften wie auch in der Rechenkunst und konnte daher wohl berechnen die Bewegungen der Gestirne. Und da er auch in der innern entsprechenden Erfahrungswissenschaft wohlbewandert war, so wußte er auch allerlei Deutungen aus den verschiedenen Bewegungen und Stellungen der Planeten und anderer Gestirne zu entziffern. Diese zuletzt erwähnte Wissenschaft war eben auch diejenige, die sozusagen sein Steckenpferd war.

[HiG.03_41.04.03,02] Damit ihr aber dieses Gleichnis desto leichter fasset, so denket euch diesen weltweisen Vater um dreitausend Jahre früher, als die Zahl eurer gegenwärtigen Zeit lautet, und denkt euch noch dazu, daß dieser Mann ein Heide war, der von Mir nicht viel mehr wußte denn ein neugeborenes Kind.

[HiG.03_41.04.03,03] Es ereignete sich aber einmal, daß er mit seinen schon ziemlich erwachsenen drei Töchtern in tiefster Nachtzeit aus seiner unansehnlichen Hütte trat, um an den Konstellationen im Beisein seiner drei Töchter neue Entdeckungen im erwähnten Deutungsgebiete zu machen. Als er auf diese Art den lichtpunktierten Himmel zu seiner Genüge durchgafft hatte und für ihn nun nichts Neues mehr von dem gestirnten Himmel zu gewinnen war, da wollte er umkehren und mit seiner mageren Beute beladen in seine Hütte zurückkehren.

[HiG.03_41.04.03,04] Allein solcher Gesinnung waren seine drei Töchter nicht. Denn da nach desselbigen Landes Sitte nach dem Sonnenuntergange nie ein Mädchen aus der Hütte treten durfte, so war dieser erste Anblick des gestirnten Himmels mit einem zu großen Reize für ein sehr empfängliches jugendliches Mädchenherz überzogen, als daß sich dasselbe so schnell von dem so prachtvoll erleuchteten Himmel hätte trennen können. Daher auch baten die drei Töchter den Vater, nur diesmal bis zum Sonnenaufgange in der glänzenden Halle zu verbleiben.

[HiG.03_41.04.03,05] Es bedurfte des Bittens eben nicht gar zuviel, und der Vater gewährte seinen geliebten Töchtern, danach sie verlangten. Wie es aber schon zu gehen pflegt, daß die Kinder, wenn ihnen ein Finger gereicht wird, sogleich nach der ganzen Hand greifen, so war es eben hier auch der Fall. Die Töchter begnügten sich nicht nur mit der stummen Anschauung allein, sondern eine jede fing da alsobald an zu fragen, wie ihr die Zunge gewachsen war und wie ihr der Sinn in aller Wißbegierde eingab.

[HiG.03_41.04.03,06] Und seht, wie diese Töchter ihrem weisen Vater gar so manche diamantne Brocken haben aufzubeißen hingeworfen. Was meint ihr wohl, o liebe Kinder, um was die erste ihren Vater hat gefragt? Die Frage war fürwahr so übel nicht, denn sie drehte sich um nichts geringeres, als bloß um die kindlich närrische Kleinigkeit: wer wohl diese lichten Pünktlein samt diesem weiten Himmelsgewölbe gemacht habe. Die Antwort des Vaters war: „Meine lieben Töchter, wir haben wohl eine Lehre, die da sagt, es solle irgendwo über allen diesen Sternen ein mächtiges Wesen wohnen, von dem alles, was ihr sehet, solle einmal gemacht worden sein. Allein, unter uns gesagt, das ist nur eine altertümliche Sage, die aber keine Realität hat, denn die Wissenschaft lehrt darüber ganz etwas anderes.“ Und wieder fragte eine Tochter: „Wie lautet denn dieses ‚ganz etwas anderes‘?“ Der Vater antwortete: „Also, meine Lieben, daß alles dieses, was ihr da sehet, schon von Ewigkeit her also besteht, wie ihr es jetzt sehet.“

[HiG.03_41.04.03,07] Allein die Töchter waren mit dieser Antwort nicht zufrieden, sondern fragten den Vater wieder, was das heiße: von Ewigkeit her. Worauf der Vater antwortete: „Von Ewigkeit her heißt soviel, als daß ein Ding nie zu sein und zu werden angefangen hat.“ Allein diese Antwort war für die Töchter noch unbefriedigender denn die frühere, und somit mußte sich der Vater schon gefallen lassen, von seinen Töchtern mit noch kritischeren Fragen gehetzt zu werden. Und so war eine alsogleich mit der Frage fertig, welche also lautete: „Aber, lieber Vater, gilt diese Lehre allen Dingen – oder nur den Sternen allein?“

[HiG.03_41.04.03,08] Hier wurde der Vater schon ein wenig verlegen und wollte sich dadurch aus der Schlinge ziehen, daß er seine Lehre nur auf die Sterne bezog. Allein, er machte dadurch seine Lage nicht besser, denn ein anderes Töchterchen war mit einer neuen Frage schon wieder fertig, welche also lautete: „Auf diese Art ist die Erde nicht von Ewigkeit, wenn sich deine Lehre nur auf die Sterne bezieht.“ Hier wußte der Vater schon nichts anderes mehr zu sagen, als daß er sich entschuldigte, in der Übereilung der Erde vergessen zu haben. Allein dieser Scheingrund gab den Töchtern nur wieder eine neue Gelegenheit, den Vater noch enger zu umstricken.

[HiG.03_41.04.03,09] Und so ward alsobald wieder eine neue Frage aufgetischt, nämlich: wie denn das zu verstehen sei, daß die Erde – die da bestehe aus Lehm, Steinen, Bergen, Wasser, Sand und anderen allerlei gearteten Dingen – nie zu sein angefangen habe, während doch viele Dinge auf ihr entstehen und wieder vergehen. „Ja selbst wenn ich schon öfter ein kleines Lackchen Wasser beobachtete, wie dasselbe von den Sonnenstrahlen zunichte gemacht wurde und mir dabei dachte, wenn die Sonne noch heißere Strahlen zur Erde senken würde, könnte sie wohl auch einen See vernichten, – so möchte ich doch einmal wissen, wie das zu nehmen sein soll: daß fürs erste etwas dasein kann, was nie zu sein hat angefangen, und wenn es aber da ist, doch vergehen kann trotzdem, daß es schon früher von Ewigkeit dagewesen sein solle?“ – Hier war der Vater wie in einen siebenfachen Sack eingenäht und konnte nichts anderes darauf sagen als: „Meine lieben Kinder! Solches kann der Mensch nicht wissen!“ Und sogleich fragte wieder eine: „Wenn aber nach deiner Lehre der weise Mensch solches nicht wissen kann, wer soll's denn hernach wissen, wenn der Mensch schon das höchste Wesen ist?“ Und eine andere fügte noch eine andere Frage hinzu, welche also lautete: „Wenn nach deiner Lehre alle Bäume, Gesträuche, Pflanzen, Tiere und Menschen sich selbst fortpflanzen, da habe ich mir manchmal auch schon den Kopf zerbrochen, ob es denn nie Erstlinge gegeben hat? – Denn mir kommt es immer vor: Wo nie ein Erstes war, da kann ja doch unmöglich je ein Zweites entstehen – nicht wahr, lieber Vater? Denn also lehret uns ja deine Rechenkunst!“

[HiG.03_41.04.03,10] Sehet, jetzt war der Vater rein fertig und wußte nichts anderes anzufangen, als seinen Töchtern zu sagen: „Liebe Kinder, ich höre soeben ein gewaltiges Gesumse von stechenden Wespen, ihr wißt, wie sehr ihr Stachel brennt. Daher wollen wir diese ungebetenen Gäste nicht abwarten, sondern da soeben der Morgenstern schon über den Horizont gestiegen ist und den nahen Aufgang der Sonne ankündigt, wollen wir uns in unsere Hütte begeben, damit uns niemand treffe ungebührlicherweise im Freien und noch dazu von Wespen übel zugerichtet.“ Und sobald erhoben sie sich auch. Aber es wollte nicht recht gut vorwärts gehen, denn als sie ihrer Hütte sich nahten, wurden sie von einem seltenen Feuermeteore zurückgeschreckt und getrauten sich nicht auch nur hinzublicken, da die Hütte stand; denn dieser Meteor bestand in einer blitzenden großen Feuersäule und hatte ein außerordentlich drohendes Aussehen.

[HiG.03_41.04.03,11] Als sich die Gesellschaft denn nun wieder an der vorigen Stelle befand, hat sich ihre Furcht verringert, und die Töchter fragten den Vater, warum er sich denn vor dieser Feuersäule gefürchtet habe – und ob diese Feuersäule auch von Ewigkeit her sei? Auf welche Frage der Vater abermals die Antwort schuldig blieb und sagte bloß von der Furcht: „Der Mensch sollte sich zwar nicht fürchten, allein bei einer so außerordentlichen Gelegenheit fürchtet man sich denn doch; denn es ist eine solche Furcht heilsam dem Menschen, da sie ihn von einem Unglücke abhält.“

[HiG.03_41.04.03,12] Er hat sich aber durch diese Erklärung in eine neue Verlegenheit geworfen, denn sobald war eine neue Frage da, nämlich: „Woher kommt denn bei solchen Gelegenheiten diese gute, schützende Furcht in den Menschen; denn da sie etwas Gutes ist, kann sie doch nicht von dem ausgehen, davor sich der Mensch entsetzt?“ – Auf diese Fragen sagte endlich der weise Vater: „Liebe Kinder! Vermöchte der Mensch auf jede Frage eine befriedigende Antwort zu finden, so wäre er, liebe Kinder, – ich weiß selber nicht, was er wäre! – Mehr als ein Mensch müßte er auf jeden Fall sein.“ –

[HiG.03_41.04.03,13] Und eine neue Frage, welche darin bestand, warum alle Sterne nicht gleich stark glänzen und die Menschen nicht gleichviel wissen, hat den weisen Vater beinahe zur Verzweiflung gebracht, – und endlich die Frage, welcher Unterschied zwischen dem schönen Morgensterne und dem von ihnen schon einmal gesehenen Abendsterne von gleich starkem Lichte wohl sein möchte, brachte den Vater zu einer etwas ärgerlichen Beantwortung, welche also lautete: „Kein anderer, denn der zwischen euren Fragen und eurer Unschuld.“ –

[HiG.03_41.04.03,14] Nun, Meine lieben Kinder, in dieser Parabel habt ihr alles das erläutert, wonach ihr gefragt habt. Ihr habt nicht um das Wesen, sondern nur um die Bedeutung gefragt, und diese ist euch hier auch zur überfließenden Genüge gegeben. Denket darüber im Herzen, und es wird euch alles sonnenklar werden, amen. – Das sage Ich, euer Vater Amen. – – –

 

Ein Wort an Ans. Wortemsig. – 5. April 1841, abends um 10 Uhr, nachdem Jakob Lorber die 58. Strophe der ‚Erlösung‘ niedergeschrieben und dem Ans. H. vorgelesen hatte.

[HiG.03_41.04.05] Ans. H. sagte zu Jakob Lorber, daß jede Tat des Herrn die größte sei, und daß Seine Tatengröße nicht mit der Elle des menschlichen Verstandes und Herzens gemessen werden könne; es sei die Menschwerdung des Herrn so groß wie Sein Lehramt, und dieses so groß wie Sein Kreuzestod, und dieser so groß wie die Sendung des Heiligen Geistes, und diese so groß wie das Wohnen des Herrn im Herzen Seiner armen und schwachen Getreuen. – Hierauf wurden Jakob Lorber folgende vier Verse in die Feder gegeben:

[HiG.03_41.04.05,01] Du Emsiger im Worte mußt dich nicht in leeren Zank versinken, / O sieh, ein schuldlos Kindlein wird die große Wahrheit treulich euch zuwinken!!! / Daher mußt dich in nichts begründen, / Dann wirst das Große du schon finden. / Ich Amen, Ich Amen, Ich Amen.

 

Unsittliche Amtsverwaltung (Die Landratsstelle an And.H.). – 6. Mai 1841.

[HiG.03_41.05.06,01] Schreibe nur, denn Ich weiß es schon, daß du und alle der Welt lauter Unzüchtler und Hurer und Ehebrecher seid. – Wer da hat ein Amt, der hat es ja der nützlichen Amtierung wegen, nicht aber etwa des Gehaltes oder der Bequemlichkeit wegen. Sucht aber jemand ein bequemes Amt, so ist er ein Unzüchtler, da er wohlleben möchte, ohne wohlzutun – gleich einem, der die Ehe flieht und scheut sich zu sorgen für Weib und Kind, aber dafür aller Weiberwelt den Hof macht und am Ende seines Fleisches Lust und Begierde sich entweder mit den schmutzigsten Huren oder wohl durch Selbstbefleckung stillt.

[HiG.03_41.05.06,02] Wer ein gutes Amt hat, da er recht viel Gutes wirken mag, sucht oder möchte aber eines, in welchem wahrlich nichts denn die allerbarste Hurerei getrieben wird, der ist gleich einem, der sich möchte von seinem Weibe darum scheiden, um dann mit einer bedungenen Hure nach der andern sein Wesen zu treiben, ohne darob von seinem Weibe die gerechtesten Vorwürfe anhören zu müssen. – Wer aber sein Amt vertauschen will gegen ein anderes, hat der nicht geistig ehebrecherische Gesinnungen? Und das noch vorzugsweise bei einem solchen Amte, da man ist eine wahre Obrigkeit des Gesetzes, die aus Mir besteht, – mit einem Amte, das da keine Obrigkeit, sondern nur eine Prozesse führende Behörde ist, und das vorzugsweise nur für den Adel und Priesterstand, und hat wenig oder gar nicht mit Meinem armen, gemeinen Volke zu tun. –

[HiG.03_41.05.06,03] Es ist aber ein jeder Prozeß die allerbarste Hurerei, weil da das Gesetz benützt wird zur Unterstützung der Eigenliebe, gleichwie einer benützt das große Naturgesetz der Zeugung zur wollüstigen Frönung seiner unzüchtigen Eigenliebe, – und es ist dann ein solcher Prozesse ausarbeitender Amtsmann nichts denn ein Hurenunterfänger und Anmannbringer, wo es dann allzeit heißt: Wer's Geld hat, der führt die Hure ins Bett. – Denn die advokatische Drehung, Wendung und Benützung des Gesetzes gleicht ganz vollkommen jener schändlichen Art, wo der Unzuchtsbuhler von seiner Hure alle möglichen Stellungen verlangt, um dadurch zu irgendeiner neuen Reizesmacht zu gelangen, um auch eben dadurch noch den letzten Tropfen Lebens zu verspritzen, wie ein Prozeß-Ausarbeiter des Gesetzes letzten Machtfunken aufs Papier mit der Tinte verspritzt. –

[HiG.03_41.05.06,04] Siehe, Mein lieber A.W., geradeso verhält es sich mit dem Amte, das du möchtest. Ich sage dir aber, willst du recht und wohl tun, so bleibe, da du bist; denn dein Amt ist ein altes Amt, und es ist dessen Macht und Gewalt aus Mir; aber das andere ist Mir ein Greuel! – Willst du lange leben, so bleibe und sorge als treuer und gerechter Richter nach dem Gesetze für das Wohl der Untergebenen und widerrate aufs dringendste alles Prozessieren. Wenn dich aber der Kaiser übersetzen möchte in ein anderes Amt oder du auch in der jetzigen Stellung eine höchste Amtsstufe möchtest, so kannst du es wohl annehmen und nach der zweiten verlangen; aber aus dir meide du die Prozesse führende Landratsstelle. Ich werde dich überall segnen, nur da nicht, außer der Kaiser hätte dich dazu berufen. Übrigens aber will Ich dadurch deinem freien Willen keine Fesseln angelegt haben, denn Ich zeigte dir nur die Sache, wie sie bei Mir steht. Findest du aber dessenungeachtet noch Beweggründe, die die Sache rechtfertigen, so magst du immer noch tun, wie es dir behagt. Aber von der inneren Ernte magst du dir dann nicht zu Großes versprechen; denn der Anblick eines vorliegenden Prozesses gleicht dem einer nackten Hure, da es gewiß jedem schwer wird, sich von unkeuschen Gedanken zu enthalten – wohlverstanden – Amen – sage Ich – Amen, Amen, Amen.

 

Der Ton – die lebende Seele des Wortes. – 18. Mai 1841. Vormittag.

[HiG.03_41.05.18] O Herr, Mein Gott und Vater, der Du voll Liebe, Erbarmung, Langmut, Sanftmut und Freigebigkeit bist und lässest niemanden vergebens bitten um etwas, der nur eines ein wenig treuen und traulichen Herzens ist – siehe, Dir hat es gefallen, mir die Musik zu geben und mich selbe von meiner Jugend auf erlernen zu lassen. Daher möchte ich nun gerne in einem verständlichen Worte von Dir erfahren, was fürs erste die Musik im Grunde sei, und fürs zweite: Sollte man diese mir gar so überaus herrlich vorkommende Kunst auch, wenn man Gelegenheit hat, mit allem Fleiße erlernen? Und endlich, welchen Nutzen fürs Leben gewährt sie? – O Herr! sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig und nehme auf und erhöre meine Bittfrage gnädigst und erquicke meine Seele mit einem Worte voll Lebens und Liebe aus Dir Amen; Dein allzeit heiliger Wille Amen. –

[HiG.03_41.05.18,01] Nun, so schreibe und schreibe und schreibe. – Der Liebe innerstes Wort, das ihr Musik nennt, schreibe die Tiefe der Tiefen, schreibe die Macht der Mächte, die Kraft der Kräfte! – Ich will dir geben ein Wort der Liebe, doch in einem hohen Liede nur; denn zu hoch und erhaben ist's, danach du fragst. – Ich gebe es dir, und dann begreife wohl, was du empfängst! – Und nun schreibe und schreibe und schreibe ein hohes Lied, welches also laute:

[HiG.03_41.05.18,02] 1. / Es wohnt in den heiligen ewigen Tiefen der Liebe verborgen / ein nie noch im Grunde von Engeln und Menschen geahnter Morgen; / ihr nennt es gar töricht Musik, was als innerstes Wort sich bekundet. / Was soll denn dies schaleste Wort, das den grundlosen Toren nur mundet? / Soll lehren es dich zu begreifen ein Wunder der Tiefe der Liebe? – / Willst Großes du fassen, da fasse der Liebe allinnerste Triebe!

[HiG.03_41.05.18,03] 2. / Der Ton ist die lebende Seele des Wortes, selbst Leben und Wesen; / was wäre ein Wort ohne Ton? – Könnt's Gedanken des Herzens dir lösen? / Der Buchstab' ist nur ein verkrüppelter Ton, ohne Klang und Bedeutung; / du kannst mit dem Zeichen wohl schreiben das Wort nach der inneren Leitung, / doch nimmer die Tiere von ihrem betäubenden Schlafe erwecken; / denn solches kann nur der belebende Ton allzeit sicher erzwecken!

[HiG.03_41.05.18,04] 3. / Das innerste heilige Wort ist nur Ton ohne zungliche Trübung; / dies heilige Wort magst du finden in rohesten Dingen ohn' Übung – / in allen Metallen und festeren Steinen und Wasser und Erden, / in Tieren und Pflanzen, in allen den luftigen sumsenden Herden. / Ich sage dir, horche und lausche mit offenem Herzen und Ohren, / und du wirst bald merken, daß ohne den Ton wird kein Wesen geboren!

[HiG.03_41.05.18,05] 4. / Und so wohnt im Tone auch einer ganz leise nur sumsenden Fliege / ein Grund, eine Tiefe, du möcht'st sie nicht fassen! – Das Kind in der Wiege, / fürwahr, kannst Mir glauben, es saget in seinem eintönigen Weinen / unendlichmal Höh'res denn Salomo und all die Weisen und Reinen, – / und so auch ein raschelndes Laub, und die sprudelnde muntere Quelle, / sie birgt in dem plätschernden Tone des Lebens gar heil'ge Juwele!

[HiG.03_41.05.18,06] 5. / Nun denke ein wenig im Herzen doch nach – und begreife und fühle, / was alles die Harmonie reiner gebildeter Töne verhülle! – – / besonders wenn sie aus dem Herzen der Frommen gar reinlich entschweben; / Ich sag' dir, aus ehernen Saiten entwinden sich zahllose Leben! / In den Oratorien und Sinfonien und andren Gesängen / sich Leben an Leben, wie Woge an Woge, gar herrlich durchdrängen!

[HiG.03_41.05.18,07] 6. / Möcht'st du wohl den Nutzen harmonisch gebildeter Töne erfahren? / Da frage dich selbst nach dem Nutzen des Lebens, und du wirst gewahren / und finden, daß nichts da wohl wichtiger sei als ein seliges Leben; / was, außer dem Tone der Liebe, kann solches im Himmel dir geben?! / Musik ist die innerste Sprache der Himmel, der seligsten Reinen, – / fürwahr, die sie feinden, die Musik, die rechne Ich nicht zu den Meinen! – –

[HiG.03_41.05.18,08] 7. / Die Trägen und Feinde und die sie erwählen zu niedrigsten Zwecken, / die werd' Ich zum inneren Leben des Geistes wohl schwerlich erwecken; / doch welche die Herrliche achten und lieben in wonniger Freude / aus Mir und zu Mir – und sie hätten auch manches auf schuldiger Kreide / bei Mir, wahrlich! Ich werd' sie richten nach ihrem empfundenen Tönen; / daher mögt die Kindlein ihr zeitlich und fleißig an solche gewöhnen! –

[HiG.03_41.05.18,09] Aus diesem hohen Liede dürfte deine Frage wohl gelöst sein, wenn du es recht erwägst. Denke, daß der unartikulierte Ton nichts ist und sein kann als das allerreinste geistige Wort im höchsten himmlischen Sinne, so wird dir nach und nach die sogenannte Musik in ihrer inneren Wesenheit immer klarer und herrlicher werden. Rate das auch deinen Freunden und Freundinnen, und es wird für sie von großem Nutzen sein amen. Das sage Ich, der ewige Grundton aller unendlichen Töne, amen, amen, amen. – – –

 

Ursache und natürlicher wie auch geistiger und geistig-politischer Grund der entsprechend für diese Jahreszeit ungewöhnlich kühlen Witterung. – 19. Juni 1841, von 1/2 4 Uhr nachmittags bis 3/4 8 Uhr abends.

[HiG.03_41.06.19] Schreibende: Andr. und Ans., Wilhelmine und Pauline H.

[HiG.03_41.06.19,01] Ihr werdet beobachtet haben, daß sich in diesem Jahre schon frühzeitig eine ungewöhnlich warme und trockene Witterung eingestellt hat; auch werdet ihr bemerkt haben, daß während der anhaltend trocken-warmen Zeitperiode beständig mehr südliche Lüfte wehten und dadurch die Luft dem Strahle der Sonne erwärmen halfen; auch werdet ihr bemerkt haben, daß in dieser warmen Zeit sehr wenig elektrische Wetter zum Vorscheine kamen, und daß es nach jedem dieser wenigen elektrischen Wetter allzeit ein oder auch zwei Tage trübe blieb und auch mitunter regnete. So jemand ein sogenanntes Barometer hat, wird sicher, wenn er anders mit den Regeln dieses Instrumentes vertraut ist, die Erfahrung gemacht haben, daß es in einem hohen Stande der Silbersäule so gut wie in einem mittleren und niederen auch während des Steigens oder Fallens geregnet hat.

[HiG.03_41.06.19,02] Sehet, so jemand alles dieses genau beobachtet hätte und hätte dabei seinen Forschungsgeist geweckt, er würde nicht weit vom Ziele geschossen haben, da er fürs erste sich doch wohl fragen mochte: Wohin kommt denn die immer von Süden nach Norden strömende Luft, wohlgemerkt, wenn dieselbe von allen mittäglichen Gegenden um die ganze Erde eben nach Norden strömt? Und die Antwort wäre ebenfalls sehr leicht, besonders wenn man noch voraussetzt und voraussetzen muß, daß die Luft ein gewichtiger Körper ist, welcher einer Ansammlung fähig ist, davon euch ein jeder Blasebalg einen Lehrer abgeben kann, wie eure Lunge selbst bei jedem einzelnen Atemzuge.

[HiG.03_41.06.19,03] Dieser Forscher müßte nun notwendigerweise herausgebracht haben, weil die Luft von allen mittäglichen Gegenden der Erde sich gegen Norden bewegte, daß dadurch eben über dem bedeutenden Nordpol eine große Luftansammlung und Aufladung stattgefunden haben muß. Sehet, was unser Forscher schon alles für richtige Entdeckungen gemacht hat. Nun fragen wir den Forscher, so er übrigens nur ein wenig mit den Luftdruck-Experimenten vertraut ist: Was wird denn nun geschehen, wenn über dem eisigen Nordpole sich solche Massen der Luft übereinander lagern und dadurch eine Schicht die andere mehr und mehr zu drücken anfängt? Und der Forscher wird nach einem nicht gar zu langen Denken Folgendes zur Antwort bringen: Wenn mich übrigens die Erfahrung nicht trügt, was sicher nicht leichtlich der Fall sein wird, so muß die Aufschichtung der Luft über dem Nordpole ja dieselbe Wirkung hervorbringen, als so man zwei große Blasebälge mit ihren Luftausströmungsmündungen gegeneinander kehrt und an der Stelle, da sich die beiden Luftströme hartnäckig begegnen, ein Wasser durchträufeln läßt, wobei dasselbe alsobald zu einem Hagelkügelchen gefriert; und wenn die gegenseitige Strömung der Luft in ihrer Heftigkeit noch vergrößert wird, man da alsobald eine Menge kleiner Feuerfünkchen gleich den elektrischen nach allen Seiten zucken sieht, und zwar unter einem bekannten elektrischen Funkengeknister. Wenn demnach, sagt unser Forscher weiter, die gedrückte Luft stets dieselbe Erscheinung und Wirkung zum Vorscheine bringt, so muß ja über dem Nordpole vom Anfange solcher Luftansammlung an die Kälte eben auch mehr und mehr zugenommen haben, und zwar in demselben Verhältnisse, als die unterste Luftschicht von den sich stets mehr anhäufenden oberen Schichten mehr und mehr gedrückt wurde. Und hat der Druck den höchsten Grad erreicht, so muß ja die Luft sich alldort in ihrer untersten Lage ebensogut entzündet haben, wie im kleinen zwischen den zwei großen Blasebälgen. Sehet, unser Forscher ist im Ernste nicht uneinsichtig, denn seine Schlußfolge ist richtig.

[HiG.03_41.06.19,04] Also war es auch in naturmäßiger Hinsicht genommen. Die Sonne hat mit ihrem Strahle von allen Erdgegenden die Luft von Süden nach Norden getrieben, und das darum, weil eben die Sonne in dieser frühwarmen Zeit durch ihre großen und vielen neugebildeten Feuerkrater ihr Licht mehr denn ums Tausendfache potenziert hat, was natürlicherweise nicht alle Jahre der Fall ist. Die Luft häufte sich nun über dem Nordpole und bewirkte dadurch die größtmögliche Kälte, so zwar, daß das den Nordpol umfließende Meer über hundert Meilen weiter herab gegen Süden bis auf den Grund zu Eis geworden ist und dadurch an manchen Stellen, wo das Meer sehr tief ist, dem Eise eine oft mehrere tausend Klafter weitgedehnte Tiefe gab.

[HiG.03_41.06.19,05] Nun aber muß Ich euch auf eine Erscheinung noch aufmerksam machen. Könnet ihr euch noch des Tages erinnern, als in dem Zimmer des A. H. W. ein kleines freihängendes Pendulum ohne alle jemandem bewußte Veranlassung zu schwingen anfing? – Sehet, gerade um diese Zeit hat die Luftschicht über dem Nordpole unter der naturmäßig großartigsten Explosion sich entzündet, welche Explosion von einer solchen Heftigkeit war, daß sie mit einem Stoße beinahe das sämtliche Eis, das den Nordpol zu hundert und hundert Meilen weit umlagerte, zersplitterte und durch die nachfolgenden fortdauernden Entzündungen das Eis von dem Pole in nicht selten ländergroßen Stücken in die südlicheren Gegenden schob, davon bis jetzt einige sogar den Äquator erreicht haben. Eine solche Explosions-Szene würde euch, so ihr derselben bloß nur zusehen und ihr groß donnerndes Geknalle von ziemlich weiter Entfernung anhören möchtet, dem Leibe nach unfehlbar töten; denn davon könnet ihr euch keinen Begriff machen, welche für euch unbegreiflichen Naturkraftäußerungen allda zum Vorscheine kommen.

[HiG.03_41.06.19,06] Fürwahr, so ihr euer ganzes Kaisertum möchtet durchaus tausend Klafter hoch mit eurem Pulver anschütten und dann entzünden, so wäre dieses gegen eine solche polarische Erscheinung und auch in Beziehung auf die ganze Erde gerade soviel, als so ihr auf einem Tische ein einziges Pulverkörnchen entzünden möchtet. Gerade in dem Verhältnisse steht die Explosionswirkung des Nordpols gegen die des entzündeten großen Pulverhaufens, wie die Explosion ebendieses Haufens sich verhält zu der des einzelnen Körnchens. Da ihr euch dadurch nun einigermaßen die Explosion versinnlichen möget, so könnet ihr euch auch von dem allgemeinen Knalle einen leisen Begriff machen, welcher von mehr denn einer Trillion gleichzeitig bewirkter Blitze hervorgebracht wurde. Solchen Stoß empfindet die ganze Erde, wie ihn auch empfunden hat das euch bekannte Pendulum.

[HiG.03_41.06.19,07] Wenn ihr nun dieses zusammenfasset und danach schließet, so wird euch die gleich darauf eingetretene Kälte in euren schon ziemlich südlichen Gegenden sicher nicht mehr rätselhaft vorkommen. Denn wenn fürs erste die Luftmasse vom Nordpole aus über alle oft über hundert Meilen weitgedehnten Eisfelder wieder gegen den Äquator zu strömen anfängt und auf ihrer Rückreise auch mehrere tausend und tausend berge- und ländergroße Stücke mit sich führt, so wird es euch etwa doch begreiflich sein, daß die Luft also vom Norden wiederkehrend nicht warm sein kann, als käme sie vom brennenden Äquator.

[HiG.03_41.06.19,08] Aus diesem Grunde haben sich bei euch auch wenige elektrische Wetter eingefunden, und das Steigen und Fallen des Silbers im Barometer ist bis jetzt noch nicht eine Folge der inneren Erdrinde-Erhöhungen, sondern wird bloß dadurch bewirkt, da bald eine größere und bald eine geringere Portion Luft vom Norden sich über die Erdfläche hinzieht und dadurch vermöge ihrer größeren oder geringeren Schwere auch das Fallen und Steigen des Silbers in der Röhre bewirkt.

[HiG.03_41.06.19,09] Sehet, also kann es auch allzeit regnen, mag das Quecksilber in der Röhre stehen, wie es wolle, oder mag es fallen oder steigen, da die Luft allzeit kühl ist und die Erdtemperatur aber warm. Und dadurch auch allzeit dieselbe Erscheinung, die ihr im kleinen schon an euren Fensterscheiben bemerken könnet, wenn es außen kalt wird und ihr eure Zimmer beheizet, allda sich eben auch der Sauerstoff der kälteren Luft mit dem Stickstoffe, welcher in den Zimmern eine Folge der Beheizung ist, verbindet und an der Scheibe als tropfbares Wasser zum Vorscheine kommt.

[HiG.03_41.06.19,10] Wie hoch die Luft sich über dem Nordpol angehäuft hat, möget ihr sehr leicht aus der lange anhaltenden Abenddämmerung erkennen, vermöge welcher ihr noch sogar gerade um die Mitternacht gegen den Norden einen bedeutenden Lichtschimmer entdecken möget, und dieser Lichtschimmer ist nichts anderes als die erleuchtete weitgedehnte Luftsäule über dem Norden. Wer rechnen kann nach der Kreisbiegung und nach der Zahl der Grade von euch bis zum sogenannten Polarkreise, der kann mit ziemlicher Sicherheit nach Meilen die Höhe der Luftsäule bestimmen, welche sich über dem Nordpole auf dem schon bekannten Wege aufgeschichtet hat. Vorläufig aber sage Ich euch, daß dieses Mal die Luftsäule eine Höhe von siebentausend Meilen erreichte. Nun hättet ihr den naturgemäßen Grund dieser Erscheinung, insoweit ihn euch auch ein wohlverständiger, sogenannter Naturforscher hätte bekannt geben können.

[HiG.03_41.06.19,11] Aber wie sieht es denn mit dem geistigen Grunde aus, welcher der eigentliche Hauptgrund ist, wo ein jeder Naturgelehrte das für ihn traurige „Bis hierher und nicht mehr weiter“ aussprechen muß?! – So ihr die Erklärung über den Nordpol nachsehen wollt, wie auch noch manche andere sowohl aus dem Gebiete des Mineral-, Pflanzen- und Tierreiches, namentlich aber auch jene Erklärung über das Erdbeben, so möchte euch der geistige Grund schon so ziemlich bekannt sein. Nur ist hier der unterschiedliche Umstand zu berücksichtigen, da für diesmal, was freilich nur selten der Fall ist, eine allgemeine Geistergefangennehmung – wie auch Erlösung – der lange schon im Eise des Nordens Harrenden stattgefunden hat. Die Gefangenen sind diejenigen, die von Süden gegen Norden geführt wurden, und darum dahin geführt wurden, weil sie ansonsten zu großes Unheil angerichtet hätten über alle südlichen Erdgegenden.

[HiG.03_41.06.19,12] So ihr einen Blick machen möget auf all die kriegerischen und aufrührerischen Bewegungen all der südlichen Völkerschaften, so möchte euch der Grund solcher allgemeinen Gefangennehmung nicht ganz undeutbar sein. Und so ihr nun saget: Solches hat allerdings viel für sich und erscheint uns höchst wahrscheinlich, so kann aber anderseits doch wieder nicht ebenso leicht begriffen werden, warum denn im Gegenteile dadurch auch wieder ebenso viele stark Abgekühlte aus dem Norden frei wurden – und wurden und werden noch bis jetzt geführt in des Südens wärmere Gegenden, zum Teil in großen Eismassen und zum Teil in der zurückströmenden Luft selbst. Allein hierüber sage Ich euch, daß wer das eine begreift, kann ebenso leicht auch das andere begreifen.

[HiG.03_41.06.19,13] Ein kleines Beispiel soll euch das Ganze aufhellen. Was meinet ihr wohl, welches das beste Mittel sei, um Raufbolde in einer warmen Stube baldmöglichst zu besänftigen? Ich sage euch: Begießet sie mit eiskaltem Wasser oder schaffet sie hinaus in den Schnee, und ihr könnet vollkommen versichert sein, daß die Abgekühlten wenigstens für diese Zeit nicht mehr Hand aneinander legen werden. Also ist es auch im Großen der Fall. Hätte Ich nun solches nicht zugelassen und dadurch die weltlich machthabenden Hitz- und Raufbolde durch die friedlichen Geister abgekühlt, so wäre nun der ganze südlichere Erdkreis über Hals und Kopf in Krieg, Aufruhr, Hunger und Pest verwickelt. So aber ließ Ich kalte Lüfte wehen. Diese aber kühlen nicht nur eure Haut ab, sondern da sie an und für sich nur friedliche oder doch wenigstens gefriedete Geister sind, so üben sie auch dasselbe auf die Gemüter aus, was der kalte Wind äußerlich auf die Haut wirkt. Wisset ihr, von wie vielen Menschen es oft abhängt, daß gegenseitig ganze Völker in Kriege verwickelt werden?

[HiG.03_41.06.19,14] Ihr brauchet nur einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, und ihr werdet uranfänglich selten mehr als zwei gegenseitig hochgestellte Hitzköpfe antreffen. Werden diese brennend, so verhalten sie sich zum Volke geradeso wie ein Funke zu einem dürren Walde, der da hinfällt auf einen leicht entzündlichen Körper, der alsobald lichterloh aufbrennt und in kurzer Zeit den ganzen Wald in Brand steckt. Der Funke ist zum Beispiel irgendein brennender Minister, der sehr zündbare Gegenstand ist entweder der Monarch selbst oder das militärische Volk, und der dürre Wald ist das gesamte übrige Volk, welches oft körperlich und geistig unter dem Drucke irgendeiner zu eigennützigen Regierung schmachtet. Der raufsüchtige Minister erachtet den Krieg für höchst notwendig, natürlich zufolge eigener Herrsch- und Gewinnsucht. Der Monarch und das kriegerische Volk werden nicht minder vom gleichen Beweggrunde hingerissen, und das arme Volk muß da mitbrennen, will es oder will es nicht, und sagt auch dann gewöhnlich: Hin bin ich so oder so, – und so liegen sich dann ganze Völker durch zwei einzige Funken mörderisch in den Haaren. Wenn aber der brennende Funke durch einen fallenden Regentropfen noch eher gelöscht wird, bevor er den zündbaren Gegenstand des Waldes berührt hat, bleibt da nicht der ganze Wald verschont?

[HiG.03_41.06.19,15] Sehet, also beschaffen ist auch diese gegenwärtig anhaltend kühle Witterung und macht, daß sich die Großen, statt gegenseitig sich zu reiben, dafür die Hände rippeln, nicht aber ihren hitzigen Kopf, damit er desto eher aufflammen möchte.

[HiG.03_41.06.19,16] Aus diesem nun angeführten Beispiele möget ihr wohl füglich schließen, wie Ich gar wohl verstehe, durch jede euch bloß natürlich vorkommende Erscheinung so manches geistige Übel hintanzuhalten. Wenn ihr aber tiefer denket, so werdet ihr ja ohnedies in den gesamten Naturerscheinungen spottwenig Natürliches finden, nachdem Ich als der Urheber jeglicher Naturerscheinung doch gewiß in dem allervollkommensten Sinne jeglichen Wortes und jeglicher Bedeutung nach ein Geist, aber keine äußere sinnliche Natur bin, welche an und für sich nichts ist, als wie euch schon bekanntgegeben, Meine gehaltene Idee oder Mein gefesteter Gedanke.

[HiG.03_41.06.19,17] So ihr aber nun solches wisset, da möget ihr ja auch noch hinzu wissen und begreifen, daß so Ich irgend Meine Gedanken in eine kleine Bewegung setze, Ich solches nicht tue der Gedanken wegen, als wollte Ich sie gleichsam auslüften und bewahren vor den Motten wie ein Kürschner seine Häute, sondern Ich bewege Meine Gedanken allzeit nur derentwillen, die nun mehr als Meine alleinigen Gedanken sind; diese sind, was ihr seid, nämlich freie, selbsttätige Wesen, die da Meine Kinder werden sollten. So aber einer oder der andere ein guter Vater seiner Kinder ist, führt er nicht sein ganzes Hauswesen seiner Kinder wegen und arbeitet und wirtschaftet und denkt und spart für sie? –

[HiG.03_41.06.19,18] So ihr, die ihr unvollkommen seid, solches tut für eure Kinder, wie möchtet ihr denn hernach denken, Ich als der allerweiseste und allerliebevollste Vater aller Menschenkinder werde auch nur ein kleinstes Wölkchen aus purer Unterhaltung von den Winden durch die Lüfte tragen lassen, geschweige erst eine solche großartige Nordpolexpedition für nichts und wieder nichts aus purer Unterhaltung bewerkstelligen – und dadurch sein gleich euch, die ihr nur gar oft Dinge für nichts und wieder nichts begehet und manchmal nicht unähnlich seid den windlustigen Knaben, die eine Schlüsselbüchse laden und sich dann ergötzen an dem dampfenden Pulverpflutscher, an dem doch nach eurer Beurteilung gewiß nichts Ersprießliches gelegen ist.

[HiG.03_41.06.19,19] Schließlich mache Ich euch noch bei dieser Gelegenheit auf jene bei euch bestehende knallende und klingende Gottesverehrung aufmerksam. Solche ist nicht zu vergleichen mit dem vom Winde getragenen Wölkchen, noch weniger mit jener großartigen Erscheinung des Nordpols, sondern ist noch um siebenmal weniger sagend als die Schlüsselbüchsenpflutscherei der windlustigen Knaben, welche sich aber doch dabei wenigstens außerordentlich belustigen, – während durch solche Meinen Namen verherrlichen sollende Knallerei und Metallschlägerei und anderartige Klingerei sogar niemand erheitert, noch belustigt wird. Sondern alles dieses geschieht nach einer gewissen Vorschrift wie instinktmäßig, und der Mensch wird dadurch geradeso erbaut, wie ein Baum neben dem andern, wenn von dem einen ein Ast abgeschlagen wird, wohlverstanden! –

[HiG.03_41.06.19,20] Sehet, solche Erscheinungen rühren nicht von Meinen Gedanken, sondern von den nichtssagenden der Menschen her. Damit aber diese zu solcher Gedankenrührung gelangen möchten, die Meiner würdig ist, werde Ich wohl gar bald genötiget sein, einen größeren Gedanken in Bewegung zu setzen! – Verstehet es wohl Amen. Das sage Ich, der alleinig große Gedankenbeweger Amen! –

 

Sei unbesorgt deiner Brüder wegen. – 26. August 1841.

[HiG.03_41.08.26] Jakob Lorber, seiner Brüder wegen besorgt, wandte sich an den Herrn und empfing folgendes tröstliche Wort:

[HiG.03_41.08.26,01] Was kümmert dich der Gerechten? Laß sie wandeln ihre geraden Wege, denn Ich sage dir: Wer da glaubt und nichts hört und nichts sieht und doch fest und ungezweifelt glaubt, daß Ich Jesus der Christ wahrhaftig bin der Sohn Gottes und Gott Selbst von Ewigkeit, dessen Verdienst in Meinem Namen steht höher denn das eines Apostels, der seine Finger in Meine Wundmale legte und dann erst glaubte, da er hat gesehen, gefühlt und gehört! Wahrlich sage Ich dir, das Lob der gerechten Blinden ist Mir lieber denn die Danklieder der Sehenden und Hörenden. Was ist denn schwerer, zu sehen und zu folgen dem Führer oder als Blinder zu folgen aus Liebe Dem, den er nicht sieht und nicht hört, sondern Ihm allein folgt durch den Glauben, durch das Vertrauen und durch die Liebe? –

[HiG.03_41.08.26,02] Darum sei dermal unbesorgt deiner Brüder wegen; denn so gut Ich dir ein hör-, fühl- und nicht selten innerlich sichtbarer Führer bin, bin Ich es unvernehmbar und unsichtbar noch um so mehr deinen Brüdern. Denn für die Schwachen bin Ich ein kämpfender und schützender Held, wie Ich den Sehenden bin ein freundlicher Führer und Lehrer! – Seliger zwar ist das Schauen; aber höre, darum nicht verdienstlicher denn der umschleierte feste Glaube. Darum also sei unbesorgt Amen. –

 

Das Licht der Höhen. – Geschrieben in Greifenburg, im August 1841.

[HiG.03_41.08.00,01] Wende hin deines Auges Apfel zu den lichtumstrahlten Höhen und lese die großen Zeichen der Allmacht deines Gottes! Wie – du bestaubter Wurm zitterst vor dem Rauschen eines Abendlüftchens, das leise nur durch die dürren Äste morscher, abgelebter Tannen und Fichten dahinsäuselt, und wagst es nicht zu erheben dein lichtscheues Auge hinauf zu den heiligen Höhen?

[HiG.03_41.08.00,02] Du freier Geist wagst es nicht?! – Im Hinterhalte doch, in der Sünde dunklen Kammern kannst dich wohl erheben, Gewalt und Vernichtung brüten in deiner sicher gewähnten Frechheit, und es dünkt dich groß, mit deiner faulen Lunge Pesthauche Erden zu Atomen zu zermalmen; – da bist du frei, ja überfrei in der großen Finsternis deines Wahns. Jedoch aufzublicken zu den lichtumstrahlten Höhen läßt dir Wahnstarkem dein eigener dich vernichtender Höhenschwindel nicht zu!

[HiG.03_41.08.00,03] O Wurm, du krümmest dich umsonst, der glitzernde, dich umgebende Staub fällt von dir, und du bist nackt in aller deiner Scheußlichkeit! Du suchest dir mühsam ein schützendes Grab auf der weiten bluttriefenden Erde; und siehe, sie hat all ihr gähnendes Geklüfte geschlossen und ihr Gewässer gemacht zum harten Steine, – wo willst du denn noch hinkriechen, daß dir eine Herberge werde?

[HiG.03_41.08.00,04] Die auf der Erde wandeln, haben dich erkannt und haben einen großen Abscheu vor dir; meinst du wohl, du Wahngroßer, sie werden dir in ihren Gräbern Raum gönnen zur schmählichen Rast oder dich in die alten Särge kriechen lassen, auf daß dir unschädlich werde und dich nicht ereile das große Licht aus den heiligen Höhen und dich nicht offenbar mache vor aller Sterne Augen? – Umsonst schlichtest du nun den alten Frevel, entlarvt ist deine Pestpuppe, fauler Lügner die lange Nacht hindurch; verzehre noch den schnöden Rest deiner aus dem Heiligtume geraubten Goldkörner.

[HiG.03_41.08.00,05] Siehe, das heilige Licht rauscht gewaltig und unaufhaltsam über die Höhen herab; Berge zeugen mit Donnerstimmen wider dich und verschließen ihr Geklüfte vor dir, und versiegen machen sie all ihr fruchtend Gequelle, da du sie umkriechen möchtest. Wo ist deine Größe nun, die du dir in deiner Totenkammer geträumt hast? Sieh, wie kleiner und stets kleiner du wirst, wie alles dich flieht, verabscheut und sich verschließt vor dir Wahngroßem, – selbst der Rachen der Hyänenbrut will dir kein Lob mehr spenden und treibt dich vom blutenden Lande, und des Meeres Drache zerreißt die Segel deiner gemauerten Schiffe! Was schreist und wimmerst du in die heiligen Lüfte, in die lichterfüllten; und der Tiger und die Klapperschlange, sonst dein getreues Gefolge, rufen wider dich und begehen mörderischen Hochverrat in deinen eiternden Eingeweiden!

[HiG.03_41.08.00,06] Siehe, wie der Sonne Strahl der Pontinischen Sümpfe böse Nebelluft zerstört, wird das Licht der Höhe dir tun, und du wirst nimmerdar wiederkehren. – Siehe, das wirkt das Licht aus der Höhe, zeigend den Großen Tag, den Letzten, den Unendlichen. Amen.

 

Ein neues Licht im neuen Lichte. – 24. Oktober 1841. Sonntagvormittag.

[HiG.03_41.10.24,01] Fort, fort mit euch – die Berge schwinden, die Wässer versiegen in den Tiefen; fort, fort mit euch, die Zeit ist platt gedrückt, es weht vom zeitenlosen Sein ein vernichtender Hauch über das matt gewordene Geklüfte der Erde, und das eisstarre Meer gähnt dem Feuer des Zornes entgegen – fort, fort mit euch!

[HiG.03_41.10.24,02] Das zweischneidige Schwert, das ihr auf Zions Höhen geraubet habt, befindet sich allerschärfst wieder in der Hand der ewigen Allmacht und wird nun geschwungen über des Tieres siebentes Haupt, damit der Drache nimmerdar fresse das süße Blut der Unschuld, – nimmerdar verfolge das arme gerechte Weib in der Wüste, und ihr Kind, der Herr im Worte, lebe lebendig in jedem Sandkorne den ewigen großen Tag hindurch.

[HiG.03_41.10.24,03] Die Erde solle gleich gestellet sein zwischen Pol und Pol, und kein Tag mehr länger und kürzer. Ich will die Wässer zurücktreiben, ja über die höchsten Berge will Ich Wogen auftürmen bis zu den Sternen, zu ersäufen all das Gestein, und Feuer wird fallen bis in den Abgrund und wird da entzünden all die faulen Gewässer und ihr Dampf sodann verpesten alles Gewürm der Erde!

[HiG.03_41.10.24,04] Daher fort mit dir, du Drache, – wohin mit dir, du Schwerer? Ins Feuer, in dein Feuer, in das Feuer, damit du lange gesenget hast das demütige Gras auf der großen Wiese des Lebens und hast dafür bestreut den öden Boden mit glühenden Steinen, auf daß sich die Ameisen unter dem Boden zu Tode schwitzen sollen. Allein diese hart geprüfte Kreatur ist nicht ausgestorben; sie lebet, ja sie muß leben, um dich elenden Wurm nach gerichteter Art im Staube deiner Nichtigkeit zu zermalmen!

[HiG.03_41.10.24,05] Es soll euch heiß werden, ihr Berge, und euch Wolken will Ich von einem Ende der Welt zum andern hin mit Blitzen jagen und treiben in schwindelnden Wirbeln, darum ihr Hagel zeugen sollet, zu erschlagen alles Hohnfutter für die Tiere des Tieres und decken den glühenden Boden der Schwachen mit Eis bis zu den Sternen, damit der Erde blinder Wahn auf ewig zum Tode erstarre. Denn Ich bin der Herr aller Macht, Mir muß alles weichend freien Platz machen; – wenn Ich komme, wo Ich komme, da kommt keiner mehr nach Mir, wie vor Mir keiner war und keiner gezeigt hat den weiten Weg durch die Unendlichkeit Amen. –

 

Noch ein neues Licht im neuen Lichte. – 25. Oktober 1841. Nachmittag.

[HiG.03_41.10.25,01] Siehe ein Haus, es ist neu erbaut, am Dache ein Stein, in der Kammer ein Stein und im Keller ein Stein. Wer da wandelt am Dache, dem wird der Stein am Wege sein und wird ihn hindern, vorwärts zu schreiten. Wer aber wandelt in der Kammer, in der dunklen, der wird sich hart stoßen am Steine, daß er darob ein großes Leid tragen wird. Wer aber endlich wandelt im Keller, der da ist voll Finsternis, der wird fallen über den Stein und wird zerschellen am harten Steine all sein lebend Gesicht und wird sein voll Beinbrüche an Händen und Füßen und wird nicht mehr sehen, noch greifen und halten, noch stehen, gehen und frei wandeln können.

[HiG.03_41.10.25,02] Wer aber Ohren hat, der höre, und wer da Augen hat, der sehe. Es wird aber fürder sein also mit den Häusern und wird in keinem mehr sein des Bleibens. Wer da erreicht hat ein offenes Feld, der kehre ja nicht um und kümmere sich um keines der Häuser mehr.

[HiG.03_41.10.25,03] Denn wer Mich bekennt, der soll Mich offen bekennen im Geiste und in aller Wahrheit, frei ohne Haus, Fach und Dach; denn Ich habe einen großen Ekel bekommen vor all den Häusern. Daher kein Haus mehr, da jedes ist mehr und mehr ein Totenhaus. Ihr aber wisset, wo da ist die Wohnung des Lebens, in der allein zu bestehen sein wird ewig. Daher suchet nicht und saget nicht: Siehe da, siehe dort; sondern inwendig in euch kommt das Reich des Lebens, das Reich der Himmel, die ewige Wohnstätte des Heiligen Geistes! –

[HiG.03_41.10.25,04] Wehe all den Häusern, die da sind voll Steine, voll Dunkels und voll Finsternis, in ihnen wohnt der Geist des Todes; aber das Leben ist frei in Mir und muß es also auch sein in euch ewig Amen.

 

Auf Fragen von Ans. H. – 28. November 1841, am 1. Adventssonntag, nachmittags.

[HiG.03_41.11.28] J. L. forderte Ans. H. auf, Fragen zu stellen, die er im Namen des Herrn beantworten werde.

[HiG.03_41.11.28,00] O Herr! Was bedeutet das oftmalige, gar so tiefe Aufseufzen beim Lesen Deines heiligen, neuen, lebendigen Wortes?

[HiG.03_41.11.28,01] Antwort: Was bedeutet denn das leere Windaufstoßen bei einem hungrigen Magen? – Warum schluchzen denn die Kinder, welche gerne essen, wenn sie nicht sogleich eine erwünscht große Portion Brotes bekommen? Warum aber gibt es ihnen der Vater nicht? –

[HiG.03_41.11.28,00] Ist das ein guter Spruch, den ich mir aufzeichnete: Wende dich nicht ans Roß, sondern an den Reiter?

[HiG.03_41.11.28,02] Antwort: Es kommt nur darauf an, wie der Reiter beschaffen ist. Manchmal wäre das Roß dem Reiter vorzuziehen. Der beste Spruch aber ist: Wende dich an den Herrn! Denn Er ist Roß und Reiter zugleich! – – –

[HiG.03_41.11.28,00] Nach einem Falle fühle ich gewöhnlich erst am dritten Tage die Wiederkehr geistiger Kraft. Wie könnte ich mich schneller erheben?

[HiG.03_41.11.28,03] Antwort: Schneller erheben? – Wenn du besser gar nicht fielest, dann ginge es am schnellsten! – Wer aber noch schwach auf der Brust ist, der muß dann freilich wohl eine Zeitlang keuchen, bis er sich wieder erhoben hat nach einem widrigen Falle. Wer aber gut auf der Brust ist, der fällt nicht oder wenigstens sehr schwer und selten, kann sich aber sogleich wieder aufrichten. Denn wie die Brust, so die Füße! –

[HiG.03_41.11.28,00] Ist der Prophezeiung des Bug von Milhas in den Pyrenäen zu glauben, nach welcher das bald kommende Jahr 1842 für England und Frankreich ein sehr verhängnisvolles sein solle?

[HiG.03_41.11.28,04] Antwort: Wie das Volk, so die Prophezeiung, und die Prophezeiung wie das Volk. Mehr braucht ihr nicht. Wozu für Taube eine Predigt und für Blinde ein Drohlicht, – möchte sich wohl jemand danach kehren?

[HiG.03_41.11.28,00] Habe ich nicht gefehlt, meinem Bruder Andrä in Deinem heiligen Namen ein Trostwort zu verfassen in der Form, wie dein Knecht schreibt?

[HiG.03_41.11.28,05] Antwort: So du Glauben hast und Liebe, was macht dich zweifeln? – Oder hast du deinen Bruder mit deinem oder mit Meinem Namen getröstet? – – –

[HiG.03_41.11.28,00] Dürfen wir dich, Herr Jesus, auch unter dem Namen Abedam anrufen?

[HiG.03_41.11.28,06] Antwort: Seid denn auch ihr aus der grauen Urzeit? – Oder nicht vielmehr Früchte aus der großen Zeit der Zeiten? – Wenn ihr Jesum habt, wozu dann noch Abedam? – – –

[HiG.03_41.11.28,00] Spiegelt nicht Deines Knechtes äußere Erscheinung Deiner unwürdigen Jünger inneres Wesen ab?

[HiG.03_41.11.28,07] Antwort: Es steht aber nirgends, daß der Knecht aus einer Spiegelfabrik erwählt wurde, sondern selbst aus der Finsternis der Welt; er ist nur zum Lichtdurchlassen gleich einem Brennglase, aber kein Spiegel. Spiegel, ja lebendige Spiegel sollet ihr nur sein und ein guter Zunder, leicht feuerfänglich durch die vereinten Strahlen des Brennglases! –

[HiG.03_41.11.28,00] Kannst Du es uns verargen, o Herr, daß auch wir die größte Sehnsucht fühlen, Dich als Asmahael, Emanuel oder Abedam unter uns zu erblicken und zu Deinen heiligen Füßen Dir unseren kindlich-einfältigen Dank zu stammeln?

[HiG.03_41.11.28,08] Antwort: Könnt ihr etwa solches euren Kindern? – Allein die rechte Liebe steht höher denn alle Anschauung! Doch bin Ich schon öfter sichtbar unter euch gewesen, doch bis jetzt habe Ich von euch in Meiner Sichtbarkeit nur ein sparsames Almosen empfangen! – Verstehet ihr solches? – – – Ich will im Herzen zuvor gefunden sein! –

[HiG.03_41.11.28,00] Welches ist das sicherste Mittel, Menschen zu erkennen?

[HiG.03_41.11.28,09] Antwort: Die Liebe – alles andere ist undurchsichtiges Glas! – – Gut verstanden, amen.

[HiG.03_41.11.28,09] Der bei euch, unter euch und in euch ist und lebet und euch leben machet, saget Amen.

29. November 1841, nachmittags. (Auf Fragen von Ans. H.).

[HiG.03_41.11.29,00] O Herr! Wie kann im Rückblick auf begangne Sünden wohl reine Seligkeit in Deinem Reich sich finden?

[HiG.03_41.11.29,10] Antwort: Das ist eine Frage! – Was betest du denn in Meinem Gebete, daß Ich dir die Sünden vergeben möchte, wie du deinen Schuldnern? – Und heißt es nicht in der Schrift, daß der Hirt neunundneunzig Schafe verließ und ging suchen das hundertste verlorne? – Wie lautet es hernach weiter? Solches wirst du wohl wissen! – – –

[HiG.03_41.11.29,00] Wie sich da unterscheidet Dein alt und neues Licht, fürwahr, Du liebevollster Herr, ich weiß es nicht!

[HiG.03_41.11.29,11] Antwort: Solches kannst du von dir gestehen? – Gibt es denn einen alten und neuen Gott? Wie liest du aber im Johannes vom Worte, was es sei? – Alt und neu aber bezieht sich nicht aufs Wort, sondern auf den Menschen, der es in sich aufnimmt. Da wird aus dem alten Menschen ein neuer, und dann ist er auch ein Wort – und somit freilich ein neues!

[HiG.03_41.11.29,00] Ist nicht von aller Heilmethod' die Wasserkur die beste für erkrankte leibliche Natur?

[HiG.03_41.11.29,12] Antwort: Ja wohl, aber besonders für leidende Naturen der Fische. Aber für Menschen gibt es noch eine einfachere und wirksamere – du wirst es wohl verstehen, welche Ich meine?! –

[HiG.03_41.11.29,00] Ein mildes, kühles, heil'ges Wehen um den Kopf, ist's Deine Näh'? Gib kund mir armem Tropf!

[HiG.03_41.11.29,13] Antwort: Nicht das Wehen um des Leibes Kopf, ob es mild, sanft und kühlend sei, kann dir zeigen Meine Nähe, sondern allein ein demütiges, zerknirschtes Herz. Oder möchtest du Mich etwa gar unter die zarten Spukgeister versetzen? – Was du empfindest, kommt von dir und den dich manchmal umgebenden Geistern besserer Art. – – –

[HiG.03_41.11.29,00] Die Höhen des Nordens rein, der Osten ganz verhüllt, was wollte uns denn gestern sagen dieses Bild?

[HiG.03_41.11.29,14] Antwort: Die Erkenntnis ziemlich rein, aber Liebe nicht gar fein – solches zeigt dir mild dein beschautes Bild! – – –

[HiG.03_41.11.29,00] Damit man nicht lebendig wird begraben, welch' Vorsicht sollten da die Ärzte haben?

[HiG.03_41.11.29,15] Antwort: Sorgst du dich darum? Wer der Welt frühzeitig stirbt, wird wohl solches nie erleben. – Solche Vorsicht aber sollen Ärzte haben, daß sie die Toten nicht zu schnell begraben! –

[HiG.03_41.11.29,00] Daß endlich die Berliner Philosophen die Nacht in sich erschaun, ist's nicht zu hoffen?

[HiG.03_41.11.29,16] Antwort: O zu hoffen gibt es allzeit etwas – freilich nicht immer dasselbe, auch nicht immer etwas Gutes! – Aber da von deinen Philosophen ist für diesmal nicht gar viel zu hoffen! –

 

[HiG.03_41.11.29,00] Du gingst in öde Orte, Herr, um da zu beten. Ist uns das nicht ein Wink, daß wir desgleichen täten?

[HiG.03_41.11.29,17] Antwort: Zu viel euch zu winken, macht den Mut euch sinken. Darum achtet nur der Liebe, sie hat ja die besten Triebe. – Alles könnt ihr nicht tun, was Ich tat, sondern nur soviel ihr könnt. – – –

1. Dezember 1841, nachmittags. (Auf Fragen von Ans. H.)

[HiG.03_41.12.01,00] Du sagtest, o Herr, daß Du schon öfter sichtbar unter uns gewesen. Wir haben Dich aber nicht erkannt. Solltest Du wieder einmal sichtbar zu uns kommen, so sage uns gnädigst an, wie wir Dich erkennen können – ob an Deinem Blick, an Deiner Rede oder an sonst etwas?

[HiG.03_41.12.01,18] Antwort: Solche Frage! – An nichts als allein an der Liebe, und mit nichts als allein mit dem Herzen. Denn ein Bettler hat und trägt keine Ordenszeichen als allein die der blanken Armut! –

[HiG.03_41.12.01,00] Wer Dich, Du heiliger Vater, erkannt hat und über alles liebt, hört der nicht gleichsam auf, dem Weibe Mann, den Kindern Vater zu sein? Wird dann nicht das Weib seine Schwester und die Töchter und Söhne seine Schwestern und Brüder?

[HiG.03_41.12.01,19] Antwort: Solches ist dir ja ohnehin schon gesagt worden und treulich kundgegeben! – Der Wiedergeborene aber ist ja schon im Himmel, welcher ist das ewige Leben, welches kommt aus der Liebe und dem lebendigen Glauben daraus. – Wie steht aber in der Schrift von den ehelichen Verhältnissen und diesen zufolge auch von allen übrigen, wie liesest du? – Wo nur ein Vater ist, was ist da alles andere? –

[HiG.03_41.12.01,00] Woher kommen Scheu und Abneigung vor stolzen Reichen und Machthabenden, da man doch im Herzen Mitleid für sie fühlt?

[HiG.03_41.12.01,20] Antwort: Daher, woher die gegenseitige Polarität des Magnets, da sich auch die Pole stets soweit als möglich entfernen. Dessenungeachtet aber wird doch die Polarlinie nicht aufgehoben. Das liegt schon also in der ewigen Ordnung! –

[HiG.03_41.12.01,00] Wenn die unschuldigen, dem Menschen zum Genuß dienenden Tiere bei ihrer Tötung Schmerz empfinden, wäre es da nicht besser, daß der Mensch bloß von Vegetabilien lebte?

[HiG.03_41.12.01,21] Antwort: Wegen des Tierschmerzens wird niemand verlorengehen, wohl aber wegen des Bruderschmerzens, so jemand dessen in seinem Herzen nicht achtet. Mutwille aber ist sogar an Steinen sträflich, somit sicher auch an den Tieren. Tierquäler aber sind auch dem Menschen gefährlich! –

[HiG.03_41.12.01,00] Waren das furchtbare Gewitter und die gewaltigen Orkane, die unlängst in Rom um die sieben Hügel tobten, nicht ein Zeichen für den Pontifex maximus?

[HiG.03_41.12.01,22] Antwort: Was den Ort der Erde betrifft, da antworte Ich nicht. – Laß aber toben der glühen Orkane Macht und Sonnen groß und hell die Blitze dahin Welten zermalmend stürzen – und keines wird vernommen von den metallnen Ohren! Denn der Pontifex ist ein metallner Götze! – Verstehe und schweige.

[HiG.03_41.12.01,00] Werden die Völker deutscher Zunge je zu brüderlicher Einheit gelangen?

[HiG.03_41.12.01,23] Antwort: Hier schwerlich je, aber viele jenseits; denn hier huldigen zu viele der alten Lüge und der starren Habsucht! –

[HiG.03_41.12.01,00] Ist es nicht ungerecht, daß in manchen Ländern, so wie bei uns, keine Juden bleibend wohnen dürfen?

[HiG.03_41.12.01,24] Antwort: Geht es Mir, dem Erzjuden, besser? Wo Ich nicht als Schacherartikel diene, da berät man schon lange sich über Meinen Einlaß! Doch was am Juden geschieht, ist ein Zeichen für sie; was aber dem Juden geschieht, das ist der Greuel der Verwüstung, von dem Daniel spricht! –

[HiG.03_41.12.01,00] O Herr, vergib mir den Fürwitz und sage gnädigst, wie Deine jungfräuliche Mutter, die Mutter voll der Gnaden, aussah?

[HiG.03_41.12.01,25] Antwort: O du weibersüchtiger Mensch, möchtest du sie nicht auch auf irgendeinem Spaziergange halbsinnlich angaffen? – Siehe, solches ist dir nicht vonnöten. Wenn du aber vollends rein sein wirst, dann soll auch dein Fürwitz befriedigt werden! – Sie war durchaus schön! Verstehe. –

[HiG.03_41.12.01,00] Dürfen wir auf die Freude hoffen, einst alle zu sehen, die Dich liebten, als Du wandeltest auf Erden, so zum Beispiel eine Magdalena, eine Maria von Bethanien, einen Johannes, Zachäus usf.?

[HiG.03_41.12.01,26] Antwort: Warum hast du denn in der Frage zwei Weiber und nur auch zwei Männer deiner Sehnsucht angeführt, während Ich doch viel mehr mit Männern denn mit Weibern verkehrt habe? Siehe, solches ist nicht in der Ordnung. Mir ist es lieber, daß der Mann sich erkundigt um seinesgleichen, aber den Weibern hilft in Meinem Namen, meinst du solches nicht mit Mir? – – Die aber bei Mir wohnen werden, warum sollen sich diese nicht sehen und erkennen? Sind sie denn nicht auch eure Brüder und Schwestern? – – –

[HiG.03_41.12.01,00] O Herr, warum durfte jener von bösen Geistern durch Dein Machtwort Erlöste Dir nicht nachfolgen?

[HiG.03_41.12.01,27] Antwort: Wegen Meiner Liebe, die ihn erhalten, nicht aber zerstören wollte, denn ein gereinigtes Wohnhaus des Satans ist nicht sogleich fähig, dem heiligen Geiste als Wohnung zu dienen, – denn gezwungene Erlösung ist nicht hinreichend zum ewigen Leben, sondern nur eine freie, vom Erlösten selbst mit betätigte, nämlich die freie Wiedergeburt! – –

 

Propheten und deren Aufnahme. – 3. Dezember 1841, nachmittags.

[HiG.03_41.12.03] Matthäus 10,41: „Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfangen.“

[HiG.03_41.12.03,01] Um aber solches im Geiste der Wahrheit zu erfassen, muß zuvor erkannt werden, wer im eigentlichen Sinne ein Prophet ist.

[HiG.03_41.12.03,02] Im gedehnten Sinne ist jeder Mensch ein Prophet, so er zu seinem Bruder oder zu seiner Schwester spricht um Meiner Liebe und daraus der Verherrlichung Meines Namens willen, der da Jesus der Gekreuzigte heißt. Denn es steht ja geschrieben: „So jemand in Meinem Namen Bedürftigen auch nur einen Trunk Wassers reichen wird, es wird ihm solches nicht unbelohnt bleiben.“

[HiG.03_41.12.03,03] Also in diesem Sinne kann jeder Mensch ein Prophet sein. Wer ihn in Meinem Namen aufnehmen wird, entweder geistig oder leiblich, der solle auch gleich dem Propheten entweder den geistigen oder leiblichen Lohn empfangen; wer ihn aber geistig und leiblich aufnimmt, dessen Lohn solle auch geistig und leiblich sein, so wie des Propheten, der da spendete geistige und leibliche Gaben in Meinem Namen.

[HiG.03_41.12.03,04] Wer aber karg ist gegen den Propheten und hat einen metallenen Geist, dessen Lohn auch wird sein gleich der Aufnahme!

[HiG.03_41.12.03,05] Wer aber aufnimmt einen Propheten des Eigennutzes wegen, der hat seinen Lohn schon genommen am Propheten selbst – und wird ihm kein anderer mehr werden!

[HiG.03_41.12.03,06] Das also ist die Bedeutung im gedehnten Sinne dieses Textes.

[HiG.03_41.12.03,07] Im engeren und eigentlichen Sinne aber ist nur der ein Prophet, der nicht mit eigenem Munde, sondern aus Meinem Munde pur Meines spricht und schreibt. Wer also diesen Propheten in was immer verleugnet, der verleugnet nicht den Propheten, sondern der verleugnet Mich; denn da ein solcher Prophet ist, da ist nicht er, sondern da bin Ich.

[HiG.03_41.12.03,08] Wer also einen solchen selteneren Propheten aufnimmt, der nimmt Mich auf, wie es geschrieben steht; – und da, ferner gesagt, Ich Selbst des Propheten Lohn bin, so werde Ich es auch sein dem, der Mich im Propheten aufnimmt.

[HiG.03_41.12.03,09] Jedoch solle niemand einen solchen Propheten verdingen anders, denn allein im Namen Dessen, in dessen Namen der Prophet da ist. Wehe aber denen, die ihn verkürzen und eigennützig verkümmern wollen; – wahrlich, das alles tun sie Mir, nicht dem Propheten. Auf sie wird wenig des Prophetensegens fallen; am Ende wird sie des Prophetengeistes Feuer verzehren! –

[HiG.03_41.12.03,10] Und also verhält es sich auch mit den Gerechten. Derjenige aber ist ein Gerechter, der da ist in der wahren Liebe zu Mir und daraus zum Nächsten im engeren Sinne; im gedehnteren Sinne aber ist es jeder Bruder dem andern in Meinem Namen, vorzugsweise ein um Meines Namens willen Armer und Verfolgter.

[HiG.03_41.12.03,11] Wahrlich, deine Ungerechtigkeit solle dir des aufgenommenen Gerechten willen nachgesehen werden; und sein Lohn solle auch der deinige sein.

[HiG.03_41.12.03,12] Wehe aber, so du einen Gerechten aufgenommen des Eigennutzes wegen! Ich sage dir, du wirst unter die Räuber und Mörder gezählt werden; besser wäre es, du hättest ihn nicht aufgenommen!

[HiG.03_41.12.03,13] Also sind diese Texte für alle Zeiten der Zeiten zu verstehen in der Tat Amen. –

[HiG.03_41.12.03,00] Johannes 12,27: „Jetzt ist Meine Seele betrübt. Und was soll Ich sagen? Vater, hilf Mir aus dieser Stunde! Doch darum bin Ich in diese Stunde gekommen.“

[HiG.03_41.12.03,14] Daß du den Matthäus nicht richtig erfassen konntest, ist begreiflich, denn du wußtest nicht, was in der Wahrheit ein Prophet ist; aber von Dem Johannes spricht, der sollte dir doch bekannt sein!

[HiG.03_41.12.03,15] Wer und was ist Meine Seele? – Siehe, so du es noch nicht wissen solltest, das ist Meine Liebe. – Konnte diese im Angesichte der treulosesten Kinder anders, denn durch und durch betrübt sein, und das bis zum Tode, das heißt, bis zur Nacht des Todes, welcher alle Kinder so hart gefangen hielt? –

[HiG.03_41.12.03,16] Und ferner, da es heißt: Und was soll Ich sagen? – Was möchtest du denn sagen, so dich alle deine Kinder verflucheten und verdammten?

[HiG.03_41.12.03,17] Siehe, in solchen Fällen hat auch die reinste Liebe einen Stachel, wider den es hart zu löcken ist; denn so lange hart verschmähte Liebe schmerzet nicht nur in menschlicher, sondern auch in der göttlichen Brust! – Solches erwäge und verstehe wohl! –

[HiG.03_41.12.03,18] Darum denn auch nur ein Gefühl noch in der göttlichen Brust übrigblieb, nämlich das Vatergefühl – dieses soll der Liebe ihren Stachel nehmen! – Und das Vatergefühl rührte die verschmähte Liebe; und diese spricht dann in diesem Gefühle: Dein Wille; – darum kam Ich Liebe ja in diese Stunde, um Ein Vater zu sein allen, die zu Mir rufen werden: Abba!

[HiG.03_41.12.03,19] Verstehst du nun den Text? – Also sollst du ihn verstehen und den Vater preisen Amen.

 

Ströme des lebendigen Wassers. – 4. Dezember 1841.

[HiG.03_41.12.04] (Jakob Lorber) Heute morgen fand ich in mir: „Es geziemt sich nicht, daß der Bräutigam die Braut wäscht; die Braut muß sich selbst waschen!“ Habe ich damit, o Herr, nicht einen guten Fund gemacht?

[HiG.03_41.12.04,01] Allerdings – und das kann sie auch wohl, da ihr der Bräutigam dazu ganze Ströme des lebendigen Wassers zufließen läßt. Verstehest du solches? Siehe, auch in dir ist lebendiges Wasser, aber gebrauchen mußt du es im ganzen Hause amen. –

 

Von der Trauer um Verstorbene. – 8. Dezember 1841, morgens.

[HiG.03_41.12.08] O Abba Emanuel! Sende aus Deinem liebevollsten Herzen durch Deinen Knecht gnädigst ein väterliches Trostwort an unseren Bruder Carl, dessen Seele betrübt ist über den traurigen Zustand, in dem sich sein vom Schlage gerührter Ohm befindet! – Dein heiligster Wille Amen! –

[HiG.03_41.12.08,01] Ja also ist es mit sehr vielen Menschen jetzt, wie es auch schon war mit seltenen Ausnahmen von Adams Zeiten her, daß ihnen einschläfernde Tröstungen lieber waren denn ein das innere Leben erweckender leichter Schmerz. Und also ist es auch noch in einem gemäßigten Zustande wohl mit dir, du lieber C. L., doch siehe, da Ich schon für dich von dir aus, wie von deinem Bruder A. H. W. aus um eine Tröstung angegangen wurde, so will Ich dir auch eine wahre geben und dabei dir aber auch zeigen den stets rechten Weg zu ihr, auf welchem wandelnd du sie nicht leichtlich verlieren wirst. Und solltest du auch solches, da doch wird dir leicht sein das Wiederfinden derselben. – Aber Ich will dir mit der Tröstung keinen Schlaftrank, sondern einen Wecktrank reichen, ja einen wahren Wecktrank zum ewigen Leben!

[HiG.03_41.12.08,02] Und so höre denn und vernimm es mit dem Herzen, was Ich, dein liebevollster Vater, dir nun sagen werde: Siehe, so du einen Trost suchest, dann, wie allzeit, komme du voll Liebe und Vertrauen zu Mir, deinem heiligen guten Vater, ja zu Mir, deinem Jesus, komme, und du wirst allzeit vollkommene tröstende Ruhe für dein leicht leidlich bewegbares Herz finden.

[HiG.03_41.12.08,03] Daß deinem Ohm solches geschah und du darum in deinem Herzen voll ängstlicher Wehmut bist, siehe und erkenne es in dir, solches ist Mein Wille und Meine Ordnung. Denn wie Ich bestimmt habe die Zeitigung und danach die Zeit der leiblichen Ausgeburt eines Kindes aus dem Mutterleibe, also nicht minder habe Ich auch die Zeit sicher überaus liebweise vorgesehen, in welcher der lebendige Geist aus dem Leibe des Todes genommen und vollkommen freigestellt werden sollte.

[HiG.03_41.12.08,04] So du nun weißt, daß solches alles von Mir herrührt und auch ewig von nirgend woanders herrühren kann denn allein von Mir – wie magst du trauern in deinem Herzen und kleinmütig sein in deiner Seele, so du Mich, deinen und auch sicher deines glücklichen Ohms allerliebevollsten, heiligen, allerbesten Vater kennst? – Glaubst du etwa, der, um den dein Herz klagt, leidet irgend einen brennenden Schmerz – oder er sei tot? O glaube es Mir treu im Herzen, der liebevollste heilige Vater hat keine Freude an den Schmerzen der Kinder – und zu den Toten kommt aber kein lebendiges Wort, wie auch unendlich schwerlich für die Toten, denn allein das ihnen schon gegebene Wort, das sie richtet. Ich aber sage dir nun lebendigen Wortes, daß dein Ohm nun zahllosmal schon glücklicher ist denn du und alle deine noch auf der Erde totem Boden wandelnden Brüder!

[HiG.03_41.12.08,05] Siehe, darum sollst du nicht trauern in deinem Herzen, darum Ich deinen Ohm zu Mir nehmen will! – Oder hätte Ich ihn etwa gleich einem Cahin sollen ewig auf der Erde mit dem toten Leibe herumsterben lassen? Oder möchtest du für dich wohl den Fluch aus Meinem Munde vernehmen, dir sei ewig auf der Erde dem Tode zu leben?! –

[HiG.03_41.12.08,06] Glaube es nur recht fest und ungezweifelt, wer immer auf die Art deines Ohms von Mir zuletzt besucht wird, der ist von einem lebendigen Feuer der Liebe heimgesucht worden, darum auch in der Vorzeit von den Alten solche Todesart der göttliche Streich oder der göttliche Tod benannt wurde. Ja es ist auch also, denn der Scheidende leidet hier auch nicht den allerleisesten Schmerz und erwacht plötzlich von diesem Erdentraumleben ins hellste Leben des Geistes vollkommen.

[HiG.03_41.12.08,07] Doch eines soll bei dieser Art des Übertrittes berücksichtigt werden: daß es nämlich auch neben dieser Art eine Afterart gibt, welche durch den törichten Genuß von allerlei Leckereien und durch die Schwelgerei im Saufen und Huren leiblich herbeigeführt wird. Bei dieser Art aber verhalte Ich Mich wie beim Selbstmorde; denn alle Schwelger, Lecker, Säufer und Hurer entleiben sich selbst und sind sich auch selbst den Tod schuldig. Mit denen habe Ich nichts zu tun, denn sie haben ja ihren eigenen Tod gemästet, damit er sie dann zur schuldigen Danksagung schnell und kräftig in seine Arme aufnehmen solle!

[HiG.03_41.12.08,08] Und so ist dann der Lohn der Arbeit ja auch angemessen. Doch diese Art ist kein göttlicher Streich zum Leben, sondern ein tödlicher zum Tode und ist überaus angstquälend und schmerzlich oft noch bis ins Grab bei vollster Gewahrung des Todes selbst und all der vergänglichen äußerlichen Dinge.

[HiG.03_41.12.08,09] Doch, da Ich dir in dieser Rede deinen Ohm einen Glücklichen nannte, so wirst du doch etwa nicht das Schlimme auf deinen Ohm beziehen?! –

[HiG.03_41.12.08,10] Ich sage dir aber: Sorge dich gar nicht und freue dich in Mir, ob dein Ohm wieder zurückkehren wird in des Todes Haus, oder ob er schon vollends verbleiben wird bei Mir, da er nimmer nötig haben wird, in einem Irrenhause oft kleinmütig genug zu wohnen; denn Ich – höre es wohl und verstehe es in dir – Ich, Ich, dein allmächtiger, liebevollster Vater, Ich, dein geliebter Jesus, will es ja also; und wie Ich es will, wird es wohl doch sicher am besten sein? Glaubst du es nicht also mit deinem Herzen in Mir? O glaube es, denn es ist wahrlich also! –

[HiG.03_41.12.08,11] Daß aber du wie andere Menschen einen Schmerz um die heimgeschiedenen nahen Verwandten empfindest, auch solches ist in der Ordnung gegründet. Doch da wäre ein Freudenschmerz besser denn ein undankbarer Trauerschmerz; denn der Trauerschmerz gleicht fast jenem Neidschmerze der gerechten Kinder des Vaters, darum er überfreudig dem wieder zu Ihm nach Hause gekehrten verlorenen Sohne ein großes Freudenmahl bereitete! – Verstehest du solches wohl?! – – –

[HiG.03_41.12.08,12] Der meisten Menschen Traurigkeit um die Hingeschiedenen aber ist auch zumeist eine Gewohnheits-Traurigkeit, darum sie dann auch um die zumeist trauern, an die sich ihr Herz auch am allermeisten schon von Jugend auf gewöhnt hatte. Es ist aber jede alte Gewohnheit schmerzlich für den, der sie verlassen muß; wie solle es die des Herzens nicht sein?

[HiG.03_41.12.08,13] Aber dessenungeachtet ist die Trauer keine Tugend und wohnet näher der Eigenliebe denn Mir. Denn wäre sie eine Tugend, so müßten die Menschen ja um jeden hingeschiedenen Bruder und jede hingeschiedene Schwester gleich trauern, da Ich doch allen Ein und Derselbe Vater bin. – Allein also ist es nicht, und darum die Verwandten um die Verwandten auch mehr eine Gewohnheitstrauer denn eine Tugendtrauer empfinden.

[HiG.03_41.12.08,14] Ich sage aber, es fehlet niemand, wer da trauert, – doch wer Mich recht erkannt hat in seinem Herzen, der wird nimmerdar trauern. Und so erkenne auch du Mich, deinen allmächtigen liebevollsten Vater, Mich, deinen Jesus, im Herzen, so hast du den sichersten Trost voll des ewigen Lebens in dir für alle Ewigkeiten gefunden Amen. Bedenke, woher dies Wörtlein, und du wirst im Herzen freudig sein Amen. –

 

Kurze Blicke über das Wesen der Eisenbahnen. – 30. Januar 1842.

[HiG.03_42.01.30,01] Überdenke die Punkte genau, und du wirst das Arge mit verbundenen Augen sehen und überaus leicht vollends begreifen. – –

[HiG.03_42.01.30,02] Wie groß ist der Unterschied zwischen der armen dürftigen Menschheit und den reichen Prassern, Wucherern, – und dann auch jenen wohl und reich Bemittelten, welche doch noch wenigstens den hundertsten oder manchmal sogar den fünfzigsten Teil ihres Herzens mit der Nächstenliebe ausgefüllt haben? – Ich sage dir, es verhält sich der Unterschied kaum wie Hundert zu Eins! – Sage Mir aber, wer wird denn gewinnen bei diesem großartigen Industriezweige? – Der übergroße Teil der Armut und Dürftigkeit sicher nicht, auch gar nicht der jetzt besser gesinnte Bürger des Landes, sondern einzig nur der eigenliebige, wollüstige, prachtsüchtige Prasser im Festverbande mit dem gewinnsüchtigen Wucherer. – Warum denn also?

[HiG.03_42.01.30,03] Wer die Kuh bezahlt, dem gehört auch die Milch, ist schon ein uraltes Sprichwort. – Wer baut diese Straße? – Du sagst, der Staat mit Hilfe derjenigen, welche vorderhand schon so viel Wucherreichtum besitzen, damit sie eine Summe, welche Ich nicht aussprechen will, dem Staate zu dem Behufe vorstrecken. Gut! – Was muß aber der Staat entgegentun? – Du sagst: Er muß ihnen wohlverzinsbare Schuldscheine ausgeben und nahe auf Leben, Tod, Brand und Mord ihr klingendes Darlehen sichern. – Auch wieder gut. – Wer aber wird endlich das große Darlehen samt den starken Zinsen zurückzahlen? – Oho, zuckst du schon hier mit den Achseln? – Ja, du hast recht, daß du zuckst! Es wird aber dann auch eine Zeit kommen, wo gar viele ungeheuer stark mit den Achseln und endlich mit dem ganzen Leibe zu zucken anfangen. Und ganz besonders wird der Magen bei vielen zu zucken anfangen und wird klagen über seine Leere!

[HiG.03_42.01.30,04] Siehe, darum aber du mit den Achseln zucktest, will Ich dir eine Antwort geben, und sie lautet also: Damit der Staat dann gleich einem Pilatus sich ruhigen Gewissens die Hände waschen kann, wenn gar bald solche Bahnen wurmstichig werden, so wird er sie schon früher bei gesünderem Holze den Händen des Wuchers nahe ganz zu eigen übergeben müssen. – Sage Mir, welche Arme und Dürftige werden da wohl etwas gewinnen, wo der scharfzähnige Wucher heißhungrig am toten Gerippe nagen wird und wird auch nicht für einen hohlen Zahn mehr Fleisch daran finden! Aber du meinst: Anfangs wird diese Kuh gleich soviel Milch geben, daß von deren großem Überflusse auch allen wird geholfen werden können! – Ich aber sage dir und frage dich: Sahst du noch nie, wie man zur Sommerszeit die Fliegen fängt? – Man setzt ihnen ein köstlich duftendes Gericht vor und mischt Gift darunter; da schwärmen dann die armen Fliegen freudig in Massen hin und essen sich voll am köstlichen Gerichte. Was aber gleich darauf ihr Los ist, brauche Ich dir nicht zu sagen.

[HiG.03_42.01.30,05] Also wird es auch da gehen in äußerer leiblicher bürgerlicher Hinsicht und noch unverhältnismäßig mehr aber erst in innerer geistiger Hinsicht! – Ich sage dir, diese Kuh wird lediglich dem Wucher übergeben werden, welcher sie auch gehörig ausmelken wird und wird auf den Armen nicht einmal die letzte Molke kommen. Wohl aber wird es kommen, daß am Ende der Arme dieser Kuh wird all sein Futter reichen müssen, so ihrer Milch stets weniger und weniger wird, damit sie wieder für den Wucher milchreich würde! – Doch, sei versichert, diese Kuh werde Ich nimmer segnen, darum sie ist eine Kuh im Stalle des Wuchers! –

[HiG.03_42.01.30,06] Wie aber der Handelsmann jetzt schreit: Glückliche Länder, wo auf eisernen Bahnen gefahren wird; ebenso wird er gar bald ein entgegengesetztes Thema kläglich anstimmen! – Eure schönsten Ochsen werden hinausgeführt werden, ihr aber werdet um teuren Preis an mageren Schöpsen nagen. Euren guten Wein wird man draußen verzehren, ihr aber werdet dafür aus den Kloaken euch stärken können um teuren Preis. Euer schönes Obst und Getreide wird man draußen verzehren und wird euch dafür keinen Ersatz bieten. Eure holzreichen Berge werden nackt werden; Ich aber werde darum den Winter nicht aufheben. Ihr werdet zwar von draußen Tücher aller Art und andere Kleidungsstoffe wohlfeil und leicht bekommen, aber die Bürger eures Landes, das nur ein ärmeres ist, werden wehklagen, weinen und viele den Bettelstab ergreifen und viele als unfähige Schuldenzahler in den Schuldenarresten fluchen! –

[HiG.03_42.01.30,07] Es werden sogar viele können in kürzerer Zeit weite Reisen machen und werden manche können mit großer Leichtigkeit anderer Städte Theater, Bälle und dergleichen besuchen, – es wird einen wahren Zentralkonflikt der Unterhaltungen und Belustigungen aller Art geben. Aber was und wieviel Ich und Mein Reich dabei gewinnen werden, höre, das ist eine ganz andere Frage!!! – – – Luxus aller Art, neue Weltbedürfnisse, Stolz, Hoffart, Pracht, böse fremde Sitten, Unzucht, Hurerei, Gottesvergessenheit, Eigenliebe, Gewinnsucht, Fraß, Völlerei bei den Prassern, Vaterlandsgeringachtung, Geringschätzung alles dessen, was Mich betrifft, Kaltsinn gegen der Brüder Armut, Geringachtung sogar aller Staatsgesetze, wenn sie sich etwa auf Gewinnbeschränkungen erstrecken sollen, daraus Unzufriedenheit im allgemeinen! – – – Doch von den weiteren schönen Folgen daraus – lasset uns für jetzt noch schweigen. – Die Erfahrung aber wird euch erst die Quittung über diesen baren Empfang mit blutroter Schrift unterzeichnet von zahllosen Armen übergeben! –

[HiG.03_42.01.30,08] Wie demnach ein solch industriöses Unternehmen und erst vollends das Gelingen desselben bei Mir angeschrieben ist, könnet ihr euch sehr leicht vorstellen!

[HiG.03_42.01.30,09] Die Apostel haben Mein Wort ohne Eisenbahnen in alle Erdteile überbracht. Das war doch sicher der allerwichtigste Artikel für jeden Menschen, dem an Mir und am ewigen Leben etwas gelegen ist. Und Meine Erwählten kamen zu Mir und fanden Mich sicher ohne Eisenbahnen! – Aber wer weiß, zu was alles noch die Eisenbahnen dienen werden? – Es gibt zwar in allen Meinen Himmeln bis jetzt noch keine Eisenbahnen, aber – es könnte leicht sein –, daß am Ende Ich Selbst werde den Himmel also mit lauter Eisenbahnen für die Zukunft überziehen lassen, daß er da ganz wieder metallen wird, wie er ward zu den Zeiten Noahs und Lots! – – – Dann aber auch werde ich Meine jetzigen Lots aus den Städten führen und den Städten geben den Teil Sodoms und Gomorras!!! – Verstehe es wohl Amen. – – –

 

Drei Schrifttexte. – 8. Februar 1842, von 4 – 7 Uhr abends.

[HiG.03_42.02.08] Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H.

[HiG.03_42.02.08] Apg. 12,8: Da sprach der Engel zu ihm: Gürte dich und binde dir die Sohlen an! Er tat es. Und da sprach er zu ihm: Lege dir dein Gewand an und folge mir! –

[HiG.03_42.02.08] Mark. 6,51: Und er trat zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Und sie erstaunten über die Maßen.

[HiG.03_42.02.08] Apg. 20,10: Paulus stieg hinab zu ihm, legte sich über ihn, umfaßte ihn und sprach: Seid ruhig, denn sehet, seine Seele ist noch in ihm!

[HiG.03_42.02.08] Der Knecht des Herrn diktierte hierüber folgendes:

[HiG.03_42.02.08,01] Also trägt auch manchmal, dem Auge des Menschen wie zufällig scheinend, im Herbste ein kleiner Wirbelwind das Laub von verschiedenen Bäumen zu einem Häufchen zusammen, – und ebenso auch kommen nicht selten sich ganz fremde Menschen zusammen, daß es dem Außen nach den unbezweifelten Schein des Zufalls in sich trägt; wie es auch hier den Schein des Zufalls hat, daß diese drei verschiedenen Stellen, davon jede eines bei weitem anderen Ursprungs ist, hier von euch, Meine lieben Kindlein, gewählt wurden. Aber es ist dem nicht also. – Daß diese vorbenannten Blätter verschiedener Bäume durch den Wirbelwind genötigt nun ein Häufchen bilden, die drei sich gegenseitig fremden Menschen eine wohlfreundschaftliche Gesellschaft bilden, und also auch diese drei verschiedenen Stellen dem Neuen Testamente entnommen wurden, dem liegt eine schon von Ewigkeit her von Mir wohlüberdachte und wohlgeordnete Ursache zugrunde.

[HiG.03_42.02.08,02] Was ist wohl mehr, ein tauber Sperling auf dem Dache, ein schales Haar auf dem Haupte oder drei mit ewigem Leben erfüllte Stellen aus Meinem Buche? –

[HiG.03_42.02.08,03] Wenn Ich Mich aber schon um einen tauben Sperling kümmere und die schalen Haare auf eines jeden Menschen Haupte in jedem Augenblicke genauest überzähle, damit ohne Meinen Willen auch nicht ein Sperling vom Dache fällt und auch nur ein Haar auf dem Haupte gerüttelt werde; um wieviel mehr wird es Mir daran gelegen sein, was euch frommt zum ewigen Leben! – Und so lasset uns denn sehen, inwiefern diese drei verschiedenen von euch gewählten Stellen ganz vollkommen ordentlich zusammentaugen.

[HiG.03_42.02.08,04] Sehet, da Mein Apostel ein Gefangener war und im Gefängnisse durch seinen lebendigen Glauben wie durch seine große Liebe als Gefangener Mich lobte, pries und anrief Meinen lebendigen Namen, in welchem da verborgen liegt die größte Macht, Kraft und Gewalt, da sandte Ich sobald einen Boten des Himmels zu ihm, auf daß er ihn befreien solle aus dem Kerker. Nun merket wohl, in einem ähnlichen Kerker befindet sich mehr oder weniger ein jeder gute Christ, das heißt, ein vollständiger Bekenner Meines Wortes und Meines Namens in seinem Herzen.

[HiG.03_42.02.08,05] Die Welt ist dieser Kerker, und in diesen finsteren Kerker sende Ich auch unablässig erlösende Boten aus dem Himmel. Und diese Boten haben noch bis auf diese Stunde einen und denselben Auftrag, daß sie all den Gefangenen zurufen: Gürtet euch mit der Selbstverleugnung und bindet die Sohlen der Demut an eure Füße, und leget dann an das Gewand der Unschuld und der Liebe, – und endlich: Folget Mir mutig und getrost auf dem schmalen Wege und durch die enge Pforte aus dem finsteren und todvollen Kerker der Welt! Diejenigen, welche da gleich dem Apostel sobald folgen in allem dem Rufe des himmlischen Boten, diese werden auch alsobald aus diesem Kerker vollends befreit werden und von ebendiesem Boten an das Ufer des großen Meeres der Erbarmung und der Gnade geleitet werden, da sie sehen werden große Wogen dieses Meeres an das Ufer schlagen, da ihrer das Schiff zur Überfahrt ins ewige Leben harret. Es wird sie freilich wohl noch eine große Furcht anwandeln, so sie sehen, wie sehr das für sie bestimmte Schiff noch wanket über den Wogen des heiligen endlosen Meeres Meiner Erbarmung und Gnade. Und der brausende Wind über den Wogen wird nicht minder ihre Herzen erfüllen mit zitternder Furcht.

[HiG.03_42.02.08,06] So sie aber dann von dem Boten geleitet das Schiff betreten werden und werden Mich Selbst sehen zu ihnen kommen in das Schiff und sich sobald legen wird der Wind und sich beruhigen das Meer, – wie sehr übermäßig werden sie da erstaunen, gerade daselbst schon das allervollste und überseligste ewige Leben gefunden zu haben, allwo sie in großer Angst und Furcht den Untergang ihres Seins wähnten.

[HiG.03_42.02.08,07] Sehet, also hätten wir die zwei Stellen schon also aneinandergepaßt, als wären sie schon von Ewigkeit her auf das allerinnigste miteinander verbunden gewesen. –

[HiG.03_42.02.08,08] So wollen wir denn nun auch versuchen, die dritte Stelle den zwei vorhergehenden Stellen vollkommen anzupassen. Damit ihr aber solches auch nützlicherweise verstehet, so müßt ihr vorher noch dem Zustande auf dem Schiffe einen aufmerksamen Rückblick widmen.

[HiG.03_42.02.08,09] Der Zustand auf dem Schiffe, und zwar im Angesichte Meiner Selbst, gleicht oder ist vielmehr der Zustand der gänzlichen Zerknirschung vor Meiner unendlichen göttlichen Heiligkeit. Obschon dieser Zustand für die endliche Gewinnung des allerfreiesten ewigen Lebens unumgänglich nötig ist, so ist er aber dessenungeachtet doch ein freilich wohl allerletzter, alles Weltliche rein ertötender Fall in die Tiefe der eigenen Nichtigkeit, durch welchen Fall der Mensch alles Weltliche in sich tötet, das heißt, alle Gedanken, alle Begierden, kurz alles bis auf den letzten Heller, was ihm nur immer irgend in der Welt sich angeklebt hatte. In diesem Zustande erscheint er dann als vollkommen tot. Was aber macht ihn nun wieder lebend? Sehet, dasjenige, was die dritte Stelle hier besagt: Paulus, welcher da ist ein Lehrer der Liebe – und soviel besagt als Meine zum Leben erweckende Liebe Selbst, steigt zu ihm hinab, legt sich über ihn, umfaßt ihn ganz, und durch und durch, und sagt dabei zu den übrigen Furchtsamen, welche diesen letzten Fall noch nicht gemacht haben: Seid ruhig und fürchtet euch nicht, denn sehet, seine Seele, welche erfüllet ist mit Meinem Geiste des ewigen Lebens, ist noch vollends in ihm und wird auch fürder und fürder verbleiben ewig im Schoße Meiner unendlichen Vaterliebe.

[HiG.03_42.02.08,10] Und sehet, daß sich die Sache also verhält und dieser zweite und letzte Zustand notwendig ist, könnet ihr dadurch ja deutlich erkennen, daß so jemand an dem einen Ufer ein Schiff besteigt, er doch sicher auf ein entgegengesetztes Zielufer fahren will. Dieser letzte Zustand aber ist das letzte Zielufer, welches jeder dem Apostel gleich biedere Christenbruder erreichen soll; denn wer dieses letzte Ufer nicht also erreichen wird, der wird auch nicht in Meinen Schoß dereinst aufgenommen werden. –

[HiG.03_42.02.08,11] Nun sehet, Meine lieben Töchterlein, wie schön und gewiß ordnungsmäßig diese drei verschiedenen Stellen aneinandergepaßt haben, so zwar, daß sie zur Erreichung des ewigen Lebens ewig unzertrennlich beisammenbleiben müssen, – nicht wahr, das gefällt euch wohl?

[HiG.03_42.02.08,12] Nun aber sage Ich auch euch: Passet auch ihr diese Stellen lebendig eurem Leben an, dann erst werdet ihr in der Überfülle erfahren, wie überaus gut, liebevoll und barmherzig Ich, euer wahrer, heiliger Vater es bin. Mein Segen mit euch Amen! –

 

„Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“ – 13. Februar 1842. Vormittag von 9 bis 1/2 11 Uhr.

[HiG.03_42.02.13] Schreibender: Ans. H.

[HiG.03_42.02.13] Der Knecht des Herrn diktiert über Johannes 3,30: „Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“

[HiG.03_42.02.13,01] Dieser Text scheint für viele ein äußerst leicht faßlicher zu sein. Allein solches ist mitnichten der Fall. Dieser Text wird erst dann vollends begriffen, so er bei jemandem ins tätige Lebensverhältnis übergegangen ist. Dessenungeachtet aber soll hier doch das wahre Verständnis dieses Textes folgen.

[HiG.03_42.02.13,02] Um diesen Text aber gründlich zu erfassen, muß man zuerst in die Wissenschaft seines inneren Gefühles bringen, wer vorerst der Johannes oder das Ich, und wer diesem nach das eigentliche Er ist, das da wachsen solle, wie das Ich abnehmen.

[HiG.03_42.02.13,03] Johannes ist das Sinnbild des äußeren Menschen, welcher da der Buße bedarf, die an und für sich nichts anderes ist, als die lebendige Umkehrung des Menschen von der Welt hinüber zu Gott. Also hat auch Johannes die Buße gepredigt, damit die Menschen ihr Weltliches ablegen und das Geistige anziehen sollten. Er selbst war das Sinnbild der strengsten Buße.

[HiG.03_42.02.13,04] Was ist sonach bei den Menschen der Johannes? Der Johannes bei den Menschen ist das eigentliche, recht gestaltete Ich oder das Leben des Fleisches, wenn der Geist und die Seele noch nicht für sich, sondern für das Fleisch leben. Es würde hier freilich wohl manchen bedünken können: solches Leben kann doch unmöglich ein rechtes, Mir wohlgefälliges Leben sein. Allein es ist in der Natur und Ordnung aller Dinge nicht anders möglich. Um diese Wahrheit vollends zu erkennen, darf jeder nur seine Augen selbst zu der Pflanzenwelt hinwenden, und er wird das Ich und das Er gar deutlich ersehen.

[HiG.03_42.02.13,05] Betrachtet was immer für eine Blüte, – was wird wohl aus der Frucht werden, so die Blüte nicht abnimmt und verwelkt? Sehet hier das Ich und das Er. Wenn ferner die Blüte schon ganz abgefallen ist und der Leib der Frucht oder die eigentliche Schale, in welcher die Frucht verborgen liegt, zunimmt und wächst, da ist von der eigentlichen inwendigen Frucht, in welcher das Er eingeschlossen ist, noch immer wenig zu sehen. Wenn aber die Schale als dieser zweite Leib auch anfängt abzunehmen, also daß er verdorrt und somit tot wird, dann erst wächst und reift in dem Verhältnisse, wie das äußere Ich abnimmt, das innere Er, welches ist die lebendige Frucht.

[HiG.03_42.02.13,06] Sehet nun, daß hier zuvor das Leben der Seele und des Geistes nach außen wirken mußte, habet ihr bei der Blüte und der nachherigen Fruchtschale gesehen; daß es aber bei diesem Leben nach außen nicht zu verbleiben hat, mochtet ihr ja wohl bemerkt haben an dem Vergehen der Blüte und endlich auch dem der Schale. So jemand dieses Gleichnis recht auffaßt, so wird er den Johannes wohl nicht gar zu schwer in sich finden.

[HiG.03_42.02.13,07] Sehet, solches aber ist der Johannes: So jemand liest das Wort vom Anfang bis zum Ende, da hat er es doch zuvor gelesen mit den Augen, dann mit dem Munde und also auch mit den Ohren. Sehet, so er das mit großer Aufmerksamkeit getan hat, da waren ja Seele und Geist nach außen gerichtet und achteten auf das Fleisch, wie dieses das Wort dem Buchstaben nach in sich aufnahm. Sehet, ist das nicht die Blüte? Was geschieht aber hernach, so das Wort schon gelesen wurde? Sehet nur eine Blüte an, so da anfängt ein Frühlingshauch ihre Kelche langsam zu bewegen. Fallen da nicht die befruchtenden Stäublein von den äußeren männlichen Blütenfäden auf die weibliche Blütenfaser, wodurch dann erst der neue Lebenskeim zur Bildung der eigentlichen inneren Frucht in die kaum sichtbare Entstehung der Schale gelegt wird?

[HiG.03_42.02.13,08] Sehet, das ist die Aufnahme des Wortes in das innere Gefühlsleben. Wenn das Wort da Wurzeln gefaßt hat, so fängt es an zu wachsen und wird größer und größer und bildet auf diese Weise vorerst einen Leib, das ist – einen Leib der Buße, in welchen Leib also das Alles des äußeren Leibes übergegangen ist. Dieser Leib ist dann der eigentliche Johannes.

[HiG.03_42.02.13,09] Aber möchte hier nicht jemand fragen, warum soll denn dieser edle Leib auch wieder abzunehmen anfangen, und was ist das dadurch wachsen sollende Er? Sehet, so das Wort ausgewachsen ist in dem Leben des Gefühles, was wird da rege oder wohin zielt das Gefühl? Kann sich das Gefühl wohl selbst genügen? Oder muß es nicht einen anderen Gegenstand haben, den es ergreift und endlich ganz in ihn übergeht?

[HiG.03_42.02.13,10] Damit ihr dieses wieder um so gründlicher fasset, so will Ich euch ein neues Gleichnis geben. Eine Braut bekommt von fernem Lande ein Schreiben von ihrem Bräutigam. Sie liest jedes Wort mit großer Aufmerksamkeit. Wie sie aber den Brief durchgelesen hat, so hat sich auch sogleich darauf aus diesem Worte ein Wesen in ihr gebildet – nämlich ein Gefühlsmensch gleich dem ihres Bräutigams, in welchen Menschen nun ihr ganzes äußeres Blütenleben übergegangen ist, so zwar, daß sie jetzt lediglich in diesem zweiten Menschen lebt, atmet, denkt und fühlt.

[HiG.03_42.02.13,11] Sehet, dieser Mensch ist sonach auch ein Johannes in der Braut, der sie durch seine Bußpredigt genötiget hat, sich von aller anderen Welt abzuziehen und sich zu vereinen mit diesem neuen Menschen in ihr. Nun aber frage Ich weiter: Wird die Braut wohl zufrieden sein mit diesem in ihr gebildeten Menschen, welcher doch noch immer das Ich ausmacht? Nein, sondern sie wird in diesem neuen Menschen gar bald die lebendige Frucht der Liebe gar mächtig zu dem Er wahrzunehmen anfangen, so zwar, daß sie ganz in diese Liebe zum Er übergehen wird. Aus diesem Er wird sich ihr Verlangen immer lebendiger und lebendiger nach dem eigentlichen Er aussprechen und wird nimmer ruhen, bis der wirkliche Er gekommen ist und sie vollkommen eins mit ihm geworden ist.

[HiG.03_42.02.13,12] Sehet, also ist es auch der Fall mit dem Worte im Menschen, da es vorher in das lebendige Gefühl übergegangen ist. Es wird keine Ruhe in dem neuen Gefühlsmenschen, als bis er das eigentliche große und heilige Er in sich gefunden hat. Wenn er aber dieses Er in sich gefunden hat, saget und urteilet selbst, wird er nicht wollen in dieses Er vollends übergehen? Sehet, solches ist ja in der Natur aller Dinge gegründet, und es ist zwischen ihnen und den Menschen kein anderer Unterschied, als daß bei den Dingen dieses vor sich gehen muß, bei dem freien Menschen aber bleibt es eine willkürliche Bedingung seines Lebens.

[HiG.03_42.02.13,13] Und also muß das Ich ja abnehmen, damit das Er wachse im Menschen. Und wenn das Ich nicht abnimmt, so wird alles nach außen in die Rinde, Blüte und Schale übergehen, aber die Frucht des Lebens wird nimmerdar zum Vorscheine kommen.

[HiG.03_42.02.13,14] Ihr möget wohl die schönsten Blumen in die Erde streuen, aber da wird nie eine Frucht zum Vorscheine kommen, sondern sie alle werden zunichte verwesen in der Erde. So ihr aber das reife Samenkorn nehmet und leget es in die Erde, da werdet ihr euch ja doch sichtbar überzeugen, daß das vollkommen ganze Außenleben in dieses Samenkorn übergehen mußte; denn wäre solches nicht der Fall, wie möchte da aus dem Samenkorne wieder dieselbe Pflanze, dieselbe Blüte und dasselbe frühere Alles der Pflanze, zum neuen lebendigen Vorscheine kommen?

[HiG.03_42.02.13,15] Wenn ihr dieses recht bedenket, so werdet ihr auch diesen Text der Schrift vollkommen gut einsehen, welcher also lautet: Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren; wer es aber flieht, der wird es erhalten. Also ist hier durch den Johannes in jedem Menschen die Art und Weise gezeigt, wie das Leben zu fliehen ist. Tut also danach, lasset auch euer Ich abnehmen, so werde auch Ich in euch wachsen und zunehmen ins Unendliche, wie der hier zugrunde liegende Schrifttext es euch lehret Amen. –

 

Versuchung des Herrn in der Wüste – Lukas 11,1-13. – 20. Februar 1842, vormittags von 9 bis 3/4 11 Uhr.

[HiG.03_42.02.20] Schreibender: Ans. H.

[HiG.03_42.02.20,01] Sieh, da sind wieder sehr leichte Stellen der Schrift, und ihr verstehet sie nicht. Warum aber versteht ihr sie nicht? Dieweil ihr noch immer mit dem großen Wörteraufschlagbuche des Lebens, welches allein die Liebe ist, nicht umzugehen wißt. Wenn ihr das Wesen der Liebe recht erfassen möchtet, wahrlich, bis in den Mittelpunkt der Erde gäbe es auch nicht ein sandkörnchengroßes Plätzchen, das sich euch nicht sobald als eine vollkommen enthüllte Welt darstellen möchte. Allein, es ist leichter zu zerstreuen als zu sammeln; ihr auch seid noch stark darinnen vertieft, wo die Strahlen zerstreut werden. Aber nur im Brennpunkte ist das Wesen vollkommen vorhanden, in der Zerstreuung aber nur atomenweise.

[HiG.03_42.02.20,02] Also ist auch das Wort durch den Buchstaben in der Zerstreuung der Welt gegeben, in welcher Zerstreuung da wohl niemand den Brennpunkt des Wortes ersehen kann. So aber jemand dieses zerstreute Wort in sich zu sammeln anfängt, so leitet er dadurch alle diese zerstreuten geistigen Strahlen auf einen gemeinsamen Punkt in seinem Herzen. Und dieser Punkt ist ein Brennpunkt und entzündet das empfängliche Herz in der Liebe zu Mir und erleuchtet dann durch die Flamme der Liebe das große Geheimnis Gottes in ihm selbst. Was aber ist dieses Geheimnis Gottes? Nichts anderes als die ewige Liebe! Was aber ist diese Liebe? Sie ist der Geist Gottes im Menschen, durch welchen allein alles Leben kommt – und besonders das ewige Leben des Menschen. So ihr nun dieses wisset, daß der Geist Gottes nichts anderes ist und sein kann als die ewige Liebe in Gott, da habet ihr den wahren Brennpunkt schon in euch, mit welchem ihr die Tiefen der Gottheit erleuchtet beschauen könnt.

[HiG.03_42.02.20,03] Was sind denn die Tiefen der Gottheit? Das ist das zerstreute Wort Gottes in dem Buchstabensinne vor euch, in welchem niemand ohne den Geist Gottes den inneren Sinn oder die Tiefen der Gottheit erforschen kann. Saget ihr aber ja doch selbst schon in weltlichen Dingen, daß die Liebe ein goldener Schlüssel ist, vor welchem kein Schloß sicher ist. Sehet, dieses alte, in eurer Zeit schon freilich mehr verklungene Sprichwort ist ein wahres vox populi und vox Dei; denn die Liebe ist wahrhaft derjenige Schlüssel, mittelst welchem jedermann sogar bis in das Zentrum Meines Herzens dringen kann.

[HiG.03_42.02.20,04] Da wir nun dieses wissen, so lasset uns versuchen, ob dieser Hauptschlüssel nicht auch das vorliegende Geheimnis Meines Wortes durch den Mund des Lukas erschließt.

[HiG.03_42.02.20,05] Vorerst aber muß eine Stelle vorangehen, damit dadurch alles andere erleuchtet wird. Diese Stelle lautet also: „Und der Geist Gottes kam sichtbar über ihn“ (Luk.3,22; Matth.3,16; Mark.1,10). Diese wenigen Worte sind der Schlüssel zu dem ganzen Geheimnis der vorliegenden Stellen. Also ist aber solches zu verstehen:

[HiG.03_42.02.20,06] Bis zu dieser Zeit war Jesus ein Mensch, welchen der Vater ganz vollkommen für Sich erzog, und dieser Mensch Jesus war der Sohn Gottes darum, weil ihn Gott unmittelbar für Seine allerhöchste Aufnahme durch eine Jungfrau geboren werden ließ und ihm auch von Seiner allerhöchsten Seite Selbst die gehörige Erziehung gab. So war dieser Jesus bis auf diesen ersten Auftrittszeitpunkt weiter nichts als ein noch unbekanntes fleischgewordenes Wort Gottes und mußte als Mensch sich freitätig gleich jedem anderen Menschen durch die alleräußersten Selbstverleugnungen auf das allertüchtigste vorbereiten zum bevorstehenden Vollempfange des Geistes Gottes.

[HiG.03_42.02.20,07] Nun eben am Flusse Jordan, da Johannes die allerstrengsten Werke der Buße predigte, mußte auch Er Sich hinbegeben, gleich also, als wäre Er einer unter den vielen Sündern. Und so hat Jesus als der ewig reinste Gottmensch gewisserart Sich Selbst also gedemütigt, daß Er daselbst unter die Scharen der Sünder trat und Sich ihnen gleich die Taufe der Buße geben ließ. Was geschieht aber nun bei dieser Seiner ersten größten Demütigung?

[HiG.03_42.02.20,08] Der Geist Gottes kommt sichtbar über Ihn, das heißt, die Liebe Gottes des ewigen Vaters nimmt nun volle Wohnung im Menschen Jesus und spricht Sich auch eben bei dieser Handlung jedermann vernehmlich aus, indem Sie von Oben die Worte zu jedermanns Ohren sendet: „Dieser Mensch Jesus ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich ein Wohlgefallen habe“ – das heißt: mit welchem Ich Mich jetzt auf ewig unzertrennlich in Eins verbinde. Diesem Menschen Jesus sollet ihr von nun an folgen und hören Sein Wort!

[HiG.03_42.02.20,09] Sehet, hier ist Jesus Eins mit dem Vater, so zwar, daß da zwischen Ihm und dem Vater es keinen Unterschied mehr gibt. Und dieses vollkommene Eins ist nun ja doch unmöglich etwas anderes als die Liebe, nicht aber irgend eine Zerstreuung; denn die Liebe ist eine Vereinigung, welche hier doch für jedermann sichtbar geschieht, und kann nimmer eine Zerstreuung sein, in welcher ewig nimmer eine Einung denkbar ist.

[HiG.03_42.02.20,10] Wenn es dann nun heißt: „Jesus wurde vom Geiste in die Wüste geführt“, so wird das etwa doch soviel heißen als: Er wurde, von der allerhöchsten Liebe aus Sich Selbst getrieben, in die öde, wüste Welt der Menschheit hinausgeführt. Wenn es da heißt: „Damit Er versuchet würde vom Satan“, so ist das ja doch mit der Voraussetzung der Liebe überaus leicht zu verstehen und heißt mit anderen Worten nichts anderes, als daß diese ewige unendliche Liebe selbst das Allerverworfenste aus Sich nicht ausschließt, sondern sie stellet Sich ihm dar, damit auch dieses erkennen möchte, daß in Gott nicht die allerhöchste Hoffart, wie seine grundirrige Idee ist, sondern nur die allerhöchste Demut wohnt.

[HiG.03_42.02.20,11] Wodurch aber konnte eben die ewige Liebe dem Satan zeigen, daß in Ihr die höchste Demut zu Hause ist? Diese Frage beantwortet sich von selbst, so ihr die dem Satan zugelassenen drei Versuchungen nur einigermaßen mit dem geistig aufmerksamen Auge beleuchtet.

[HiG.03_42.02.20,12] Aus Liebe fastet der Gottmensch und läßt über Sich Selbst einen großen Hunger kommen und zeigt dann bei der ersten Versuchung, daß die wahre Liebe auch bei dem größten eigenen Bedürfnisse sich noch gar wohl verleugnen kann – und ist ihr mehr jegliches Wort der Liebe für die Erhaltung aller geschaffenen Wesen denn die eigene Sättigung selbst. Darum auch in der Antwort gezeigt ist: Der Mensch lebt nicht nur vom Brote, sondern vielmehr von jeglichem Worte aus dem Munde der Liebe Gottes.

[HiG.03_42.02.20,13] Wer wird hier verkennen, was der Geist Gottes seinem Gegner und Abtrünnigen auf das allerfaßlichste vorstellt, da Er ihm den Weg zur Umkehr zeigt und ihm sagt im Geiste: Siehe, dahier ist auch der Platz für dich, nehme auf die Liebe aus Mir und laß fahren das harte steinige Brot der Welt, so wirst auch du leben!

[HiG.03_42.02.20,14] Und wieder bei einer anderen Versuchung, da der Gegner noch einmal die Demut in dem Gottmenschen prüft, wird ihm entgegen bedeutet, daß auch er von der Liebe berufen ist, in Ihr nicht die Demut zu prüfen, sondern dafür lieber selbst Ihr zu dienen.

[HiG.03_42.02.20,15] Und wieder bei einer anderen Versuchung wird ihm sein Werk hart verwiesen und ihm abermals gezeigt, daß er umkehren soll und solle Gott dienen und Ihn nicht versuchen.

[HiG.03_42.02.20,16] Wer wird da wohl so blind sein und nicht sehen wollen, was der Geist Gottes hier ohne die geringste Beschränkung des freien Willens Seines Gegners bewirken wollte, nachdem Er ihm hier gezeigt hatte, daß Ihn nur die höchste Liebe zu ihm geführt hat? Und dann aber auch ihm auf der Seite der höchsten Liebe zu zeigen, sprach ebenfalls dieselbe Liebe, daß es nicht in der Ordnung ist und unmöglich sein kann, daß sich Gott demütigen könnte vor einem Seiner Geschöpfe, sondern daß solches allzeit der umgekehrte Fall sein müsse.

[HiG.03_42.02.20,17] Wenn ihr nun dieses nur einigermaßen gehörig durchdenket, so werdet ihr ja doch unmöglich wieder fragen können, was da verstanden wird unter dem Geiste Gottes, und wie und warum Dieser Jesum geführt hat in die Wüste.

[HiG.03_42.02.20,18] Wohl aber könntet ihr fragen, wie steht diese Begebenheit zu uns? Diese Frage ist ebenso leicht zu beantworten, so ihr die Wüste eures Lebens nur ein wenig betrachtet: wie Ich Mich von Meiner Vaterliebe in diese eure Wüste führen lasse und da oft gar lange fasten muß und werde von euch harten Gegnern wohl öfter als dreimal versucht und muß da lange in der größten Dürftigkeit und in der größten Armut warten und harren, bis die Geister eures Herzens zu Engeln werden, auf daß sie Mir dann zu dienen anfangen.

[HiG.03_42.02.20,19] Daher beachte auch ein jeder die Worte, die in diesen drei Versuchungen an den Satan gerichtet sind. Denn ein jeder Mensch ist zuvor ein Leibeigener des Satans, bis er erst wird ein Eigentum Meiner Liebe. Damit er aber das werde, komme Ich ja zu jedem in seine eigene Wüste durch den Geist der Liebe und lasse Mich lange von ihm in allerlei versuchen, damit er dadurch Meine endlose Liebe und allergrößte Demut erkennen solle. Wer da aber verharret gleich dem, der Mich in der Wüste versucht hatte, was Wunder wird es sein, wenn er am Ende auch die Worte aus Meinem Munde wird vernehmen müssen: Weiche von Mir, Satan! – Solches beachtet wohl und überdenket es in eurem Leben, so werdet ihr das Leben haben durch einen und denselben Geist Gottes ewig Amen. – – –

 

Die Fürsten Juda und der Herr. – 26. Februar 1842, nachmittags von 4 bis 3/4 7 Uhr.

[HiG.03_42.02.26] Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H.

[HiG.03_42.02.26] Hosea 5,10: Die Fürsten Juda sind gleich denen, die die Grenze verrücken; darum will Ich Meinen Zorn über sie ausschütten wie Wasser.

[HiG.03_42.02.26] Amos 7,6: Da reuete den Herrn das auch, und der Herr Herr sprach: Es soll auch nicht geschehen.

[HiG.03_42.02.26] Micha 4,6: Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will Ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zuhauf bringen und die Ich geplaget habe. –

[HiG.03_42.02.26] Hierüber gab uns der Herr durch Seinen Knecht nachfolgende Erklärung:

[HiG.03_42.02.26,01] Damit ihr diese Texte recht vollkommen verstehen möget, welche im Ernste schon wieder von der größten Wichtigkeit sind, so müsset ihr zuvor wissen, was da unter den Fürsten Juda verstanden wird; und dann wieder, was da verstanden wird unter dem Ausdruck: die Grenze verrücken.

[HiG.03_42.02.26,02] Unter den Fürsten werden hier nicht gewisserart königliche Abkömmlinge verstanden, sondern solche Menschen, welche Mein Wort handhaben entweder nach prophetischer Art innerlich lebendig oder nach priesterlicher Art äußerlich dem Buchstaben nach.

[HiG.03_42.02.26,03] Sehet nun, Meine lieben Kindlein, wenn dann solche wie immer geartete Inhaber Meines Wortes mit demselben vermöge ihres freien Willens in einem oder dem anderen Stücke mit ebendiesem Meinem großen Schatze wider Meine göttliche Absicht eigenliebig nach ihrem eigenen Gutdünken handeln, – wenn die ersten zu Meinem Worte ihr eigenes mengen, und die zweiten den Sinn des Wortes, das da geschrieben ist, herrschsüchtig und eigennützig in Naturmäßiges und Weltliches verkehren, so verrücken sie die Grenzen, das heißt die Grenzen Meiner ewigen Ordnung, darum Ich dann auch Meinen Zorn über sie ausschütte wie Wasser, so sie sich nicht zurückbegeben in die bestimmten Grenzen der göttlichen Ordnung.

[HiG.03_42.02.26,04] Was ist aber dieser Mein Zorn, welchen Ich über solche treulose Fürsten von Juda oder eigennützige Handhaber Meines Wortes allzeit sicher ausschütte gleich einer trüben Wasserflut? – Sehet, das ist die allzeit sicher eintreffende gänzliche Blindheit ihrer Herzen, darum sie dann dastehen gleich den Wahnsinnigen, Blinden und Tauben und mit ihrem verhärteten Herzen nicht empfinden, mit den scheinbar offenen Augen nichts sehen und mit den Ohren nichts hören und verstehen, was da ist des Geistes der Liebe und alles Lebens aus ihr. So sie auch mit äußeren körperlichen Sinnen Mein geschriebenes Wort lesen, so verstehen sie aber doch lediglich nichts davon, darum sie sind in Meinem Zorne.

[HiG.03_42.02.26,05] Meine lieben Kindlein, in heutiger Zeit gibt es gar außerordentlich viele solche Fürsten von Juda, – sie befinden sich noch bis auf diese Stunde in Meiner Reue, worunter verstanden wird Meine Geduld, Milde, Sanftmut und Erbarmung. In dem, was also Meine Reue betrifft, soll es auch nicht geschehen, daß die Erde je also verwaist dastehen solle, da alles von Meinem Zorne überflutet würde; denn darum stehet allhier der Herr, der da spricht aus Seiner Reue doppelt, – einmal um anzuzeigen, daß Ich der Herr im unendlichen Sinne Himmels und der Erde und somit der ganzen unendlichen Schöpfung geistig und körperlich; und zum zweiten Male aber einer und derselbe Herr bin in eines jeden Menschen einzelnem Herzen, welcher dasselbe zu Mir gekehret hat. Und also bedeutet das zweimalige Wort Herr sowohl Meine äußere als auch Meine inwendige Gegenwart, da die äußere gleich ist der ewigen Weisheit und die zweite gleich der ewigen Liebe Gottes, welche da spricht im Herzen und handelt im selben und zieht dasselbe.

[HiG.03_42.02.26,06] Sehet, dieser zweite Herr ist es eigentlich, der da sprach und noch immer spricht und auch soeben jetzt spricht in Seiner Reue: Es soll auch nicht geschehen trotz der vielen Fürsten von Juda in dieser Zeit, daß Ich diejenigen möchte als Waisen lassen, die Mich suchen, – sondern also will Ich bei ihnen und jeglichem verbleiben bis ans Ende der Welt, das heißt bis zu der Zeit, wann die Welt bei ihm ein vollkommenes Ende genommen hat, von welcher Zeit an er dann zu Meiner vollkommenen, ewig verbleibenden Anschauung und Besitznahme des unvergänglichen ewigen Lebens gelangt, welches hier besagt ist in dem dritten von euch gewählten Texte, welcher also lautet:

[HiG.03_42.02.26,07] Zur selbigen Zeit will Ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zu Haufen bringen und diejenigen, die von Mir geplaget worden sind. Das heißt: Zu der weltlosen Zeit eines jeden einzelnen Menschen sollen alle seine darniederliegenden Kräfte geweckt werden und vereinigt zu einer Kraft der Liebe und des ewigen Lebens in ihm; und die verstoßenen und zerstreuten Begierden sollen auf einen Haufen, das heißt, unter ein und dasselbe Dach der Liebe gebracht werden. Und endlich die von Mir Geplagten sind die verschiedenartigen Prüfungen und Versuchungen, welche da ganz natürlicherweise ein ewiges Ende nehmen; denn so da in jemandem spricht und wirket der Herr und ihn lehret und ziehet, der ist in gewisser Hinsicht doch nur ein leidender Mensch, da er sich nicht selbst zieht, sondern von Mir gezogen wird, welches ebensoviel heißt als geplaget werden.

[HiG.03_42.02.26,08] Wenn sich aber der Mensch bis zu Ende seiner Welt hat ziehen lassen und ist somit verharret bis ans Ende, sodann tritt der Herr Herr in ihn, welches da ist die volle Erlösung, die Geistestaufe mit dem Feuer oder die vollkommene Wiedergeburt, wodurch der Mensch vollends erfüllt wird mit Meinem heiligen Geiste in aller Liebe, Kraft, Macht und Gewalt, darum er dann auch vollkommen Eins wird mit Mir. – Welche Versuchungen wären da wohl noch denkbar möglich, wo doch ebenso undenkbar möglich mehr irgendeine Schwäche im Menschen obwalten kann, und zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil ein solcher wiedergeborener Mensch und Ich vollkommen Eins sind, und er dann auch mit Meinem Paulus ausrufen kann: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir!“ – Christus aber ist der Herr Herr! –

[HiG.03_42.02.26,09] Sehet, das ist das wahre innere Verständnis dieser Texte. Überdenket es wohl und nehmet es ja lebendig auf in euer Herz; denn es ist wahrlich nicht genug, solches dem Außen nach zu wissen gleich den Fürsten von Juda, die da auch sagen: Herr, Herr, – aber der Herr Herr wird nimmer in ihren Herzen einen Einzug halten. Sondern alles dieses muß mit dem Herzen und im Herzen lebendig gelesen und tätigst verstanden sein; alsdann erst kommt der Herr und endlich der Herr Herr, wie im Verlaufe dieser Offenbarung gezeigt worden ist, in den Menschen und machet ihn aus Sich durch und durch lebendig.

[HiG.03_42.02.26,10] Tut ihr danach, so werdet auch ihr überaus sicher und gewiß, und zwar in der kürzesten Zeit die Feuertaufe des Geistes schmecken, Amen. – Mein Segen mit euch allen, jetzt und ewig Amen. –

 

Der 60. Psalm Davids – Vers 8-14. – 3. März 1842, nachmittags von 3 bis 1/2 7 Uhr.

[HiG.03_42.03.03] Schreibende: Marie, Wilhelmine und Pauline H.

[HiG.03_42.03.03,01] Um solcherlei Verse zu verstehen, muß man vorerst wissen, was unter David im Verlaufe von dessen Psalmen verstanden wird. Denn solange jemand hinter dem David nichts als einen König des Altertums, welcher Psalmen schrieb, versteht, so lange auch ist vom Verstehen solcher Texte durchaus nicht die allerleiseste Rede.

[HiG.03_42.03.03,02] So aber da jemand versteht dem geistigen Sinne nach, was da ist der David, der versteht auch, was da besagt Sichem, das Tal Suchot, Gilead, Manasse, Ephraim, Moab, Edom und Philistäa.

[HiG.03_42.03.03,03] So lasset uns denn sehen, was hinter dem David steckt!

[HiG.03_42.03.03,04] Sehet, Meine lieben Kindlein, hinter dem David steckt nicht mehr und nicht weniger als Ich Selbst. – Nun habt ihr schon einen Schlüssel. Wie ist aber dieses zu verstehen, daß der David zugleich ist ein Mensch wie ein jeder andere, welcher aus Seele und Leib zusammengesetzt ist, – und wie ist er demnach auch Ich, da er doch vor Mir gesündigt hat?

[HiG.03_42.03.03,05] So höret denn, und wir wollen sehen, auf welche Weise Ich und der David Eins werden; denn in diesen Versen redet doch offenbar der David zu Gott – und Gott zu David.

[HiG.03_42.03.03,06] Sehet und merket nun wohl: Unter dem Gesichtspunkte Davids wird verstanden die herniedersteigende Liebe Gottes, und unter Gott wird verstanden die endlose Weisheit des ewigen Geistes.

[HiG.03_42.03.03,07] Da ihr nun solches wisset, so wird es nicht mehr schwer sein zu verstehen, was der achte Vers des 60. Psalms besagt, der da lautet: Gott redet in Seinem Heiligtume – oder Gott redet in Seiner Liebe und nicht in Seiner Weisheit, sondern die Weisheit in der Liebe; des bin Ich froh und will zerteilen und nicht allzusehr beachten die Weisheit, welche verstanden wird unter Sichem, aber dafür will Ich wohl abmessen das Tal Suchot oder die wahre Demut und die reine Liebe aus ihr; des bin Ich froh. – Es wird kaum nötig sein zu erwähnen, wer da unter dem Ich verstanden wird, der da froh ist, oder voll Liebe, und warum? Wegen der Einung der unendlichen Weisheit mit der ebenso unendlichen Liebe durch die Erbarmung Gottes.

[HiG.03_42.03.03,08] Da ihr nun den achten Vers sicher verstehet, so werdet ihr auch nicht minder den folgenden neunten verstehen, welcher nur eine Zergliederung des ersten ist, gleichwie auch der zehnte und der elfte es ist. Sehet, da Suchot die Demut besagt und ihr zufolge die Liebe, in der Liebe aber die Weisheit nun als vollkommen Eins wohnet, so wird ja etwa doch Gilead wie Manasse Mein sein, – Gilead, die Weisheit oder das Licht, welches wandelbar ist und unstet, und Manasse, die Liebe oder das Feuer des Lebens, welches da ist das ewig Bleibende.

[HiG.03_42.03.03,09] Ephraim ist die Macht Meines Hauptes, und Juda Mein Fürst. – Sehet, so ihr dieses buchstäblich nehmen möchtet, so käme da der größte Unsinn heraus, weil dadurch der David fürs erste einen ganzen jüdischen Urstamm, fürs zweite ein gleichnamiges Land und fürs dritte eine gleichnamige Stadt hätte müssen entweder in seinem Kopfe oder auf seinem Kopfe herumtragen und dazu noch mit aller Kriegsrüstung wohl versehen. Dessenungeachtet aber wäre der also mächtige König David dennoch dem Fürsten Juda untertänig, darum er spricht: Juda ist mein Fürst, was ebensoviel besagt als: Juda ist mein Herr. – Sehet ihr nun schon ein wenig ein, welcher Unsinn da aus dem Buchstabensinne herauswachsen möchte, so da nicht ein pur geistiger Sinn zugrunde läge?

[HiG.03_42.03.03,10] Da aber Gilead Mein ist und Manasse Mein, da ist Ephraim als das Licht der Liebe freilich wohl die Macht aller Weisheit, welche ist Mein Haupt, und Juda wahrhaft ein Fürst in Mir, welches da ist der Liebe lebendiges Wort von Ewigkeit her, durch welches alle Dinge erschaffen worden sind, und welches da durch den David mächtig sich über die Erde zu ergießen anfing. – Sehet, Meine lieben Kindlein, ob dieser Vers, besonders von Ephraim angefangen, nicht einen viel weiseren Sinn hat, als wie er dem Außen nach im Buchstaben erscheint?

[HiG.03_42.03.03,11] Also wird auch im zehnten Verse unter Moab die demütigste Liebe, welche ist gleich der Reue im menschlichen Herzen, allhier zu einem Waschtopfe; und der Schuh, welcher ist das naturmäßige Welttümliche, wird über Edom gestreckt, welches ist die Nacht des Todes. Und Philistäa jauchzet zu Mir – oder die geläuterte Liebe wird Eins mit Mir. So aber die geläuterte Liebe nun Eins ist mit dem Lichte und hat dasselbe in sich eingeschlossen, welches ist der alleinige Führer aller Dinge, so ist hier im elften Verse eine scheinbare Frage gestellt, darum das Licht in der Liebe verschlossen ist, nämlich: Wer will Mich führen in eine feste Stadt? Und wer geleitet Mich bis nach Edom? Allein in dieser scheinbaren Frage liegt schon die Antwort offenkundig da, so ihr unter Wer Meine Liebe und unter Mich die Weisheit und unter der festen Stadt ein wohl zubereitetes Herz verstehet, – und unter Edom aber ein Herz, welches voll angestopft ist von Weltlichem und somit auch mit allem, was des Todes ist.

[HiG.03_42.03.03,12] Wie es sich aber verhält mit der Frage des elften Verses, gerade also verhält es sich mit der mehr erklärenden Frage des zwölften Verses, nämlich: Wirst Du es nicht tun, Gott, der Du uns verstoßest, und ziehest nicht aus, Gott, auf unser Heer? – welches soviel besagt als: Du Licht der Liebe wirst Mich führen zur Zeit, da Ich herniedersteigen werde zur Erde; Du wirst zwar nicht ausziehen auf der Macht des Lichtes, sondern auf Unser Heer wirst Du ausziehen, welches ist die Macht der ewigen Liebe.

[HiG.03_42.03.03,13] Damit ihr aber dieses recht innerlich verstehet, so mache Ich euch darauf aufmerksam, daß so von der göttlichen Weisheit die Rede ist, diese allzeit, wenn sie für sich allein dargestellt wird, in der einfachen Zahl genannt wird. Die göttliche Liebe aber wird darum häufig in der vielfachen Zahl genannt, weil alles, was da ist in der ganzen Unendlichkeit und Ewigkeit, aus Ihr hervorgegangen ist.

[HiG.03_42.03.03,14] So ihr nun das Vorhergehende verstehet, so wird es nicht schwerhalten, die gleichlautenden letzten zwei Verse zu verstehen, welche nichts als eine lebendig demütige Wiederholung des Früheren sind und also lauten: Schaffe uns Beistand in der Not – oder: Du ewiges Licht, sei und bleibe der ewige Führer Deiner Liebe; denn Menschenhilfe ist kein nütze – oder: Die Liebe tauget nicht allein für sich, da jegliche Liebe ohne das heilige Licht nur eine pure, sich selbst verzehrende Eigenliebe ist.

[HiG.03_42.03.03,15] Daher lasse, Gott, die Liebe durch Dich alle Taten verrichten, so wird die Finsternis als der größte Feind des Lebens auf ewig unterjocht werden. Solches ist aber der Liebe Feind, daß sie blind ist ohne Gott. Mit Gott oder mit dem ewigen Lichte vereinigt aber ist sie die allerhöchste Macht, Kraft und Gewalt, welcher die ganze Unendlichkeit auf den allerleisesten Wink ewig gehorchen muß.

[HiG.03_42.03.03,16] Schließlich sage Ich euch noch hinzu, daß diese enthüllten Verse eine doppelte Beziehung haben, und zwar gerade also, wie sie sich beziehen auf Mich, also auch beziehen sie sich auf jeden einzelnen Menschen. – Erfasset sie daher recht tief, ja allertiefst in euren Herzen, so wird euch ein großes Licht in der Nacht eures Herzens werden amen. –

[HiG.03_42.03.03,17] Meine Gnade, Liebe und Erbarmung mit euch allen Amen.

 

Die vier Evangelien über die Auferstehung des Herrn. – 27. März 1842, Ostersonntag.

[HiG.03_42.03.27] Anfrage des C. L., dem Knechte J. L. übergeben von Ans. H.

[HiG.03_42.03.27] Wie kann man die nachfolgenden Abweichungen in den Erzählungen der vier Evangelisten von der Auferstehung des Herrn auf beruhigende Weise untereinander ausgleichen wie:

[HiG.03_42.03.27] 1. hinsichtlich der Frauen, welche das Grab besuchten; Matth. 28,1. Mark. 16,1. Joh. 20,1;

[HiG.03_42.03.27] 2. hinsichtlich der Anzahl der sichtbar gewordenen Engel und des Ortes, wo sie saßen; Matth. 28,2. Mark. 16,5. Lukas 24,4. Joh. 20,11-12;

[HiG.03_42.03.27] 3. hinsichtlich des Umstandes, ob die Frauen, wie bei Matthäus, Markus und Lukas, oder ob Petrus und Johannes, wie bei Johannes, zuerst in die Gruft traten;

[HiG.03_42.03.27] 4. hinsichtlich der weiteren Mitteilung der Nachricht; Matth. 28,8. Mark. 16,8. Lukas 24,9. Joh. 20,10.18.

28. März 1842, am Ostermontag, Vormittag. (Die vier Evangelien über die Auferstehung des Herrn).

[HiG.03_42.03.28,01] Schreibe nur, schreibe! Statt am Abende soll es hier heißen: zu Ende des Sabbats; da bei den Juden, wie ihr doch sicher wissen werdet, jeder frühere Tag bis zum Aufgange der Sonne des nächsten Tages gedauert hatte. Das wäre sonach gleichlautend mit den anderen dreien.

[HiG.03_42.03.28,02] Die Zahl der Weiber betreffend aber ist keine Angabe richtig, denn es waren ihrer sieben; nur Lukas berührt sie unbestimmt mit dem Beisatz: Und die anderen. Und bei Johannes sagt die Magdalena zu Petrus: Wir wissen nicht, wo sie Ihn hingetan haben. Was aber die Ursache dieser ungleichen Zahlangabe der Weiber betrifft, so hat sie fürs erste ihren Grund in der Unkenntnis, derzufolge die Evangelisten selbst die ganze Vollzahl nicht wußten – und fürs zweite, auf daß die Weiber der Welt zu einem Anstoße werden sollten – und fürs dritte, daß da niemand die Göttlichkeit Meines Wortes aus der Weiberzahl, sondern lediglich aus der lebendigen Tätigkeit vom Grunde seines Herzens erfahren solle! –

[HiG.03_42.03.28,03] Was aber das von Matthäus allein erwähnte Erdbeben betrifft, so hat es damit seine Richtigkeit auch buchstäblich, aber jedoch soll es vorzüglich geistig genommen werden und bezeichnen die volle Erschütterung des Herzens, bevor des Himmels Zeichen dem Menschen ankündigen sollen, daß Ich aus seinem Grabe auferstanden bin! – Warum aber die anderen drei des Erdbebens nicht erwähnen, hat seinen Grund, dieweil sie das besagte Erdbeben allein geistig nahmen und es durch die gleich geschilderte Furcht der Weiber nur leise andeutend bezeichneten. Es war aber auch eine zierlichere Redensart der damaligen Zeit, irdische Fakta zu verschweigen und sie bloß aus dem Gemütszustande betreffender Menschen entsprechend erkennen zu lassen. Doch an derlei Mückenfängereien liegt wenig, alles aber an dem Tun Meines Willens! –

[HiG.03_42.03.28,04] Was aber da bei Matthäus 28,2.3 den blitzgestaltigen und Stein wegwälzenden Engel betrifft, und bei Markus 16,5 auch zwar einen, aber schon im Grabe sitzenden Jüngling, und was bei Lukas 24,4 die zwei Männer in glänzenden Kleidern und bei Johannes zwei Engel in weißen Kleidern betrifft, so hat dieser scheinbare Widerspruch fürs erste seinen Grund, was die Zahl betrifft, darin, daß von den höchst gewissensgebundenen ersten zwei Evangelisten nach der altjüdischen Art nur darum eines Engels erwähnt wird, weil die zwei eine Tat verübten und auch nur ein Wort führten. Und fürs zweite, weil nicht alle die sieben Weiber zwei Engel sahen, sondern allein die ersten drei Benannten, die andern vier aber nur einen, und somit dann auch ihre Aussagen vor den Aposteln und Jüngern ungleich waren, darum dann auch Matthäus und Markus als höchst skrupulöse Schreiber sich nicht getrauten, die vielfache Zahl zu nehmen, um sich vor den schriftgelehrten Judenchristen nicht eines Schreibfehlers wegen als untüchtige Schreiber bloßzugeben, darum sie nicht wüßten, wann von zwei handelnden Wesen die einfache und wann die vielfache Zahl gebraucht werden solle. – Lukas und Johannes aber, da sie das Wort um vieles später niedergeschrieben haben, waren über diese Sprachkleinigkeiten hinaus und gaben die Aussage der ersten drei Weiber vollends kund.

[HiG.03_42.03.28,05] Und endlich liegt ein dritter Grund noch darin, daß Ich es also habe haben wollen der blinden Welt wegen, darum sie Mich verstoßen hatte, auf daß sie sich zu Tode stoßen solle an den Weibern und an der Zahl ihrer Weltgeister! – Und endlich noch des geistigen Sinnes wegen, darum die bloße Hör- und Schaugier nur einen mahnenden Geist hat zur Erweckung des Glaubens; die Liebe Magdalenas aber ersieht auch den höheren Geist der Liebe und des Lebens, der da ist feurig und glänzenden Kleides. – Und somit wäre auch dieser Widerspruch ausgeglichen geschichtlich und geistig.

[HiG.03_42.03.28,06] Was aber die ungleiche Gestalt der Engel betrifft, so entsprach diese dem Inneren der sieben Weiber; Magdalena sah sie feurig und glänzend, die andern aber nur mit weißen Kleidern angetan. Die Ursache ist die feurige Liebe der Magdalena, und bei den anderen ihre stille Sanftmut und Trauer.

[HiG.03_42.03.28,07] Matthäus gibt somit allein nur das Gesicht der Magdalena aus der schon bekannten Ursache in der einfachen Zahl an. Markus noch skrupulöser als der Matthäus hält sich an die Mehrheit der Stimmen zwar, aber was da die Zahl betrifft, pflichtet er dem Matthäus bei. Lukas gibt die Aussage der Magdalena getreu an, nur gebraucht er statt des Wortes weiß das die Sache mehr erhöhende Wort glänzend, das heißt weiß, soviel wie schneeweiß oder blendend weiß, und schweigt darum vom feurigen Gesicht, um die Doppelaussagen mehr in ein gerundetes Ganzes zu bringen, – und endlich aber auch zufolge Meines Willens, damit dadurch der Übergang vom alleinigen Glauben zur lebendig tätigen Liebe angedeutet würde, wie solches auch wahrlich zu ersehen ist aus der Ordnung der vier Evangelisten. Johannes spricht nur von zwei in weißen Kleidern sitzenden Engeln. Die Ursache liegt hier lediglich im Geistigen seiner evangelischen Ordnung nach, wodurch da angedeutet wird die Unschuld der Liebe und die leidenschaftslose Ruhe des gewonnenen ewigen Lebens; und so verschweigt er als der sonst allerfeurigste Schreiber das Feuer der Magdalena und somit auch ihre weltlich leidenschaftliche Liebe zu Mir, die zwar gerecht war, aber dennoch nicht ganz getreu der himmlischen Ordnung.

[HiG.03_42.03.28,08] Und somit wäre auch dieser Widerspruch ausgeglichen. Und so bleibt uns nur noch ein Widerspruch bezüglich der Engel auszugleichen übrig, und zwar der ihrer verschiedenen Stellung.

[HiG.03_42.03.28,09] Bei Matthäus kommen sie vom Himmel, und bekannt ursächlich in der einfachen Zahl, wälzen den Stein vom Grabe oder vielmehr von der Türe des Grabes, und der Engel und die Weiber gehen in das Grab. – Bei Markus ist zwar bei der Ankunft der Weiber das Grab noch verschlossen; aber sobald gewahren sie, daß der Stein abgewälzt wird, worauf sie dann das Grab betreten. – Bei Lukas betreten sie eher das Grab, welches schon offen ist; sodann erst kommen die Engel und geben den Weibern Bescheid. – Bei Johannes guckt allein die Magdalena ins Grab und bekommt von den verschiedenorts sitzenden Engeln den tröstenden Bescheid; und solches geschieht erst nachdem, da der von ihr geholte Petrus und unser Evangelist Johannes schon das Grab verlassen hatten (Joh.20,10).

[HiG.03_42.03.28,10] Die scheinbare Verschiedenheit der Aussagen rührt fürs erste, wie alle die früheren Punkte, vorzugsweise nach Meinem Willen wegen und von der heiligen entsprechenden geistigen und himmlischen Ordnung her, in welcher vom äußeren Glauben bis zur innersten Wiedergeburt des Geistes die vier Evangelisten aufeinander folgen!

[HiG.03_42.03.28,11] Dieser Hauptursache zufolge aber dann von der verschiedenen Angabe der sieben Weiber, da eine jede nach der Beschaffenheit ihres inneren Zustandes gesehen hatte, entweder was da aussagt der Matthäus, Markus, Lukas oder der Johannes. – Was aber da ausgesagt wird von den vieren, ist geschehen und gesehen worden, aber nur mit den geistigen Augen, – diese aber sind ja allzeit gerichtet, wie da gerichtet ist das innere Leben aus der Liebe, dieweil des Geistes Schauen nicht ist gleich dem irdischen Schauen, da einer sieht gleich dem andern, sondern jedweder nur sieht, was und wie es in ihm ist, und also es sich dann auch gestaltet.

[HiG.03_42.03.28,12] Daß die Abholung des Petrus und des Johannes nur von Johannes selbst erwähnt wird, hat zur Ursache, weil Johannes eigens gemahnt wurde, da er auch verschweigen wollte, diese Begebenheit beizusetzen, damit in ihm alles solle offenbar werden zum geistigen Zeugnisse, daß die wahre innerste lebendige Liebe alles von sich gibt und auch sogar das allerunbedeutendste Geheimnis nimmerdar verschweigen will. Oder erprobt man auf der Welt die echte Liebe etwa nicht schon dadurch, daß der Liebbewerber sieht auf das offene Herz seiner Gewählten; wenn sie aber vor ihm wird heimlich tun und wird ihrer Nachbarin ins Ohr wispeln, was wird er da von ihrem Herzen halten? – Ich sage dir: Er wird es verfluchen und wird sich abwenden von der Treulosen!

[HiG.03_42.03.28,13] Sehet, sonach ist ja schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Was die ersten drei der Mitteilung für geringfügig halten, das muß der Vollendete dennoch bekennen und es aussagen! – Ist nun noch irgend ein Widerspruch vorhanden? – Und also bliebe schließlich nur noch Meine Erscheinung den Weibern zu erwähnen übrig.

[HiG.03_42.03.28,14] Bei Matthäus erscheint Jesus nur der Magdalena und der anderen Maria, als sie schon auf dem Wege sind zu den Aposteln und Jüngern, unweit des Grabes.

[HiG.03_42.03.28,15] Bei Markus erscheint Er zuerst der Magdalena und wird nicht gesagt, ob Er auch den andern erschienen ist, sondern es wird solches nur unbestimmt dadurch angedeutet, da gesagt ist, zuerst der Magdalena, und von selbst verstanden werden solle, hernach auch den andern.

[HiG.03_42.03.28,16] Bei Lukas erscheint den Weibern Christus gar nicht; und Petrus eilt ohne Johannes erst nach der Nachricht zum Grabe.

[HiG.03_42.03.28,17] Bei Johannes kommt gar nur die Magdalena allein zu den Jüngern und sagt ihnen, daß der Stein abgewälzt ist (Joh.20,2); – und nachdem Petrus und Johannes wieder zurückkehren, da erst erscheint allein ihr der Herr und verbietet der Zudringlichen die Anrührung (Joh.20,14.17) und ist da weiter von keiner andern die Rede.

[HiG.03_42.03.28,18] Wie alles Frühere, so hat auch dieses alles ganz besonders vorzugsweise einen inneren, allein geistigen Grund. Was daran das Geschichtliche betrifft, so haben eigentlich nur Magdalena zuerst und dann auch die Maria Johanna Jesum gesehen, und zwar die Magdalena zuerst, da sie dann sogleich über Ihn herfallen wollte, aber zurückgewiesen ward. Darauf Ihn dann erst auch die Maria Johanna ersah und dann mit der Magdalena zu Seinen Füßen hinfiel und diese gemeinschaftlich umfaßt wurden von beiden (Matth.28,9). Maria Jakob und die Salome sahen zwar nichts (Mark.16,1), sondern empfanden nur die Nähe des Geistes des Herrn. Die drei noch andern aber merkten von der Erscheinung des Herrn nichts und waren unterwegs sogar sehr bemüht, den zweien ihr Gesicht als ein reines Werk ihrer erhitzten Einbildung darzustellen.

[HiG.03_42.03.28,19] Was die erste Benachrichtigung an den Petrus betrifft, so ist da wirklich nur allein die Magdalena die Botin gewesen, und alle anderen sind im Garten geblieben, in dem das Grab in einen Felsen gehauen war – und haben also fünfe den Petrus und den Johannes übersehen. Und nur die Maria Johanna sah den Petrus kommen und abgehen, aber den flinken Johannes hatte auch sie übersehen und hätte auch den Petrus sicher übersehen, so sie nicht die fast außer Atem daherkeuchende Magdalena sobald darauf aufmerksam gemacht hätte. Daß sich aber weder Petrus noch Johannes lange am Grabe aufgehalten haben, erklärt sich wohl aus der großen Furcht, welche sie da vor den Juden hatten.

[HiG.03_42.03.28,20] So ihr nun dieses alles zusammenfasset, da kann es euch doch unmöglich mehr schwer werden, den Grund dieser sich scheinbar widersprechenden Angaben der vier Evangelisten mit den Händen zu greifen. Denn je nachdem die Angaben waren von seiten der verschieden sehenden Weiber an die Apostel und Jünger, also waren auch die Aufzeichnungen nach dem Glauben der Schreiber verschieden; denn obschon sie unter der Leitung Meines Geistes alles dieses geschrieben haben, so war aber ihr Wille dennoch ganz frei und so auch ihr Urteil und ihre Annahme danach. Und so selbst ihr Wille durch die erfolgte Wiedergeburt ein gerichteter gewesen war, da war aber demnach ja ihre Mitteilung, was noch mehr ist, vollkommen Meinem Willen gemäß. Und so ihr dieses alles wisset, da lasset euch durch solche Mückenklüfte nicht mehr beirren, sondern werdet dafür eifrige und wahre Täter des Wortes, so werdet ihr gar bald an keinen Widerspruch mehr stoßen.

[HiG.03_42.03.28,21] So ihr aber nur bloße Hörer des Wortes seid und möchtet dasselbe unter die träge Ordnung eures Verstandes bringen, da werdet ihr freilich gerade dort die größten und die ärgsten Widersprüche finden, wo es sich um eure ewige Auferstehung handelt! – Wenn ihr aber schon durchaus kritisch zu Werke gehen wollet, da fasset zuerst die Ordnung der aufeinanderfolgenden Evangelisten und vergleichet sie mit den vier Hauptzuständen des Menschen, das heißt, von seinem äußersten Glauben bis zur innersten Wiedergeburt; oder da der Mensch am Abende beginnt, durch die Nacht versuchet wird, bis dann die Morgendämmerung anbricht und also stets zunimmt bis zum Aufgange des ewigen Lebenstages durch Johannes! – Verstehet ihr das, so werdet ihr ewig an keine Widersprüche mehr stoßen.

[HiG.03_42.03.28,22] Doch wer da noch irgendeinen Zweifel hätte und könnte sich nicht helfen, der tut immer besser, so er fragt, solange jemand da ist, der mit Licht versehen ist; es wird euch aber schon noch übel ergehen, und ihr werdet eure Untiefen erschauen, so Ich den Leuchter hintanrücken werde. Dann erst werdet ihr alle erfahren, wie blind ihr alle waret, daß ihr der Worte des Leuchters so wenig mochtet achten. Wer aber kennt und versteht den Leuchter?! – O wie blind doch aber seid ihr noch! – Warum aber seid ihr also blind? Weil in euch noch keine Ordnung ist und also auch keine Festigkeit, darum ihr auch stets schwebet zwischen Nacht und Dämmerung und erkennet darum auch gerade das am allerwenigsten, wodurch ihr zur Wiedergeburt des Geistes gelangen sollet und einzig und allein zur innersten Erkenntnis alles dessen, was des Geistes und somit auch des ewigen Lebens ist! –

[HiG.03_42.03.28,23] Ich aber sage euch, bis jetzt habt ihr das Wort nur gelesen, und alle eure Tat war eine getriebene Tat durch die gewisserart göttlich magische Kraft des Wortes an und für sich selbst. Werdet aber in der Zukunft keine getriebene mehr, sondern freiwillige Täter Meines Wortes, und ihr werdet sofort an keine Widersprüche mehr stoßen! Solches alles aber schreibet euch tiefst in euer Herz, wer Der ist, von Dem diese Worte kommen an euch Grübler, so werdet ihr leben. – Sehet aber zu, daß euch der noch gänzlich unbekannte Leuchter nicht entrücket wird, da es euch allen dann wieder schlecht gehen möchte; denn ihr seid bisher nur Leser, aber noch bei weitem keine Täter des Wortes. – Wisset ihr euch aber eines alten Liedes zu erinnern, das da also anfängt:

Einst schien die Sonne über unsrem Haupte sanft und mild, / Da floh'n vor ihrem Licht wir in die Löcher unsrer Becher; / Doch bald verschwand dies herrlich leuchtend göttlich Sonnenbild, / Und nun drückt uns der Nacht und alles Todes Pfeile Köcher.

[HiG.03_42.03.28,24] Seht, das Lied des Ameisenlöwen ist nicht schlecht und paßt recht wohl auf den Zustand des Menschen, da er ein Zweifler ist, wo er schon lange ein Seher sein könnte. Solches also auch beachtet überaus wohl Amen; und Wer es saget amen, amen, amen.

 

Die erweckende Kraft der Liebe. – Segen eines gläubigen Vaters und einer frommen Mutter. – 10. Juni 1842. Vormittag.

[HiG.03_42.06.10] An den Andr. H. W.

[HiG.03_42.06.10,01] Höre und siehe du, Mein geliebter Andr. H. W., denn Ich habe dir etwas Tröstendes zu sagen! –

[HiG.03_42.06.10,02] Dich hatte eine Mitteilung, welche Ich Meinem Wortschreiber zur nötigen Beruhigung habe zukommen lassen, in ein etwas zu ängstliches Nachdenken gebracht und hat dich zudem noch etwas kleingläubig in Rücksicht dessen gemacht, was da anbelangt die volle Sterblichkeit der Lauen, und das vorzugsweise darum, da du dein freilich wohl sehr weltlich gesinntes und geartetes Weib darunter verstandest und in nicht sehr entfernten Distanzen auch deine Kinder mit ihr. Allein Ich sage es dir, du hast wohl sehr vollkommen recht, solches zu beherzigen. Was aber da gesagt ist in dem Beiworte an den Schreiber, so hat aber dennoch solches nur einen allgemeinen Sinn, nicht aber, als hätte Ich dadurch gewisserart auf dein Haus heimlich etwas abmünzen wollen.

[HiG.03_42.06.10,03] Damit du aber solches klärlich ersehen magst, so habe gut acht auf das, was Ich dir nun über diesen Punkt sagen werde! –

[HiG.03_42.06.10,04] Siehe, wo immer beide Ehegatten gleich lau wären im Geiste und daher ganz in die Materie verkehrt und sorgten auch also für ihre Kinder, da träte auch die volle Geltung des Beiwortes an Meinen Schreiber ein. Wo aber da ist ein Gatte gläubig, besonders wenn es der Mann ist, und voll Liebe zu Mir, da ist sein Weib, da sie ein Fleisch mit ihm, geheiligt durch den Glauben und durch die Liebe des Mannes, was auch wohl im umgekehrten Falle gelten kann.

[HiG.03_42.06.10,05] Also verhält es sich auch von seiten eines gläubigen Vaters gegenüber seinen Kindern, da sein Segen noch übergehen kann bis ins dritte, manchmal bis ins siebente und manchmal gar bis ins siebenundsiebenzigste Glied, darum sie da jenseits erweckt werden können durch ein überreiches Leben solch eines Vaters, was soviel besagt, als daß sie wieder vollends belebt werden können!

[HiG.03_42.06.10,06] Solches kann zwar auch ein sehr frommes Leben der Mutter bewirken. Allein, da doch jedes Weib einen Mann haben muß, wenn sie Mutter werden will, so gehört schon geschlechtlich dem Manne, mehr somit noch geistig der offenbare Vorzug! – Ist ihr Gatte gleichen Geistes mit ihr, da sind sie ohnehin vollends eins; und was demnach gilt vom Manne, das gilt auch von dessen Weibe.

[HiG.03_42.06.10,07] Wenn aber der Mann wäre ungläubig, das Weib aber gläubig und fromm, da freilich ist sie dann die Erweckerin sowohl des Mannes – so dieser samt den Kindern allein nur lau, aber auch zugleich böse war – wie der Kinder. Bei dieser Gelegenheit aber erstreckt sich dann der große Segen der Mutter nur bis ins dritte Glied im ausgedehntesten Falle. Ihr Mann aber und ihre Kinder können gar wohl erweckt werden durch ihr Leben und sind somit geheiligt durch sie; aber in dem Falle hat dann der also geweckte und geheiligte Mann kein weiter belebendes Vermögen in sich, sondern nur, daß er lebt im Leben seines Weibes durch ihre Liebe zu Mir und daraus zu ihrem Gatten. Also aber ist demnach auch das Leben des Weibes, welches an und für sich zwar tot ist durch seine Lauheit, daß es da lebt im Leben des Mannes durch dessen Liebe zu Mir und daraus zu seinem Weibe. Daß solch ein mitbelebtes und mitgeheiligtes Weib auch an und für sich kein weiteres Belebungsvermögen in sich hat, sondern nur daß es lebt das Leben des Mannes, braucht hier nicht noch ferner erörtert zu werden.

[HiG.03_42.06.10,08] Da du aber sicher fragen würdest, wie das zu verstehen ist – wie lebt demnach also eines in oder aus dem oder durch das andere? –, so will Ich dir ja auch recht gerne solches vollends kundgeben, und so höre es denn:

[HiG.03_42.06.10,09] Siehe, du hättest dein Weib sicher nie geehelicht, so du dich nicht zuvor im Herzen verbunden hättest mit ihr. Durch diese innere Verbindung ist aber ihres Geistes Abbild lebendig in deine Seele aufgenommen worden und lebt jetzt stets fort in dir ganz ähnlich deinem äußeren wirklichen Weibe, nur mit dem Unterschiede, daß, während das äußere wirkliche Weib nur der Welt lebt, ihr Abbild in dir stets lebendiger und geistig veredelter wird durch deine Liebe, Treue und Glauben zu Mir.

[HiG.03_42.06.10,10] Setzen wir nun den Fall, dein äußeres wirkliches Weib stirbt dem Leibe nach vor dir, so ist zwar zufolge ihres Welttums und ihrer Lauheit all ihr Leben zugrunde gegangen. Sie ist da ganz vollkommen für sich für alle Ewigkeiten gestorben, allein ihr lebendiges Abbild lebt fort in deiner verherrlichten Seele. Du betest dann für dein verstorbenes Weib. Was geschieht dann? – Siehe, hier geschieht dann ein wahres geistiges Wunder! – Dieses dein lebendiges veredeltes Bild deines Weibes tritt sodann frei aus dir (was du dadurch gewahren würdest, wenn dich fast alle Traurigkeit um dein verstorbenes Weib verlassen hätte) und tritt zu der toten Materie des verstorbenen Weibes, durchglühet dann dieselbe und erweckt und läutert dann deren ganz gefestete Seele und nimmt in sich auf den verdorrten Geist und befeuchtet ihn mit seiner aus dir zwar entnommenen, aber nun ihm schon ganz eigenen Liebe. Dadurch wird der wahrhaft tote Geist des verstorbenen Weibes wieder belebt, geht dann ganz in das Leben deines lebendigen Abbildes über und wird vollends eins mit ihm. Also lebt dann das Weib ein gewisserart zweites Liebeleben aus dem Manne, was auch allerdings in doppelt umgekehrter Hinsicht der Fall sein kann.

[HiG.03_42.06.10,11] Was aber hier zwischen den Ehegatten der Fall sein kann, dasselbe gilt auch bezüglich der Kinder von seiten der guten und frommen Eltern. Im Grunde aber sind diese sonderheitlichen Erscheinungen, von denen schon Mein Apostel Paulus Erwähnung macht, nichts anderes als ein Miniaturgemälde dessen, was Ich Selbst im Großen, ja im Unendlichen tue, denn da wird ja auch durch Mein Ebenbild in euch, das da ist Meine Liebe oder Christus in euch, euer toter und verdorrter Geist wieder erweicht und belebt und dadurch wiedergeboren zum ewigen Leben, nachdem er vorher durch das Liebefeuer ebendieses Meines Ebenbildes in euch ist von der toten Materie ausgelöset worden, welcher Akt dann und darum eben ja die Erlösung heißt! –

[HiG.03_42.06.10,12] So du, Mein geliebter Andr. H. W., dieses sicher einsehen und vollends begreifen wirst, da wirst du ja auch ebenso leicht einsehen, wie bei Mir alle Dinge möglich sind! – Und wie Ich sogar imstande bin, nicht nur ein, sondern tausend Kamele auf einmal durch ein Nadelöhr zu treiben!

[HiG.03_42.06.10,13] Aber alles dessenungeachtet bleibt das Beiwort des Knechtes doch wahr, sobald entweder beide Ehegatten lau sind oder eines ist dem andern nicht um vieles an Lebenstugend überlegen, oder sie sind gegenseitig vorsätzlich Ehebrecher, darum das eine nicht dem andern folgen will in allem! –

[HiG.03_42.06.10,14] Daß aber eine Erweckung von Mir aus besser und unendlich vollkommener ist denn eine solche Aftererweckung, das leuchtet ja schon daraus, daß Ich Selbst doch sicher vollkommener bin, als jeder von Mir geschaffene Geist. Wie aber da jeder von Mir Erweckte ewig abhängig bleiben muß von Mir, welche Abhängigkeit eben ganz allein das ewige allerseligste Leben des Geistes ausmacht, – also wird auch der Aftererweckte ewig abhängig bleiben von dem, der ihn wieder erweckt hat, und wird daher auch nimmerdar vermögend werden, unmittelbar von Mir abzuhängen und daher auch zu Meiner unmittelbaren Anschauung zu gelangen, sondern nur mittelbar durch den, der ihn aus Meiner Liebe in ihm selbst erweckt hat! – Solches sollst du recht begreifen, und es wird dir großen Trost geben in deinem Herzen! –

[HiG.03_42.06.10,15] Schließlich sage Ich dir noch bezüglich deiner Kinder, daß du ihnen etwas zuviel freien Willen lässest; siehe, dazu sind sie jetzt noch bei weitem nicht reif. Daher beuge ihn jetzt, da er sich noch beugen läßt, sonst würden sie dir gar bald auf der Erde so manchen Kummer bereiten, was dich dann kleinmütig machen könnte! Halte sie daher zu allem, was du sie lernen läßt, nur recht ernstlich an und daß sie vollends gehorchen ihren Lehrern ohne Widerrede, so wirst du bei ihnen gute Früchte erzielen. Denn in jedem Ernste liegt das Leben des Geistes zugrunde, da Ich allzeit knapp hinter dem Liebernste einhergehe! Solches also beachte auch, und Ich, dein lieber Vater Jesus, werde keinen aus den Deinen zugrunde gehen lassen. Mein Segen mit deinem Geiste ewig Amen. – – –

 

Der Siegelring. – 11. Juli 1842.

[HiG.03_42.07.11,01] 1. / Ein scheinbar unbedeutend, nichtig Ding / erscheint dem Aug' ein ehrner Siegelring. / Doch wenn ein Fürst ihn trägt an seiner Hand, / hat er ein groß Gewicht fürs ganze Land. / So ist ein Ring, den da ein Fürst getragen, / ein großer Wert, daß selbst in spätsten Tagen / so manche Tatenforscher darum fragen / und emsigst nach solch altem Schatze jagen!

[HiG.03_42.07.11,02] 2. / Es gibt ein Amt sogar in manchem Staat, / das da den Namen Siegelwahrung hat. / Und dem da ist ein solches Amt vertraut, / auf den der Fürst auch sicher Großes baut. / Nur eines Landes alterprobten Treuen / ermächtiget der Fürst danach zu freien; / ein andrer mag sich da zu Tode schreien, / nie doch wird er des Amtes sich erfreuen! –

[HiG.03_42.07.11,03] 3. / So mancher Fromme auch von Mose spricht: / Er war des Herrn Ring, ein großes Licht! – / Fürwahr, er ist das noch zu dieser Stund, / ein Siegel Gottes für den alten Bund, / den Gott in Abraham schon hat gestellet; / und was Er diesem weislichst hat verhehlet, / hat Er, zu künden aller Welt, erwählet / den Mose, ihn hat Er mit Sich beseelet!

[HiG.03_42.07.11,04] 4. / Wenn solches aber denn von Mose gilt / und ist in jed' Propheten Moses Bild, / nachdem in seinem Geist da jeder spricht, / dem Volke ist ein unerforschlich Licht! – / Wie dann so hoch denn Moses, der vergangen, / warum da nicht nach dem, was da, verlangen, / warum an Mose nur hochachtend hangen, / warum nicht auch, was da, also umfangen?! –

[HiG.03_42.07.11,05] 5. / So merk es denn, du eitle Gegenwart, / Ich sag es dir: Du bist in dir so hart, / erkennest nicht bei dir den Siegelring, / er scheint dir, wie dem Aug', ein nichtig Ding. / Doch so des Fürsten Ring du hältst in Ehren, / der sich doch pflegt nach Weltlichem zu kehren; / o sieh, wie magst dich denn also betören, / so schwach in Meinem Ringe Mich zu ehren?! –

[HiG.03_42.07.11,06] 6. / Ist auch an sich schon jeder Siegelring / ein nichtig, unbedeutend kleines Ding, / so ist doch Der, der selben braucht und führt, / erhaben hoch und voll der höchsten Würd'. / Die da demnach den Fürsten ehren wollen, / die müssen auch dem Ringe Achtung zollen; / so aber jemand möcht' dem Ringe grollen, / wird der nicht auch des Fürsten Ehre schmollen?!

[HiG.03_42.07.11,07] 7. / Es sei, und wär der Ring von schlechtem Erz, / gesteckt an Meinen Finger durch das Herz; / er ist es nicht, wohl aber Der ihn trägt / doch wert, daß man fürs Siegel Achtung hegt! – / Es soll darum da niemand weise streiten, / nicht betend gar zu einem Ringe schreiten; / doch einem Ringe trübe Zeit bereiten, / dadurch wird niemand viel von Mir erbeuten!

[HiG.03_42.07.11,08] 8. / Was da gesagt, dem biete niemand Trutz, / wohl aber mach' sich jeder solch's zu Nutz! / Kannst du nicht achten, was dein Auge sieht, / wie ehren dann, das stets dein Auge flieht? – / Wer da von Mir zum Ringe ist gestaltet, / ist er auch gleich dem Moses nicht veraltet, / so wird durch ihn doch alles neu umstaltet, / so da durch ihn die Lieb' der Liebe waltet!

[HiG.03_42.07.11,09] Das ist etwas allein für dich. So du es jemandem zeigen willst, kannst du es ja tun, Pflicht jedoch sei dir solches nicht. – Es gebührt zwar solches dir Meinetwegen! – Für dich selbst aber doch ist es besser zu dulden und zu haben, wie bisher, ein demütiges Herz! Darum sei es dir keine Pflicht, solches auch sogleich den anderen mitzuteilen Amen.

 

Erklärung zum Lied ‚Der Siegelring‘. – 12. Juli 1842.

[HiG.03_42.07.12] O Herr, Du allergeduldigster Lehrer und Führer der gesamten Menschheit, siehe, das Lied ‚Der Siegelring‘ ist im ganzen wie im einzelnen etwas zu geheimen Sinnes. Ich verstehe es nicht, denn auf meine Person kann ich das ja nicht beziehen; wie soll ich solches denn nehmen? O Herr, zürne nicht mir Wurme im Staube aller Nichtigkeit vor Dir, und auch nicht, wie ich bin viel geringer denn alle meine Brüder und Freunde und um vieles schlechter denn sie, darum ich nun frage um solches Dich, – sondern sei mir armem Sünder barmherzig und gnädig! Wenn es Dein heiliger Wille wäre, so könntest Du wohl ein leuchtendes Fünklein Deiner Gnade noch hinzufügen! Aber nur – so Du es willst Amen.

[HiG.03_42.07.12,01] So schreibe denn! – Ich sage dir: Du und der Siegelring habt miteinander nichts zu tun, außer daß durch dich dieser neue Siegelring aus Mir gegeben wird.

[HiG.03_42.07.12,02] Der Siegelring aber ist das Wort und nicht du, – selbst dann nicht, wenn Ich rede durch deinen Geist mit deiner Zunge. Daher hat die ausgesprochene Achtung auch nichts mit dir, sondern allein mit dem Worte zu tun. Damit aber jeder solches verstehe wohl und genau, so solle er wissen, daß unter einem Propheten nie dessen Person und Wesenheit, sondern allein Ich in dem Worte verstanden werde. Ist aber auch das Wort selbst an und für sich Meine eigentliche Wesenheit nicht, so ist es aber doch der euch oder auch allen anderen Menschen geoffenbarte Wille aus Mir, dargestellt zur Beschauung entweder durch Worte aus dem Munde eines von Mir dazu berufenen Menschen oder durch Zeichen, die er entweder selbst aufzeichnet oder von jemand anderem aufzeichnen läßt.

[HiG.03_42.07.12,03] Der Wille aber ist ja demnach der Siegelring, aber nicht der, der Mir dienet selbst nur zu einem Werkzeuge!

[HiG.03_42.07.12,04] Also ist ja das gegenwärtige Wort, welches Ich durch dich nun zur Erde hinabsenke, der vermeintliche Siegelring, aber nicht du. Dieses ist vom selben Finger, wie das zur Zeit Mosis. Moses aber mußte sein Angesicht verhüllen, um anzuzeigen, daß da nicht er, sondern allein Ich im Worte und Gesetze der alleinige Prophet es bin, und nicht er.

[HiG.03_42.07.12,05] Wenn aber Moses solches tun mußte, wie kann es dir demnach auch nur im Traume einfallen, den Siegelring auf deine Person zu beziehen? – Siehe, wie blind du für dich auch noch bist trotz allem dem, was du schon vernommen hast! – Daß Ich aber solches mehr für dich als jemand anderem gab, hast du also zu verstehen, weil eben du selbst über so manche Gabe aus Mir nicht im reinen warst und so manchen Punkt weniger beachtetest für dich, denn die anderen für sich!

[HiG.03_42.07.12,06] Siehe, darum auch habe Ich den Siegelring also gestellt, daß dessen Sinn also aussieht, als bezöge er sich auf deine Person, um dir dadurch einen neuen Probierstein für dich selbst zu geben, auf welchem du das Gold deiner Erkenntnis prüfen sollst, ob es probehaltig ist für das, was Ich tagtäglich durch dich gehen lasse. Wenn aber du bei dir so manchmal den Ring getrübet hast, welche Beute solle dir selbst dereinst denn werden aus ihm?

[HiG.03_42.07.12,07] O siehe, das haben auch manche andere Berufene getan und haben über das Empfangene gegrübelt, während sie es vor allem hätten ausüben sollen durch den allerlebendigsten Glauben, und Ich habe ihnen darum ähnliche, ja noch viel stärkere Fallen gelegt. – Welche da sich, wie du jetzt, an Mich gewendet haben, denen habe Ich auch sobald die Lösung gegeben; die aber das auf die eigene Person nahmen, denen ging es am Ende wie dem weisen Salomo! –

[HiG.03_42.07.12,08] Demnach also bezeichnet der Siegelring das neue Wort, also wie es äußerlich erscheint, das zwar niemand an sich anbeten soll, aber achten doch in allem und jedem, darum es ist ein wahrer Siegelring an Meinen Finger der Erbarmung gesteckt durch das Herz – oder durch Meine große Barmliebe!

[HiG.03_42.07.12,09] Verstehe nun solches wohl, denn Ich habe es darum ja auch nur vorderhand dir gegeben. Darum sollst du solches auch also fassen, wie dir nach jeder im gerechten Sinne. Das sage Ich, die ewige Wahrheit und Weisheit Amen, Amen, Amen.

 

Der Herr zum Namenstag Jakob Lorbers. – 25. Juli 1842, vormittags nach 11 Uhr.

[HiG.03_42.07.25.a,01] So gebe Ich dir denn ein Liedchen an deinem Tage, so der Welt wegen du auch keine Gratulationsbillete empfängst. Ich meine aber, dieses Billet wird länger dauern denn die der Welt. – Dem Offenen aber werde auch Ich allzeit offen sein und freigebig und aufmerksam; dem Zurückhaltenden aber werde auch Ich sein ein sparsamer Geber. Daher denke darum nicht nach, so heute niemand mochte dein Zimmer finden an deinem Tage. – Dafür aber komme Ich doppelt zu dir, wie fürs Ohr, also auch fürs Auge. Siehe, hier bin Ich!

[HiG.03_42.07.25.a,02] Und so schreibe nun in dieser Meiner für dich sichtbaren Gegenwart dies Liedchen unter dem Namen:

 

Des Baumes letztes Blättchen.

[HiG.03_42.07.25.a,03] 1. / An eines Waldes dicht umstrüpptem Saum / erblickst du einen seltnen dürren Baum, / ein Blättchen nur ganz fahl denselben ziert. / Doch nicht am Zweig hängt mehr dies letzte Blatt, / an einer Spinne Faden nur ganz matt / so lang, bis es ein West der Haft entführt.

[HiG.03_42.07.25.a,04] 2. / Sieh an die Welt, wie sehr dem Blatt sie gleicht, / auch sie da hängt ganz dürr und leicht / am gleichen Faden an des Lebens Baum. / O sieh, schon regt sich dort ein rauher West, / er führt für diese Zierd' das End, den Rest, / schon schwirrt er um des Waldes dorn'gen Saum.

[HiG.03_42.07.25.a,05] 3. / O Baum, o Baum, du toter Rest am Wald! / Du brüstest dich mit deiner Scheingewalt – / warum, du Tor?! Ist nicht der Tod dein Los? – / Ja tot, ganz tot bist du, o Baum, schon lang! / Darum wird's dir vor Meiner Näh' nicht bang, / nicht angst in deines Grabes finstrem Schoß.

[HiG.03_42.07.25.a,06] 4. / Das letzte Blatt, ganz los von deiner Haft, / ziert dich nur noch durch eines Fadens Kraft, / den da gesponnen hat ein schnödes Tier – / und du willst prunken noch damit vor Mir / auf diesem alten Todesjagdrevier?! – / O sieh, der West ist da mit großer Gier!

[HiG.03_42.07.25.a,07] 5. / Du trillerst schon, du einsam fahles Ding?! / Tust wohl daran; von Mir nur einen Wink – / geschehen ist's, o Baum, um deine Pracht! / Magst ahnen nicht, wer hier bei dir nun steht? / Ja, ja, der West um deine Äst' schon weht, / nicht merken läßt er dich die große Macht!

[HiG.03_42.07.25.a,08] 6. / Wozu allhier, o West, so große Kraft? – / Ein dürres Blatt nur zwischen Zweigen klafft, / verhängt am schwächsten Faden einer Spinn'! / Darum kannst wehen du ganz sanft und mild, / ganz leicht wirst fertig du mit diesem Bild, / das tot ist ganz und gar im vollsten Sinn!

[HiG.03_42.07.25.a,09] 7. / O merke, merk' auf dieses Bild, du tote Welt, / darum dich nur noch mehr dein Wahn beseelt; / das ist dein Sein in dieser letzten Zeit! – / Vernimm den letzten Ruf aus Meinem Mund, / kehr um zu Mir dich noch in dieser Stund, / eh' dich ereilen wird die Ewigkeit! –

[HiG.03_42.07.25.a,10] Höre, verstehe, folge – amen.

 

Schon steht im Osten ein Stern. Das Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe die Bahn brechen. – 25. Juli 1842, nachmittags.

[HiG.03_42.07.25.b] „Schon steht im Osten ein Stern, welcher dem Orion die Bahn brechen wird, und das Feuer des großen Hundes wird sie alle verzehren.“ (Die Haushaltung Gottes, Band 1, Kap. 1,12)

[HiG.03_42.07.25.b,01] Was ist der Ost, was der Stern, was der Orion, was das Feuer, was der große Hund? Wer sind die, welche verzehren wird des großen Hundes Feuer? –

[HiG.03_42.07.25.b,02] Der Ost ist das innere lebendige Wort und durch dieses das wahre Verständnis der Heiligen Schrift des Alten wie des Neuen Bundes.

[HiG.03_42.07.25.b,03] Der Stern ist das Liebelicht in diesem Worte selbst.

[HiG.03_42.07.25.b,04] Der Orion ist die Liebe Gottes.

[HiG.03_42.07.25.b,05] Das Feuer des großen Hundes bedeutet die große Treue dieser Liebe, weil der Hund ist ein Zeichen der Treue. Die aber, welche das Feuer verzehren wird oder zuschanden machen, sind alle Weltmenschen.

[HiG.03_42.07.25.b,06] Also heißt obiger Satz mit anderen Worten nichts anderes als:

[HiG.03_42.07.25.b,07] Das Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe die Bahn brechen, und die Treue dieser Liebe wird alle Frevler, alle Ungläubigen und Lauen zuschanden machen, denn der Ost ist frei, und der Stern der Liebe stehet schon hoch! –

[HiG.03_42.07.25.b,08] Das ist das leichte Verständnis dieser etwas nur höher gestellten Worte. – Da Ich sie aber nun noch mehr enthüllt habe, so sollen sie auch um so mehr beachtet werden Amen!

[HiG.03_42.07.25.b,09] Das sagt der große Orion durch Seinen großen Hund amen, amen, amen. –

 

Antwort auf einige Fragen. – 4. August 1842.

[HiG.03_42.08.04] Fragende: a) Ans. H. b) C. L. c) Elise H.

[HiG.03_42.08.04] a) O Herr! Vor dreißig Jahren sah ich im Stifte R-n, als ich mich zu Bette legte, einen kolossalen Mann zu Pferde in meinem Schlafgemache, worüber ich in große Angst geriet. – War diese Erscheinung eine Täuschung, oder war es eine wirkliche Geistererscheinung?

[HiG.03_42.08.04,01] Antwort: Kannst du das bezweifeln? – Ich frage dich aber: Was ist wohl verständiger und weiser, anzunehmen, daß ein vollkommenes Nichts unter der Form deines gesehenen Ritters zu Pferde in irgendeine Erscheinung trete oder die geschaute Form sei im Ernste etwas, das da ist ihr wahrer gehaltvoller Grund? –

[HiG.03_42.08.04,02] Du redest von einer Täuschung! – Was ist denn eine Täuschung? – Wenn du zwei für fünf ansiehst oder schwarz für weiß oder einen Baum für einen Turm, den Mond für die Sonne, einen Planeten für einen Fixstern oder ein Weib für einen Mann – siehe, das ist eine Täuschung, die ihren Grund in der Schwäche der Sinne hat und ist daher nur eine Verkennung des geschauten Wesens, aber unmöglich eine Anschauung des Nichts unter einer Form, was wohl der größte Unsinn ist, den ein Mensch je nur zu denken vermag!

[HiG.03_42.08.04,03] Daher bleibe du bei dem, was du gesehen hast, und denke, daß selbst die Traumwesen nicht so ganz leere Nichtse, sondern recht tüchtige Etwasse sind! Verstehe es. –

[HiG.03_42.08.04,00] b) Ist das Wiederaufleben und die abermalige Ausbreitung des Jesuitenordens für die Menschheit heilsam oder nicht?

[HiG.03_42.08.04,04] Antwort: Allerdings, das heißt für die Menschheit der Jesuiten selbst. Was aber die übrige Menschheit betrifft, da wird es mit den heilsamen Wucherprozenten einen sehr sandigen Grund haben! Es ist übrigens auch nicht eben gerade zu löblich, schwarz bekleidete Himmelsboten durch die Bank anzunehmen; obschon bei Mir auch eben nicht der Rock den Mann gibt, sondern nur – wessen Geistes Kind er ist! Verstehst du solches? O ja, du verstehst es recht wohl. –

[HiG.03_42.08.04,00] c) „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird selig sein.“ (Römer 10, 13)

[HiG.03_42.08.04,05] Antwort: Des kannst du vollends versichert sein trotz aller Verdammungsurteile und Beichtspiegel römischer Mönche. Wahrlich, wer Mich anruft in seinem Herzen, der wird nicht verlorengehen, wenn ihn nicht nur die Römlinge, sondern auch alle anderen Sekten zugleich für alle Ewigkeiten auf das allerbitterste verdammt hätten; denn weltliche Sekten-Eifersucht ist noch nie ein Urteil der ewigen Liebe in Gott gewesen! – Verstehe du, Meine liebe Tochter, solches wohl amen. –

 

Aufklärung über zehn Fragen. – 6. August 1842. Nachmittag.

[HiG.03_42.08.06] Zehn Fragen auf Verlangen des Knechtes aufgeschrieben von Ans. H.

[HiG.03_42.08.06,00] 1. O Herr! – Ich kann das nicht begreifen, daß im mosaischen Gesetz auf so viele Handlungen die Todesstrafe festgesetzt war, und daß so manche Volksstämme samt deren Hab und Gut von den Israeliten in Deinem Namen schonungslos vertilgt wurden, – während Du Selbst als Jesus sprachst: Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet, verdammet nicht, auf daß ihr nicht verdammet werdet!

[HiG.03_42.08.06,01] Antwort: Siehe, unter Moses und nach Moses dauerte der Alte Bund bis zu Meiner Darniederkunft. In diesem Bunde war der alleinige Glaube gesetzt zur Rechtfertigung, da die alte Liebe von Noah abwärts stets mehr und mehr in die pure Weisheit überzugehen anfing. Und so lautete auch das mosaische Gesetz nur auf den Glauben; die Liebe aber ist zur inneren, geheimen, gewisserart unbewußten Bedingung allein durch den strengen Gehorsam geworden, – denn da die Weisheit sich losgemacht hatte von der Liebe, so mußte sie auch stets und strenge gerichtet werden, damit sie nicht treten möchte aus dem Kreise der ewigen Ordnung. Und so war diese Periode von Moses bis auf Christus eine harte Periode des vorbildenden Gerichtes, darum auch Ich am Ende das Gericht und aller seiner Satzungen Bürde habe auf Mich nehmen müssen und tilgen das Gericht und an die Stelle des kalten Glaubens wieder einsetzen die alte Liebe. Siehe, das ist ein Grund.

[HiG.03_42.08.06,02] Ein anderer, noch tieferer Grund des ersten Grundes selbst aber ist das, weil damals der Fürst des Todes und der Lüge noch nicht gerichtet, sondern noch völlig frei war! Warum, ist leicht zu erraten, denn er wollte sich selbst damals durch des alleinigen Glaubens Weisheit und Gericht vollenden. Allein diese seine Richtung ging in alle Abgötterei über, und so mußte von Meiner Seite gegen sein Gericht auch wieder mit demselben Maße verfahren sein.

[HiG.03_42.08.06,03] Siehe, darum sah es damals also grausam aus! – Da Ich aber darniederkam, da ward er gerichtet, und die alte Liebe ward wieder zum alleinigen Gesetz. Wenn denn nun auch Arges geschieht, so geschieht es aus dem eigen-bösen Willen der Menschen durch dämonische Einflüsterungen; aber in Meinem Gesetz liegt kein Grund mehr dazu. – Siehe, das ist der Grund. – –

[HiG.03_42.08.06,00] 2. Ist das Eheband ein ewig unauflösliches?

[HiG.03_42.08.06,04] Antwort: Allerdings, wenn es aus wahrer reiner Liebe sowohl hauptsächlich in Anbetracht Meiner, wie dann auch in Anbetracht des gegenseitigen Menschenwertes geschlossen wurde oder wenigstens nachderhand vollends also manifestiert ward. Ist aber solches nicht der Fall, dann hat das, was da Ehe genannt wird, für den Himmel gar keinen Namen und Wert, aber einen oft desto stärkeren und größeren für die Hölle! – Verstehe es jeder! –

[HiG.03_42.08.06,00] 3. Wenn ich sage, ich gehe in mich, ich will mich erforschen, – geht da der Geist in die Seele oder die Seele in den Geist? Erforscht da die Seele den Geist oder der Geist die Seele? Denn die Seele kann nicht in die Seele und der Geist nicht in den Geist gehen. – Wer ist demnach hier das ‚ich‘ und wer das ‚mich‘?

[HiG.03_42.08.06,05] Antwort: Ich sage dir aber, daß hier weder das eine noch das andere der Fall ist, – sondern unter dem In-sich-gehen wird nur verstanden, daß da der Geist oder die Liebe ihren freien Willen einziehe und ihn allein auf das richte, was da ist Meines Willens. Wenn aber die Liebe dem Willen alle Zügel schießen läßt, dann wird der Wille bald stärker denn die Liebe zu Mir und zieht dann diese nach außen, schwächt sie – und somit auch sich selbst, als Meine Kraft nach außen zu wirken in ihr! – In-sich-gehen heißt sonach: die Strahlungen des Willens in sich ziehen; und sich erforschen heißt: mit der Liebe zu Mir die Strahlen des Willens durchschauen, ob da alle zu Mir gerichtet sind! Siehe, also ist es. –

[HiG.03_42.08.06,00] 4. Was bedeutet der vorgestern von mir auf der Höhe des Schloßberges gesehene freudige Wirbelflug zahlloser Schwalben um den Siebenglockenturm?

[HiG.03_42.08.06,06] Antwort: Die arg dummen Menschen der Welt, die auch ums blitzende Metall lieber flattern als um die lebendigen Bäume des Lebens und können sich nicht trennen von dem, was übertot ist und den ewigen Tod bringt, wie nicht selten auch diesen Tierchen ein mit elektromagnetischem Fluidum überfüllter vergoldeter Turmknopf. – Siehe, solches bedeutet dein geschautes Bild! –

[HiG.03_42.08.06,00] 5. Ist der Angabe einer Somnambulen Glauben beizumessen, daß einige Menschen eine hakenförmige und einige eine kugelförmige Ausdünstung haben, und daß erstere mehr geistlich und letztere mehr weltlich gesinnt seien?

[HiG.03_42.08.06,07] Antwort: Die Somnambulen sehen nicht allzeit richtig. Was aber diese Angabe betrifft, so ist sie wohl so ziemlich richtig in der Erscheinlichkeit, aber nicht auch also in der Bedeutung. – Durch die Erscheinlichkeit werden nur die magnetischen oder vielmehr seelischen Polaritäten, keineswegs aber die entweder mehr geistigen oder mehr weltlichen Eigenschaften des Geistes oder des eigentlichen Liebewillenlebens dargestellt. Daher können die Kugeln so gut himmlisch sein wie die Häkchen; es kommt da nur auf die Liebe an! – Siehe, das ist richtig.

[HiG.03_42.08.06,00] 6. Ist die Behauptung einer anderen Somnambulen richtig, daß jedem Menschen bei seiner Geburt eine gewisse Zahl gegeben werde? So hätten zum Beispiel C. L. und ich die Zahl Fünf.

[HiG.03_42.08.06,08] Antwort: Wenn du es glauben willst, dann ist es also, wie du's glaubst, – sonst aber wird niemand gezählt, außer nach der Größe und Stärke seiner Liebe. Diese aber ist allezeit die Zahl Eins mit Mir! – Alles andere aber hängt am puren Glauben. Siehe, das ist rein, gut und wahr.

[HiG.03_42.08.06,00] 7. Ist der Tod des Herzogs von Orleans wohl als ein Ereignis von so großer Wichtigkeit anzusehen?

[HiG.03_42.08.06,09] Antwort: Für die Welt gleichwohl, aber in den Himmeln wird selbst das Aufhören eines Sonnengebietes für gering gehalten! – In der Zeit aber müssen ja allerlei Zeichen geschehen; so solle auch das ein Zeichen sein, daß Ich durchaus kein Freund einer konstitutionellen Dynastie bin. Denn wenn auf einem Wagen mehrere Kutscher den Wagen verschiedenwillig lenken wollen, wohin wird da das Fuhrwerk kommen? – Oder werden durch solche Lenkung die Pferde nicht scheu gemacht und am Ende das ganze Fuhrwerk zerreißen? – Siehe, darum für solch ein Volk auch solche Zeichen. Also ist das zu nehmen. –

[HiG.03_42.08.06,00] 8. Sagt nicht oft der Blick mehr als das Wort, und liegt nicht oft im Blicke mehr Macht als im Worte?

[HiG.03_42.08.06,10] Antwort: O ja, wenn durch den Blick der Geist spricht! – Also aber hättest du fragen sollen: Ob im geistigen Worte mehr Macht liege denn im Worte der Zunge? – So hättest du deine Frage alsogleich verstanden! – Siehe, das ist der rechte Grund. –

[HiG.03_42.08.06,00] 9. O Herr! Wie ist die Stelle im 19. Kapitel, Verse 17 u. 18 der Offenbarung Johannis zu verstehen: Kommet, sammelt euch zum großen Mahle Gottes, daß ihr essen möget das Fleisch der Könige und das Fleisch der Heerführer und das Fleisch der Starken und das Fleisch der Rosse und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller, der Freien und der Knechte, der Kleinen und der Großen?

[HiG.03_42.08.06,11] Antwort: O du Mein lieber Freund! Solches verstehst du nicht?! – Sieh, sieh! Das große Mahl hast du ja schon vor dir, und du kannst danach fragen wie einer, der etwas sucht, während er es in der Hand trägt?! – Meine Liebe, diese heilige Stadt, ist ja das große Mahl, die mit der Zeit alles Welttümliche verzehren wird! Siehe, das ist das große Mahl Gottes, zu dem ihr soeben geladen werdet! – Siehe, also ist der Sinn der Himmel allhier kundgetan. O Freund! Komme, komme zu dem Mahle ganz! – – –

[HiG.03_42.08.06,00] 10. Kann ich auf jemanden, der in Frankreich ist, so einwirken, daß er von einer Handlung dadurch abgehalten oder zu einer Handlung angeregt wird? –

[HiG.03_42.08.06,12] Antwort: Ich sage dir, durch die Liebe und durch den aus ihr kommenden lebendigen Glauben zu Mir nicht nur auf jemanden in Frankreich, sondern wohl auf jemand noch viel weiter Entlegenen – und wäre er im Sirius oder noch endlos weiter entlegen; denn mit Mir vermagst du ja alles, nichts aber ohne Mich! – Solches wird dir sicher nicht fremd sein? – Daher liebe und glaube, so wirst du allzeit siegen amen. – – –

 

Kurze Schrifttexterklärungen. – 16. und 17. August 1842.

[HiG.03_42.08.16,00] Ich will dir und den anderen etwas sehr Beachtenswertes geben und solle solches stets bei sich getragen und in sich aufgenommen sein vollends; – auch den Kindern des Ans. H. W. sei solches beschieden. Wer solches wohl beachten wird in seinem Herzen, der wird des Lebens Gerechtigkeit haben und wird wandeln dessen geraden Weg, der da führt voll Lichtes zu Mir! – Und so schreibe denn:

[HiG.03_42.08.16,01] 1. Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn Der ihn gesandt hat. Johannes 13,16.

[HiG.03_42.08.16,01] Wie ist demnach der heutige Knecht- und Apostelstand bestellt, da man den Knechten Altäre errichtet hat und ehrt die Apostel, als wären sie mehr denn Ich! Da man Mir ferner alle Gewalt nimmt und alle Ehre an sich reißt – und Ich sein muß, wie der Knecht und der Apostel es wollen, aber nicht daß sie wären nach Meinem Willen! Und betet doch dabei: Dein Wille geschehe! – Was etwa doch solches besaget? – Heißt das nicht Gott leugnen mit jeder Faser und Fiber?! –

[HiG.03_42.08.16,02] 2. Mein Joch ist sanft, und leicht Meine Bürde. Matthäus 11,30.

[HiG.03_42.08.16,02] Wie kommt es aber, daß sich die Menschen zur Gewinnung des Todes lieber ganze Berge auf ihren Schultern unter dem Drucke eines eisernen Joches wollen gefallen lassen, als nur eine Federflaume Meines Liebewillens? – Weil sie tot sind und daher nicht merken, wie und was sie drückt! – O der entsetzlichsten Tollheit der Welt!!! –

[HiG.03_42.08.16,03] 3. Des Menschen Sohn ist es, Christus, der da allein nur guten Samen säet. Matthäus 13,37.

[HiG.03_42.08.16,03] Dies beweist zur Übergenüge, wessen Geistes Kinder diejenigen sind, die da sagen: Was nicht von einer gewissen Stadt und nicht von einem gewissen menschlichen Oberhaupte herrührt oder wenigstens approbiert wird, ist ein Werk des Satans! – Wenn demnach des Menschen Sohn nicht tut nach dem Willen dieser Stadt, da Er es doch unmöglich tun kann, was ist Er sodann? – – – O Hure! Was treibst du mit Mir für ein arges Spiel?! – – –

[HiG.03_42.08.16,04] 4. Es werden nicht alle, die zu Mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern nur, die den Willen tun Meines Vaters im Himmel. Matthäus 7,21.

[HiG.03_42.08.16,04] So wird auch das Dominus tecum, das Dominus vobiscum und das Domine exaudi orationem meam, also weder das tecum, noch das vobiscum und am allerwenigsten aber das exaudi das Himmelreich bewirken! Das versteht sich von Meiner Seite betrachtet. – Ich meine aber, solches geht nur den Herrn der Welt an; – denn Ich sehe nur auf die Werke, aber nicht auf das Dominus tecum, – vobiscum und auf das leere exaudi! – – –

[HiG.03_42.08.16,05] 5. Wer den Willen tut Meines Vaters im Himmel, der ist Mein Bruder, Meine Schwester und Mutter. Matthäus 12,50.

[HiG.03_42.08.16,05] Daher wäre viel besser zu sagen: Amate fratres als orate fratres, wodurch das stumme Plappergebet dann als ein Werk der Liebe angesehen, alles andere Liebetun aber für nichts geachtet wird, außer allein die Rührung des Daumens und des Zeigefingers fürs Orate fratres! O das sind, das wären doch sonderbare Mütter, Schwestern und Brüder?! Wahrlich, die stehen mit Mir in gar keinem Grade der inneren Verwandtschaft! – –

[HiG.03_42.08.16,06] 6. Wer Meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der Mich liebt. Johannes 14,21.

[HiG.03_42.08.16,06] Das heißt: Wer die Liebe hat und bleibt in der Liebe getreu und beständig, der liebt sicher Mich und seinen Nächsten; denn das sind ja Meine Gebote, daß da die Menschen sollen Gott über alles und ihre Brüder und Schwestern aber wie sich selbst lieben. – Wie liebt aber da ein Bruder den andern, so er ihm ist Herr und ein Richter? – Wie aber kann er überhaupt lieben einen Menschen als Bruder, so er nicht zuvor den großen heiligen Vater erkennen und lieben will? Was ist ohne Den ein Mensch dem andern? Ich sage: Nichts als ein naturmäßig moralisch sein sollendes Lasttier, das da um den schlechtesten Sold dienen solle dem Reichen und dadurch auch Mächtigen, und dieser dann als ein Herr und Richter herrsche über ihn, den armen Bruder! Solche Herren und Richter aber halten doch sicher Meine Gebote nicht, so wie dann auch die moralisch sein sollenden Lasttiere nicht, da sie sind voll Ärgers, voll Neid und voll Rache gegen die, welche da sein wollen ihre Richter und ihre vollkommenen Herren über Leben und Tod. – O Greuel über Greuel! – Wahrlich, diese sollen nimmer das Angesicht des Vaters schauen im Himmel! – Und Ich werde nie zu ihnen kommen und Mich ihnen offenbaren! –

[HiG.03_42.08.16,07] 7. Darin wird der Vater geehrt, daß ihr viel Frucht bringet. Johannes 15,8.

[HiG.03_42.08.16,07] Was ist die Frucht, die da soll vielfach gebracht werden, worin besteht sie? – Die Werke der Liebe und aller Demut aus ihr sind diese Frucht, die da Mir gebracht werden solle. – Auf welchem Baume aber solle diese Frucht wachsen, so der ihr angehörige Baum der Liebe und des Lebens von der Wurzel aus vertrocknet und somit völlig ausgestorben ist?! – – –

[HiG.03_42.08.16,08] 8. Das gebiete Ich euch, daß ihr euch untereinander liebet (Johannes 13,34),

[HiG.03_42.08.16,08] aber nicht verurteilet und richtet – und dann mehr Freude habet, wenn ein Bruder, so er sich verirrt hatte, in eine gesetzliche Strafe verfällt, statt daß ihr euch seiner erbarmet und ihn setzen möchtet auf den rechten Weg. – Wahrlich, so Ich geboten hätte: Beraube einer den andern und schlage ihn dann tot, so würde solch ein Gebot sicher sehr vielen Beifall in aller Tätigkeit gefunden haben; aber nur lieben will niemand seinen Bruder und seine Schwester! O du überarge Welt! – Da wird viel des allerärgsten Feuers nötig sein, um dich von deiner Härte loszumachen! – – –

[HiG.03_42.08.16,09] 9. Wenn aber das Licht, das in dir ist, eine barste Finsternis ist, wie groß muß dann erst deine Finsternis für sich sein! Matthäus 6,23.

[HiG.03_42.08.16,09] Das heißt, so der Mensch schon das Falsche liebt, um dadurch einen desto freieren Spielraum für seine Bosheit zu bekommen, wie groß muß dann erst die Liebe zum Bösen selbst sein! – Sehet, das ist die gepriesene Weisheit der Welt, die aufgeklärte Vernunft: Regeln zu erfinden, damit unter ihnen der Mensch desto freier sündigen könnte! – Aber Meine Regel, welche da ist die Liebe, hält sie für läppisch und unwürdig eines Mannes, der da sein will ein vollkommener Schüler der Vernunft, welche die Liebe tadelt und Rühmliches redet über den Selbstmord! – O Welt! – O Greuel! – – –

[HiG.03_42.08.16,10] 10. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen. Matthäus 5,9.

[HiG.03_42.08.16,10] Wo sind wohl diese nun? Hinter den Kanonen, Schwertern und Spießen sicher nicht. – Wo aber lebt nun ein friedsames Volk, das da im Frieden der wahren Bruderliebe hinter Meinen Schutzwaffen miteinander lebte?! – Sondern, wo irgend ein Friede ist, da ist er nur aus Furcht vor den Kanonen, Schwertern und Spießen. O wie wenige leben daher nun auf der Erde, die da gerecht Kinder Gottes heißen möchten, wie wenig Selige! – Denn alles ziehet nun mit Waffen aus, entweder mit Waffen in der Hand oder mit spitzer und zweischneidiger Zunge! – Wo sind sonach die Friedfertigen, wo die Seligen, wo die Kinder Gottes?! – – –

[HiG.03_42.08.16,11] 11. Wenn das Salz dumm ist, womit soll man salzen? Lukas 14,34. Matthäus 5,13.

[HiG.03_42.08.16,11] Dieser Fragetext gilt vorzugsweise für die gegenwärtige Zeit, wo nahe alles Salz schal, taub und dumm geworden ist, indem man es nicht mehr aus den Bergen der Liebe gräbt, sondern es nur aus den Kloaken der Selbstsucht bereitet. Saget Mir doch, welchen Geschmack werden wohl die unreifen und unzeitigen Weltfrüchte mit diesem Salze gewürzt bekommen?! – Oder läßt jetzt nicht schon fast ein jeder Vater seine Kinder der einstig zu gewinnenden Selbständigkeit und des damit verbundenen Brotes wegen mit diesem Drecksalze ganz durch und durch salzen?! – Oh, es solle ihnen dereinst auch in Meinem Reiche Selbständigkeit für ewig in großer Fülle werden! – Auch Ich werde sie also selbständig und allein für sich zu stellen wissen, daß sich ihnen sicher nie etwas nahen wird. Denn Ich werde sie zu Statuen machen gleich dem Weibe Lots und sie dann stellen in ewig einsame verlassene Gegenden; da sollen sie ihr Salz der Selbständigkeit wahren unbeeinträchtigt für ewig! – Verstehet ihr nun das dumme Salz?! – – –

18. August 1842. Vormittag. (Kurze Schrifttexterklärungen, Fortsetzung)

[HiG.03_42.08.18,12] 12. Wenn du fastest, da salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, auf daß du nicht prunkest vor den Leuten mit deinem Fasten. Matthäus 6,17.

[HiG.03_42.08.18,12] Dieser vielsagende Vers taugt ebenfalls ganz besonders für diese Zeit, in der die Gleißnerei aller Art allenthalben den höchsten Gipfel erklommen hat. Einige laufen in die Kirchen, nur um als fromme Menschen gesehen zu werden und daß sie darum bei einem oder dem andern Geistlichen so recht in die Gnade kommen möchten, andere, um in der Kirche ein wenig faulenzen zu können, wieder andere, um allda in irgendeinem Kirchenwinkel mit ihren bestellten Liebhabern zusammenzukommen und sich da über eine oder die andere vorhabende Gelegenheit zu sündigen gegenseitig zu verständigen. Andere wieder, um mit einem Nachbarn oder einer Nachbarin die Menschen auszurichten oder zu sehen, mit was für Kleidern dieser und jener oder diese und jene angetan sind. Ein anderer geht wieder wegen seiner frömmelnden Anverwandten, um sich dadurch bei ihnen recht in die Achtung zu setzen, damit sie ihn dann lobten und ihn manchmal auch beschenkten. Mancher geht in die Kirche, um dadurch so manchem argen Verdachte, der auf ihm rastet, zu begegnen. Der Beste geht allenfalls mit einem halben Glauben, besser Aberglauben, in das Bethaus, um sich zwar seltener von Mir, aber dennoch von irgendeinem Heiligen einen zeitlichen Vorteil zu erbitten, – aber keiner, daß er Mir die Ehre gebe! –

[HiG.03_42.08.18,13] Ja, es gibt noch so manche Rücksichten, warum die Menschen in die Bethäuser rennen; nur Ich bin dabei am allerwenigsten der Grund, darum die Menschen in die Bethäuser laufen. – Siehe, das sind lauter ungewaschne Faster und haben kein gesalbtes Haupt! – Also fasten die Menschen auch wirklich nur aus Furcht vor Rom, aber aus Liebe zu Mir mag niemand fasten weder in einem noch im andern. Niemand will sich wahrhaft verleugnen, das Kreuz auf seine Schulter nehmen und Mir nachfolgen. Es will ein jeder nur scheinen, aber nicht sein, darum – da zum Weltdienste ja auch der Schein genügt. Wozu denn dann das beschwerliche Sein?! – Wozu die Salbung des Hauptes, und wozu die Waschung des Angesichtes? Denn der Welt genügt ja der Schein! – Ich bin ja ohnehin der Niemand dabei! – Doch es wird gar bald für jedermann die Zeit kommen, da die Ungewaschenen und Ungesalbten werden wie Spreu vom Weizen gesondert werden. Da wird der Schein von ihnen weichen, und in ihrer Nacktheit werden sie ins Feuer des Drachen geworfen werden. – Verstehet solches wohl!!! – – –

[HiG.03_42.08.18,14] 13. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! Matthäus 7,1.

[HiG.03_42.08.18,14] Ich meine, dieser Verstext steht jetzt mit noch so manchen anderen gerade also im Buche des Lichtes und des Lebens wie ein fünftes Rad am Wagen! – Wer dieses etwa übertrieben finden sollte, der beliebe nur die Millionen Weltgesetze und Verordnungen durchzugehen und dann noch die zahllosen gegenseitigen bürgerlichen Rücksichten, was alles vor den Weltgerichten abgehandelt, beurteilt und verurteilt werden kann und sogar, politisch genommen, muß, – so wird ihm das fünfte Rad am Wagen so klar werden wie die Sonne am hellen Mittage. Anderer gegenseitig richterlicher Rücksichten nicht zu gedenken, da ein Mensch dem andern ein stetiger Richter ist! – Sollte Ich etwa darum solche fünfte Wagenräder von Texten aus der Schrift löschen? – O nein, das wird nicht geschehen; eher sollen Himmel und Erde vergehen, ehe Ich auch nur ein Häkchen auslösche der Bosheit der Menschen wegen! – Es werden aber eben solche Texte dereinst die Menschheit richten und werden ihr verrammen den Weg zum Leben; daher nichts mehr weiter vom fünften Rade! –

[HiG.03_42.08.18,15] 14. An der Frucht erkennt man den Baum. Matthäus 12,33.

[HiG.03_42.08.18,15] Auch dieser Text gehört jetzt schon mehr in das Reich des fünften Rades am Wagen. Du fragst: Ja, wieso denn? So höre denn: Es ist allerdings wahr, daß man den Baum nur an der Frucht erkennt, ob er ein guter oder arger Baum ist. Sage Mir aber, woraus man dann einen solchen Baum erkennt, der da dumm ist und keine Früchte trägt? – Oho, wie bist du denn jetzt um eine Antwort verlegen?! – Siehe, ein Baum läßt sich ja auch aus den Blättern erkennen; denn also erkannte Ich Selbst den fruchtlosen Feigenbaum, welcher da der einzige war, den Ich verflucht habe, darum er keine Früchte trug denn allein die des Scheines zur Speise der Würmer und des Moders der Erde! – Siehe, auf diesem Baume stehet mit eherner Schrift geschrieben das Los der jetzt lebenden lauen, fruchtlosen Menschheit! Verstehet alle solches! – – –

[HiG.03_42.08.18,16] 15. Wessen das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Matthäus 12,34. Lukas 6,45.

[HiG.03_42.08.18,16] Siehe, das ist der wahre Richter. Nur fragt es sich auch hier in dieser Zeit: Von was geht denn der Mund dann über, wenn das Herz ganz leer ist zufolge der großen Lauheit der Menschen, die sogar zum Sündigen zu träge – durch das frühere zu fleißige Sündigen – geworden sind, geschweige, daß sie etwa dazu gar noch gute Früchte tragen sollen? – Siehe, das ist nun eine ganz andere Frage! – Es heißt auch: Nach deinen Werken wirst du gerichtet werden. Das ist einerlei; wie wird denn bei denen das Gericht dann ausfallen, die gar keine Werke haben? – Ich sage dir: Alles nach dem Scheine auf die Art des oben angeführten fruchtlosen Feigenbaumes; denn was tot ist, das ist ja auch schon gerichtet, es braucht da nichts als eines Fluches zur Vertilgung all der Schmarotzerpflanzen auf den edlen Fruchtbäumen! Verstehst du solches? O ja, du verstehst es! – – –

[HiG.03_42.08.18,17] 16. Ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreiche gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatze Neues und Altes hervorträgt. Matthäus 13,52.

[HiG.03_42.08.18,17] Warum denn? Weil es schon also von Ewigkeit her in Meiner Ordnung gegründet ist, daß da schon aus jeglichem Samenkorne sowohl eine frische Frucht wie ebenfalls wieder derselbe Same, wie er zuvor in die Erde gesäet wurde, zum Vorscheine kommt – und ohne den älteren Baum keine neue Frucht denkbar ist. Wenn irgend etwas entstehen soll, so muß ja doch ein Grund vorhanden sein. – Also ist ja auch ein älteres Wort der Grund zu einem neueren und eine ältere Lehre der Grund zu einer neuen, wie das Vorleben ist ein Grund des Nachlebens. Solches also fasse; denn danach wird Mein Wort beurteilt in seiner Wahrheitsfülle, ob es hat den wahren alten Grund! Verstehst du solches? – Ja, solches mußt du vorerst am meisten verstehen! –

[HiG.03_42.08.18,18] 17. Die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geiste und in der Wahrheit. Johannes 4,23.

[HiG.03_42.08.18,18] Das heißt, lebendig durch die Werke der Liebe! Denn niemand kann sagen: Vater unser, so er durch die Werke der Nächstenliebe nicht offen aus seinem Herzen dartut, daß er alle Menschen als seine Brüder und Schwestern ansieht. Wer aber demnach die Werke der Liebe tut, der ist es, der da im Geiste und in der Wahrheit den Vater anbetet! Verstehet solches gar wohl und gar lebendig tief! – – –

[HiG.03_42.08.18,19] 18. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. 2. Korinther 3,6.

[HiG.03_42.08.18,19] Das heißt, es nützet dir kein Wissen und kein Glauben ohne Tat! Was nützt einem Hungrigen ein Speisezettel? Ein Stück ordinärsten Brotes wiegt für ihn eine ganze Bibliothek voll der reichhaltigsten Speisezettel und Kochbücher auf! – Daher hängt das Leben nur am Werke selbst, nicht aber an der leeren Erkenntnis des Werkes. Solches also besagt dieser Vers! –

[HiG.03_42.08.18,20] 19. Die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,32.

[HiG.03_42.08.18,20] Wie und wann denn? – Wenn sie wird ein lebendiges Licht in eurem Herzen, welches dem Feuer der lebendig tätigen Liebe entstammt! – Und dieses Licht kann auch nur allein mit dem vollsten Rechte Wahrheit genannt werden, – sonst aber gleicht jede mit dem Verstande begriffene Wahrheit einer gemalten Frucht, die wohl recht schön fürs Auge ist, aber für einen hungrigen Magen ist sie eine pure Fopperei und so gut wie eine barste Lüge. – Verstehet es! – – –

19. August 1842. Vormittag. (Kurze Schrifttexterklärungen, Fortsetzung)

[HiG.03_42.08.19,21] 20. Wer seine Hand an den Pflug legt und zieht zurück, der ist nicht geschickt zum Himmelreiche. Lukas 9,62.

[HiG.03_42.08.19,21] Die Hand ist der Wille, der Pflug ist das Wort Gottes, das Himmelreich ist das liebwerktätige Leben nach dem Worte. So da jemand das Wort Gottes zwar wohl ergreift und tut auch zur Hälfte danach, aber zur Hälfte wendet er dasselbe ins Weltliche und sagt: Solange ich in der Welt lebe, so lange auch muß ich mit ihr leben. Daher kann ich auch nicht vollends brechen mit ihr, sondern bin ihretwegen ja doch genötigt, so manches mitzumachen des Scheines halber wenigstens, damit sie nicht dies oder jenes von mir denke oder gar laut sage! Denn man kann die Welt ja nicht anders machen, als sie ist, und so bleibt einem doch nichts übrig, als mit ihr das zu machen, was man gerade nicht als absolut schlecht erkennt. Im übrigen aber kann man bei sich ja dennoch tun und denken und glauben, was man will! – Siehe, solches aber heißt ja eben die Hand an den Pflug legen und ihn zur Welt zurückziehen, um von ihr nur nicht gekreuziget zu werden! –

[HiG.03_42.08.19,22] Es fragt sich aber: Wie aber wird bei dieser Ackerung der Acker für die Saat des Lebenssamens bestellet werden?! – Wahr ist es übrigens sicher, daß das Zurückziehen des Pfluges einen viel weniger Anstrengung kostet als das Vorwärtsschieben. Allein, wer solches tut, ist, wie es der Text aussagt, durchaus nicht geschickt zum Himmelreiche; denn bevor du der Welt nicht den letzten Heller, den du von ihr entlehnt hast, zurückgegeben haben wirst, wirst du nicht eingehen in das Reich der Himmel! Beachtet dieses wohl und seid vollkommene Ackerleute!

[HiG.03_42.08.19,23] 21. Das Schwerste im Gesetz ist die Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Matthäus 23,23.

[HiG.03_42.08.19,23] Sehet, das ist ein Hauptknoten, wer wird den entwirren, und wie? Denn strenggenommen schließt die Gerechtigkeit und die ihr fest angebundene Treue ja alle Barmherzigkeit aus, da gerecht handeln nichts anderes heißt, als dem Gesetze getreu handeln; während barmherzig sein soviel besagt, als jemandem das Gesetz erlassen. – Wie ist demnach aber das zu verstehen: Seid barmherzig, so werdet ihr auch Barmherzigkeit erlangen? – Wie kann jemand barmherzig und gerecht sein? – Ich sage euch: Nichts leichter als das; man sei gerecht gegen sich und barmherzig gegen den Bruder, so lebt man in der vollkommenen Ordnung Gottes und ist dadurch vollkommen gerecht, barmherzig und getreu. Solches ist wohl zu beachten und lebendig zu verstehen! –

[HiG.03_42.08.19,24] 22. Selig ist der Knecht, wenn der Herr kommt und findet ihn (seine Pflicht) tun. Lukas 12,37.

[HiG.03_42.08.19,24] Es fragt sich hier, was für eine Pflicht denn? – Nichts anderes als allein nur Meinen Willen, der da besteht einzig und allein nur in der anbefohlenen Liebe; wodurch dann im Geiste und in aller Wahrheit lebendig gebetet wird: Dein Wille geschehe! – Verstehet solches zum ewigen Leben! – – –

[HiG.03_42.08.19,25] 23. Man fasset Most in neue Schläuche, so werden beide erhalten (nämlich Most und Schlauch). Matthäus 9,17.

[HiG.03_42.08.19,25] Also kann das lebendige Wort auch nur in solche Herzen eingehen, welche durch die Selbstverleugnung vollends neu geworden sind. Würde es sich aber künden in den alten unratvollen und dadurch auch morschen Herzen, so würde es mit ihnen gerade das machen, was da macht der neue Most in den alten morschen Schläuchen – nämlich, daß er sie zerreißt und dann mit ihnen selbst zugrunde geht. Aus eben dem Grunde solle man auch nicht die Perlen den Schweinen vorwerfen. Solches ist ebenfalls äußerst wohl zu beachten. – – –

[HiG.03_42.08.19,26] 24. Die Weisheit rechtfertigt sich bei ihren Kindern. Matthäus 11,19.

[HiG.03_42.08.19,26] Also ist es treu und wahr. Aber darum sollen sich diese nicht kümmern, wenn sie von der Welt nicht verstanden werden; denn anders sind die Wege der Nacht und wieder viel anders die des Tages. Wer am Tage wandelt, der weiß, wohin er geht; aber die Gäste der Nacht rennen durcheinander wie Irrsinnige und weiß keiner, warum und wohin. – Daher solle sich der Tag nicht kümmern um das Urteil der Nacht; sondern der Tag rechtfertigt den Tag! – Solches sollet ihr auch recht wohl verstehen. – – –

[HiG.03_42.08.19,27] 25. Wer da hat, dem wird's gegeben, daß er in der Fülle hat. Markus 4,25. Matthäus 13,12.

[HiG.03_42.08.19,27] Das scheint fast wie eine Ungerechtigkeit; aber dem ist nicht also. Denn es heißt ja nur soviel als: So jemand seine kleine Kraft geübt hat und kann nun größere Lasten tragen, der wird dadurch nicht schwächer, sondern nur fortwährend stärker. – Wer aber seine kleine Kraft nie hatte üben wollen, der wird alsobald noch diese Kraft verlieren, sobald er sie verwenden wird zur Tragung einer wenn auch noch so geringen Last und wird gar bald erschöpft hinsinken in den vollen Tod. Daher auch übet ihr beständig all die Kräfte des Geistes, so wird er einst in der Fülle der ewigen Lebenskraft dastehen und wird auf seinen Schultern die größten Lasten Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung gar wohl zu tragen imstande sein. Also wird dem, der da hat, gegeben in der Fülle; wer aber nicht hat, der wird aber auch noch das verlieren, das er hatte von seinem Grunde aus. Verstehet ihr solches? – Ja, solches müßt ihr wohl verstehen! – – –

[HiG.03_42.08.19,28] 26. Johannes sagte zu Mir: Meister, wir sahen einen, der trieb Teufel in Deinem Namen aus, welcher uns aber nicht nachfolgete, und wir verboten es ihm darum, daß er uns nicht nachfolgete. Jesus aber sprach: Ihr sollet es ihm nicht verbieten; denn es ist niemand, der da eine Tat tue in Meinem Namen und möge bald übel reden von Mir. Lukas 9,49.50.

[HiG.03_42.08.19,28] Dieser Text sei dir allzeit eine Schutzwehr gegen alle Angriffe der Welt! – Denn wer nicht wider Mich ist, der ist für Mich. Solches wirst du wohl verstehen? – Nur eines tut not, und dieses eine ist Mein Salz und Mein Friede in euch! Verstehet es alle wohl Amen. Das sage Ich Jesus allzeit getreu und wahrhaftig Amen, Amen, Amen.

 

Über Matthäus 6,34. – 18. September 1842, nachmittags um 3 Uhr.

[HiG.03_42.09.18] „Darum seid nicht besorgt für den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird besorgt sein für das Seine. Genug, daß jeder Tag seine eigene Plage habe.“

[HiG.03_42.09.18,01] Also schreibe! – Dieser Text hat zwar zunächst nur eine natürliche Bedeutung; aber dessenungeachtet hat er dennoch einen tiefen himmlisch-geistigen Sinn, also wie jedes Wort, das aus Meinem Munde geflossen ist, da er auch aus Meinem Munde geflossen ist. –

[HiG.03_42.09.18,02] Was sonach dieser über alles zu beachtende Text in der natürlichen Hinsicht besagt, das lehrt dessen Buchstabensinn. Was er aber in himmlisch-geistiger Weise fasset, das ist endlos groß, und es wird euren Geist eine tüchtige Anstrengung kosten, nur einen kleinsten Teil desselben halbwegs zu erfassen!

[HiG.03_42.09.18,03] Ihr werdet sagen: Wie kann solches wohl möglich sein? – Denn wir haben ja doch schon so manches Schwere begriffen, – wie sollte denn gerade das also unbegreiflich sein?! – Ich aber sage: Nur Geduld! Einige kleine anspielende Proben werden euch davon alsogleich überzeugen, wie schwer der himmlisch-geistige Sinn dieses Textes zu erfassen ist für jene, welche noch nicht völlig in den Himmeln sind! –

[HiG.03_42.09.18,04] Es gibt zwar noch viele solche Texte, aber dieser gehört zu den schwersten, weil er pur die allerhöchste Weisheit zum Grunde hat. – Also – zur Probe:

[HiG.03_42.09.18,05] „Sorget nicht!“ heißt soviel als: Weissaget nicht. „Für den morgigen Tag“ heißt: für die allerhöchste Weisheit des ewigen Geistes aus Gott. „Denn der morgige Tag wird für das Seine sorgenö, das heißt: diese Weisheit benötigt keines Helfers. – „Es ist genug, daß da jeder Tag seine eigene Plage hat!“ Das heißt: Es genügt euch, daß da jedem mit der Liebe zum Vater erfüllten Geiste ein wohlgemessener Teil der Weisheit nach der Stärke seiner Liebe gegeben ist!

[HiG.03_42.09.18,06] Solches aber ist der leichter zu fassende Sinn. Aber höret nun einen andern, der also lautet: Kümmert euch nicht um die Fülle künftiger Ewigkeiten, denn sie sind schon erfüllt in Meinem Geiste; es ist genug, daß vor euren Augen die Gegenwart unendlich ist! –

[HiG.03_42.09.18,07] Sehet, dieser Sinn ist schon schwerer zu fassen in seiner Fülle. – Wir wollen aber die Bedeutungen noch tiefer verfolgen; und so achtet ferner, was alles der Text besagt.

[HiG.03_42.09.18,08] Solches aber besagt er ferner: Die Liebe trage keinen Kummer um die Weisheit; es ist genug, daß sich die höchste Weisheit um die Liebe kümmert; denn die Liebe ist ja der Grund aller Weisheit! – Sehet, das ist in der innersten Tiefe schon wieder schwerer zu erfassen.

[HiG.03_42.09.18,09] Ferner: Das Leben frage nicht nach dem Tage des Todes, denn der Tod sorgt schon für seinen Tag; euch aber genüge der Tag des Lebens! – Sehet, das ist schon wieder um vieles tiefer!

[HiG.03_42.09.18,10] Wir aber wollen noch tiefer dringen, und da lautet es: Brennet nicht am Tage das Öl in der Lampe, denn der Tag hat seine Leuchte; aber in der Nacht lasset das Öl nicht ausgehen und plaget euer Herz mit dem Schimmer der Lampe, damit in ihm nicht ausgeht die Leuchte zum Tage des Lebens! – Sehet, um wie vieles tiefer und schwerer schon wieder dieser Sinn liegt!

[HiG.03_42.09.18,11] Aber gehen wir nur noch etwas weiter, es wird schon noch besser kommen; und also heißt es ferner: Ein freies Wort suche nicht sein Wesen, denn Wort und Wesen sind Eins; es ist aber ja ohnehin jedem Worte sein Wesen eigen! – Verstehet ihr solches in der Fülle?! Solches wird wohl schwerhalten!

[HiG.03_42.09.18,12] Aber höret nur noch weiter! – Eine Gabe ist gerecht, wenn der Geber ein weiser Geber ist, seid daher nicht um die Gabe, sondern um den Geber besorgt; denn durch den Geber wird die Gabe geheiligt! – Sehet, das ist schon wieder um vieles tiefer!

[HiG.03_42.09.18,13] Ich will euch aber noch einen tieferen Sinn geben, damit ihr daraus die endlose Tiefe erschauet, welche in diesem Texte steckt; und so vernehmet denn noch, denn also lautet es ferner: Wollet nicht Richter sein am großen Rade der Unendlichkeit, denn es ist genug, daß da ein ewiger Richter ist; euch aber ist gegeben ein eigenes Rad – sehet, daß dieses im Geleise des Lebens verbleibt! –

[HiG.03_42.09.18,14] Sehet, also birgt bei solchen Texten immer ein Sinn den andern ins Unendliche fort, und jeder enthüllte Sinn hat wieder in sich, das heißt an und für sich wieder Unendliches. Darum kann ein solcher Text mit Recht schwer faßlich genannt werden, weil dessen Fülle unendlich ist.

[HiG.03_42.09.18,15] Daraus aber kann auch eben die reine Göttlichkeit und die große Wichtigkeit solcher Texte erkannt werden, wenn sie solch Unendliches in sich bergen! –

[HiG.03_42.09.18,16] Aus dem Grunde sollet ihr auch nicht die leichten Texte für leicht nehmen; denn je offener irgend der Buchstabensinn sich ausspricht, desto tiefer liegt der geistig-himmlische Sinn. Daher sollen solche Texte aber auch sorglichst selbst dem Buchstabensinne nach beachtet werden, damit durch sie der Geist lebendig werde für die Tiefen der Himmel! Solches bedenket überaus wohl – und Wer Der ist, der euch solches rät durch den Knecht, Amen. –

 

Das Gebet des Herrn. – 19. September 1842, Vormittag.

[HiG.03_42.09.19,01] Schreibe heute einen würdevollen Gegenstand, nämlich den Anruf in Meinem Gebete, der da lautet:

[HiG.03_42.09.19,02] Vater unser, der Du bist in dem Himmel!

[HiG.03_42.09.19,03] Solchen Anruf machen nun täglich Millionen Menschen, aber nur sehr wenige darunter bedenken, was sie damit sagen, und noch wenigere darunter beten solches im wahren himmlischen Sinne; und doch sollen sie ja solches im himmlischen Sinne beten, indem der Vater im Himmel ist, zu dem sie beten.

[HiG.03_42.09.19,04] Wie lautet aber demnach dieser Anruf im himmlischen Sinne? Es ist hier nicht der Ort, diesen Sinn durch Entsprechungen analytisch zu zerlegen, sondern zur Stelle will Ich euch nur in der rein himmlisch geistigen Weise zeigen – und zwar mit den natürlichen Worten, weil ihr des Geistes Sprache nicht verstehet –, wie solches aus dem Munde reinster Geister lautet. Und so höret denn, also lautet es:

[HiG.03_42.09.19,05] Ewige unendliche Liebe, die Du wohnest im Lichte Deiner Heiligkeit!

[HiG.03_42.09.19,06] Das ist eine Weise und ein Sinn! Aus diesem aber geht folgender noch tiefere Sinn hervor, und dieser lautet also:

[HiG.03_42.09.19,07] Leben alles Lebens, das da wohnet in unseren Herzen!

[HiG.03_42.09.19,08] Sehet, dieser Sinn liegt schon wieder tiefer! – Wir wollen aber noch weiter sehen, was da hinter diesem noch Tieferes steckt. Und so höret denn, also lautet es tiefer:

[HiG.03_42.09.19,09] Mensch der Menschen, der Du im Menschen wohnest!

[HiG.03_42.09.19,10] Sehet, um wie vieles tiefer schon wieder dieses ist! – Aber höret nur weiter, wie es wieder tiefer lautet:

[HiG.03_42.09.19,11] Wort alles Wortes, das Du wohnest in Deinem Grundwesen, und wir in ihm, und dasselbe in uns!

[HiG.03_42.09.19,12] Um wie vieles tiefer liegt schon wieder dieses! O beachtet solchen Sinn, denn in ihm wohnt die Fülle des Heiligen Geistes! – Höret aber nur weiter und tiefer, denn allda lautet es also:

[HiG.03_42.09.19,13] O unbegreifliche Mitte der Unendlichkeit in aller Liebe, Kraft, Macht, Gewalt und Heiligkeit, die Du allein umfassest Dein endlos Wesen!

[HiG.03_42.09.19,14] Weiter höret es mit offenem Herzen; allda lautet es:

[HiG.03_42.09.19,15] Ewiger unbegrenzter Gott, der Du wohnest im Geiste Deiner unendlichen Fülle und Klarheit!

[HiG.03_42.09.19,16] Sehet, welche Tiefe hier waltet, und doch hat diese auch selbst hier noch kein Ende, sondern die Tiefen der Tiefen steigern sich auch hier ins Unendliche, so daß ein jeder noch so allervollkommenste Engel stets einen neuen und tieferen Anfang darinnen erschauet, und sieht auch, daß da in jedem tieferen wieder an und für sich Unendliches liegt, welches in alle Ewigkeit nicht in der Fülle wird erfasset werden!

[HiG.03_42.09.19,17] Nun denket aber einmal über euch, so ihr diesen Anruf samt den darauf folgenden Bitten oft genug ganz maschinenmäßig herplappert, was sich dabei wohl die Engel denken müssen, die da gar wohl wissen und einsehen, daß sie mit dem alleinigen Anrufe in Ewigkeiten nicht fertig werden können in der Tiefe der Tiefen, – und was dann erst Ich, auf den dieser Anruf gerichtet ist?! – O ihr noch stark Toten, daß euch solches noch nie eingeleuchtet hat!

[HiG.03_42.09.19,18] Wachet nun auf, und rufet im Geiste und in der Wahrheit: „Vater unser, der Du bist in dem Himmel!“ – so werdet ihr das Leben finden in der Tiefe wie in der Höhe; denn in diesem Anrufe selbst liegt ja schon das ganze Gebet, und gleichet jede Bitte demselben.

[HiG.03_42.09.19,19] Daher denket in Zukunft, was und wie ihr betet, so wird euer Gebet erhört werden! Solches also verstehet wohl für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten Amen. – – –

 

Folge Mir, willst du leben! – 17. Dezember 1842. Vormittag.

[HiG.03_42.12.17,01] Solches magst du dem N. N. kundgeben aus Meinem Munde: Mir ist überaus ärgerlich zu sehen, so ein Mann des Weibes Wort über sich kommen läßt. Wer sein Weib, seine Kinder, ja sogar seine Eltern mehr liebt denn Mich, der ist Meiner nicht wert! – Wie magst du Mich aber wollen mit der Welt einherziehen? Bin Ich nicht mehr denn alle Welt? – Wie kann dir noch der Welt Unflat behagen, so Ich dir Kost aus allen Himmeln darreiche? – So Ich dir rate und die Welt dir rät und du folgst dem Rate der Welt, was bin Ich da wohl dir? Siehe, entweder einer, der nicht ist, – oder einer, dem nicht zu trauen ist, also ein Lügner!

[HiG.03_42.12.17,02] Wenn Ich dir helfen will, da muß Ich dir, wie jetzt, den Dreck der Welt segnen, damit du nicht verderbest! Ist solches aber auch löblich von dir? – Und doch läßt du Mich stets also handeln mit dir und zwingst Mich, für dich aus der Welt Dreck heilsames reines Gold zu machen!

[HiG.03_42.12.17,03] Du weißt wohl, wie gut und langmütig und geduldig Ich bin, so tust du solches. Aber Ich sage dir, auf diesem Wege wirst du wenig lebendige Schätze finden, denn siehe, Ich dulde gar vieles; aber glaube es Mir, in dieser Meiner Duldung ist gar wenig Leben vorhanden!

[HiG.03_42.12.17,04] Ich dulde auch dein Weib, das Mir ärgerlicher ist denn Iskariot, aber es ist trotz dieser Meiner Duldung gar lange vom Grunde aus tot, – und dennoch magst du sein Wort über dich erheben lassen und in großer Furcht sein Meinetwegen vor ihm! – O siehe, was das für Dinge sind!

[HiG.03_42.12.17,05] Ich sage dir aber nun: Habe acht, daß Mir dein Weib nicht schade! Werde ein Mann und kein Weichling deines Weibes! Wende gänzlich ab dein Angesicht von ihrem Weltgotte und verberge wohl Meine Sache vor des Weibes und aller deiner verdorbenen Kinder Augen, – sonst wird sich aus der Brust des Weibes ein Orkan erheben, der Meiner Sache bedeutend nachteilig sein könnte und Mich endlich nötigen würde, einen gewaltigen Strich durch ihre Rechnung zu machen! –

[HiG.03_42.12.17,06] Du bist am Scheidewege – also zwischen Mir und der Welt. Du hast den freien Willen – folge Mir oder der Welt! Bis jetzt bist du der Welt gefolgt und hattest Meinen Rat, nun aber hast du der Welt Rat, so folge Mir, willst du leben! Verstehe es wohl amen. – –

 

Mein Rat ist kein Gebot und zwingt niemanden. – 16. Januar 1843, abends.

[HiG.03_43.01.16] Auf eine Anfrage Ans. H. wegen Übersiedelung.

[HiG.03_43.01.16,01] Also sage Meinem Freunde, darob er sich fragend an Mich gewandt hat: Mein Rat ist kein Gebot und zwingt daher niemanden zu irgendeiner Handlung; aber dessenungeachtet soll ihn der, dem er zuteil ward, nicht zu leicht nehmen, wenn er wahrhaft glücklich fahren will.

[HiG.03_43.01.16,02] Ich habe schon zu mehreren Malen Mein gerechtestes Mißfallen über alles Stadtleben in jeglicher Hinsicht dargetan. Ich habe gezeigt, wie die Städte nun bereits ohne Ausnahme im vollkommensten Antichristentume leben und nirgends mehr in denselben etwas anderes wohnt als: Eigenliebe, Geiz, Neid, Betrug aller Art, Hurerei aller Art, Geilheit, Sinnlichkeit, Wucher, Fraß, Völlerei, Verderbtheit aller besseren Sitten und überhaupt aller Art Laster unerhörter Weise!

[HiG.03_43.01.16,03] Was ist da wohl natürlicher, als daß Ich von solch einer gemeinschaftlichen Wohnstätte alles Lasters Mein Angesicht gar ehest wegwenden werde, ja ganz gewiß völlig wegwenden werde, und werde ein starkes Gericht über solch eine Satanswohnung ergehen lassen! – Ob es da geheuer sein wird zu bleiben, das magst du, Mein Freund, nun selbst beurteilen!

[HiG.03_43.01.16,04] Daher sage Ich dir: Ziehe dich gar ehest der Stadt entlang, verlasse die Wohnung des Lasters, denn Ich will sie gar ehestens heimsuchen mit großer Teuerung, mit großer Finsternis will Ich sie schlagen und will sie ganz in alle Hurerei übergehen lassen, auf daß sie ersticke im Schlamme der Nacht und ihres Mir gar ärgerlichsten Weltlebens.

[HiG.03_43.01.16,05] Also rate Ich dir, aus der Stadt zu ziehen; aber Ich gebiete es dir mitnichten. Ich meine aber, so jemand von Mir weiß, daß es in einem Hause darum nicht mehr geheuer ist zu verbleiben, da ihm der nahe Einsturz drohe, so ist er ein großer Tor, wenn er dem Rate Dessen nicht folgen will, der es nur zu gut weiß, welch eine Bewandtnis es mit dem Hause hat!

[HiG.03_43.01.16,06] Also führte Ich ja auch das israelitische Volk aus Ägypten, denn Ich wußte es ja, wie es mit diesem Lande stand. Also mußte Lot aus der Stadt, denn Ich wußte es, wie es mit der Stadt stand. Also ließ Ich die Meinen auch alle eher aus Jerusalem entfliehen, als Ich sie richtete, diese alte Ehebrecherin.

[HiG.03_43.01.16,07] Siehe, also ist allezeit Mein Rat beschaffen; wer ihn befolgt zur rechten Zeit, der wird vom Gerichte nicht gestreift werden, – denn dieses wird kommen wie ein Blitz ganz unerwartet!

[HiG.03_43.01.16,08] Aber du fragst: Wohin solle ich – Dir, o Vater, wohlgefällig übersiedeln? – Ich sage dir nicht: Siehe, dahin oder dorthin! Dahin du den Sinn hast, dahin ziehe auch, und Ich werde, dich segnend, bei dir sein und ziehen mit dir! – Ob das Land Kärnten das rechte ist, frage nicht; so du aber dahin ziehst, werde Ich bei dir sein.

[HiG.03_43.01.16,09] Aber im Steierlande sollst du dich nicht leichtlich irgendwo ansiedeln, dessen Herz die Stadt ist, da du wohnst; denn wie das Herz, so auch der Leib!

[HiG.03_43.01.16,10] Kärnten, die Schweiz und Württemberg aber sind noch immer die besten Lande. Tirol wäre auch so übel nicht, wenn die Täler nicht so voll der Nacht wären, – aber besser ist es um vieles denn die Steiermark und andere Lande Österreichs. Darum will Ich es auch noch verwahren eine Zeitlang vor der kommenden Pestilenz!

[HiG.03_43.01.16,11] Was aber sollst du deinen reichen Anverwandten sagen, so sie dich fragten, warum du solches tätest? – Fürs erste bist du ein Herr deines Willens und kannst tun, was du willst; fürs zweite aber ist es besser, auf Mich denn auf die Verwandten zu hören! – Lasse den Toten den Toten begraben, du aber folge Mir!

[HiG.03_43.01.16,12] Zur Zeit aber, wann du Meinem Rate zu folgen gedenkest, werde Ich es dir schon buchstäblich geben, was du zu sagen hast, und es wird dich niemand hindern an deinem Mir wohlgefälligen Unternehmen. Verlängere aber nicht zu sehr den Termin; denn Mein Geschütz ist geladen und wohlgerichtet!

[HiG.03_43.01.16,13] Ich werde aber auch Meine anderen Freunde beschützen. Wie? Das weiß Ich! – Also beachte diesen Rat, so du willst amen. – –

 

Dr. David Friedrich Strauß. – 18. Januar 1843, abends.

[HiG.03_43.01.18,01] Siehe, solches ist vorderhand nötig zu wissen, was der Mann ist, da es sich darum handelt, diejenigen Texte Meines Buches näher zu bestimmen, an denen ebendieser Mann den widersprechenden Anstoß nimmt und die Ungöttlichkeit Meines Wortes zu beweisen strebt.

[HiG.03_43.01.18,02] Es gibt wohl derlei Texte noch in großer Menge in Meinem Buche, die der Mann als Waffe gegen Mich gebraucht. Allein wir werden an den Texten, welche schon vorbereitet daliegen, zur Genüge haben, um das Wesen unseres Gegners ganz zu erschauen und somit auch seinen großen Irrtum.

[HiG.03_43.01.18,03] Du aber fragst: Wer ist Strauß, und warum tut er solches? – Also merke, Ich will es dir kundtun!

[HiG.03_43.01.18,04] Strauß ist ein Prophet der Zeit und ein Prophet der Welt; ein Baumeister ist er, der aus Edelsteinen ein großes Gebäude auf dem Flugsande der Welt – ja ein solches Gebäude erbauen will, das da der Ewigkeit trotzen soll. Aber welch ein Widerspruch, welch eine Torheit das ist, das wird sich eben aus den nachstehenden Texten gar klärlich dartun. – Der Mann wird sich verbauen, er wird seine Torheit einsehen; wenn da kommen werden Regen und Winde, so wird sein Prachtgebäude untergehen! Aber auf dem Sande werden dann viele Sucher die edlen Steine finden, werden sie tragen auf die Felsen und werden aus ebendiesen vorgefundenen Edelsteinen unter Meiner Leitung ein solches Prachtgebäude aufführen, welches dann allen ewigen Zeitenstürmen trotzen wird!

[HiG.03_43.01.18,05] Siehe, also mußte auch ein Strauß kommen, einer der größten Gegner Meines Wortes, darum Mein Heiligtum bis zum letzten Häkchen möchte bekämpft werden und möchte der Nacht die äußerste Grenzlinie bestimmt werden, auf daß nun alle gelehrte Welt erschaue, wie groß da ist der Horizont ihrer Erkenntnisse, und sie gründlich und buchstäblich sage: Bis hierher und nun nicht mehr um ein Haar weiter! – Also ist Strauß ja auch ein notwendiger Prophet!

[HiG.03_43.01.18,06] Es gibt aber schon eine Menge Sammler der Edelsteine auf dem Flugsande dieses Propheten, und es steht schon nahe vollendet ein anderes Gebäude auf einem starken Felsen! – Daher lassen wir diesen Mann in seiner Sphäre; er ist uns nötig, denn er streut zuvor den Samen der Nacht aus. Dieses Unkraut wird gesammelt werden und soll verbrannt werden auf unserem Acker, damit dieser durch dessen Asche gedüngt werde auf das vorteilhafteste.

[HiG.03_43.01.18,07] Nun wirst du hoffentlich wissen, wer der Strauß ist und warum er solches tut! Da du aber nun solches weißt, so ärgere dich nicht seinetwegen, denn auch er ist ein Arbeiter für Mich und muß es sein, weil er es sein muß! – Verstehe solches sonach gar wohl amen.

20. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

[HiG.03_43.01.20,00] 4. Buch Mosis, 22. Kapitel, Verse 28-30 ff.

[HiG.03_43.01.20,08] Wer mag dieses Bild wohl verkennen? – Wer ist der Prophet Bileam? Und wer seine ihn zuvor allzeit willig tragende Eselin?

[HiG.03_43.01.20,09] O wie klar liegt solches doch vor jedermanns Augen, und doch mag es niemand recht erkennen! – Siehe, Bileam bezeichnet alle naturmäßige Gelehrtheit der Welt, und die Eselin bezeichnet die Natur, auf welcher alle diese Gelehrten reiten.

[HiG.03_43.01.20,10] Solange die Gelehrten diese Eselin reiten, ihres weltlichen und eigentlich naturmäßigen Zweckes willen, da ist dieses Lasttier stets geduldig. Wollen sie aber auf diesem Lasttiere schmählich sich in das innere geistige Heiligtum wagen, da wird diese Eselin stätig. Und so sie solches mit Gewalt erzwingen wollen, so wird die Eselin auch sogleich redend und spricht: Was habe ich euch getan, darum ihr mich also mißhandelt und wollet von mir erzwingen, was da unmöglich ist?! – Ihr möget mich ja zerstören und zu Atomen zermalmen, so werdet ihr es über mir doch nicht um ein Haar weiterbringen; denn nicht ich, sondern die Kraft Gottes stellt sich hier euch entgegen und läßt euch nicht weiter, weil ihr tut, was da ist wider Seine göttliche ewige Ordnung! – Ist es nicht also?

[HiG.03_43.01.20,11] Was tut Strauß oder der allereigentlichste Prophet Bileam dieser Zeit? – Er reitet eben auf dieser Eselin, um Mich vor Meinem Volke zu verdächtigen allerorts. Er will das Lasttier, die naturmäßige Erde, zwingen, daß sie ihm dazu dienen solle, auf daß er Mich und alle Meine Offenbarung zugrunde richte! – Aber dieses sonst geduldige Lasttier spricht zu ihm: Bis hierher und um kein Haarbreit mehr weiter! – So du aber verkündigen willst die Ehre Gottes, so werden dir die Augen aufgetan werden, und dein Lasttier wird dich tragen dahin, da du reden wirst von deinem Lasttiere das Wort Gottes und wirst verkündigen Seine Ehre! –

[HiG.03_43.01.20,12] Bileam verstand sein Lasttier, – aber Strauß, der große Gelehrte, versteht es noch nicht! – Er wird es aber auch so lange nicht verstehen, solange er ein naturmäßiger Reiter des naturmäßigen Buchstabens bleiben wird. Wenn er aber bedenken möchte, daß die Natur in sich auch noch ganz andere Kräfte birgt, welche von keiner äußeren Form enthüllt werden können, so dürfte es ihm dann ja auch wohl klar werden, daß da hinter der Buchstabenform des Wortes Gottes auch wohl sicher noch etwas anderes verborgen liegt, als allein die für ihn ersichtliche tote Form!

[HiG.03_43.01.20,13] Ich meine aber, es wird auch für ihn noch einmal die Zeit kommen, wo er sein stätiges Lasttier gleich einem Bileam verstehen wird! Verstehet ihr nun solches? – – –

21. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

[HiG.03_43.01.21,00] Das Buch Josua, 10. Kapitel, Verse 12-14.

[HiG.03_43.01.21,14] Wenn so manche Gelehrte mit der Eselin Bileams besser umzugehen verstünden, so würde dieses geduldige Lasttier ihnen auch hier den gehörigen Aufschluß gar verständlichst redend geben, – aber dieses Tier ist nun unter dem gar groben Knittel des neuen, allereigensinnigsten Propheten sogar maulstätig geworden und läßt sich lieber zu Tode abknitteln, als das Maul aufzutun!

[HiG.03_43.01.21,15] Ich aber frage: Wer hat denn die Sonne und den Mond und die Erde gemacht? – Und wer hat ihnen die Bewegung gegeben? – Wer hat alle diese Gesetze in die Weltkörper gelegt? Ich setze aber den Fall, ein solcher gelehrter Prophet käme in die Werkstätte eines Mechanikers, der da gerade das Pendel einer astronomischen Uhr auf eine dem Gelehrten noch unbekannte Weise eine Zeitlang zum Stehen brächte, da meine Ich, es könnte wohl nichts Alberneres geben, als so der Gelehrte zum Mechaniker sagte: Freund, wie kannst du solches tun und magst das eigentlich sich bewegende Pendulum nicht da zum Stillstande bringen, wo es sich zumeist bewegt, sondern greifst dafür nur ganz geheimnisvoll in das bei weitem ruhigere Werk und bringst also auf eine mir unerklärliche Weise das eigentlich sich bewegende Pendulum zum Stillstande?! –

[HiG.03_43.01.21,16] Was würde der Mechaniker einem solchen allwissend sein wollenden Gelehrten wohl für eine Antwort geben? Besonders, wenn dieser ihm darob alle mechanische Kenntnis wollte streitig machen, da der Mechaniker einen dem Gelehrten völlig unbekannten Kunstgriff tat, um das Pendulum zum Stillstande zu bringen. – Er würde den Gelehrten entweder mitleidig bedauern oder würde ihm die Türe weisen! Ich meine aber, so gut der Mechaniker sein Werk kennt, so gut werde Ich wohl auch das Meine kennen und kann daher gar wohl in die Sonne greifen und dabei aber dennoch das sich um die Sonne bewegende Pendulum Erde auf eine Zeit zum Stillstande bringen, ohne daß dadurch die andere Schöpfung nur im geringsten beirrt wird.

[HiG.03_43.01.21,17] Es heißt aber ja im 14. Verse: „Und es war niemals zuvor und darnach ein so langer Tag gewesen, als da der Herr der Stimme eines Menschen gehorchte; denn der Herr stritt da für das israelitische Volk.“

[HiG.03_43.01.21,18] Heißt aber das nicht soviel als: Der Herr tat in Seiner Schöpfung der Unkenntnis mit der Ordnung der Weltkörper eines Menschen Genüge und erfüllte in der Erscheinlichkeit den Wunsch eines Menschen, der nicht wußte, was er sprach!

[HiG.03_43.01.21,19] Ich meine aber, wenn der neue Bileam alles so schlecht aus Meinem Worte für Mich bemessen kann, da könnte er ja auch also messen, wie Ich es jetzt gezeigt habe?! – Ja, er könnte es wohl, aber sein Lasttier ist stätig geworden; darum ist er auch blind in Meiner Sphäre! –

[HiG.03_43.01.21,20] ‚Sonne‘ aber bezeichnet auch die Weisheit und der ‚Mond‘ die Liebe!

[HiG.03_43.01.21,21] Allein Strauß nimmt ja nichts Geistiges an; daher wollen wir ihn auch mit dem inneren Sinne dieser Texte verschonen! Verstehet solches also auch ihr wohl, selbst im Sinne des Buchstabens amen. –

23. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

[HiG.03_43.01.23,00] 2. Buch Mosis, 11. Kapitel, Vers 2, und 12. Kapitel, Vers 36.

[HiG.03_43.01.23,22] Hier frage man den gelehrten Mann, woher denn die Könige und Fürsten das Recht haben, Steuern von ihren Untertanen zu verlangen und woher die Priester den Zehnten? – Warum soll der rechte Staatsbürger denn geben dem Kaiser, was dessen ist, und Gott, was dessen ist? Warum heißt es denn: Seid der weltlichen Macht untertan; denn es besteht nirgends eine Macht, außer in Gott. So aber einem ist Macht gegeben, so ist sie ihm ja aus Gott gegeben, mag sie nun so oder so beschaffen sein! – Wie mag demnach solches wohl den Mann beirren?!

[HiG.03_43.01.23,23] Ich meine aber, daß das, was der Herr tut und getan hat, doch recht getan sein sollte, indem der Herr doch sicher ein vollkommener Herr ist und somit ganz allein der vollkommenste Inbegriff allen Rechtes über alle Dinge und über alle Seine Geschöpfe?! – Sollte etwa dagegen der Mann auch etwas einzuwenden haben? So ein Nachbar zum andern sagte: Freund! Ich verlange von dir jährlich ein Drittel deiner Ernte! – Was wird da der Nachbar wohl sagen? – Ich sage, er wird dem also Fordernden gar übel begegnen und wird ihn gar ernstlich fragen: Mit welchem Rechte verlangst du solches von mir?! Ziehe ab mit solcher Forderung, so du von mir nicht willst verderbet werden!

[HiG.03_43.01.23,24] Wenn aber der Monarch ein Gebot veröffentlichen läßt, das da lautet: Ein jeder meiner Untertanen muß mir künftighin die Hälfte seiner Ernte abtreten; wer sich dagegen sträuben wird, der solle als ein Meuterer behandelt werden, und wer da nichts geerntet hat und hat doch Haus und Grund, dem solle alles weggenommen werden, damit ich zu meiner Hälfte komme! – warum spricht denn hier der Untertan nicht also, wie er ehedem gesprochen hatte zu seinem Nachbarn? Du antwortest: Weil solches der mächtige Landesherr gebietet.

[HiG.03_43.01.23,25] Gut – so aber der Landesherr durch seine Macht ein Recht hat, sein Volk unmäßig zu besteuern, und es getraut sich niemand, ihm ein solches streitig zu machen, da es in brüderlich menschlicher Hinsicht doch offenbarst ungerecht ist, allda ernten zu wollen, wo man doch ewig nie einen Kern ausgestreut hatte, – da meine Ich, daß dem Schöpfer aller Dinge doch eher ein Recht zukommen dürfte, den Israeliten zu sagen, daß sie das Gold und Silber der übermütigen Ägypter nehmen sollen, indem sie ehedem diesen gar lange haben fronen müssen, als da ein Feldherr das Recht hat, eine eroberte Stadt zu plündern?! – Daher möge sich der Mann über Meine ewigen Alleinrechte eher besser bescheiden lassen und dann erst urteilen, ob Meine Führungen göttlich oder nicht göttlich sind! –

[HiG.03_43.01.23,26] Übrigens besagen aber die goldenen und silbernen Gefäße auch noch ganz etwas anderes, – allein solches ist nicht für unseren Mann, daher bloß nur das Schwert des Buchstabens Amen! – – –

25. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

[HiG.03_43.01.25,00] 2. Brief an die Korinther, 11. Kapitel, Verse 13-15.

[HiG.03_43.01.25,27] Solches ist auch gut für die Dr. Strauße.

[HiG.03_43.01.25,28] Siehe, kurzweg gesagt, ist auch gut gesagt! – Strauße, alle gewinnsüchtigen Priester, je höheren Weltranges, desto ärger, und das von was immer für einer Konfession, dann alle eigennützigen und dadurch herrschsüchtigen Gesetzgeber und Machthaber nach demselben sind lauter solche Afterapostel und gar sehr betrügende Arbeiter in Meinem Weinberge. Gestalten sie sich auch von außen, als wären sie Meine Apostel, so sind sie aber dennoch nichts anderes als reißende Wölfe in Schafspelzen – oder noch mehr verdolmetscht: sie sind Satane, die sich eines sichereren Fanges wegen zu äußeren Engeln des untrüglichen Lichtes gestalten. Und es ist dann ja auch nichts Sonderliches, daß die Diener in der Sphäre ihrer auszuübenden Gerechtigkeit gleich sind ihren Herren! – Ich aber sage: Ihr Lohn wird sein nach ihren Werken!

[HiG.03_43.01.25,29] Wer aber ist besser aus dem Terno? – Siehe, Strauße sind besser bei sich, denn die Priester und Gesetzgeber; denn Strauße verlangen nichts für ihr Licht und für den angerichteten Schaden, die andern aber verlangen dafür noch einen mächtigen Tribut!

[HiG.03_43.01.25,30] Wer da Arges tut, ohne das Arge zu sehen, der ist nur ein blinder Führer des Blinden, und sein Gericht wird mäßig sein. Wer aber da sein will ein Sehender und führt den Blinden ins Verderben, tötet ihn und beraubt ihn dazu noch seiner kleinen Habe – das wird etwa doch wohl ein arger Satan sein?! –

[HiG.03_43.01.25,31] Ich meine, dieses Wenige mag dir wohl genügen, denn es ist leicht zu fassen, wie Ich es meine! – O Priestertum, o Gerechtigkeit! Du große Trübsal der Welt bis ans nahe Ende! Dein Lohn wird groß sein amen. – – –

26. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

[HiG.03_43.01.26,00] Evangelium Johannes, 7. Kapitel, Verse 3-5.

[HiG.03_43.01.26,32] Solches taugt für das Prophetentum des Dr. Strauß.

[HiG.03_43.01.26,33] Siehe, so der Herr nicht tut nach dem Sinne, besser Unsinne der Menschen, so mag niemand an Ihn glauben. – Sagen nicht auch jetzt die Brüder, mehr als zu Meiner Zeit, zu Mir: Mache Dich auf von dannen, ziehe nach Judäa, auf daß auch die Jünger sehen die Werke, die Du tust! – Wer tut denn etwas im geheimen, so er will offenbar werden? Du tust aber solche Werke, so tue sie vor der Welt, auf daß auch Deine Jünger glauben an Dich!

[HiG.03_43.01.26,34] Wer sind denn die Brüder? Ein jeder, der an Mich glaubt und hört Mein Wort, der ist Mein Bruder; denn auch Ich habe ja das Menschliche darum angenommen und wollte daher und daraus geboren werden, daher und daraus ein jeder andere Mensch geboren wird.

[HiG.03_43.01.26,35] Glauben diese Brüder aber völlig an Mich? – Nein, sie glauben nicht! – Warum glauben sie aber nicht? – Weil Ich ihnen als Gott und Schöpfer wollte ein wahrer Bruder sein, und weil Ich als solcher nicht tue nach ihrem Unsinne, darum Ich die höchste Weisheit bin von Ewigkeit! –

[HiG.03_43.01.26,36] Was verlangen aber dennoch die Brüder von Mir? – Sie verlangen, daß Ich Mich als Gott vor allen Schweinen der Welt manifestieren solle! Und tue Ich solches nicht, so wollen sie Mir nicht glauben und sagen: Was solle es da mit solch einem Gott, der sich nicht ans Tageslicht getraut und zieht sich beständig zurück wie der Fuchs in sein Geschleif? Sind denn nicht alle Menschen Seine Geschöpfe? – Warum treibt Er denn Sein Wesen nur mit Einzelnen und achtet der Gesamtheit nicht? – Warum geht Er denn nicht dorthin zu den Mächtigen, zu den Hohenpriestern, die Er doch bis jetzt im Wohlstande geduldet hat, sondern schleicht wie ein Furchtsamer in den verborgenen Schlupfwinkeln herum, macht da Fischer und allerlei anderes nichtssagendes Sündergesindel zu Seinen Freunden und Brüdern und will wirken mit ihnen? Aber diejenigen, die Er unter Donner, Blitz und Erdbeben unter Moses zu Seinen Dienern gemacht hat, läßt Er nun sitzen, verachtet sie wohl gar, schimpft über sie und weicht ihnen aus, wo Er nur kann! –

[HiG.03_43.01.26,37] Sehet, das ist der alte Vorwurf, und Strauß samt der ganzen ungläubigen Welt machen Mir stets den gleichen Vorwurf! Und dennoch will Ich Mich nicht ändern – findet ihr das nicht sonderbar? – Ich rede mit einem aus euch, ja mit einem Sünder beständig und mag mit den anderen nicht reden – ist das nicht wieder sonderbar? – Mir sind die armen Lumpen lieber als die honetten Reichen, die da sind eine wahre Weltehre und Glanzzierde! – Ist das nicht sonderbar? – Mir ist die Magdalena lieber als die züchtigste Klostervestalin! – Ist das nicht sonderbar?

[HiG.03_43.01.26,38] Ja, es gäbe noch eine Menge solcher Sonderbarkeiten, aber was nützt es, darüber zu räsonieren, so Mir ein Kind lieber ist als der gelehrteste Strauß! Ich bin denn einmal also und nicht anders. Wem Ich so nicht zusage, der soll Mich anders machen, wenn Er kann. Ich aber werde schon für ewig so in dieser Verfassung verbleiben. Warum? Weil es Mir gerade so am besten gefällt. –

[HiG.03_43.01.26,39] Solches verstehe ein jeder Strauß amen.

27. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

Die Welt und der Zeitgeist.

[HiG.03_43.01.27,00] Daniel, letzte Zeit, der Antichrist, 11. Kapitel, ins 12. Kapitel übergehend, Verse 37 und 38.

[HiG.03_43.01.27,40] Auch hier wollen wir uns kurz fassen und zeigen mit wenigen Worten, wie es mit der Sache steht. Wer ist der König und wer der Gott ‚Mäusim‘? – Der König ist die Welt, und der Gott Mäusim ist der sogenannte Zeitgeist! – Wieso denn, sagest du. – So sehe denn hin und urteile selbst, ob es nicht also ist!

[HiG.03_43.01.27,41] Achtet die gegenwärtige Menschenwelt eines Gottes? – Ich sage dir, nicht einmal der bessere Priester ohne Geld, das heißt, ohne Gold und Silber! – Wie sieht es denn mit der Frauenliebe aus? – Sage Mir, welche noch so gottesfürchtige und züchtige und dabei auch noch weiblich reizend schönste Jungfrau hat denn noch vor den Weltmännern einen Wert ohne Geld? Wer nimmt eine arme Dirne zum Weibe? Wenn sie will eine Hure machen, so wird sie bezahlt für die Entblößung, und will sie das aus Liebe zu Mir nicht, da wird sie als eine Irrsinnige betrachtet und ist vor den Augen der Welt verächtlich.

[HiG.03_43.01.27,42] Siehst du nun ein, daß der König richtig bezeichnet ist? Und sein Gott, der Zeitgeist, lehrt den König Gold, Silber, Edelsteine und andere Kleinodien (geldeswerte Gegenstände) zu suchen und ihn mit denselben zu ehren! –

[HiG.03_43.01.27,43] Was aber ist die Wesenheit dieses Gottes? – Solches besagt schon sein Name ‚Mäusim‘, nämlich: Meineid, Eigenliebe, Selbstsucht, Ruhm, Pracht, Herrschsucht, Stolz, Verachtung alles dessen, was der Selbstsucht zuwider ist! Kennst du nun den Gott?! – Siehe, also ist er nun buchstäblich da vor deinen Augen!

[HiG.03_43.01.27,44] Du sagst: Ja, o Herr, also ist es richtig bis auf ein Haar vor unseren Augen; aber was hat denn der Strauß mit dem Mäusim zu tun? – Ich sage dir: Sehr vieles; denn in ihm personifiziert sich ja dieser Gott von der einen Seite gerade also, wie er sich auf der andern im gegenwärtigen hohen Priestertume personifiziert, und das ohne Ausnahme in der ganzen Welt.

[HiG.03_43.01.27,45] Strauß leugnet Christum durch seine Schriften, das hohe Priestertum aber durch seine Taten! – Strauß verkauft seine Schrift oder den Nicht-Christus ums Geld; das hohe Priestertum aber tut alles für Christus ums Geld. Ohne Geld und Ruhm aber würde es für Christum ebensowenig tun, als wie wenig der Strauß je einen Nicht-Christus geschrieben hätte, wenn er dafür nicht recht viel Geld bekommen hätte! – Also Christus oder Nicht-Christus, das ist gleich, wenn er nur Geld einträgt so oder so, da kann man für ihn ja alles tun!

[HiG.03_43.01.27,46] Und siehe, dieser Christus oder Nicht-Christus ist der eigentliche personifizierte Mäusim oder der allereigentlichste Antichrist! – Ich meine aber nun, du wirst die Sache endlich einmal verstehen; verstehe aber auch, warum hier das 11. Kapitel so stark ins 12. übergeht, wie die Nacht in den Tag, so wirst du das ganze hohe Geheimnis enthüllt erschauen. Solches also wohl zu beachten und zu verstehen sei euer Sinn amen.

28. Januar 1843. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

[HiG.03_43.01.28,00] Also schreibe noch ein kurzes Nachwort zu Dr. Strauß.

[HiG.03_43.01.28,47] Du bist noch mit der in Daniel dargestellten Frauenliebe nicht so ganz im reinen und sagest: Was hat denn wohl die mit dem Dr. Strauß zu tun? – Ich sage dir: Sehr vieles! Wie? – Das soll sogleich erörtert werden.

[HiG.03_43.01.28,48] Siehe, Strauß, also – oder Nicht-Christus, ist einerlei. Nun, du hast den wahren Christus. Was sagt aber dieser? – Du sagest: Der wahre Christus sagt: „Suchet vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit (welche ist die Liebe), alles andere wird euch hinzugegeben werden.“ – „Sorget euch nicht für den kommenden Tag und fraget nicht: Was werden wir essen, und womit werden wir uns kleiden? Denn nach allem dem trachten ja nur die Heiden. – Sehet aber die Vögel in der Luft: sie säen nicht und ernten nicht in die Scheunen, und der himmlische Vater ernährt sie doch. Und die Lilien auf dem Felde, sehet sie an, sie spinnen und weben nicht, und doch war Salomo in all seiner königlichen Pracht nicht herrlicher gekleidet denn sie!“

[HiG.03_43.01.28,49] Du hast gut geantwortet. Nun aber sage Mir dann: Wie verhält sich demnach dein wahrer Christus und die gegenwärtige allgemeine Volksindustrie? – Du sagst: O Herr, das verhält sich ja gerade wie Himmel und Hölle! – Gut bemessen, sage Ich dir, – nun aber gebe acht!

[HiG.03_43.01.28,50] Siehe, du kennst nun und hast den wahren alten Christus bei dir und in dir durch deinen Glauben an Ihn und durch deine Liebe zu Ihm. Gehe aber du nun als ein lediger, noch gar wohl heiratbarer Mann in ein noch dazu recht – sogenanntes – christliches Haus, das da eine heiratbare Tochter hat, und halte, da du Mich völlig hast, also mit diesem ewigen Lebensschatze allda bei den Eltern um die Hand der Tochter an. – Was meinst du wohl, wie die Antwort auf solch eine Frage ausfallen wird? – Siehe, Ich will sie dir buchstäblich sagen.

[HiG.03_43.01.28,51] Das Elternpaar wird zu dir sagen: Guter Freund, es ist recht löblich und schön von Ihnen, daß Sie, der Sie als ein übrigens ehrbarer und schätzenswerter Mann uns wohlbekannt sind, Ihre achtbaren Augen unserer Tochter zugewandt haben. Allein Sie als ein wohlerfahrner Mann werden sicher doch auch wissen, daß man in der gegenwärtigen Zeit entweder etwas sein oder haben muß, um ein Weib zu erhalten. Sie aber sind nichts und haben unseres Wissens auch nichts als allein Ihre sonst schätzenswerten Eigenschaften, von denen sich aber bei der jetzigen Zeit freilich wohl nichts herunterbeißen läßt. Also werden Sie als ein vernünftiger Mann wohl auch einsehen, daß wir unser Kind unter solchen Aussichten nicht hergeben können. Sie, die Tochter, wird wohl heute oder morgen auch ein schönes Vermögen haben und kann daher auch nur wieder jemanden wählen, der es ihr auf die eine oder die andere Art erwidern kann. Wir sind Ihnen übrigens sehr verbunden und werden uns allezeit geschmeichelt fühlen, wenn Sie uns als Freund besuchen wollen, aber nur in der gegenwärtigen Absicht nicht; denn da müßten wir Sie im Ernste bitten, unser Haus zu meiden! –

[HiG.03_43.01.28,52] Hier hast du es buchstäblich, und du kannst noch fragen, was der Strauß mit der Frauenliebe zu tun habe? – Siehst du denn nicht: Wo Christus ist, da ist kein Geld; wo aber Geld ist, da ist kein Christus! Strauß aber leugnet ja Christum, also ist er fürs Gold. Habe du demnach Strauß oder Gold, so wirst du auch Frauenliebe haben; ohne Strauß aber wirst du immer dieselbe Antwort bekommen!

[HiG.03_43.01.28,53] Frauenliebe ist demnach zweifach zu nehmen: erstens, daß der Mann von Vermögen mit der nun seltensten Ausnahme ein Weib nicht ansieht, so es ihm nicht ebenbürtig ist, d.h. entweder dem vorteilhaften, hochgehaltenen Stande oder dem Vermögen nach; und zweitens hat das Weib in sich selbst keine Liebe, außer die des Dr. Strauß oder auf deutsch – Gold.

[HiG.03_43.01.28,54] Daß aber solch ein Christentum, welches eigentlich ein allerinnigstes Brudertum sein soll, ein ebenso gutes Christentum ist wie das, was der Strauß beschrieb, kannst du gar leicht daraus ersehen, wenn du den wahren alten Christus vergleichest mit dem gegenwärtigen Geld-Christus, und daß ebendieser Geld-Christus samt dem Straußschen Nicht-Christus der allereigentlichste, wesenhaft personifizierte Antichrist ist.

[HiG.03_43.01.28,55] Ich meine, solches brauche Ich dir wohl kaum näher darzutun; und so sei mit dem zufrieden amen.

 

„Die Perlen werft nicht vor die Schweine“ (Matth. 7,6). – 7. April 1843, abends.

[HiG.03_43.04.07] O Herr, Du sprachst ja zu den Deinen: „Die Perlen werft nicht vor den Schweinen!“ Doch ließest Du, kostbarste Perle, zertreten Dich durch Priesterkerle?! –

[HiG.03_43.04.07,01] Ja, also ist es auch im vollsten Ernste, aber nur muß hier gar wohl unterschieden werden, wer Ich bin – und wer die Apostel und Jünger sind.

[HiG.03_43.04.07,02] Du bist ein Herr in deinem Hause und kannst mit deinen Schätzen tun, was du willst, und hast niemandem darum eine ausweisliche Rechnung zu legen, warum du also tust, wie es dir gut dünkt. So du aber einen Knecht in deinem Hause bestellst, wirst du ihm wohl auch die Vollmacht geben, zu tun mit deinen Schätzen, was er will, ohne dich nur im geringsten um Rat zu fragen oder sich irgend an deine Vorschrift zu halten?! Ich meine aber, du wirst deinem Knechte nur gar wohlpflichtigst auftragen, daß er zu aller Zeit treulichst wache über dein Haus und jeglichen Dieb abhalte sorgfältig, daß er nicht seine klebrige Hand lege an deinen Schatzkasten!

[HiG.03_43.04.07,03] Wenn du aber schon also vorsichtig handeln möchtest für dein Haus, da wird es doch etwa auch bei Mir nicht unweise gehandelt sein, so Ich Meinen Knechten aufgetragen habe, Mein Wort nicht den Schweinen zu predigen, da es doch der allerlebendigst größte Schatz Meiner Liebe und Erbarmung ist!

[HiG.03_43.04.07,04] Es handelt sich demnach nur darum, so ganz eigentlich zu wissen, wer die Schweine – und wer also die eigentlichsten Diebe sind. – Ein Schwein treibt alles in seinen Bauch und verwendet es da natürlich zu seiner Ernährung; also stiehlt auch ein Dieb alles, was er sich nur immer zunutze machen kann.

[HiG.03_43.04.07,05] Das ist sicher sonnenklar. Demnach aber sind die Priester nicht als Schweine und Diebe zu betrachten, denn sie wollten Meine Schätze ja nicht; daher sie wohl wahre Mörder, aber somit nicht als Schweine und Diebe Meines Wortes zu betrachten sind! –

[HiG.03_43.04.07,06] Aber es hat zu allen Zeiten gewisse Zauberer, Magier, falsche Propheten und eigennützige, schändlich verschmitzte betrügerische Wundertäter gegeben. Diese konnten alles zu ihrem gewinnlich Besten gebrauchen. Mein Wort aber, welches in sich selbst allmächtig ist, wäre diesen Schweinen und Dieben wohl das beste Wasser auf ihre Mühlen gewesen, wenn sie es irgend hätten bekommen können. Für diesen Fall also gab Ich den Aposteln das Vorsichtsgebot, Meine Perlen solchen Schweinen und Dieben nicht vorzuwerfen!

[HiG.03_43.04.07,07] Solche Schweine und barsten Diebe aber sind auch heutzutage alle jene, welche Meine Lehre zu einem barsten Handelsartikel machen und sich für jegliches Wort des Evangeliums zahlen lassen und so auch die Worte des Lebens in ihren Unrat mengen, um daraus eine neue wundertätige und sehr viel Geld eintragende Substanz zu bereiten.

[HiG.03_43.04.07,08] Blicke hin auf alle die Wunderbilder in den nahe zahllos vielen steinernen, tönernen und hölzernen Bethäusern; sind sie nicht alle mit Meinen Perlen unterspickt? Siehe an alle die zeremoniellen Gegenstände; da ist aber auch nicht eines, bis zum Kirchenstaube selbst, das da nicht mit eben den Perlen wo nur möglich kleinst umwunden und durchwebt wäre! – Ich meine, es wird kaum nötig sein, dir mehr darüber zu sagen.

[HiG.03_43.04.07,09] Die ersten Apostel haben dieses Gebot auch sorgfältigst beachtet; aber bei der stets größeren Ausbreitung des Wortes war es denn wohl unmöglich zu verhindern, daß nicht auch auf der offenen Erde Schweine und Diebe in Meinen großen Weinberg hätten gelangen sollen. Also war auch das Gebot in sich selbst allzeit beachtet worden.

[HiG.03_43.04.07,10] Da aber doch auch Schweine und Diebe lebendige Geschöpfe sind, welche auch ihren freien Willen haben, so konnten sie auch wohl in den großen Weinberg geraten und da begehen einen unziemlichen Raub! Sie haben daher auch nur, was sie gestohlen und geraubt haben – aber nicht, was ihnen wäre gegeben worden.

[HiG.03_43.04.07,11] Was sie aber haben, ist darum tot und nützet ihnen nicht zum Leben, sondern nur zum Tode, indem sie voll der schmählichsten Unlauterkeit ihre Hände in Meine Schüssel tauchen. Wer die Perle hat und hat sie nicht von Mir lebendig, sondern anderswoher, der ist ein Dieb, ein Räuber und ein Schwein; diesen wäre aber auch ein Mühlstein am Halse in des Meeres Tiefe besser, als solch eine Perle! Denn diese werden ihrem Richter nicht entgehen, den sie doch in sich tragen.

[HiG.03_43.04.07,12] Wer es aber von Mir, dem Vater, erlernt und das Wort hat lebendig, der hat es gerecht; aber er habe ebenfalls acht, daß er dann die Perlen nicht den Schweinen vorwerfe! – Also ist solches zu verstehen, und also verstehe es du, Mein Sohn, Amen. – –

 

Eine kurze Antwort des Herrn auf eine Frage bezüglich der Satana und ihres Anhanges. – 3. Mai 1843.

[HiG.03_43.05.03] Frage: O Herr! Wie behandelt denn die Satana die ihr anhängenden Geister? Haben diese Liebe zu ihr oder Furcht vor ihr?

[HiG.03_43.05.03,01] Antwort: Auf diese Frage kann Ich dir nichts anderes sagen, als daß die Schlange sich ganz neutral verhält und „behandelt“ niemanden; sondern ein jeder lebt auf seinem eigenen Grund und Boden nun. – Alle höllische Liebe aber ist inwendiger Haß, alles Wohltun ist Eigenliebe, und jede Großmut ist der stinkendste Hochmut! Mehr brauche Ich dir darüber nicht zu sagen, denn du kannst an dem zur Übergenüge haben amen. –

 

Erklärung des 93. Psalms Davids. – 26. Mai 1843.

[HiG.03_43.05.26,01] Schreibe für heute etwas über den 93. Psalm Davids, damit so mancher daraus ersehen solle, um welche Zeit es nun in dieser Zeit sei. – Siehe, das ist wohl einer der kürzesten Psalmen des Mannes nach Meinem Herzen, denn er besteht nur aus respektive fünf Versen; aber er ist seiner Bedeutung nach gerade für diese gegenwärtige Zeit und ihre Zukunft einer der größten Gesänge des Sängers im Geiste der ewigen Ordnung aus Mir! – Wie aber solches gar wohl der Fall ist, soll sogleich in aller Kürze folgen – und so schreibe und höre denn und schaue! – –

93. Psalm

[HiG.03_43.05.26,02] 1. Der Herr ist König, und das gar herrlich geschmückt.

[HiG.03_43.05.26,02] Das heißt: Ich, der Herr Jesus Christus, bin der alleinige Gott aller Himmel und Welten in aller endlosen ewigen Fülle der göttlichen Macht, Kraft, Gewalt, Heiligkeit, Gnade, Liebe und Erbarmung, welches alles ist Meine ewige Ordnung, Weisheit oder die göttliche Gerechtigkeit. – Der Herr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist, das heißt: Ich habe Mich aus Meiner Ordnung der Menschen der Erde erbarmt und will sie aufrichten in ihrem Geiste, und ihr Geist soll ein Herr sein in ihrer Seele und in ihrem Fleische; – und hat es zugerichtet, daß es bleiben soll, heißt: Ich gebe es aus den Himmeln dem Geiste im Menschen; das lebendige Wort soll von nun an bleiben im Menschen fort und fort, und der Tod solle keine Gewalt mehr haben. –

[HiG.03_43.05.26,03] 2. Von dem an stehet Dein Stuhl fest; Du bist ewig! –

[HiG.03_43.05.26,03] Heißt: Von der Zeit an, da Ich durch das lebendige innere Wort den Geist des Menschen erwecken werde, wird Meine Liebe bleiben im Menschen, und es wird niemand der Geweckten mehr zweifeln an Mir und Meinen Verheißungen; denn Ich werde dem Geiste zeigen die endlosen Wunder Meiner Liebe, Weisheit, Heiligkeit und Macht in der Tiefe der Tiefen für alle Zeiten der Zeiten bleibend.

[HiG.03_43.05.26,04] 3. Herr! Die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die Wasserströme heben empor ihre Wellen.

[HiG.03_43.05.26,04] Heißt: Ich bin der alleinige Gott; es werden sich zwar anfangs dagegen sträuben die Weltmenschen, und die Weltgelehrten werden dagegen schreien und schreiben, und die Machthaber werden mit zornigen Füßen gewaltig dagegen strampfen und werden sich dagegen gewaltsam auflehnen.

[HiG.03_43.05.26,05] 4. Die Wasserwogen im Meere sind groß und brausen greulich; der Herr aber ist noch größer in der Höhe! –

[HiG.03_43.05.26,05] Heißt: Das Priestertum der Welt wird gar mächtig dagegen zu Felde ziehen und wird verdammen mit großem Zorne und großer Wut das neue Reich im Menschen; aber es wird sich niemand mehr daraus etwas machen und sich kehren an das Geplärr der Elenden, da sie nur als ohnmächtige Zornspeier plärren werden. Ich aber werde dennoch gar mächtig mit Meiner Liebe und Weisheit aus den Himmeln im Geiste der Menschen durchdringen und werde vertrocknen und gänzlich versiegen machen die Ströme und werde über das Meer (priesterliches Heidentum) ausstrecken Meinen mächtigen Arm, auf daß es ohnmächtigst erstarren solle auf ewig!

[HiG.03_43.05.26,06] 5. Dein Wort ist eine rechte Lehre; Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses ewiglich.

[HiG.03_43.05.26,06] Heißt: Mein lebendiges Wort im Geiste ist eine wahrhaftige Predigt, Lehre, Kirche; es ist eine wahrhaftige, heilige Wohnstätte Gottes im Menschen, das wahrhaftige Reich Gottes in und unter den Menschen der Erde. Dieses Wort (Heiligkeit) ist die Wahrheit, (Zierde) der Weg und das ewige Leben in der reinen Liebe zu Mir! –

[HiG.03_43.05.26,06] Siehe, das ist die Grundbedeutung dieses Psalmes, nach dessen Weissagung soeben die Zeit begonnen hat und wird mächtige Fortschritte tun, wennschon anfangs im geheimen mehr. Wenn aber in kurzer Zeit die Herzen durchwärmt und durchleuchtet werden, dann wird aber denn auch Meine Hand einen Gewaltstreich gegen alle Welt ausführen und erstehen machen im großen Herzensglanze die Geweckten und mit Meinem lebendigen Geiste Getauften; und Ich Selbst werde nicht selten wieder sichtbar unter den Meinen anzutreffen sein und werde sie bereichern mit großer Macht über alle Dinge amen, amen, amen. –

 

Der Morgen. – 28. Juni 1843

[HiG.03_43.06.28,01] 1. / Hehr naht des Tages Mutter! – Dunkelheit / umflorte eher Land und Meer; / wie herrlich strahlt sie nun im Glanzeskleid / und spendet Freude rings umher!

[HiG.03_43.06.28,02] 2. / Mit ihr erneute Lebenskraft erwacht, / wie regt sich alles in der Welt, / wie herrlich strahlt die Flur in Morgenpracht, / von mächt'ger Sonnenglut beseelt!

[HiG.03_43.06.28,03] 3. / Also auch kommt der Herr! Erst Dämmerung, / dann hell'res Morgenrot, dann Licht – / bis endlich voller Tag, rein, frisch und jung / des Herzens dichte Nacht durchbricht.

[HiG.03_43.06.28,04] 4. / Solang am Himmel dort die Sonne brennt, / erfreut das Herz ihr wärmend Licht – / so auch, wie lang das Herz Mich treu bekennt, / ermangelst du der Freude nicht!

[HiG.03_43.06.28,05] 5. / Willst leben du ein gutes Leben hier, / so sprich in deiner Brust getreu / die nächste Stroph' lebendig stets in dir, / und diese laute also frei:

[HiG.03_43.06.28,06] 6. / „O strahl' du ew'ge Lebenssonne doch / den ganzen Lebenstag in mir! / Gar heiter trag' ich dann dies irdisch Joch / erquickt und hocherfreut in Dir!“ –

 

Ein persönliches Wort über laue Töchter. – Nachtrag eines Nebenwortes vom Sommer 1843.

[HiG.03_43.00.00,01] Höre aber wohl! – Was da deinem Herzen eine kleine Mißbilligung abnötigt, das hat schon seit dem Konzert im ersten Stock Meinen völligen Abschied zuwege gebracht, weil zuvor Meine große Mißbilligung!

[HiG.03_43.00.00,02] Siehe, so sind die besseren Menschen gegen Mich! – Ich wollte sie zeitlich und ewig so glücklich als möglich machen und habe ihnen darum schon übergroße Wohltaten erwiesen und die zuverlässigsten Verheißungen gemacht. Aber weil Ich nicht schon am nächsten Tage gab, was Ich verhieß, so suchen sie selbst sich zu entschädigen.

[HiG.03_43.00.00,03] Lassen wir ihnen aber ihre eitel törichte Weltfreude, lassen wir ihnen ihre abendlichen Spaziergänge, die ihnen nun um vieles lieber sind, als so sie anhören müssen noch dann und wann Mein lebendiges Wort, so es ihnen unser Freund A. H. W. vorliest. Lassen wir ihnen ihre römische, Mir aber über alles feindliche Priesterliebe und auch die Liebe solcher, die ihnen solche Priester unter allerlei Freundschaftsvorwänden zuführen.

[HiG.03_43.00.00,04] Wir beide aber werden uns, verstehst du Mich, bei dieser Gelegenheit mit unserer Gnade und Liebe und unserem Segen so hübsch weit zurückziehen. Und die Folge wird sie dann schon lehren, und sie werden es erkennen, wenn schon zu spät, welchen Tausch sie gemacht haben und Wer sie in uns beiden verlassen hat.

[HiG.03_43.00.00,05] Siehe, Ich und du sind darum zu eifersüchtigen T-n geworden, weil wir uns unterstanden haben, den Gewissen einige unbilligende Bemerkungen zu machen! – Von nun an aber wollen wir das unterlassen und sie ganz ihrem Weltsinne und ihrer Heiratslust überlassen, – daß wir aber bei derlei Hochzeiten nicht zugegen sein werden, verstehe, des kannst du wohl versichert sein.

[HiG.03_43.00.00,06] Bisher habe Ich dem A. H. W. geraten, daß er ihnen vorlesen möchte Mein Wort. Er hat es auch redlich getan. – Von nun an aber rate Ich ihm solches nicht mehr, denn seine älteren Töchter halten es insgeheim nur für eine alberne Dichtung aus dir und achten es nicht mehr und hören es auch nur mit einem leisen Widerwillen an.

[HiG.03_43.00.00,07] So sie nicht auf das eifrigste auf uns zugehen werden, werden wir sie lassen, wie sie sind, und werden uns ihrer nicht im geringsten kümmern. Denn schläfrig und gelangweilt hören sie Mein Wort an; aber desto heiterer und lebendiger sind sie in der Gesellschaft derjenigen, die ihnen zu Gesichte stehen. Daher lassen wir sie gehen, und wir wollen keine Sache mit ihnen haben, um nicht mehr als eifersüchtige T-n und Fadiane vor ihnen zu erscheinen! – Verstehst du Mich? Also geschehe es amen. – – –

 

Segen der Heimsuchung. – 13. Oktober 1843.

[HiG.03_43.10.13,01] Schreibe nur, schreibe, denn Ich weiß es schon, um was es sich handelt! –

[HiG.03_43.10.13,02] Mein lieber Ans. H. W., siehe, die Stunde, in der du leiblich geboren wurdest, ist Mir gar wohl bekannt. Ich habe dich damals gesegnet und segne dich jetzt wieder, auf daß du stets gesund am Geiste wie auch nebenbei am Leibe, soviel es zu deinem Heile vonnöten ist, verbleiben sollest. Halte aber jedoch nicht zu große Stücke auf die Gesundheit des Leibes, denn sie schadet dem Geiste mehr, als sie ihm nützt.

[HiG.03_43.10.13,03] Sieh an eine frische grüne Nuß auf dem Baume! Solange diese fest, frisch und grün verbleibt, so lange auch wird der Kern nicht zeitig. Wenn aber die äußere grüne Schale anfängt sich zu bräunen und flott und vertrocknet zu werden um die Nuß, dann ist es ein Zeichen, daß die Nuß innerhalb der Schale reif geworden ist.

[HiG.03_43.10.13,04] Aus dem Grunde lasse Ich die Meinen auch stets dem Leibe nach dann und wann ein wenig kränkeln, damit sie sich ja mit der Welt nicht zu sehr vermengen sollten in einem zu gesunden Leibeszustande. Denn ist da jemand dem Leibe nach so recht löwenmäßig gesund, da kommt ihm nicht der leiseste Gedanke, daß er einst doch diese Trugwelt wird verlassen müssen; denn da gefällt ihm auf der Welt alles viel zu gut, ein jedes Blümchen, ein jeder Bissen, eine jede Dirne, eine jede Gegend, und er hat den sehnlichsten Wunsch, nur ewig also auf der Erde zu leben, und bekommt nie das heilige Heimweh nach dem ewigen Vaterhause im Himmelreiche.

[HiG.03_43.10.13,05] Wird aber sein Leib krank, da erinnert sich der Mensch, daß es auf der Erde keines Bleibens sein wird, und fängt dann und wann doch etwas ängstlich an nachzudenken, was da nach dem Tode des Leibes etwa doch sein und kommen dürfte. Und das ist dem Geiste schon heilsamer, als alle noch so unschuldigen Vergnügungen bei kernfrischem und gesundem Leibe.

[HiG.03_43.10.13,06] Siehe, so du einen Sohn in die Fremde schicken möchtest, und es ginge ihm aber dort ausgezeichnet gut, meinst du, daß er zu dir heimkehren wird? Meinst du, er wird etwa Heimweh bekommen nach seinem väterlichen Hause? – O nein, des kannst du wohlversichert sein! Denn er wird sagen: Da müßte ich ein rechter Narr sein! Hier habe ich ja alles, was immer nur mein Herz verlangt, und man ehrt mich noch obendrauf allerorts, wo ich nur immer hinkomme. Komme ich aber nach Hause, da muß ich wieder um jede Kleinigkeit bittend zum Vater kommen, und dann erst besinnt er sich, lange genug, ob er mir wohl das Erbetene geben solle oder nicht. Hier bin ich ein angesehener Herr für mich, dort zu Hause aber, an der Seite meines Vaters, der Niemand; daher bleibe ich hier!

[HiG.03_43.10.13,07] Siehe, das ist die buchstäbliche Äußerung desjenigen Sohnes in der Fremde, dem es zu gut geht auf fremdem Boden! – Wird ihn der Vater auch nach Hause zitieren, so wird er aber dennoch fürs erste nur mit großem Unwillen nach Hause sich begeben, und fürs zweite wird er zu Hause sich also benehmen, daß es eine barste Schande sein wird. Denn es wird ihm alles zu enge und elend und schlecht vorkommen, mit einem Worte gesagt, er wird nimmer guttun daheim! Geht es aber einem Sohne in der Fremde nicht am besten, sondern so ziemlich kümmerlich oder oft gar elend, da wird er es bald machen gleich dem verlorenen Sohne! –

[HiG.03_43.10.13,08] Daher also sage auch Ich dir heute das, auf daß du, so Ich dich mit kleinen leiblichen Unpäßlichkeiten heimsuche, dich erinnern solltest und wissen, daß derlei leibliche Unpäßlichkeiten lauter Handbilletchen sind, durch welche Ich Meine Kinder an ihr väterliches Haus und an ihre Heimkehr erinnere, auf daß sie sich ja nicht in der fremden Welt zu fest ansiedeln sollten! – Ich will dich aber darum etwa sicher noch nicht so bald von der Fremde abrufen, sondern nur an deine Heimat erinnern! Daß du danach alle Unannehmlichkeiten deines irdischen Lebens bemessen sollest, das wünsche Ich, dein heiliger Vater, dir heute wie allezeit in aller Fülle Meiner Liebe und Gnade, – beachte es darum auch lebendigst Amen. –

 

Die Verklärung Mariens. – 17. Oktober 1843.

[HiG.03_43.10.17] Aus einem Nebenwort bezüglich der Himmelfahrt Mariä.

[HiG.03_43.10.17,01] Dessenungeachtet aber will Ich dir doch sagen, wie Maria starb. –

[HiG.03_43.10.17,02] Maria starb zwölf Jahre nach Meiner Heimkehr zu Bethania im Hause des Lazarus, der Martha und der Maria. Johannes allein war Augenzeuge von ihrem Hintritte; ihre Krankheit aber war die stets wachsende Liebe zu Mir, – und die Flamme dieser Liebe hatte Mariam aufgelöst und für ewig verklärt. Aber von einer sichtbaren Auffahrt gen Himmel ist keine Rede; Maria war – und war nicht mehr! – Und das ist genug für deine Wißbegierde amen. –

 

Der Herr schützt Sein Werk. – 29. Oktober 1843.

[HiG.03_43.10.29] O Herr und liebevollster Vater! Wie ist der Fall mit jemandem zu nehmen, der meines Wissens ein starker Verächter und förmlicher Widersacher Deiner heiligen, an uns gerichteten Gnade war und sie als eine Torheit verhöhnt hat zu jeder Zeit? –

[HiG.03_43.10.29,01] Du kannst ja schreiben ein paar Wörtchen zu deiner Ruhe! – Siehe, also pflege Ich stets Mein Werk zu schützen! Sagte Ich dir nicht schon einmal bei der Gelegenheit, als ihr alle ein falsches Warnungsbriefchen erhieltet, wie Ich allen jenen sofort begegnen werde, die sich Mir ernstlich werden in den Weg stellen wollen?! – Siehe, das ist die Art und Weise, wie Ich pflege Meine Feinde unschädlich zu machen! Vor kurzem habe Ich einem sehr bedeutenden Feinde, der gerade auf dem Sprunge war, Mir ganz ernstlich entgegenzutreten, seinen Lohn gegeben; das ist der zweite, aber der solle noch etwas geselchet werden! Was Ich damit sagen will, wirst du in der Folge verstehen!

[HiG.03_43.10.29,02] Ich aber sage dir: Wer immer an irgend Weltlichem mehr Behagen findet denn an Mir, dem werde Ich von nun an nur ganz kurz zusehen; kehrt er sich nicht bald um, so solle er gerichtet sein! – Du weißt, was Ich damit sagen will! Wahrlich, wahrlich, wer dir oder jemandem, der in Meinem Namen etwas spricht, eine nur einigermaßen steife Widerrede tun wird, entweder offen oder heimlich, dir gegenüber oder von dir entfernt, dem werde Ich die Zunge auf eine solche Art zu lähmen wissen, daß er sicher nimmer mit ihr eine wie immer geartete Widerrede zuwege bringen soll! Frage Mich aber nicht, wie! Es ist genug, daß Ich dir solches geschworen habe. – Mein Mitleid mit Meinen Feinden ist zu Ende; daher sei ein jeder gerichtet, der Mir widerstreben will im Kleinen wie im Großen! – Amen, Amen, Amen.

[HiG.03_43.10.29,03] Das sage Ich, der Allgewaltige, Amen, Amen, Amen.

 

Ein lustig's Wörtlein für die „kleine Martha“. – 26. Juni 1844.

[HiG.03_44.06.26,01] Schreibe nur, Ich weiß schon, was du wieder hast. – Ich solle dir schon wieder einen Gelegenheitsdichter abgeben? – Nun ja, da will Ich es gleichwohl tun, obschon Mir die Maria lieber war als die Martha, aber nicht etwa irgendeine gegenwärtige Maria, sondern die Schwester des Lazarus! – Denn die gegenwärtigen Marien unter allerlei Ausschweifungen und Verkehrungen dieses Namens sind ebenso ausschweifend und verkehrt wie ihre Namen! – Und so schreibe denn ein lustig's Wörtlein!

[HiG.03_44.06.26,02] Höre du, Meine kleine Martha! – An diesem deinem Tage Ich zu dir sage: Du bist in einer Lage, die da ist voll eitler Plage und führst darob gleichfort Klage an jedem Tage! – Sieh, das will Mir nicht gefallen allzumalen: wenn die Mutter klaget übern Kaffee, dann tut's dir auch schon weh; und ist die Suppe matt, dann wirst du glatt. Es zwicket dich ganz jämmerlich, so jemand zu dir spricht, was dich ein wenig sticht! –

[HiG.03_44.06.26,03] Sieh, das soll nicht sein bei Groß noch Klein, und es macht Mir oft darum ein starkes Leid, daß du mit Waschen und mit Bodenreiben hast so große Freud! – Im Hühnermist du manchmal ganz vergraben bist; das bringt dir manchmal wohl ein Ei, doch der Himmel ist da nicht dabei. So was mußtest du doch einmal büßen, drum hat ein Iltis dir die Freud' zerbissen; du hast dich da erstaunt gar stark über solchen blut'gen Mark. Doch solch dein traurig Stutzen kam heilsam dir zum Nutzen, denn das benahm dir deine Hühnerfreud' und Mir ob solcher deiner Freud' Mein Herzeleid! –

[HiG.03_44.06.26,04] Nun laß auch nach in deiner Priesterlieb', denn sie ist dir kein geist'ger Trieb; dann wirst du Mir vor allen schier am besten wohl gefallen! – Sieh, die Geistlichkeit ist nicht vom Fleisch befreit und macht Mir wenig Freud', drum hab' Ich's gerne nicht, so dein Aug' nach Priestern sticht. Wende du dafür dein Herz zu Mir in Freud und Schmerz, das wird dir nützer sein und dich um vieles mehr erfreu'n, als so Kaplän' sich vor dir bücken und dir manchmal die Hände drücken!

[HiG.03_44.06.26,05] Es ist das freilich eben keine Sünd'; doch ist's auch nicht der beste Wind auf deines jungen Lebens Meer, denn er treibt das Lebensschiff oft weit umher und verliert gar oft des Lebens Ziel, – das sag' Ich dir ganz still!

[HiG.03_44.06.26,06] Befolg' nur Meinen Rat und lieb' Mich in der Tat, dann wirst du besser fahren; denn Ich am besten kenne die Gefahren, die oft solcher Schiffer harren, denn wo sie sich's am wenigsten versehen, ist's um sie auch oftmals schon geschehen! –

[HiG.03_44.06.26,07] Siehe, das sind deine kleinen Sünden, die mußt' Ich dir verkünden. Wirst du sie künftig meiden – so ganz fein und ganz bescheiden, werd' Ich dir nehmen alle Leiden und dir schenken viele Freuden! Denn Ich hab' dich überlieb fürwahr, das sagte Ich zu dir noch alle Jahr; drum sage Ich dir nun auch das wie einen ernstlich guten Spaß! – Nimm du ihn aber ernstlich nur, er bringet dich auf gute Spur, an der das ew'ge Leben klebet, das von allem Leide dich enthebet.

[HiG.03_44.06.26,08] Das sage Ich zu deinem Tage: Werd' Mir ernstlich treu und frei, und fürder nicht mehr klage! Amen, amen, amen; das sagt dein guter Vater amen. – – –

 

Auf eine Anfrage wegen Mitteilung der erhaltenen Offenbarung. – 25. August 1844.

[HiG.03_44.08.25.a,01] O ja, dem, der da dürstet, werde Trank gereicht; aber es gibt auch geistige Saufbolde, denen ist es nicht gut, derlei zu geistige Dinge zu reichen, weil sie dann dumm und oft böse werden wie böse Narren. Zumeist aber sollen die Perlen den Schweinen vorenthalten werden! – –

[HiG.03_44.08.25.a,02] Wenn du aber schon jemandem nützen willst, der dir geeignet scheint, so tust du am besten, so du ihm mündliche Berichtigungen erteilst und ihn erst dann etwas lesen läßt oder besser selbst vorliest, wenn du ihn vollends deines Geistes erkannt hast, denn sonst könnte ihm das Lesen mehr schaden denn nützen!

[HiG.03_44.08.25.a,03] Predigen aber ist besser als lesen, da es besser eindringt als etwas Gelesenes und hernach auch haften bleibt. Den Grund wird dir die Erfahrung von allen Zeiten zeigen!

[HiG.03_44.08.25.a,04] Tue demnach auch du gelegentlich danach, und es wird gut und recht sein amen. Das sage Ich dir, der Ich auch geprediget habe in der großen Zeit der Zeiten amen, amen, amen. – – –

 

Cherubim und Seraphim. – 25. August 1844.

[HiG.03_44.08.25.b] O Herr! Was ist wohl für ein Unterschied zwischen Cherubim und Seraphim? –

[HiG.03_44.08.25.b,01] Die Cherubim bedeuten und sind der ewige Ausfluß der göttlichen Liebe und die Seraphim der Ausfluß der göttlichen Weisheit; das ist der Unterschied. Darum sagte man vor alters: Dieser ist liebeglühend wie ein Cherub und weise wie ein Seraph. – Also wird durch die Cherubim die göttliche Liebe und durch die Seraphim die göttliche Weisheit in ihrem gesamten grundhimmlischen Wirken verstanden. –

 

Nur Mein Lohn dauert ewig! – 10. Februar 1845, Greifenburg.

[HiG.03_45.02.10] An Julie Martha H. zum Namenstag.

[HiG.03_45.02.10,01] Also magst du reden zu der, um die du zu Mir kamst: Man sagt in der Welt: Leiern ist besser als Feiern. Doch also soll es nicht bei Mir sein; denn bei Mir gilt das eine so wenig wie das andere.

[HiG.03_45.02.10,02] Das Himmelreich leidet allzeit Gewalt; die es nicht mit Gewalt an sich reißen, die werden es nicht besitzen! Darum nützt da das Leiern so wenig wie das gänzliche Feiern. Der aber leiert um Mein Reich, der da im weltlichen Eifer für Mich nur so viel tut, daß er Meiner gerade nicht ganz vergißt und Mich neben der Welt mitziehen will, – wenn er aber Meiner in Weltgeschäften oft ganz vergißt, der ist es, der da feiert!

[HiG.03_45.02.10,03] Ich aber bin nicht, daß Ich dem Leirer wie dem Feirer Mein Reich auf den Rücken nachwürfe; sondern wer Mein Reich, welches da ist das ewige Leben, besitzen will, der muß es ohne Leiern und Feiern vollernstlich angehen. Sonst wird er auch den Lohn der Leirer und Feirer überkommen, der gleich sein wird der Ernte dessen, der den Samen am Wege, auf Steine und unter die Dornen gesät hatte.

[HiG.03_45.02.10,04] Also magst du deiner Freundin dieses bekanntgeben und sagen, daß das Mein einiger und ewiger Wunsch und Wille ist, daß sie sich auch samt ihren Geschwistern nicht an das Leiern und noch weniger an das Feiern wenden solle; denn aller Welt Sold ist gering und dauert kurz, nur Mein Lohn dauert ewig!

[HiG.03_45.02.10,05] Was aber hast du, so du den ganzen Tag hindurch der Welt um einige Groschen gedient hast? Ich sage dir, der nächste Tag wird sie dir wieder nehmen, und das so fort bis ans Ende deines Erdenlebens – und am letzten Abschiedstage von der Welt aber wirst du blanker dastehen als eine Bethausmaus! Was dann mit dir? –

[HiG.03_45.02.10,06] Darum sammle dir vielmehr Schätze, die weder der Rost noch die Motten zerstören und die Erdentage nicht verzehren, so wirst du am Tage des Abschiedes, am Tage der Auferstehung einen reichen Schatz in Meinem Reiche finden für ewig amen! Das sagt der Herr, der Wahrhaftige für ewig amen, amen, amen. – –

 

Was du den Armen tust, das tust du Mir! – 11. Februar 1845, Greifenburg.

[HiG.03_45.02.11] An Andr. H. W.

[HiG.03_45.02.11,01] Mein lieber Andr. H. W., was du den Armen und was du Meinem Knechte tust, das tust du wie ganz unmittelbar Mir Selbst; denn in den Armen bin Ich Selbst arm in der Welt, und in Meinem Knechte aber wohne Ich für euch alle wie in der Fülle der Kraft des Wortes aus Meiner ewigen Liebe und Weisheit, die zwar in der Welt auch in der Armut einhergeht, – wann und wo sie kommt, aber desto reicher ist im Geiste der ewigen Liebe aus Mir!

[HiG.03_45.02.11,02] Ist diese Liebe auch gefangen in den Kerkern der Welt, welche da sind die harten Herzen, so dient sie aber dennoch allen zur Erlösung vom ewigen Tode. Und ist diese Liebe auch arm vor der Welt, so gibt sie aber dennoch allen alles. Wird sie auch verachtet und verspottet, so teilt sie aber dennoch die größten Ehren für ewig aus. Wird sie von vielen auch gar getötet, so gibt sie aber dennoch allen das Leben. Wird sie zerrissen und gemartert, so gibt sie aber dennoch alles vollkommen, was sie gibt! – Für Krummes gibt sie Gerades, für Ungleiches das Gleiche, für Unebenes das Ebene, für Bitteres das Süße, für Essig den besten Wein, für die Nacht den Tag – und so überall das Gute fürs Schlechte und das Edle fürs Unedle!

[HiG.03_45.02.11,03] Wenn die Liebe aber schon für Schlechtes Gutes gibt, was erst kannst du, ein Geber des Guten, von dieser Meiner Liebe erwarten?! – Darum tue Meinem Knechte, der diese Meine Liebe in sich hat, was er wünscht, so soll dein Lohn auch übergroß sein in dieser Meiner Liebe im Knechte für ewig amen! – Das spricht die Ewige Liebe amen, amen, amen. – – –

 

Brief an Andreas Hüttenbrenner in Graz über den Beginn der Niederschrift des Briefwechsels Jesu mit König Abgarus – 27. März 1845, Greifenburg.

[HiG.03_45.03.27] ... Ich will Ihnen einen Briefwechsel zwischen dem Könige Abgarus und dem Herrn Jesus mitteilen, welcher geschehen ist zu den irdischen Lebzeiten des Herrn. – Und so vernehmen Sie die beiden Briefe!

[HiG.03_45.03.27,00] Der Brief des Abgarus an den Herrn lautet also:

[HiG.03_45.03.27,01] Abgarus, Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande, der in dem Lande um Jerusalem erschienen ist, alles Heil!

[HiG.03_45.03.27,02] Ich habe von Dir gehört und von Deinen Gesundmachungen, wie Du sie ohne Arzneimittel und Kräuter verrichtest. Denn die Rede geht, daß Du die Blinden sehen machst, die Lahmen gehen, daß Du die Aussätzigen reinigst und die unreinen Geister austreibst und diejenigen heilst, die mit langwierigen Krankheiten kämpfen, und endlich sogar die Toten auferweckst.

[HiG.03_45.03.27,03] Nachdem ich alle diese Dinge von Dir gehört habe, so habe ich demnach bei mir selbst geschlossen, eines von beidem müsse wahr sein: entweder Du seiest Gott, vom Himmel herabgekommen – oder Du, der diese Dinge tut, seiest doch zum wenigsten ein Sohn des großen Gottes!

[HiG.03_45.03.27,04] Ich ersuche Dich daher durch dieses Schreiben, Dich zu mir zu bemühen, um die Krankheit, die ich habe, zu heilen!

[HiG.03_45.03.27,05] Ich habe auch gehört, daß die Juden wider Dich murren und Dir Böses zufügen wollen. – Ich aber habe eine zwar kleine, aber wohlgeordnete Stadt, welche für uns beide hinreichend sein wird. Daher komme Du, mein überaus hochgeachtetster Freund Jesus, zu mir und bleibe bei mir in meiner Stadt und in meinem Lande! Da sollst Du von jedermann auf Händen und im Herzen getragen sein. – Ich erwarte Dich mit der größten Sehnsucht meines Herzens!

[HiG.03_45.03.27,06] Gesandt durch meinen getreuesten Knecht Brachus.

[HiG.03_45.03.27,00] Antwort des Herrn auf diesen Brief des Königs Abgarus:

[HiG.03_45.03.27,01] Abgarus, du bist selig, weil du Mich nicht gesehen und doch geglaubt hast! Denn siehe, es steht von Mir geschrieben, daß die, welche Mich gesehen haben, nicht an Mich glauben werden, auf daß die, welche Mich nicht gesehen haben, glauben und leben mögen in Ewigkeit!

[HiG.03_45.03.27,02] Was aber das betrifft, darum du Mir schriebst, daß Ich solle zu dir kommen, da Ich hier im Judenlande verfolgt werde, da sage Ich dir: Es ist nötig, daß alles das, um dessentwillen Ich gekommen bin in die Welt, an diesem Orte an Mir erfüllt werde, und daß Ich, nachdem dieses alles in der Kürze an Mir erfüllt sein wird, zu Dem aufsteigen werde, von dem Ich ausgegangen bin von Ewigheit.

[HiG.03_45.03.27,03] Sei aber geduldig in deiner leichten Krankheit! So Ich in den Himmel werde aufgenommen sein, da werde Ich einen Jünger zu dir senden, damit er deine Krankheit heile und dir und allen, die bei dir sind, die wahre Gesundheit gebe!

[HiG.03_45.03.27,04] Geschrieben durch Jakobus, einen Jünger des Herrn Jesu Christi, und übersandt durch Brachus, des Königs Boten, aus der Gegend Genesareth.

[HiG.03_45.03.27] Liebster Freund und Bruder im Herrn! – Ich glaube, diese Mitteilung wird Ihnen lieber sein als alle die Schweizer Wirren, die nichts Erhebliches für den Himmel in sich bergen. – Solche Briefe zwischen Jesum und dem Könige Abgarus sind mir noch sechs angezeigt. – Wenn ich wieder nach Graz kommen werde, will ich sie Ihnen nebst vielem anderen mitteilen ... J. L.

 

Segne die Feinde und behalte die Freunde im Herzen. – 28. April 1845, Greifenburg.

[HiG.03_45.04.28] Anselm H. zum Namenstag. Mein lieber, getreuer Ans. H. W., also spricht der Herr:

[HiG.03_45.04.28,01] Meine Liebe, Gnade und Erbarmung deinem Hause allezeit; denn du bist ein emsiger Bürger Meines Reiches, welches da ist das ewige Leben! Aber du hast manchmal ein heftig Gemüt in deinem Hause, und zuzeiten läßt du erheitern dein Herz durch den leeren Anblick einer schlanken Stadtdirne. Allein Ich sage dir: Das alles taugt nicht in Meinem Vaterhause; denn an allem dem klebt irdisches Interesse der Welt, und das taugt nicht ins Haus des Herrn alles Lebens, ins Haus des ewigen Vaters! Darum lasse ab von dem, und du wirst Mir um viele Stufen näher kommen!

[HiG.03_45.04.28,02] Also hast du auch eine Lust daran, aus den Zeitungen zu erfahren, was da alles in der Welt geschieht, und machest dabei nicht selten einen Parteigänger, wünschest deiner Partei den Sieg und der dir widrigen die Niederlage. Ich aber sage dir, daß da auch solches nicht gut ist; denn wird deine Partei geschlagen, so wirst du voll Ärgers und Ingrimms. Und siehe, das ist nicht ersprießlich für ein Herz, in dem Meine Liebe wohnen soll; denn diese muß Freunde und Feinde mit gleicher Glut umfangen – gleichwie die Sonne ihre Wärme und ihr Licht über alles ausströmt, ob es gut oder böse ist.

[HiG.03_45.04.28,03] Siehe, alle Menschen sind ja mehr oder weniger Sünder und sind ungerecht in ihren Urteilen. Willst du aber gerecht sein, so muß dich der Menschen Ungerechtigkeit nicht ärgern! Segne die Feinde und behalte die Freunde im Herzen, so wirst du Mir gleichen, der Ich am Kreuze die segnete, die Mich gekreuziget haben! –

[HiG.03_45.04.28,04] Diese Belehrung sei dir eine köstliche Gabe – befolge sie, so wirst du einen großen Nutzen haben zeitlich und ewig.

[HiG.03_45.04.28,05] Meine Liebe, Gnade und Erbarmung deinem Hause – und ein kleines Kreuzlein, das Ich dir werde zukommen lassen aus Meiner Liebe Amen.

 

Meine Liebe ist das kräftigste, wahre Heilmittel. – 15. September 1845, Greifenburg.

[HiG.03_45.09.15] An C. L. Also aber spricht der Herr:

[HiG.03_45.09.15,01] Höre, du Mein schwacher Sohn Meiner Gnade! Willst du zur wahren Gesundheit gelangen – wie des Geistes und so auch zeitlich des Leibes, so salbe dein Herz fleißig mit Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung und räuchere deine Brust mit dem ewigen Weihrauch des lebendigen Volltrauens zu Mir, deinem ewig lebendigen allmächtigen Vater, dann wirst du zur wahren zeitlichen und ewigen Gesundheit gelangen!

[HiG.03_45.09.15,02] Glaube ja nicht in deiner Brust, daß Ich dir nur durch eine gesegnete Medizin helfen kann, sondern glaube vielmehr, daß Ich dir wie jedermann auch frei helfen kann.

[HiG.03_45.09.15,03] So du lebendig allein bei Mir Hilfe suchst, so wirst du vollkommen gesund werden; denn da wirst du in Meiner Liebe das kräftigste Heilmittel gegen jedes Übel in deiner eigenen Brust tragen, welche Arznei ein alleiniges Universalmittel ist!

[HiG.03_45.09.15,04] Denn siehe, alle irdischen Arzneien gleichen in Hinsicht ihrer Wirkung wie ein Kampf der Höllengeister untereinander und sind daher allezeit ein wahres malum contra malum. Meine Hilfe aber ist in jeder Hinsicht ein wahres bonum contra malum, daher dasjenige wahre Heilmittel, durch das der Mensch allein von jeglichem Übel aus dem Grunde für ewig geheilt werden kann!

[HiG.03_45.09.15,05] Hast du aber schon ein zu geringes lebendiges Vertrauen zu Mir und suchst Meinen Segen mehr in der Natur als in Mir, dem Urheber der Natur, so magst du ja die ‚evangelische Salbe‘ gebrauchen, aber mit größter Ruhe des Gemütes, so wird es wohl auch besser werden mit deinen Nerven, denen du nur höchst selten eine stärkende Gebirgsluft zum Verspeisen zukommen läßt.

[HiG.03_45.09.15,06] Mache dich auf einige Wochen von deinem Weltgeschäfte los und mache eine Reise in Meine freie Schöpfung, das wird dich stärken in allem. Denn siehe, in den Städten der Welt bin Ich wie ein ganz kleines, oft ganz versiegendes Bächlein, auf dem freien Lande bin Ich wie ein Strom, und über den Bergen bin Ich wie ein Meer – und das der Menschen wegen.

[HiG.03_45.09.15,07] Daher gehe zum Strome, gehe zum Meere, so dir das Bächlein manchmal versiegt! Da wirst du viel Heilung und Stärkung finden. Ich habe es euch ja allen gesagt, daß ihr gerne auf die Berge gehen sollt. – Warum befolget ihr so wenig Meinen Rat und wollet lieber krank als gesund sein im Geiste wie im Leibe!

[HiG.03_45.09.15,08] Meine Lehre ist allezeit eine gar heilsame Lehre, wer sie befolgt, der wird niemals Not leiden und nie zu klagen haben. Befolge daher auch du genau Meine Lehre! Hänge nicht zu ängstlich an der Wohlfahrt deines Leibes, sondern sei stets volltrauig heiteren Herzens in Meinem Namen, so wirst du gesund sein zeitlich und ewig amen – in Meinem Namen amen, amen, amen. –

 

Nimm Mich zu deinem wahrsten Vater in dein Herz. – 28. Dezember 1845, Greifenburg.

[HiG.03_45.12.28] An Elise H.

[HiG.03_45.12.28,01] Ich weiß um deinen Tag und um den deiner Geburt, aber du weißt auch, daß Ich ein Feind des Gratulierens bin. Darum auch sende Ich dir so spät als möglich nach deinem Tage dieses Wörtlein und sage dir darin auch weiter nichts, als daß Ich dich recht lieb habe! – mit welchem Wörtlein du, Meine liebe Tochter, aber auch vollends zufrieden sein kannst.

[HiG.03_45.12.28,02] Du wirst zwar für eine kurze Zeit ein kleines Kreuzlein überkommen, das wohl nicht mit irdischen Diamanten besetzt sein wird, aber desto reichhaltiger an denen Meiner Vaterliebe und Gnade wird es sein! Nimm Mich vollends zu Deinem wahrsten Vater in dein Herz, so wirst du des Kreuzleins Bürde kaum wahrnehmen.

[HiG.03_45.12.28,03] Enthalte dich der Welt, die nichts als Tod und Verderben feilhat, und halte fest an Meinem Herzen – und zweifle ja nicht, daß Ich es bin, der dir das sagt, so wirst du zeitlich und ewig selig sein in Mir, deinem Herrn und Vater! –

[HiG.03_45.12.28,04] Alle deine Sorgen und unnötigen, dich so manchmal beklemmenden Gedanken lege nur fein auf Meine Schultern, dann wird alles gutgehen, und wir werden allezeit zum rechten Ziele gelangen!

[HiG.03_45.12.28,05] Aber was dich nur immer in der Welt anlächelt, das fliehe im Herzen; denn wo du nun auf der Welt hintrittst, Ich sage dir, da ist alles Maske, hinter welcher allerlei arges Geschmeiß steckt! – Ich sage dir: Ärger war die Welt auch zu Noahs Zeiten nicht, als sie jetzt in gar sehr vielen Stücken ist!

[HiG.03_45.12.28,06] Das nehme dir in aller Liebe zu Mir so recht lebendig zu Herzen und ertrage alles geduldig und gelassen sanft, so wirst du wachsen wie eine Zeder in Meiner Gnade!

[HiG.03_45.12.28,07] Klage aber auch nicht über die Welt, sondern opfere alles Mir auf! Ich werde zur rechten Zeit alles so machen und gestalten, wie es am allerrechtesten sein wird. Siehe, es hat die Welt ihren Lauf, der Himmel den seinen, und kein Tag gleicht dem andern. Das alles ist so in der Ordnung; denn auch an aller Welt muß die Weissagung erfüllt werden, so wie sie an Mir erfüllet ward!

[HiG.03_45.12.28,08] Daher aber mag auch ein jeder, der Mich liebt, in vollster Ruhe sein in seinem Herzen; denn er kann es ja förmlich mit Händen greifen, daß da überall Meine ewige Ordnung vorherrscht. Das Leben ist ein fortwährender Kampf; daher lasse dir den Weltkampf nicht zum Grauen werden; denn wenn du in Meiner Liebe bist, da wirst du mit diesem Kampfe wenig zu tun haben! – Ich allein bin für alle die Meinen der allmächtige Kämpfer in Ewigkeit.

[HiG.03_45.12.28,09] Damit gebe Ich dir aber auch Meinen lebendigen Segen und Meine Gnade amen. –

 

Ich will segnen, die du segnest! – 12. Februar 1846, Greifenburg.

[HiG.03_46.02.12] An Julie H.

[HiG.03_46.02.12,01] Deine Freude ist gerecht, daß Ich Mich Selbst freue in deiner Freude. Daher will Ich auch segnen, die du segnest! – Die kleine Martha ist auch Mir recht lieb, denn ihre Seele ist freier bei Mir denn die mancher anderen, die viel beten durch den Mund, aber wenig durch das Herz. – Sage ihr daher, daß Ich sie recht lieb habe. Und diese Meine Versicherung sei ihr ein teuerstes Bindband zu ihrem irdischen Namensfeste!

[HiG.03_46.02.12,02] Was sie von Mir erbitten wird, das will Ich ihr auch geben, so sie in der Liebe zu Mir verharren wird amen. –

 

Dein Maß in Meinem Reiche. – 21. April 1846, Greifenburg.

[HiG.03_46.04.21] An Anselm H. zum Namenstag.

[HiG.03_46.04.21,01] Du, den Ich im Mutterleibe zu einem guten Gefäße geschaffen habe aus Lehm, Wasser und Geist, den Ich nahm aus dem Odem Meines Herzens, siehe, Ich bin dein Gott und dein göttlicher Vater! Was gabst du Mir zuvor darum, daß Ich dich gebildet habe? Ich tat es frei und hatte nie einen Ratgeber, noch einen Helfer – also schuf Ich jedes Ding, wie Dich, ohne Rat, Hilfe und Entgelt.

[HiG.03_46.04.21,02] Da aber schon Meine Liebe und Weisheit so große Dinge tat an den Menschen, warum schätzen sich dann die Geschaffenen unter sich? – Wer da sagt, dieser ist besser und jener vorzüglicher, der tut Mir zuvor; denn das Urteil über ein Werk trifft den Werkmeister und nicht das Werk.

[HiG.03_46.04.21,03] Wie tun aber die Menschen – so ein Vater, so eine Mutter? – Sagen sie nicht: Siehe, mein Sohn, du bist von besserer Geburt! Dir taugt die gemeine Dirne nicht zum Weibe, nimm dir eine Ebenbürtige! Und du, meine Tochter, was hast du mit diesem Manne niederen und dürftigen Standes zu tun? Siehe, es gibt Edle und Reiche, für die deine Hand und dein Herz geschaffen. – Was meinst du wohl, geht diese Klassifikation Mich, den Werkmeister, oder den Menschen, die alle gleich Mein Werk sind, an? – Ich meine, das Urteil trifft Mich!

[HiG.03_46.04.21,04] Die Folge davon wird sein eine große Musterung über dem Grabe; denn Ich als der ewig unendlich Vollkommenste kann es doch nicht über Mich nehmen, daß Mich Meine Werke also als unvollkommen schelten durch solche Urteile.

[HiG.03_46.04.21,05] Darum sage Ich dir: Willst du auf der Erde des Himmels Vollkommenstes schauen, so schaue das Allergeringste an, – denn das Höchste auf der Erde wird drüben das Unterste und Elendeste sein.

[HiG.03_46.04.21,06] Willst du einen Maßstab haben, der dir dein Maß in Meinem Reiche zeigen kann, dann suche, wer dir gleichkommt – welchen Hauses Tochter soll dein Sohn nehmen dereinst, und von welchem Gewichte solle der Mann für deine Tochter sein? – Frage dich aber streng im Herzen, so wirst du es ganz genau finden, wieviel dir noch übrigbleibt vor dem Innersten Meines Reiches. Denn da ist es nicht genug zu sagen, siehe, mir sind alle Menschen gleich, und der Niederste ist meinem Herzen am nächsten, sondern das muß lebendige Wahrheit sein im Geiste, umseelt mit dem festesten Willen; dann auch ist Mein Reich im Menschen lebendig. Aber wo noch wie immer gestaltete Grade über den Wert des Menschen (wohlverstanden Menschen und nicht Räuber, Hurer, Ehebrecher, Diebe, Geizhälse, Totschläger und dergleichen, die nicht Menschen, sondern Teufel sind) im Herzen auftauchen, wo sich die Natur noch dagegen sträubt, da ist Mein Reich um noch ebenso viele Grade entfernt, als um wie viele Grade sich jemand bei sich aus was immer für Rücksichten für besser und vorzüglicher hält.

[HiG.03_46.04.21,07] Bis jemand nicht die allerunterste Stufe in allen Außeninteressen seines Herzens wird erreicht haben, wird er in Mein Reich nicht eingehen können; denn Ich habe Mir Selbst das Niedrigste erwählet! –

[HiG.03_46.04.21,08] Siehe, das ist eine gute Lehre und Gabe – sie ist der unfehlbarste, schnurgeradeste und somit kürzeste Weg zu Mir, der als ein Angebinde für deinen Tag wohl am besten taugt. Nimm ihn lebendig auf in deinem Herzen, so wird er dir auch die lebendige Frucht Meines Wortes in dir bringen. Und wirst du Mein Wort haben, dann hast du auch Mein Reich ewig amen. – Das sagt, Der dich im Mutterleibe aus Lehm, Wasser und Geist gebildet hat amen, amen, amen. –

 

Im Kreuze keimt das ewige Leben für Seele und Geist. – 11. September 1846, Greifenburg.

[HiG.03_46.09.11] An Carl R. v. Leitner.

[HiG.03_46.09.11,01] Höre Mich, du Mein Freund und Bruder, aus deinem wohlgezierten Herzen! Mache dir aus deinem etwas geschwächten Fuße nicht viel, mit der Zeit wird es schon besser werden mit ihm. Siehe, alles ist gut, was Ich gebe; aber das Beste unter allen Meinen Gaben ist das Kreuz, denn in diesem keimt das wahre ewige Leben für Seele und Geist! –

[HiG.03_46.09.11,02] Wenn die Bäume viel Blätter treiben, dann kommt wenig oder wohl gar keine Frucht zum Vorscheine; sehen aber die Bäume mehr mager und kränklich aus, dann geben sie viel Frucht. – Siehe, also ist es auch mit dem Menschen, solange er lebt auf dieser Erde. Ist sein Leib recht frisch und gesund, da fühlt er wenig von einem Bedürfnisse nach Mir und läßt Mich bald, wie die Welt sagt, einen sogenannten ‚guten Mann‘ sein. Aber bei einer kleinen Leibeskrankheit, besonders wenn diese die irdischen Ärzte nicht beheben können, wird der Mensch wie mit einem Bande an Mich wieder angezogen und fängt wieder an, bei Mir Hilfe zu suchen, was für seinen Geist sehr heilsam ist. Denn also fängt dieser wieder an zu wachsen von innen und arbeitet an künftigen Fruchttrieben fürs ewige Leben, was in sich viel besser ist, als ein vollends gesunder Leib mit einem nahe toten Geiste, aus dem keine Frucht zum ewigen Leben knospet.

[HiG.03_46.09.11,03] Siehe, aus dem Grunde belasse Ich auch dir dein kleines Fußübelchen, das wahrlich in nichts anderem besteht, als in einem ganz leichten Bändchen, das Ich ganz sanft nur um deinen Fuß geschlungen habe, auf daß Ich sozusagen eine Handhabe in Meiner Hand habe, um dich wahrhaft am Gängelbande über die Pestgefilde der Welt hin zum ewigen Leben zu leiten! Daher ist auch dieses Bändchen etwas hartnäckig und läßt sich weder so ganz durch eine Salbe wegschmieren, noch durch ein Bad wegwaschen! – Wann es aber an der Zeit sein wird, werde Ich dich schon ganz gratis vollkommen freilassen.

[HiG.03_46.09.11,04] Das diene zu deiner Beruhigung und zu deinem großen Troste, auf daß du zeitweise nicht kleinmütig werdest, so Ich manchmal das Bändchen etwas straffer halte. Du aber denke dabei allezeit, so du im Fuße eine leise Unbehaglichkeit verspürst: Nun hat wieder mein guter Vater im Himmel das Bändchen zu meinem Heile angezogen! – Ihm alle meine Liebe darum!

[HiG.03_46.09.11,05] So du das öfter tun wirst im Herzen, werde Ich auch stets mehr nachlassen am Bande des Fußes und werde dagegen fester ergreifen das Band des Herzens, – aber die Fußwaschung ist das erste bei der Wiedergeburt des Geistes!

[HiG.03_46.09.11,06] Damit sei dir Mein Segen, Meine Liebe, Gnade und Erbarmung ewig amen. –

 

Beginn der Niederschrift des Werkes ‚Die Erde‘ unter dem Titel: Natürliche und metaphysische oder geistige Darstellung des Mittelpunktes der Erde. – 28. Dezember 1846, Graz. (Schluß des Werkes am 27. April 1847.)

[HiG.03_46.12.28] Schreiber: Ans. H. (nach dem Diktat des Herrn an Jakob Lorber)

 

Fragen zu Texten bei Markus und Johannes. – 3. Januar 1847.

[HiG.03_47.01.03] (Fragende: Paul, Peter und Pauline H.)

[HiG.03_47.01.03,00] Markus 9,10: Und sie fragten Ihn und sprachen: Was sagen denn die Pharisäer und Schriftgelehrten, daß Elias müsse zuvor kommen?

[HiG.03_47.01.03,00] Johannes 7,13: Doch redete keiner frei von Ihm aus Furcht vor den Juden.

[HiG.03_47.01.03,00] Johannes 3,12: Wenn Ich zu euch von dem Irdischen rede und ihr nicht glaubet, wie solltet ihr glauben, wenn Ich zu euch von dem Himmlischen rede?

[HiG.03_47.01.03,01] Siehe, das ist die rechte Form, wie die Welt gewöhnlich fragt bei allen Verheißungen aus den Himmeln, ob sie nicht von den Wundern, die sich die Welt in ihrer großen Torheit darstellt, vorbereitet werden. – Die in alle Blindheit verfallene Welt begründet sich danach stets mehr in ihrer Torheit und malt sich die verheißenen Erscheinungen am Ende auf eine solch materielle Art aus, wie sie in eines Engels Sinn nie hätten aufkommen können. Kommen dann aber die vorgesagten Zeichen sicher in einer ganz andern Gestalt, als sich selbe die dumme Welt ausgemalt hat, da wird geradeso gefragt und der Elias wird, wie bei den Juden, allezeit vermißt.

[HiG.03_47.01.03,02] Also geht es nun mit der Verheißung von Meinem tausendjährigen Reiche; man erwartet es materiell in Meiner persönlichen Gegenwart! – Siehe, dieses Reich ist schon lange da im Geiste und im Herzen der guten Menschen. Aber weil der materielle Elias – oder die von der Verheißung voreingebildete Dummheit – nicht also zum Vorscheine kommt, wie sich diese eben die Welt in ihrer ehernen Blindheit ausgemalt hat, so geht es nun Mir und Meinem Reiche genau also, wie es Mir vor neunzehnhundert Jahren ergangen ist.

[HiG.03_47.01.03,03] Nicht einen, sondern wohl tausend Eliasse habe Ich seither, das Volk der Erde auf Meine Ankunft als Vater vorbereitend, auftreten lassen, aber (es ging und) geht ihnen um nicht vieles besser als dem Johannes in der Wüste. Dir, du Mein junger Frager, aber diene das zur wahren Prüfung des Wortes! Willst du Mein Reich finden, da suche du den kommen sollenden Elias in dir, der da ist ein rechter Wandel nach Meinem Worte, dann wird Mein Reich schon kommen in aller Kraft und Herrlichkeit inwendig in dir selbst! –

[HiG.03_47.01.03,04] Ich bin aber also auf diesem vorgesagten rechten Wege wohl schon bei vielen, die sich alle schon in Meinem Reiche befinden; aber diese Vielen gleichen jenen guten Juden, die sich aus Furcht vor den bösen großen Weltjuden nicht frei von Mir zu reden getrauen. War schon die Furcht der Juden gewisserart eine wechselseitige, wo sich der Große vor dem Kleinen und also umgekehrt scheute. Aber in dem ist nun ein Unterschied; denn nun fürchtet stets der Kleine den Großen. Doch das wird nur noch eine kurze Zeit dauern, dann wird die Furcht sehr gewaltig verkehret werden.

[HiG.03_47.01.03,05] Wenn dieses geschehen wird, dann wird jeder Meines Reiches bestens verstehen, was der kommen sollende Elias für ein Mann ist; dann wird auch das Mädchen, das jetzt Irdisches schwer begreift, auch mit großer Leichtigkeit die himmlischen Dinge fassen, wenn sie ihr auch nicht von irgendeinem selbstsüchtigen und sehr eigennützigen Schulschwestern-Kollegium nach der Kapuziner Art erklärt werden! – Denn das alles wird Mein Geist tun bei den Kleinen und Schwachen. Aber deshalb wird die Welt doch stets sehr blind und dumm bleiben; denn diese wird den wahren Elias nicht erkennen, wie sie ihn noch nie erkannt hat! –

[HiG.03_47.01.03,06] Ihr aber sollet den Elias erkennen – und habet ihn auch schon erkannt; denn er ist schon lange bei euch. – Wie ihr ihn aufnehmet, so nehmet ihr auch Mich auf; aber wohlverstanden hauptsächlich geistig amen. – – –

 

Die Perle. – 31. Januar 1847.

[HiG.03_47.01.31,01] In des Meeres tiefem Grunde, da wo die mächt'ge Woge erregt von grauser Windesbraut nimmer wühlt im tiefgelegnen Meeressande und wohl leicht nicht trübt den kargen Schimmer, der, ein Strahl der Sonne, noch die feuchte Meereswand durchwirrt und des Lichtes letzte Spitzen taucht in Haies Falkenauge, – da ruht ganz still in festgeschlossner Mutter eine hehre Frucht, die edelste der Tiefe, die, herauf ans Sonnenlicht gebracht, der Sonne wird zum Spiegel – und glänzt und pranget gleich mit ihr als Edelste mit der Edelsten! – Da schmückt mit ihr der König seinen Herrscherthron, die Fürstin ihren Arm, Haupt und Hals. Der großen Perle großen Wert weiß selbst ein Salomo genug zu schätzen nicht. – Die Edelsteine müssen erst geschliffen werden, sonst zieren sie die Kronen nicht; doch keines Schliffes bedarf die Perle mehr; wie sie der dunkle tiefe Meeresgrund gegeben, so ist sie schon die herrlichste Juwele! –

[HiG.03_47.01.31,02] O Menschen! In euch auch ist ein Meer, in seinen Friedenstiefen bergend solchen Schmuck, damit der Himmel Fürsten reichlichst schmücken ihre Stirnen, Brust und Lenden! –

[HiG.03_47.01.31,03] Kennt ihr Menschen ihn, kennt ihr die Perle, die der Armut Herz im armen Bruder birgt, und die herrlicher und größer sich gestaltet in des Gebers liebend-warmem Herzen, das da allzeit Gutes übt im stillen Meeresgrunde seines Liebefriedens – und edler wird und hehrer als der Sonne lichterfüllte Sphären? – O seht, das ist des Himmels Werden und sein Lichtgestalten in dem tiefen Lebensgrunde; Mein Gotteswort mit Fleisch bedeckt zwar noch, doch himmlisch wirkend, weil selbst Himmel über alle Himmel, also Himmel zeugend, schaffend, Licht gebärend in der Mutter, die da ist die Liebe – Gottesliebe, Bruderliebe, allumfassend, all's ergreifend, an sich ziehend und in ihrem Adel selbst das Allertiefstgesunkne noch bemühet in ihr Edles zu verkehren, – gleichwie die Perle des tiefen Meeres Schlamm in ihren hohen Adel zieht und ihn verkehret in ihr edles Wesen.

[HiG.03_47.01.31,04] Nicht richtet die Perle den Schlamm, den sie verkehret in ihr Wesen durch ihr stilles Wirken, das die Welt nicht sieht und nicht bemerkt, wo doch so viel Edles wird gezeugt, daß die Welt den großen Wert nicht einmal kennt und ihn nicht zu schätzen weiß, – und es wird da das Edelste und Köstlichste im engsten stillen Raum gezeugt.

[HiG.03_47.01.31,05] Also auch soll spiegeln sich ein wahrer Mensch in der Perle eignem Schimmer, der da lieblicher wohl ist als des Orions Feuerpracht, dann wird in sich er finden, was seines Lebens Meerestiefe birgt.

[HiG.03_47.01.31,06] Der Weg ist offen, schlummernd hat der Sturm sich gelegt; wer mag da zaudern noch?! – Handelt, handelt nach dem Worte, werdet echter Perlen echte Fischer! – In eures Herzens Meer der Barmherzigkeit senkt eures Willens Taucherglocke, und spannet eurer Bruderliebe Netz über den Schlamm der Armut, da werdet einen guten Fang ihr tun, – denn Ich Selbst werde als Perle der Perlen sein unter den Perlen, die ihr in das Brudernetz eurer Liebe gefangen habt; denn wie die Perle in des Meeres stiller Tiefe wird, so werde Ich in eurem Herzen eine Lebensperle, die euch nimmer genommen wird ewig. –

[HiG.03_47.01.31,07] Ein Licht ist diese Perle, ein Leben ist sie, ein lebendiges Wort, ein Himmel, Ich Selbst die Perle der Perlen! Daher gehet und sammelt die Perlen, und so ihr die große findet, dann gebet alles her und kaufet euch diese, denn Ich Selbst bin diese große Perle, – wer die hat, der hat alles; denn ihr Wert wird ewig, ewig unschätzbar verbleiben! – Also spricht ein Gott von Gott aus Gott, der Mensch ward, um die Menschen zu Göttern zu machen. Werdet also durch die Perle der Perlen selbst zu Perlen; werdet Götter durch Mich, euren Gott und Vater für ewig amen, amen, amen. – – –

 

Sorget nicht, die Sorge beschwert das Herz! – 14. Februar 1847.

[HiG.03_47.02.14] Für Alexandrine und Julie H.

[HiG.03_47.02.14,01] Schreibe nur, Ich weiß es schon, was du hast! Deine beiden Klienten möchten von Mir ein Wörtlein, darum, daß die eine geboren ward, und die andere, daß ihr Taufnamenstag naht, wovon der Tag der Geburt freilich für jeden Menschen um sehr vieles mehr gilt als der römische Taufnamenstag.

[HiG.03_47.02.14,02] Ich will aber darum deinen beiden ein Gleiches geben, denn siehe, sie haben uns ja eben heute früh das Haustor geöffnet. Darum müssen wir ihnen schon auch etwas recht Schönes geben, daran sie eine rechte Herzensfreude haben sollen – und das als eine Entschädigung für den heutigen Schreck an der Hausflur, von dem sie zwar nichts mehr wissen, weil Ich ihnen das zu ihrem Besten wieder aus der Seele nahm. – Aber das macht nichts. Sie werden derlei geistige Auftritte zwischen Mir und ihnen dereinst schon gewahr werden und dann erst so recht erkennen, wie nahe, wie gut Ich ihnen immer war, wie stets besorgt um ihr geistiges, seelisches und auch leibliches Wohl.

[HiG.03_47.02.14,03] Und so schreibe denn zuerst der kleinen Martha, daß Ich ihr durch dich sagen lasse, sie solle in ihrer Liebe zu Mir verbleiben und Mich zum Hauptgegenstande ihrer Liebe machen in ihrem Herzen, so wird sie mehr gewinnen in einer Minute, als mit all ihrem Martha-Kümmern in tausend Jahren. Ich will aber ihren häuslichen Fleiß nicht tadeln, sondern lediglich nur das, was dabei oft unnötig ist, wegwünschen.

[HiG.03_47.02.14,04] Dergleichen Unnötiges taugt nicht zum Geschäft der Hauswirtschaft, das Ich gar wohl kenne; denn auch Ich habe einst auf Erden im Hause Joseph allerlei häusliche Geschäfte besorgt und verrichtet. – Recht und fleißig handeln ist gut, aber sich übertrieben um etwas sorgen, das ist nicht recht; denn wer Mich kennt und liebt, der muß alle Sorgen auf Mich legen, denn die Sorge beschwert das Herz und drückt es da oft nieder, wo es sich zu Mir erheben soll.

[HiG.03_47.02.14,05] Also aber muß das Herz fortwährend frei sein, damit es sich allezeit frei und leicht zu Mir erheben kann, durch welche Erhebung es von Tag zu Tag geistiger und lebendiger werden kann.

[HiG.03_47.02.14,06] Noch eine Unnötigkeit besteht in einer etwas übertriebenen Reinlichkeitsliebe im irdischen Hauswesen. Die Reinlichkeit ist wohl überall recht, aber nur eine oft eitle Besorgnis darum ist nicht in der rechten geistigen Ordnung. Denn alle Sorge taugt nicht fürs Herz des Menschen und ist eitel, weil sie das Herz schwer macht. – Sorge ist nur Meine Sache! Du, Meine liebe kleine Martha, aber sorge dich gar nicht, denn siehe, alles was du tust, kannst du auch ganz sorglos tun und wirst dabei geistig und leiblich gesund sein. Ob du dich sorgest oder nicht, deswegen wird dennoch alles geschehen; denn so Ich es will, geschieht es ohne deine Sorge, – will Ich es aber nicht, so magst du dich tausend Jahre Tag und Nacht sorgen, so wird es dennoch nicht geschehen, darum, weil Ich es nicht will!

[HiG.03_47.02.14,07] So sich aber jemand schon sorgen will, da sorge er sich allein um Mich und Mein Reich (das ist die Liebe), alles andere wird ihm gratis hinzugegeben werden.

[HiG.03_47.02.14,08] Nun aber noch etwas, Meine liebe Martha, du mußt deinen Tabakgusto verbannen; denn siehe, das ist fürs erste häßlich, und fürs zweite ist es für deine Natur sehr schädlich. Daher mußt du dich Mir zuliebe in diesem Stück schon recht bezähmen, sonst wirst du noch lange nicht völlig gesund werden. Denn siehe, der abscheuliche Tabak ist ein Gift und entsteht aus dem Teufelsdreck, wie auch die alten Weisen diese Giftpflanze benannt haben. Daher mußt du dich darin wohl bezähmen, sonst könnte Ich es neben dir mit der Zeit vor lauter Gestank ja nicht aushalten. Denn siehe, dieses Unkraut stinkt besonders in dieser Zeit für Mich ganz besonders, weil durch dasselbe gar so überaus viel Unheil angestiftet wird. Daher lasse du in Zukunft das Schnupfen; es ist genug, daß die sich dieses Unkrautes bedienen, die sich schon von Jugend auf daran gewöhnt haben. Aber auch für diese wäre es besser, wenn sie es bleibenließen.

[HiG.03_47.02.14,09] Und siehe, das ist es aber auch, was Ich dir – oder besser von dir nicht nur zu deinem Namenstage, sondern allezeit wünsche! Und wirst du diesem Meinem Wunsche in deinem Herzen entsprechen, so wirst du ehestens am Geiste und am Leibe gesund werden in der Fülle Amen; das sage Ich, dein lieber heiliger Vater amen, amen, amen. –

[HiG.03_47.02.14,10] Und nun schreibe also noch ein Wörtlein für die Schwester der kleinen Hausmartha, die heißt Alexandrine.

[HiG.03_47.02.14,11] Von dir, du Meine liebe Alexandrine, verlange ich nichts – als die Liebe. Denn siehe, die Schönen gefallen auch Mir; und du bist schön, darum gefällst du Mir auch überaus wohl. Aber du mußt da etwa nicht deinen Leib darunter verstehen, sondern dein Herz nur, das gegen Meine armen Brüder und Schwestern sehr schön ist, was Mir an dir überaus wohl gefällt.

[HiG.03_47.02.14,12] Aber dennoch habe Ich etwas wider dich, und das ist, daß du manchmal in deinem Äußeren etwas eitel tust und gerne sozusagen pitzelhaftig wirst. Siehe, derlei Krenwürzlein müssen aus dem Leibe heraus, sonst verbittern sie mit der Zeit das Herz, und ein bitteres Herz mag nicht annehmen Meine Liebe! – Das mußt du ganz ablegen, wie du schon wirklich einen bedeutenden Teil abgelegt hast, dann wirst du dich ganz für Meine Liebe eignen.

[HiG.03_47.02.14,13] Auch mußt du dich nicht zu sehr auf die Frisierkunst verlegen, denn ein zu sehr in Zöpfen verwickelter Kopf ist zumeist ein Aushängeschild des Herzens und zeigt an, daß dieses auch zumeist so verflochten ist wie der Kopf mit seinen Zöpfen.

[HiG.03_47.02.14,14] Nummer drei aber will Ich dir, du Mein liebstes Seelchen, noch etwas sagen: Da du nun noch recht jung und natürlich zart und üppig bist, so meide die Fensterluft und setze dich nie zu nahe an die Fenster, so wirst du nie einen Ausschlag, weder im Gesichte des Leibes, noch im Gesichte deiner schönen Seele bekommen.

[HiG.03_47.02.14,15] Das alles wünsche Ich dir nicht nur für den Geburtstag deines Leibes, sondern für deine ganze Lebenszeit. Dann wirst du vollends Meine Geliebte sein und Ich dein lieber heiliger Vater zeitlich und ewig amen. Das sage Ich in aller Meiner zärtlichsten Liebe zu dir amen, amen, amen.

 

Alles, was von Mir ausgeht, ist eine Gabe. – 18. April 1847.

[HiG.03_47.04.18.a,01] Du möchtest schon wieder eine gewisse Gratulation, und zwar für deinen Freund und Bruder Anselm H. W. – aber siehe, was bei Mir einmal gilt, das gilt allezeit und ewig. Ich bin nicht, daß Ich jemandem gratulierte gleich den albernen Menschen zum Geburts- oder Namenstage. Denn das tun eben nur dumme Menschen, die nichts geben können oder zumeist nichts geben wollen, so sie auch noch etwas geben könnten, oder solche, die fürs Gratulieren etwas bekommen wollen oder wenigstens möchten.

[HiG.03_47.04.18.a,02] Ich aber, der Ich nur geben und nicht von jemandem irgend etwas nehmen kann, da ja ohnehin alles Mein ist, was je irgend ein Mensch zu besitzen wähnt, kann niemandem gratulieren, denn alles, was von Mir ausgeht, ist eine Gabe und unmöglich je eine Gratulation!

[HiG.03_47.04.18.a,03] Wem könnte Ich wohl irgend ein rechtes Glück wünschen und ihm es nicht geben, sondern, wie gesagt, bloß nur wünschen, wie es die Menschen tun? Oder wie könnte Ich jemandem zu irgendeinem Glücke gratulieren, als hätte er es etwa nicht von Mir erhalten?

[HiG.03_47.04.18.a,04] So du aber jemandem etwas geben möchtest und gingest dann aber selbst zu dem Beteilten und möchtest ihm dann noch obendrauf gratulieren darum, daß er so glücklich war, von dir eine solche Glücksgabe zu bekommen, – müßtest du darob nicht zuerst dich selbst auslachen ob solcher großen Dummheit, und müßte dich der Beteilte nicht selbst für einen nahe Irrsinnigen halten, so du ihm zu dem, was du ihm gegeben, noch obendrauf selbst gratulieren möchtest? Das können wohl andere, aber nicht der Geber selbst tun.

[HiG.03_47.04.18.a,05] So es aber schon bei den Menschen und unter den Menschen sehr läppisch und dumm wäre, so etwas zu tun, was für ein Gesicht hätte das aber erst dann, so Ich, der Herr und alleinige wahrste Geber aller guten Gaben, so etwas täte? Würden darob nicht alle Kühe, Ochsen, Kälber, Pferde, Esel und Schafe auf alle Spitzen der Bäume steigen und Mich und alle Welt auslachen? – Siehe, siehe, so etwas von Mir zu verlangen, ist wohl noch sehr albern und läppisch von dir.

[HiG.03_47.04.18.a,06] Ich will und kann dem A. H. W. wohl etwas geben, wie Ich ihm gar sehr vieles schon gegeben habe; aber für eine Gratulation solle solch eine Gabe weder von dir, noch von jemand anderem angesehen werden; denn wie schon gesagt, Ich kann nur geben, aber ewig nie gratulieren. Daher folge hier auch eine Gabe, aber keine Gratulation.

 

Eine Gabe für A . H. W. – 18. April 1847

[HiG.03_47.04.18.b,01] Höre du, Mein lieber und sehr fleißiger Abschreiber Meiner Liebegaben für Geist, Herz und Verstand, der da ist eine Sehe der Seele! Du beklagst dich immer über allerlei Schwächen deines Fleisches; bald ist dein Kopf nicht in der Ordnung, bald deine Füße, manchmal auch dein Magen, den du öfter einer gewissen Blödheit beschuldigst. Aber siehe, das kann nicht anders sein; denn du bist noch immer ein kleiner Schwelger und trinkst Bier und Wein durcheinander und ißt dazu bald dies, bald jenes, was dir gerade dann und wann schmeckt. Meinst du wohl, daß das deinem Leibe dient? O mitnichten! Das alles ist ein Gift für deinen in Jahren schon etwas vorgerückten Leib.

[HiG.03_47.04.18.b,02] Versuche nur einmal und gib von allem, was du in einer Woche ißt und trinkst, nur einen kleinen Teil in einen Topf und berieche nach acht Tagen dieses Topfes Inhalt, und du müßtest sehr abgestumpfte Geruchsnerven haben, so dieser Gestank dir nicht sogleich einen großen Ekel erzeugen würde.

[HiG.03_47.04.18.b,03] Wenn aber derlei Allerhanddurcheinander in einem kalten Topfe so üble Mefitika erzeugt, was muß es dann erst im warmen Magen alles für böse Dünste erzeugen, die sich dann mit dem Blute vereinen und die Nerven des Leibes bösartig narkotisieren, woher dann allerlei leibliche Schwächen erwachsen müssen!

[HiG.03_47.04.18.b,04] Wenn du aber dann und wann etwas mehr kränklich wirst, so bleibst du zu Hause und wirst wieder gesund. Da kommt dir die häusliche Diät wohl zustatten. Wird sie dir wohl schaden, wenn du gesünder bist? Ich meine es nicht.

[HiG.03_47.04.18.b,05] Willst du recht gesund sein und alt werden, so bleibe du schön fleißig bei deiner Hausdiät! Bestelle dir abends zu Hause ein einfaches, dir gut schmeckendes Abendmahl, aber nicht zu sauer und zu stark gesalzen, du magst etwas Wein mit Wasser genießen und zuvor einen guten Gang ins Freie tun, so wirst du gesund und stark verbleiben. Du magst auch dann und wann an schönen Tagen irgendwohin gehen, da ein guter Wein ist, aber das schlechte Lumpengesüff von einem Bier meide! Denn das hat alle schlechten Eigenschaften, nur keine guten – besonders in dieser betrügerischen Zeit, in der Hopfen und Malz rein verdorben sind.

[HiG.03_47.04.18.b,06] Wenn noch irgend ein reines Gersten- und Hopfenbier zu haben wäre, so wäre davon ein mäßiger Genuß gerade nicht nachteilig, wenn auch eben nicht zu heilsam, weil es nur träge und sehr herabstimmende Spezifika in sich enthält. Aber ein Bier, wie es hier in diesem Orte fast allgemein bereitet wird, Ich sage es dir, ist ein barstes Gift. Denn es nährt nicht und löscht nicht den Durst, sondern es betäubt nur und erzeugt noch mehr Durst, damit die Leute desto mehr zu trinken genötigt werden.

[HiG.03_47.04.18.b,07] Aber nicht nur für den Leib, sondern noch bei weitem mehr für Seele und Geist ist das abendliche Gasthausschmausen bei Bier und Tabakdampf überaus schädlich, da dabei durch die schlechte Kost in den Leib allerlei scheußliche Spezifika aufgenommen werden, die dann Seele und Geist trübe machen. Zu dem gesellt sich aber noch die Nacht der Erde, in der auch das allerschlechteste psychische Spezifikalgesindel in den Luftraum der Erde aufsteigt und im selben wo und wie nur möglich durch das Fleisch, das es augenblicklich durchdringt, die Seele mit allerlei Scheußlichkeiten besudelt und nicht selten mit unkeuschen Gedanken und Begierden erfüllt.

[HiG.03_47.04.18.b,08] Siehe, du Mein lieber Freund A. H. W., Ich bin auch ein leiblicher Arzt; wirst du Meinem Rate folgen, dann wirst du stets recht gesund und stark in deinem Leibe wie in deiner Seele sein, und dein Geist wird leicht Meister derselben werden.

[HiG.03_47.04.18.b,09] Dieses Rezept sei dir daher auch eine angenehme Gabe von Mir zu deinem irdischen Namenstage. Befolge es, und sein Segen soll nicht unterm Wege bleiben! Das sage Ich, Dein heiliger bester Vater dir, amen, amen, amen.

 

Über den Wiedergeburtstag des Geistes. – 10. Mai 1847.

[HiG.03_47.05.10] An die Elise H.

[HiG.03_47.05.10,01] Also wäre wieder ein Geburtstag da. – Es kommen zwar die weltlichen Geburtstage auch von Mir, dem Herrn alles Werdens und Seins, aber trotzdem sind Mir die Geburtstage des Geistes mit den Sterbetagen des Fleisches lieber als eben die nun gar häufig überaus mißlichen, ledigen Geburtstage des Fleisches.

[HiG.03_47.05.10,02] Ich will aber damit nicht andeuten, als sollte da jemand ob des Wiedergeburtstages des Geistes und dessen Seele auch schon wirklich dem Leibe nach sterben und somit alles Zeitliche urplötzlich verlassen – o mitnichten, das verlange Ich nicht, und es ist die gute Sache auch nicht also zu verstehen. Sondern mit dem Sterbetage des Fleisches will Ich nur das Vergehen von allerlei weltlichen Gelüsten und Begehrnissen ganz wohl gemeint und verstanden haben, weil keines Menschen Geist und Seele völlig wiedergeboren werden können zum wahren Himmelreiche, solange irgend weltliche Bekümmernisse an der leidigen Seele haften.

[HiG.03_47.05.10,03] Denn es geht mit der Wiedergeburt des Geistes und der Seele fast gerade also, wie mit dem Aufsteigen eines schon gefüllten sogenannten Luftballons. Dieser wird während des Füllens mit Seilen, Stricken und allerart Schnüren an in die Erde eingeschlagenen Pfählen befestigt, damit er nicht mit der halben Füllung aufsteige und dann in der niederen Luftregion von allerlei Winden hin und her getrieben leicht an irgendeinem harten Baumaste sich verhänge und Risse bekomme. Wenn er aber vollgefüllt ist und fähig, in die höchsten Regionen aufzusteigen, so müssen alsbald alle Seile, Stricke und Schnüre, die den Ballon früher an die Erde festhielten, abgeschnitten werden. Sonst wird der Ballon wohl an den Bindemitteln zerren, aber zum Aufsteigen in die freien Höhen wird er nicht kommen, bis nicht die letzte Schnur abgerissen ist.

[HiG.03_47.05.10,04] Dieses Gleichnis aber lehrt, daß ein Mensch, wenn er auch noch so voll guter, wahrer christlicher Werke ist und sein Herz voll Liebe zu Mir und seinem Nächsten, er zwar alle Fähigkeit in sich trägt, die volle Wiedergeburt des Geistes zu erlangen, aber es halten ihn daneben so einige Schnürchen mit der Welt auch noch im Verbande! – Solange diese Schnürchen aber nicht völlig abgeschnitten sind, so lange kann auch sich der sonst selbst beste Mensch ebensowenig in die freie Höhe Meines Lebensreiches aufschwingen, wie ein vollgefüllter Ballon, den aber noch gewisse Schnüre an die Erde binden.

[HiG.03_47.05.10,05] Siehe du, Meine allerliebste Tochter Elisabeth, das aber ist eben auch bei dir, wie bei deinem Manne und deinen Kindern besonders der Fall. Du bist zufolge deiner Mir überaus angenehmen Werke in deinem Herzen vollends fähig, die zweite Geburt zu erlangen. Aber siehe, eine gewisse Zahl von Weltschnüren hält dich noch mit der Welt im Verbande und hindert dich an der endlichen völligen Aufsteigung in Mein Reich bei deinen Leibeslebzeiten, die dir zwar nach der einstigen Ablegung des Leibes nicht entgehen wird, aber dir nun noch nicht eigen ist in der praktischen Fülle ob der erwähnten immerhin lästigen, wennschon an sich mehr unbedeutenden Weltschnürchen. Daher Ich dir zu diesem deinem Leibesgeburtstage auch nichts angelegentlicher wünschen kann, als die baldige völlige Losschälung von allem dem, was dich noch irgendwo an die Welt bindet.

[HiG.03_47.05.10,06] Prüfe dich aber nur recht sorgfältigst selbst, und du wirst nach und nach leicht und bald alles finden, was dich bei deinen Leibeslebzeiten die völlige Wiedergeburt nicht in der Fülle erreichen läßt.

[HiG.03_47.05.10,07] Von Mir aus aber bist du wohl schon wiedergeboren, und es fehlt dir sozusagen fast gar nichts mehr als bloß die Aufsteigung. Diese aber ist aus überaus weisen Gründen jedem Menschen selbst überlassen. Daher bemühe dich nur recht emsig, von der Welt auch in den kleinsten Fäden los zu werden, so wirst du leicht und bald jenen zweiten, vollkommenen Geburtstag für alle Ewigkeit erleben, der dir nimmer wird genommen werden!

[HiG.03_47.05.10,08] Das ist der getreueste und wahrste Wunsch Dessen, der dich schon eher geliebt hat, als die Erde noch gegründet ward, – der dein wahrer Vater ist und bleiben wird von Ewigkeit zu Ewigkeit amen, amen, amen. –

 

Viele sind berufen, aber wenige auserwählt. – 18. Mai 1847.

[HiG.03_47.05.18,01] Diese Stelle des Evangeliums wird, wie nicht leichtlich eine andere, ganz grundfalsch nahe bei allen Religionskonfessionen verstanden, denn fast alle sind der Meinung und bei den Römern sogar des auf allen Predigerkanzeln verkündeten Glaubens, daß bloß die wenigen Auserwählten in den Himmel kommen werden, alle andern als die vielen Berufenen aber werden unfehlbar nach dem ebenso grundfalsch verstandenen jüngsten Gerichtstage schnurgerade in die Hölle auf ewig verworfen werden. –

[HiG.03_47.05.18,02] Damit aber dieser Satz des Evangeliums gründlich verstanden werden möge, will Ich ihn euch in einem Bilde dartun in der Art, wie er so ganz eigentlich im Geiste und in der Wahrheit verstanden werden soll. Und so vernehmet denn das Bild, welches also lautet:

[HiG.03_47.05.18,03] Es war im Morgenlande ein großer, mächtiger und weiser König. Sein Reich war groß, und viele Völker beugten sich unter sein Zepter. Dieser König beschloß einmal bei sich, um seiner Untertanen mannigfache Fähigkeiten näher kennenzulernen, ein übergroßes Gastmahl zu geben, zu dem alle Hausväter mit ihren ältesten Söhnen und Töchtern zu erscheinen geladen wurden, auf daß der König die weisesten und geistreichsten Söhne aus den vielen Geladenen erwählte für seinen mannigfachen Hofdienst, und die Töchter, so sie wohlgestaltet und wohlgebildet wären, zu seinen Weibern und sonstigen Beischläferinnen.

[HiG.03_47.05.18,04] Da aber die Untertanen solche Einladung vernommen hatten, entsetzten sie sich heimlich, da sie meinten, das werde nur ein schlauer Vorwand des mächtigen Königs sein, um sie alle in die Residenz zu locken, und wenn sie dann dort wären, sie dann alle übel umzubringen, und seine Augenweide zu haben am Blute seiner Untertanen. – Daher ließ sich ein jeglicher entschuldigen, und es kam niemand von den Geladenen in den königlichen Palast.

[HiG.03_47.05.18,05] Als aber der König merkte, aus was für heimlichem Grunde die vielen Geladenen zu seinem großen Gastmahle sich nicht zu kommen getrauen, da sagte er zu den Einladern: „Was soll ich nun tun? – Sehet, das große Gastmahl ist bereitet, wer soll es verzehren? Ich sehe aber dennoch viele Neugierige auf den Gassen und auf den Straßen und viele, die auf die Zäune steigen und dort warten und gaffen, um zu sehen, was ich mit den Geladenen und zum Gastmahle Gekommenen tun werde. Gehet daher mit großer Macht hinaus an die Zäune, Gassen und Straßen, und wen immer ihr da treffet, den treibet herein, auf daß mein großes Mahl verzehret werde. Sehet dabei auch nicht auf die geziemende Bekleidung, ob hochzeitlich oder nicht, das ist nun gleich; denn nun handelt es sich vor allem um die Aufzehrung des Mahles, auf daß es nicht verderbe. Ist dieses geschehen, dann erst wollen wir untersuchen, was mein Gastmahl für Gäste hatte, und ob sie wohl alle würdig waren, an diesem meinem Gastmahle teilgenommen zu haben.“

[HiG.03_47.05.18,06] Als die vielen Diener von ihrem großen Könige solches Gebot